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Das PokerStrategy.com Forum » Erweiterte Themenforen » Literatur, Kunst und Kultur » Ich gehe in ein anderes Blau- eine Serie zur Lyrik
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Zum Ende der Seite springen Ich gehe in ein anderes Blau- eine Serie zur Lyrik 10 Bewertungen - Durchschnitt: 6,40
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FrtZ
Black


Dabei seit: 26.08.2006
Beiträge: 3.378

Ich gehe in ein anderes Blau- eine Serie zur Lyrik Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Die Gunst der Stunde nutzend, so viel wie die letzten Tage war hier ja selten los, versuche ich einfach ma einen neuen Thread, nämlich eine Serie zur Lyrik, ins Leben zu rufen.
Postet alles, was mit Lyrik zusammenhängt. Euer Lieblingsgedicht, eine Serie zu einem Dichter oder einer Epoche, ein Gedicht, dass ihr nicht "verstanden" habt und das zu diskutieren euch am Herzen liegt, Texte zur Poetologie, whatever.
Ich werde alle paar Tage eine handvoll Gedichte zu einem Lyriker posten, jedenfalls sofern wenigstens ein kleines Interesse besteht, und darauf achten die Serie möglichst vielfältig zu gestalten.
Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, jemandem etwas Neues zu zeigen, dass ihm gefällt und vielleicht, vielleicht können wir ja sogar den ein oder anderen, der Lyrik für altbacken und scheisse hält, davon überzeugen, wie vielfältig und geil sie in Wirklichkeit ist.


Mein Plan war eigentlich etwas rattenfängerisch mit einem aktuellem, oder jedenfalls aktuellerem Lyriker anzufangen, um mich der "leichteren Verständlichkeit" anzubiedern, aber jetzt bin ich grade in der Uni und hab noch ne halbe Stunde bis es weiter geht und mir ist langweilig und ich hab den Benn dabei und weil der Benn eine Erstnennung durchaus verdient, geht es jetzt also mit ihm los.
Ich werde die Gedichte nicht kommentieren; sie sprechen für sich und für Benn und ich denke ich habe sie repräsentativ genug gewählt, so dass sie einen Eindruck seiner Befindlichkeit und seiner Entwicklung vermitteln.





Gottfried Benn, deutscher Arzt und Dichter
(* 2. Mai 1886 in Mansfeld, Brandenburg; † 7. Juli 1956 in Berlin)

"es gibt nur ein Begegnen: im Gedichte
die Dinge mystisch bannen durch das Wort. "
(Gedichte)




Kleine Aster (1912)

Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.
Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
zwischen die Zähne geklemmt.
Als ich von der Brust aus
unter der Haut
mit einem langen Messer
Zunge und Gaumen herausschnitt,
muß ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende Gehirn.
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle
zwischen die Holzwolle,
als man zunähte.
Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!





O, Nacht:- (1916)

O, Nacht! Ich nahm schon Kokain,
Und Blutverteilung ist im Gange.
Das Haar wird grau, die Jahre flieh’n,
Ich muss, ich muss im Ueberschwange
Noch einmal vorm Vergängnis blühn.

O, Nacht! Ich will ja nicht so viel,
Ein kleines Stück Zusammenballung,
Ein Abendnebel, eine Wallung,
Vom Raumverdrang, von Ichgefühl.

Tastkörperchen, Rotzellensaum
Ein Hin und Her, und mit Gerüchen;
Zerfetzt von Worte-Wolkenbrüchen-:
Zu tief im Hirn, zu schmal im Traum.

Die Steine flügeln an die Erde.
Nach kleinen Schatten schnappt der Fisch.
Nur tückisch durch das Ding-Gewerde
Taumelt der Schädel-Flederwisch.

O, Nacht! Ich mag dich kaum bemühn!
Ein kleines Stück nur, eine Spange
Von Ichgefühl – im Ueberschwange
Noch einmal vorm Vergängnis blühn!

O, Nacht, o leih mir Stirn und Haar,
Verfliess dich um das Tag-verblühte!
Sei, die mich aus der Nervenmythe
Zu Kelch und Krone heimgebar.

O, still! Ich spüre kleines Rammeln:
Es sternt mich an – Es ist kein Spott-:
Gesicht, ich: mich, einsamen Gott,
Sich gross um einen Donner sammeln.




Einsamer nie (1940)

Einsamer nie als im August:
Erfüllungsstunde - im Gelände
die roten und die goldenen Brände,
doch wo ist deiner Gärten Lust?

Die Seen hell, die Himmel weich,
die Äcker rein und glänzen leise,
doch wo sind Sieg und Siegsbeweise
aus dem von dir vertretenen Reich?

Wo alles sich durch Glück beweist
und tauscht den Blick und tauscht die Ringe
im Weingeruch, im Rausch der Dinge -:
dienst du dem Gegenglück, dem Geist






Nur zwei Dinge (1952)

Durch so viele Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinn, ob Sucht, ob Sage-
dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.





Das sind doch Menschen (1954)

Das sind doch Menschen, denkt man,
wenn der Kellner an einen Tisch tritt,
einen unsichtbaren,
Stammtisch oder dergleichen in der Ecke,
das sind doch Zartfühlende, Genüßinge
sicher auch mit Empfindungen und Leid.

So allein bist du nicht
in deinem Wirrwarr, Unruhe, Zittern,
auch da wird Zweifel sein, Zaudern, Unsicherheit,
wenn auch in Geschäftsabschlüssen,
das Allgemein-Menschliche,
zwar in Wirtschaftsformen,
auch dort!

Unendlich ist der Gram der Herzen
und allgemein,
aber ob sie je geliebt haben
(außerhalb des Bettes)
brennend, verzehrt, wüstendurstig
nach einem Gaumenpfirsichsaft
aus fernem Mund,
untergehend, ertrinkend
in Unvereinbarkeit der Seelen -

das weiß man nicht, kann auch
den Kellner nicht fragen,
der an der Registrierkasse
das neue Helle eindrckt,
des Bons begierig,
um einen Durst zu löschen anderer Art,
doch auch von tiefer.





Menschen getroffen (um 55)

Ich habe Menschen getroffen, die,
wenn man sie nach ihrem Namen fragte,
schüchtern – als ob sie gar nicht beanspruchen könnten,
auch noch eine Benennung zu haben –
»Fräulein Christian« antworteten und dann:
»wie der Vorname«, sie wollten einem die Erfassung
erleichtern,
kein schwieriger Name wie »Popiol« oder
»Babendererde« –
»wie der Vorname« – bitte, belasten Sie Ihr
Erinnerungsvermögen nicht!

Ich habe Menschen getroffen, die
mit Eltern und vier Geschwistern in einer Stube
aufwuchsen, nachts, die Finger in den Ohren,
am Küchentisch lernten,
hochkamen, äußerlich schön und ladylike wie
Gräfinnen –
und innerlich sanft und fleißig wie Nausikaa,
die reine Stirn der Engel trugen.

Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,
woher das Sanfte und das Gute kommt,
weiß es auch heute nicht und muß nun gehen.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von FrtZ: 25.10.2011 14:50.

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schrANK111
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WIRKLICHKEIT

Eine Wirklichkeit ist nicht vonnöten,
ja es gibt sie gar nicht, wenn ein Mann
aus dem Urmotiv der Flairs und Flöten
seine Existenz beweisen kann.

Nicht Olympia oder Fleisch und Flieder
malte jener, welcher einst gemalt,
seine Trance, Kettenlieder
hatten ihn von innen angestrahlt.

Angekettet fuhr er die Galeere
tief im Schiffsbauch, Wasser sah er kaum,
Möwen, Sterne - nichts: Aus eigener Schwere
unter Augenzwang entstand der Traum.

Als ihm graute, schuf er einen Fetisch,
als er litt, entstand die Pietà,
als er spielte, malte er den Teetisch,
doch es war kein Tee zum Trinken da.




ist ja ein lustiger zufall, da muß ja der benn einen schluckauf bekommen haben heute.
hier noch paar lieblingsgedicht von benn:




CHOPIN

Nicht sehr ergiebig im Gespräch,
Ansichten waren nicht seine Stärke,
Ansichten reden drum herum,
wenn Delacroix Theorien entwickelte,
wurde er unruhig, er seinerseits konnte
die Notturnos nicht begründen.

Schwacher Liebhaber;
Schatten in Nohant,
wo George Sands Kinder
keine erzieherischen Ratschläge
von ihm annahmen.

Brustkrank in jener Form
mit Blutungen und Narbenbildung,
die sich lange hinzieht;
stiller Tod
im Gegensatz zu einem
mit Schmerzparoxysmen
oder durch Gewehrsalven:
Man rückte den Flügel (Erard) an die Tür
und Delphine Potocka
sang ihm in der letzten Stunde
ein Veilchenlied.

Nach England reiste er mit drei Flügeln:
Pleyel, Erard, Broadwood,
spielte für zwanzig Guineen abends
eine Viertelstunde
bei Rothschilds, Wellingtons, im Strafford House
und vor zahlreichen Hosenbändern;
verdunkelt von Müdigkeit und Todesnähe
kehrte er heim
auf den Square d'Orleans.

Dann verbrennt er seine Skizzen
und Manuskripte,
nur keine Restbestände, Fragmente, Notizen,
diese verräterischen Einblicke -
sagte zum Schluß:
"Meine Versuche sind nach Maßgabe dessen vollendet,
was mir zu erreichen möglich war."

Spielen sollte jeder Finger
mit der seinem Bau entsprechenden Kraft,
der vierte ist der schwächste
(nur siamesisch zum Mittelfinger).
Wenn er begann, lagen sie
auf e, fis, gis, h, c.

Wer je bestimmte Präludien
von ihm hörte,
sei es in Landhäusern oder
in einem Höhengelände
oder aus offenen Terrassentüren
beispielsweise aus einem Sanatorium,
wird es schwer vergessen.

Nie eine Oper komponiert,
keine Symphonie,
nur diese tragischen Progressionen
aus artistischer Überzeugung
und mit einer kleinen Hand.




ASTERN

Astern - schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du -
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.



KANN KEINE TRAUER SEIN

In jenem kleinen Bett, fast Kinderbett, starb die Droste
(zu sehn in ihrem Museum in Meersburg),
auf diesem Sofa Hölderlin im Turm bei einem Schreiner,
Rilke, George wohl in Schweizer Hospitalbetten,
in Weimar lagen die großen schwarzen Augen
Nietzsches auf einem weißen Kissen
bis zum letzten Blick -
alles Gerümpel jetzt oder garnicht mehr vorhanden,
unbestimmbar, wesenlos
im schmerzlos-ewigen Zerfall.

Wir tragen in uns Keime aller Götter,
das Gen des Todes und das Gen der Lust -
wer trennte sie: die Worte und die Dinge,
wer mischte sie: die Qualen und die Statt,
auf der sie enden, Holz mit Tränenbächen,
für kurze Stunden ein erbärmlich Heim.

Kann keine Trauer sein. Zu fern, zu weit,
zu unberührbar Bett und Tränen,
kein Nein, kein Ja,
Geburt und Körperschmerz und Glauben
ein Wallen, namenlos, ein Huschen,
ein Überirdisches, im Schlafsich regend,
bewegte Bett und Tränen —
schlafe ein!





DAS GANZE

Im Taumel war ein Teil, ein Teil in Tränen,
in manchen Stunden war ein Schein und mehr,
in diesen Jahren war das Herz, in jenen
waren die Stürme - wessen Stürme - wer?

Niemals im Glücke, selten mit Begleiter,
meistens verschleiert, da es tief geschah,
und alle Ströme liefen wachsend weiter
und alles Außen ward nur innen nah.

Der sah dich hart, der andre sah dich milder,
der wie es ordnet, der wie es zerstört,
doch was sie sahn, das waren halbe Bilder,
da dir das Ganze nur allein gehört.

Im Anfang war es heller, was du wolltest
und zielte vor und war dem Glauben nah,
doch als du dann erblicktest, was du solltest,
was auf das Ganze steinern niedersah,

da war es kaum ein Glanz und kaum ein Feuer,
in dem dein Blick, der letzte, sich verfing:
ein nacktes Haupt, im Blut, ein Ungeheuer,
an dessen Wimper eine Träne hing.

__________________
Natürlich kann jeder lernen,Gedichte zu schreiben,vor allem deshalb,weil es für das Dichten nicht nur Kreativität und Phantasie bedarf,sondern weil es auch klare Regeln,zahlreiche Tipps und im Prinzip eine Art Anleitung gibt.

Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von schrANK111: 19.11.2011 00:39.

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Egozocker
Silber


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Beiträge: 6.192

RE: Ich gehe in ein anderes Blau- eine Serie zur Lyrik Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von FrtZ
(...)

Mein Plan war eigentlich etwas rattenfängerisch mit einem aktuellem, oder jedenfalls aktuellerem Lyriker anzufangen, um mich der "leichteren Verständlichkeit" anzubiedern,


dann mal nach dem ganzen GeBenne etwas leichter verständliches:


Eigentliche Nichtigkeit

Eigentlich
heißt eigentlich
eigentlich nicht
Das weiß man

und daher auch
daß eigentlich nicht
eigentlich
eigentlich heißt

Dann heißt aber
eigentlich nicht
eigentlich nicht
eigentlich nicht

und daß hieße
daß eigentlich
eigentlich
eigentlich heißt

Wenn dem so ist
was heißt dann noch
eigentlich
irgendetwas?

( Erich Fried)

__________________
Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen (Franz Müntefering, SPD)
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Georg Trakl


Grodek

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt,
Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.



Untergang

An Karl Borromaeas Heinrich

Über den weißen Weiher
Sind die wilden Vögel fortgezogen.
Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.

Über unsere Gräber
Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.

Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
Unter Dornenbogen
O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.





An den Knaben Elis

Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,
Dieses ist dein Untergang.
Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.

Laß, wenn deine Stirne leise blutet
Uralte Legenden
Und dunkle Deutung des Vogelflugs.

Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,
Die voll purpurner Trauben hängt,
Und du regst die Arme schöner im Blau.

Ein Dornenbusch tönt,
Wo deine mondenen Augen sind.
O, wie lange bist, Elis, du verstorben.

Dein Leib ist eine Hyazinthe,
In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.
Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,

Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt
Und langsam die schweren Lider senkt.
Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,

Das letzte Gold verfallener Sterne.

__________________
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Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von schrANK111: 19.11.2011 00:42.

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an dem führt natürlich kein weg vorbei:





BATEAU IVRE


Comme je descendais des Fleuves impassibles,
Je ne me sentis plus guide par les haleurs:
Des Peaux-rouges criards les avaient pris pour cibles,
Les ayant cloues nus aux poteaux de couleurs.

J'étais insoucieux de tous les équipages,
Porteur de blés flamands ou de cotons anglais.
Quand avec mes haleurs ont fini ces tapages,
Les Fleuves m'ont laissé descendre où je voulais.

Dans les clapotements furieux des marées,
Moi, l'autre hiver, plus sourd que les cerveaux d'enfants,
Je courus! et les Péninsules démarrées
N'ont pas subi tohu-bohus plus triomphants.

La tempête a béni mes éveils maritimes.
Plus léger qu'un bouchon j'ai dansé sur les flots
Qu'on appelle rouleurs éternels de victimes,
Dix nuits, sans regretter l'oeil niais des falots!

Plus douce qu'aux enfants la chair des pommes sures,
L'eau verte pénétra ma coque de sapin
Et des taches de vins bleus et des vomissures
Me lava, dispersant gouvernail et grappin.

Et dès lors, je me suis baigné dans le Poème
De la Mer, infusé d'astres, et lactescent,
Dévorant les azurs verts; où, flottaison blême
Et ravie, un noyé pensif parfois descend;

Où, teignant tout à coup les bleuités, délires
Et rythmes lents sous les rutilements du jour,
Plus fortes que l'alcool, plus vastes que nos lyres,
Fermentent les rousseurs amères de l'amour!

Je sais les cieux crevant en éclairs, et les trombes
Et les ressacs et les courants: je sais le soir,
L'Aube exaltée ainsi qu'un peuple de colombes,
Et j'ai vu quelquefois ce que l'homme a cru voir.

J'ai vu le soleil bas, taché d'horreurs mystiques,
Illuminant de longs figements violets,
Pareils à des acteurs de drames très antiques
Les flots roulant au loin leurs frissons de volets!

J'ai rêvé la nuit verte aux neiges éblouies,
Baiser montant aux yeux des mers avec lenteur,
La circulation des sèves inouies,
Et l'éveil jaune et bleu des phosphores chanteurs!

J'ai suivi, des mois pleins, pareille aux vacheries
Hystériques, la houle à l'assaut des récifs,
Sans songer que les pieds lumineux des Maries
Pussent forcer le mufle aux Océans poussifs!

J'ai heurté, savez-vous, d'incroyables Florides
Mêlant aux fleurs des yeux de panthères à peaux
D'hommes! Des arcs-en-ciel tendus comme des brides
Sous l'horizon des mers, à de glauques troupeaux.

J'ai vu fermenter les marais énormes, nasses
Où pourrit dans les joncs tout un Léviathan!
Des écroulements d'eaux au milieu des bonaces,
Et les lointains vers les gouffres cataractant!

Glaciers, soleils d'argent, flots nacreux, cieux de braises,
Echouages hideux au fond des golfes bruns
Où les serpents géants dévorés des punaises
Choient, des arbres tordus, avec de noirs parfums!

J'aurais voulu montrer aux enfants ces dorades
Du flot bleu, ces poissons d'or, ces poissons chantants.
- Des écumes de fleurs ont bercé mes déradees
Et d'ineffables vents m'ont ailé par instants.

Parfois martyr lasse des pôles et des zones,
La mer dont le sanglot faisait mon roulis doux
Montait vers moi ses fleurs d'ombre aux ventouses jaunes
Et je restais, ainsi qu'une femme à genoux...

Presque ile, ballottant sur mes bords les querelles
Et les fientes d'oiseaux clabaudeurs aux yeux blonds.
Et je voguais, lorsqu'à travers mes liens frêles
Des noyés descendaient dormir, à reculons!...

Or moi, bateau perdu sous les cheveux des anses,
Jeté par l'ouragan dans l'éther sans oiseau,
Moi dont les Monitors et les voiliers des Hanses
N'auraient pas repêché la carcasse ivre d'eau;

Libre, fumant, monté de brumes violettes,
Moi qui trouais le ciel rougeoyant comme un mur
Qui porte, confiture exquise aux bons poètes,
Des lichens de soleil et des morves d'azur;

Qui courais, tache de lunules electriques,
Planche folle, escorte des hippocampes noirs,
Quand les juillets faisaient crouler ä coups de triques
Les cieux ultramarins aux ardents entonnoirs;

Moi qui tremblais, sentant geindre ä cinquante lieues
Le rut des Behemots et des Maelstroms epais,
Fileur eternel des immobilites bleues,
Je regrette l'Europe aux anciens parapets!

J'ai vu des archipels sidéraux! et des îles
Dont les cieux délirants sont ouverts au vogueur:
- Est-ce en ces nuits sans fond que tu dorss et t'exiles,
Million d'oiseaux d'or, ô future Vigueur? -

Mais, vrai, j'ai trop pleuré! Les Aubes sont navrantes.
Toute lune est atroce et tout soleil amer:
L'âcre amour m'a gonflé de torpeurs enivrantes.
O que ma quille éclate! O que j'aille à la mer!

Si je désire une eau d'Europe, c'est la flache
Noire et froide où vers le crépuscule embaumé
Un enfant accroupi plein de tristesses, lâche
Un bateau frêle comme un papillon de mal.

Je ne puis plus, baigné de vos langueurs, ô lames,
Enlever leur sillage aux porteurs de cotons,
Ni traverser l'orgueil des drapeaux et des flammes,
Ni nager sous les yeux horribles des pontons!



ich hab 4 übersetzungen davon zu hause, sind die besten mMn und man braucht auch alle:
erste von K.L Ammer, dann Paul Zech, Paul Celan und ne moderne von Hans Therre.
da beneide ich guillaume, das er keine braucht.


http://www.kassiber.de/bateautrunkene.htm
http://www.jandoerffel.de/bateau.html

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und von rimbaud ist es auch nicht weit zu:


Georg Heym



MIT DEN FAHRENDEN SCHIFFEN

Mit den fahrenden Schiffen
Sind wir vorübergeschweift,
Die wir ewig herunter
Durch glänzende Winter gestreift.
Ferner kamen wir immer
Und tanzten im insligen Meer,
Weit ging die Flut uns vorbei,
Und Himmel war schallend und leer.

Sage die Stadt,
Wo ich nicht saß im Tor,
Ging dein Fuß da hindurch,
Der die Locke ich schor?
Unter dem sterbenden Abend
Das suchende Licht
Hielt ich, wer kam da hinab,
Ach, ewig in fremdes Gesicht.

Bei den Toten ich rief,
Im abgeschiedenen Ort,
Wo die Begrabenen wohnen;
Du, ach, warest nicht dort.
Und ich ging über Feld,
Und die wehenden Bäume zu Haupt
Standen im frierenden Himmel
Und waren im Winter entlaubt.

Raben und Krähen
Habe ich ausgesandt,
Und sie stoben im Grauen
Über das ziehende Land.
Aber sie fielen wie Steine
Zur Nacht mit traurigem Laut
Und hielten im eisernen Schnabel
Die Kränze von Stroh und Kraut.

Manchmal ist deine Stimme,
Die im Winde verstreicht,
Deine Hand, die im Traume
Rühret die Schläfe mir leicht;
Alles war schon vorzeiten.
Und kehret wieder sich um.
Gehet in Trauer gehüllet,
Streuet Asche herum.



OPHELIA

I.

Im Haar ein Nest von jungen Wasserratten,
und die beringten Hände auf der Flut
Wie Flossen, also treibt sie durch den Schatten
Des großen Urwalds, der im Wasser ruht.

Die letzte Sonne, die im Dunkel irrt,
Versenkt sich tief in ihres Hirnes Schrein.
Warum sie starb? Warum sie so allein
Im Wasser treibt, das Farn und Kraut verwirrt?

Im dichten Röhricht steht der Wind. Er scheucht
Wie eine Hand die Fledermäuse auf.
Mit dunklem Fittich, von dem Wasser feucht
Stehn sie wie Rauch im dunklen Wasserlauf,

Wie Nachtgewölk. Ein langer, weißer Aal
Schlüpft über ihre Brust. Ein Glühwurm scheint
Auf ihrer Stirn. Und eine Weide weint
Das Laub auf sie und ihre stumme Qual.



II.


Korn. Saaten. Und des Mittags roter Schweiß.
Der Felder gelbe Winde schlafen still.
Sie kommt, ein Vogel, der entschlafen will.
Der Schwäne Fittich überdacht sie weiß.

Die blauen Lider schatten sanft herab.
Und bei der Sensen blanken Melodien
Träumt sie von eines Kusses Karmoisin
Den ewigen Traum in ihrem ewigen Grab.

Vorbei, vorbei. Wo an das Ufer dröhnt
Der Schall der Städte. Wo durch Dämme zwingt
Der weiße Strom. Der Widerhall erklingt
Mit weitem Echo. Wo herunter tönt

Hall voller Straßen. Glocken und Geläut.
Maschinenkreischen. Kampf. Wo westlich droht
In blinde Scheiben dumpfes Abendrot,
In dem ein Kran mit Riesenarmen dräut,

Mit schwarzer Stirn, ein mächtiger Tyrann,
Ein Moloch, drum die schwarzen Knechte knien.
Last schwerer Brücken, die darüber ziehn
Wie Ketten auf dem Strom, und harter Bann.

Unsichtbar schwimmt sie in der Flut Geleit.
Doch wo sie treibt, jagt weit den Menschenschwarm
Mit großem Fittich auf ein dunkler Harm,
Der schattet über beide Ufer breit.

Vorbei, vorbei. Da sich dem Dunkel weiht
Der westlich hohe Tag des Sommers spät,
Wo in dem Dunkelgrün der Wiesen steht
Des fernen Abends zarte Müdigkeit.

Der Strom trägt weit sie fort, die untertaucht,
Durch manchen Winters trauervollen Port.
Die Zeit hinab. Durch Ewigkeiten fort,
Davon der Horizont wie Feuer raucht.





ALLE LANDSCHAFTEN HABEN


Alle Landschaften haben
Sich mit Blau erfüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Leichte Geschwader, Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels dahinter
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.







LETZE WACHE



Wie dunkel sind Deine Schläfen.
Und Deine Hände so schwer.
Bist Du schon weit von dannen,
Und hörst mich nicht mehr.

Unter dem flackenden Lichte
Bist Du so traurig und alt,
Und Deine Lippen sind grausam
In ewiger Starre gekrallt.

Morgen schon ist hier das Schweigen
Und vielleicht in der Luft
Noch das Rascheln von Kränzen
Und ein verwesender Duft.

Aber die Nächte werden
Leerer nun, Jahr um Jahr.
Hier wo Dein Haupt lag, und leise
Immer Dein Atem war.

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Natürlich kann jeder lernen,Gedichte zu schreiben,vor allem deshalb,weil es für das Dichten nicht nur Kreativität und Phantasie bedarf,sondern weil es auch klare Regeln,zahlreiche Tipps und im Prinzip eine Art Anleitung gibt.
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Guillaume
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Ja schwierig eine Übersetzung zu finden die das Original würdig ist. Ich habe mich stunden damit ins Netz für Baudelaires "die Reise" durchgeschlagen, mit sehr mäßigen Erfolg. Keine Ahnung warum man darauf besteht das sich die Übersetzung reimt, wenn man dadurch das Gedicht dann unmöglich ganz treu bleiben kann.

Na dann, um Gerecht zu bleiben, trage ich zu diesen Thread bei in dem ich einen Gedicht poste den ich als Franzose auch nur so halb verstehen kann. Von den "ersten Nachtigall Frankreichs" :

Ballade des dames du temps jadis

Dictes moy où, n'en quel pays, Sagt mir, in welchem Land
Est Flora, la belle Romaine; ist Flora, die schöne Römerin,
Archipiada, ne Thaïs, Alkibiades und Thaïs,
Qui fut sa cousine germaine; [ihre] Zwillingsschwester,
Echo, parlant quand bruyt on maine Echo, die spricht, wenn man Lärm macht
Dessus rivière ou sus estan, auf dem Fluss oder dem Teich,
Qui beaulté ot trop plus qu'humaine? und die von übermenschlicher Schönheit war?
Mais où sont les neiges d'antan! Doch wo ist der Schnee vom letzten Jahr?

Où est la très sage Helloïs, Wo ist die äußerst weise Heloïse,
Pour qui fut chastré et puis moyne für die entmannt und später Mönch ward
Pierre Esbaillart à Saint-Denis? Peter Abelard in Saint Denis?
Pour son amour ot cest essoyne. Für seine Liebe litt er solche Pein.
Semblablement, où est la royne Wo ist gleichermaßen die Königin,
Qui commanda que Buridan die befahl, dass Buridan
Fust gecté en ung sac en Saine? in einem Sack in die Seine geworfen wurde?
Mais où sont les neiges d'antan! Und wo ist der Schnee vom letzten Jahr?

La royne Blanche comme lis, Die Königin Lilienweiß,
Qui chantoit à voix de seraine; die mit Sirenenstimme sang,
Berte au grant pié, Bietris, Allis;Bertha vom großen Fuß, Béatrix, Aélis,
Haremburgis qui tint le Maine, Eremberg, die das Maine besaß,
Et Jehanne, la bonne Lorraine, und Jeanne, die gute Lothringerin,
Qu'Englois brulerent à Rouan; die die Engländer in Rouen verbrannten,
Où sont elles, Vierge souvraine? wo sind sie, wo, hehre Jungfrau?
Mais où sont les neiges d'antan! Doch wo ist der Schnee vom letzten Jahr?

Prince, n'enquerez de sepmaine Prinz, frage nicht in einer Woche,
Où elles sont, ne de cest an, wo sie sind, nicht dieses Jahr!
Qu'à ce reffrain ne vous remaine: Uns bleibt nur dieser eine Reim:
Mais où sont les neiges d'antan! Wo ist der Schnee vom letzten Jahr?

Und dann die Musikalische Version davon, von der wohl größter Chansonnier Frakreichs.



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Dylan Thomas




FERN HILL


Now as I was young and easy under the apple boughs
About the lilting house and happy as the grass was green,
The night above the dingle starry,
Time let me hail and climb
Golden in the heydays of his eyes,
And honoured among wagons I was prince of the apple towns
And once below a time I lordly had the trees and leaves
Trail with daisies and barley
Down the rivers of the windfall light.

And as I was green and carefree, famous among the barns
About the happy yard and singing as the farm was home,
In the sun that is young once only,
Time let me play and be
Golden in the mercy of his means,
And green and golden I was huntsman and herdsman, the calves
Sang to my horn, the foxes on the hills barked clear and cold,
And the sabbath rang slowly
In the pebbles of the holy streams.

All the sun long it was running, it was lovely, the hay
Fields high as the house, the tunes from the chimneys, it was air
And playing, lovely and watery
And fire green as grass.
And nightly under the simple stars
As I rode to sleep the owls were bearing the farm away,
All the moon long I heard, blessed among stables, the nightjars
Flying with the ricks, and the horses
Flashing into the dark.

And then to awake, and the farm, like a wanderer white
With the dew, come back, the cock on his shoulder: it was all
Shining, it was Adam and maiden,
The sky gathered again
And the sun grew round that very day.
So it must have been after the birth of the simple light
In the first, spinning place, the spellbound horses walking warm
Out of the whinnying green stable
On to the fields of praise.

And honoured among foxes and pheasants by the gay house
Under the new made clouds and happy as the heart was long,
In the sun born over and over,
I ran my heedless ways,
My wishes raced through the house high hay
And nothing I cared, at my sky blue trades, that time allows
In all his tuneful turning so few and such morning songs
Before the children green and golden
Follow him out of grace.

Nothing I cared, in the lamb white days, that time would take me
Up to the swallow thronged loft by the shadow of my hand,
In the moon that is always rising,
Nor that riding to sleep
I should hear him fly with the high fields
And wake to the farm forever fled from the childless land.
Oh as I was young and easy in the mercy of his means,
Time held me green and dying
Though I sang in my chains like the sea.



FERN HILL

Als ich jung war und leicht unter den Apfelzweigen

Durch das trällernde Haus, und glücklich wie das Gras grün
und die Nacht überm Tal voll Sternen,

Ließ Zeit mich jubeln und klettern

Golden in der Blütezeit ihrer Augen,

Und geehrt bei den Heuwagen war ich Prinz der Apfelstädte,

Und einmal vor tiefer Zeit befahl ich den Bäumen und Blättern

Mit Maßliebchen und Gerste

Die Flüsse des Fallobstlichtes hinunterzuziehen.

Und ich war grün und sorglos, berühmt unter den Scheunen

Auf dem glücklichen Hof, und singend da die Farm mein Heim war,
In der Sonne, die nur einmal jung ist,
Ließ Zeit mich spielen und sein,

Golden in der Gnade ihrer Möglichkeiten,

Und grün und golden war ich Jäger und Hirte, die Kälber

sangen zu meinem Horn, auf den Hügeln die Füchse bellten
 klar und kalt,
Und der Sabbath läutete langsam

In den Kieseln der heiligen Bäche.

Die ganze Sonne lang war es Rennen, war es herrlich, die Heu-
Felder hoch wie das Haus, Die Lieder aus den Schornsteinen, 
es war Luft,

Und Spielen, herrlich und nass

Und Feuer grün wie Gras.

Und nächtens, unter den einfachen Sternen

Während ich schlafen ritt, trugen die Eulen den Hof davon,
den ganzen Mond lang hörte ich, gesegnet unter den Ställen, die
 Nachtschwalbe

Fliegen mit den Heuschobern, und die Pferde

Flackern ins Dunkel.

Und dann zu erwachen, und die Farm, wie ein Wandrer weiß,
Von Tau, kommt zurück, mit dem Hahn auf der Schulter: Es war alles
Strahlend, es war Adam und junge Frau,
Der Himmel versammelte sich wieder

Und die Sonne wurde an jenem Tage rund.

So muss es gewesen sein nach der Geburt des einfachen Lichts

Am ersten wirbelnden Ort, als die verzauberten Pferde liefen,
Warm aus dem wiehernden grünen Stall

Auf die Felder des Jubels.

Und geehrt von Füchsen und Fasanen bei dem heiteren Haus

Unter den frisch gemachten Wolken und glücklich wie das Herz lang war,
In der Sonne geboren wieder und wieder,
Rannte ich meine achtlosen Pfade.

Meine Wünsche jagten durchs haushohe Heu
Und nicht kümmerte mich, bei meinen himmelblauen Geschäften, dass
 Zeit

In all ihren klingenden Biegungen so wenige und nur solche
 Morgenlieder 
erlaubt,
Bevor die Kinder grün und golden

Ihr folgen aus der Gnade.

Nicht kümmerte mich, in den lammweißen Tagen, dass Zeit mich

Hinauf in den gedrängten Schwalbenschlag führen würde am Schatten meiner Hand
Im Mond, der immer steigt,

Noch, dass ich sie beim Schlafenreiten

Fliegen hören würde mit den hohen Feldern

Und erwachen würde, der Hof für immer entflohen aus dem
 kindlosen Land.

Ach, als ich jung war und leicht in der Gnade ihrer Möglichkeiten,
hielt mich Zeit grün und sterbend,
Ob ich auch sang in meinen Ketten wie die See.




I DREAMED MY GENESIS



I dreamed my genesis in sweat of sleep, breaking
Through the rotating shell, strong
As motor muscle on the drill, driving
Through vision and the girdered nerve.

From limbs that had the measure of the worm, shuffled
Off from the creasing flesh, filed
Through all the irons in the grass, metal
Of suns in the man-melting night.

Heir to the scalding veins that hold love's drop, costly
A creature in my bones I
Rounded my globe of heritage, journey
In bottom gear through night-geared man.

I dreamed my genesis and died again, shrapnel
Rammed in the marching heart, hole
In the stitched wound and clotted wind, muzzled
Death on the mouth that ate the gas.

Sharp in my second death I marked the hills, harvest
Of hemlock and the blades, rust
My blood upon the tempered dead, forcing
My second struggling from the grass.

And power was contagious in my birth, second
Rise of the skeleton and
Rerobing of the naked ghost. Manhood
Spat up from the resuffered pain.

I dreamed my genesis in sweat of death, fallen
Twice in the feeding sea, grown
Stale of Adam's brine until, vision
Of new man strength, I seek the sun.



ICH TRÄUMTE MEINE GENESIS



Ich träumte meine Genesis im Schweiß des Schlafes, brach
Durch die drehende Muschel, stark
Wie Motor-Muskel auf dem Bohrer, trieb
Durch Visionen und den gegürteten Nerv

Von Gliedern weg vom Ausmaß eines Wurms, schob ich mich
Weg vom faltigen Fleisch, feilte mich
Durch die Eisen in dem Gras, Metall
Der Sonnen in der menschenschmelzenden Nacht.

Erbe der grindigen Adern mit Liebestropfen, kostbare
Kreatur in meinen Knochen, umrundete
Ich mein ererbtes Gut, Reise
Im Kriechgang durch nachtgekleidete Menschen.

Ich träume meine Genesis, starb wieder, Schrapnell
Rammte ins marschierende Herz, Loch
in der genähten Wunde und verklumpfter Wind, roch
Tod auf dem Mund, der das Gras aß.

Scharf sah im zweiten Tod ich Berge, Ernte
Von Schierling und von Klingen, Rost war
Mein Blut auf den sanften Toten, trieb an
Mein zweites Mühen aus dem Gras.

Und Kraft war verpestet in meiner Geburt, zweites
Auferstehn des Skeletts und
Wiederbekleidung nackten Geistes. Menschheit
Spritzte hoch aus dem wiedererlittenem Schmerz.

Ich träumte meine Genesis im Schweiß des Todes, zweimal
Ins nährende Meer gefallen, dumpf
Geworden von Adams Träne, bis ich, Vision
von des neuen Menschen Stärke, die Sonne suche.





DO NOT GO GENTLE INTO THAT GOOD NIGHT

Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rage at close of day;
Rage, rage against the dying of the light.

Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night.

Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light.

Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night.

Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light.

And you, my father, there on the sad height,
Curse, bless me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light.




GEHT NICHT GELASSEN IN DAS SANFTE NICHTS



Geht nicht gelassen in das sanfte Nichts,
Brennt, Jahre, tobt doch, endet sich der Lauf;
Schäumt, schäumt vor Zorn, wenn hinstirbt Tag und Licht.

Der Weise selbst, der Dunklem Recht zuspricht,
Fuhr doch kein Blitz aus seinen Worten auf,
Geht nicht gelassen in das sanft Nichts.

Der Gute, da die letzte Welle bricht,
Beschwört der kleinen Sünden Glanz herauf,
Schäumt, schäumt vor Zorn, wenn hinstirbt Tag und Licht.

Der Wilde, der die Sonne fing, vertrieb,
Und viel zu spät begriff, was er ihr tat,
Geht nicht gelassen in das sanft Nichts.

Der Ernste, todnah, schon sein Blick verwischt,
sieht wie ein blindes Auge leuchtet auf,
Schäumt, schäumt vor Zorn, wenn hinstirbt Tag und Licht.

Mein Vater, alt und gram, erhöre mich,
Gib Fluch und Segen mir mit wilden Tränen.
Geht nicht gelassen in das sanft Nichts.
Schäumt, schäumt vor Zorn, wenn hinstirbt Tag und Licht.

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geil, noch ein thread zum zuspammen:

Rainer Maria Rilke

DIE ERSTE ELEGIE.

Wenn ich nicht schriee, wer hörte mich denn aus der Engel
Unordnung? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich mählich ans Herz: ich verginge nicht
von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nicht
des Schrecklichen Anfang, den wir nicht mehr ertrügen,
und wir verachten es so, weil es gelassen versucht,
uns zu behüten. Kein Engel ist schrecklich.
Und so halt ich nicht länger an mich und lasse den Lockruf
helles Gelächter laut werden. Ach, wen vermögen wir
nicht alles zu brauchen! Engel, Menschen,
und die hilflosen Tiere merken es nicht,
daß wir nur allzu verläßlich zu Hause sind
in der ungedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
kein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern nicht
und nicht das verwahrloste Treusein einer Gewohnheit,
der es bei uns nicht gefiel, und so ging sie und blieb nicht.
O und die Nacht, die Nacht, wenn kein Wind voller Weltraum
uns am Angesicht zehrt -, wem bliebe sie, die ersehnte,
sanft befriedigende, welche dem einzelnen Herzen
mühelos bevorsteht. Ist sie den Liebenden schwerer?
Ach, sie verdeckt sich miteinander ihr Los nicht.
Weißt dus nicht mehr? Wirf aus den Armen die Fülle
aus den Räumen fort, die uns ersticken; vielleicht daß die Vögel
die verminderte Luft nicht fühlen mit weniger innigem Flug.
Nein, die Frühlinge brauchen dich nicht. Daß du ihn spürest,
mutete dir kein Stern zu. Es hob sich
im Künftigen keine Woge heran, oder
da du vorüberlamst am geschlossenen Fenster,
gab keine Geige sich hin. Kein Auftrag war da,
nichts zu bewältigen. Von keiner Erwartung mehr
warst du zerstreut, und es kündigte nichts
dir eine Geliebte an. ( Wo hättest du sie ausgesetzt,
da doch kein großer Gedanke bei dir
aus und ein geht und keiner bleibt über Nacht .)
Widerts dich aber, singe die Liebenden nicht;
allzu unsterblich ist längst ihr berühmtes Gefühl.
Jene, du neidest sie nicht, Verlassenen, die du
so viel fühlloser fandest als die Gestillten. Auf gib
für immer die längst erreichte Preisung; denk:
es verliert sich der Held, selbst der Untergang war ihm
nur ein Vorwand, nicht da zu sein: sein letzter Tod.
Aber die Liebenden nimmt die erfrischte Natur
in sich nicht zurück, als wären zweimal die Kräfte,
dies zu verweigern. Der Gaspara Stampa hast du
zuviel gedacht, daß irgendein Mädchen,
dem der Geliebte zuflog, am verminderten Beispiel
dieser Liebenden fühlt: daß ich nicht würde wie sie?
Sollen nicht endlich uns diese frühesten Freuden
fruchtbarer werden? Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
uns an den Geliebten binden und bebend versagen:
wie der Pfeil die Sehne verläßt, um zerstreut im Absprung
weniger als er selbst zu sein. Denn überall ist die Bleibe.

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Freut mich ja ehrlich, dass du Feuer gefangen hast, aber ich glaub fast, dass gerade bei Lyrik Spam der Sache nicht dienlich ist. Wenn man so überrollt wird haben die einzelnen Gedichte ja garkeine Zeit mehr ihre Wirkung zu entfalten und verpuffen in der Nichtigkeit. Zumal das ja ne echte Schande um jedes einzelne der von euch bisher geposteten Gedichte wär. Also werd ich mich ma noch 1-2 Tage zurück halten und dann gehts weiter, ich denke mit einer Serie zu Wolf Wondratschek.
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Vielen Dank für die Einblick ins Deutsch Lyrik. Ich muss aber leider zugeben daß es mir viel schwerer fällt diese Werke nachvollzuziehen als z.B Englische Poesie, obwohl mein Deutsch eigentlich um einiges besser ist als mein Englisch.

Deutsche Grammatik ist sehr schön und unglaublich vielfältig (wenn man der 15-jährigen ich gesagt hätte das er ein paar Jahren später sowas sagen würde, hätte er sich wohl direkt aus ne Klippe gestürzt), dafür umso schwerer zu begreifen sobald sie anspruchvollere Zwecken erfüllt, und man sich den für den täglichen Gebrauch geeignete Satzkonstruktionen und Wortschatz entfernt.

Fiel mir bei Rilke aber schon deutlich leichter, was vielleicht aber auch daran liegt daß seine Werke mir schon eher vertraut sind als den anderen (den ich zugeben muß daß ich ihre Namen nicht mal kannte).

Ich wollte auch fragen ob ihr vielleicht irgendwelche Links zu ein paar Übersetzungen zu Rimbaud usw. von Stefan Zweig, würde mich durchaus interesieren, da ich den Autor in meine spät Adoleszenz viel gelesen habe.

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Erich Kästner



Sachliche Romanze
Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.






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Zitat:
Original von IgorTheTigor
Erich Kästner



Sachliche Romanze
Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.






Errinert mich an eine anderes Gedicht zu ähnlichen Thema :

Frühstück

Er goß den Kaffee
In die Tasse
Er goß die Milch
In die Kaffeetasse
Er tat den Zucker
In den Milchkaffee
Mit dem kleinen Löffel
Rührte er den Kaffee um
Und trank ihn
Er stellte die Tasse ab
Ohne ein Wort
Er zündete
Eine Zigarette an
Er blies Ringe
Aus Rauch
Er streifte die Asche
In den Aschenbecher
Ohne ein Wort
Ohne einen Blick
Er setzte den Hut auf
Er zog den Regenmantel an
Denn es regnete
Erging
Ohne ein Wort
Ohne einen Blick
Und ich
Schlug die Hände vors Gesicht
Und weinte.

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Zitat:
Original von FrtZ
Freut mich ja ehrlich, dass du Feuer gefangen hast, aber ich glaub fast, dass gerade bei Lyrik Spam der Sache nicht dienlich ist. Wenn man so überrollt wird haben die einzelnen Gedichte ja garkeine Zeit mehr ihre Wirkung zu entfalten und verpuffen in der Nichtigkeit. Zumal das ja ne echte Schande um jedes einzelne der von euch bisher geposteten Gedichte wär. Also werd ich mich ma noch 1-2 Tage zurück halten und dann gehts weiter, ich denke mit einer Serie zu Wolf Wondratschek.



sorry, wußte ich jetzt nicht, daß es der sache nicht dienlich ist, in einem lyrikthread viele gedichte zu posten.


Rainer Maria Rilke


DIE ERSTE ELEGIE


Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen
wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
und die findigen Tiere merken es schon,
dass wir nicht sehr verlässlich zu Haus sind
in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
irgend ein Baum an dem Abhang, dass wir ihn täglich
wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.
O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
uns am Angesicht zehrt -, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
Ach, sie verdecken sich nur mit einander ihr Los.
Weißt du's noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere
zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht da die Vögel
die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.

Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche
Sterne dir zu, dass du sie spürtest. Es hob
sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,
gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
Aber bewältigtest du's? Warst du nicht immer
noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles
eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
da doch die großen fremden Gedanken bei dir
aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange
noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn
immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;
denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm
nur ein Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.
Aber die Liebenden nimmt die erschöpfte Natur
in sich zurück, als wären nicht zweimal die Kräfte,
dieses zu leisten. Hast du der Gaspara Stampa
denn genügend gedacht, dass irgend ein Mädchen,
dem der Geliebte entging, am gesteigerten Beispiel
dieser Liebenden fühlt: dass ich würde wie sie?
Sollen nicht endlich uns diese ältesten Schmerzen
fruchtbarer werden? Ist es nicht Zeit, dass wir liebend
uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn:
wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.




























das hier so ein klassiker von rilke - bin zwar nicht sooo der rilke-jünger: aber dieses ist wirklich richtig stark.



DER PANTHER

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

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Charles Bukowski


http://www.simfy.de/artists/2258-Goetz-G...harles-Bukowski

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das kästner-gedicht vom Tigor ist übrigens vom versmaß nicht ganz gewöhnlich.
normalerweise wechseln sich ja in diesen gereimten deutschen gedichten hebungen und senkungen regelmäßig ab (jambus oder trochäus) wie hier (betonte silben immer fett gedruckt):

Im Haar ein Nest von jungen Wasserratten,
und die beringten Hände auf der Flut
Wie Flossen, also treibt sie durch den Schatten
Des großen Urwalds, der im Wasser ruht.


kästners gedicht besteht aber nun auch aus daktylen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Daktylus ), also öfter mal eine betonte silbe und 2 senkungen dannach eingeschoben. das erinnert an hohe formen griechischer lyrik ( oden, hymnen zb ).

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.


in kästners gedicht gehts nu aber um ne ziemlich banale tristesse - ich würde aber sagen, daß hier allein schon durch die form inhalt ausgedrückt wird: dadurch das eine hohe form gewählt wird, aber mit dem inhalt diese erwartung nicht erfüllt wird -- fällt einem das fehlen dieses inhalts, also der liebe, umso mehr auf.
wenn man es sich laut vorspricht, bekommt es auch so einen singsang, wie ne platte, die einen sprung hat.

in der 3. strophe, 3.zeile passiert es nu das erste und einzige mal in diesem gedicht, daß zwei betonte silben aneinanderknallen:

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es re schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

da man irgendwo nicht irgendwo betonen kann und zeit hier immer betont werden muß, knallt es dort - da das wohl kaum ein zufall ist, fragt man sich, warum?
im gedicht ist es die stelle, wo die e schon dünne handlung ihren nullpunkt erreicht ( irgendeine zeit vergeht und nu soll halt kaffee getrunken werden): und ich glaube, daß ist genau der punkt .. hier ist ein ausmaß an leere und belanglosigkeit erreicht, daß das gedicht der meinung ist, es müßte hier knallen -- bzw kästner fordert die beiden nur durch diesen technischen trick auf, es doch endlich mal knallen zu lassen, wie ein weckruf, da alles besser wäre als dieses unerträglichen schweigen zwischen den beiden.

edit: in der zweiten strophe beginnt die frau zu weinen - auf so einen gefühlsausbruch erwartet man ja von dem anderen in einer liebesbeziehung eine reaktion: in der 3. strophe rückt der point of view dann auch auf ihn .. aber dadurch, daß man wie oben beschrieben an der stelle nach zeit eine pause machen, die luft einatmen und anhalten muß beim (vor)lesen (gezwungenermaßen durch die zwei betonten silben nacheinander), wird auf diese fehlende reaktion aufmerksam gemacht, der ausbleibenden dialog besonders hervorgehoben.
eigentlich müßte da dringenst sowas kommen wie - und zeit sich endlich mal auszusprechen (sinngemäß): aber es passiert garnichts - die chance ist vertan.




das soll nicht in stein gemeißelt sein, hab dieses gedicht vor diesem thread nie bewußt gesehen - dann vorhin automatisch das versmaß gezählt und dann ist mir dieses auffällige zusammenstoßen zweier betonter silben aufgestoßen und dann hab ich mir was drumherum gebastelt.
wem das zu weit geht oder wer irgendwo ne interpretation findet, die dem widerspricht - immer her damit

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schrANK111
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William Carlos Williams





THE RED WHEELBARROW



so much depends
upon

a red wheel
barrow

glazed with rain
water

beside the white
chickens.

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Egozocker
Silber


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dann mal was aus diesem Jahrtausend:

innen

die hand des sohnes voller feuerkäfer
er fing sie am frühen vormittag
als das frühstück noch auf dem tisch
und keine post im kasten lag

die bäume fahren finger aus
jeder will verführen
ich duschte wusch das lange haar
flüchtige allüren

der frühling steckt das land in brand
mein sohn das feuer in der hand
steht wie ein zwerg im garten
ich stehe hinter einer wand

und will wie immer warten
auf den mann sein wort
sein ohr am bauch und auch
auf die schwalben die starten

wie die mutter sagt aus jerusalem
sah man sie bereits ziehen
hier hängen erste eier am strauch
ich stehe wie ausgeliehen

und wollte doch jagen
durch den tag als wäre es ein rennen
stattdessen versuche ich heimlich mir
das herz aus der hose zu trennen

und sehe den sohn wie er die käfer hält
wie geldmünzen fest in der hand
und langsam linie um linie
fährt ein dünner riss durch die wand

(Juliane Blech)

__________________
Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen (Franz Müntefering, SPD)
Feedbackthread
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Guillaume
Diamant


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rags, bottles, sacks
Charles Bukowski

as a boy
I remember the sound
of:
"RAGS! BOTTLES! SACKS!"

"RAGS! BOTTLES! SACKS!"
it was during the
Depression
and you could hear the
voice
long before you saw the
old wagon
and the
old tired
swaybacked horse.

then you heard the
hooves:
clop, clop, clop . . .

and then you saw the
horse and the
wagon

and it always seemed
to be
on the hottest summer
day:

"RAGS! BOTTLES! SACKS!"

oh
that horse was so
tired--
white streams of
saliva
drooling
as the bit dug into
the
mouth

he pulled an intolerable
load
of
rags, bottles, sacks

I saw his eyes
large
in agony

his ribs
showing

the giant flies
whirled and landed upon
raw places on his
skin.

sometimes
one of our fathers would
yell:
"Hey! Why don't you
feed that horse, you
bastard!
"

the man's answer was
always the
same:
"RAGS! BOTTLES! SACKS!"

the man was
incredibly
dirty, un-
shaven, wearing a crushed
and stained
fedora

he
sat on top of
a large pile of
sacks

and
now and
then
as the horse seemed to
miss
a step

this man would
lay down
the long whip . . .

the sound was like a
rifle shot

a phalanx of flies would
rise
and the horse would
yank forward
anew

the hooves slipping and
sliding on the hot
asphalt

and then
all we could
see
was the back of the
wagon
and
the massive mound of
rags and bottles
covered with
brown
sacks

and
again
the voice:
"RAGS! BOTTLES! SACKS!"

he was
the first man
I ever wanted to
kill

and
there have been
none
since.

__________________
You're talking shit... AGAIN!

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schrANK111
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Friederike Mayröcker




("Winter-Nachtigall")


o!die ganze Herde;die Hufe; die Hilferufe; die Hingabe der Sterne;
die ganze Verklärung der entkernten Kinder-Nüsse (Störche
die aufgehn in Zuckerwasser;
Rosen in weiszem Sirup;
grünende Zephire)

gebettet im verständlichen Hymnus; in den geschickten
Polsterungen der Sinne;
im Auto verschränkt(aujourd´hui Neuschnee Rose
stein-blau nach unzerbrechlichen Theorien!)

ich erreiche dich nicht; nicht in schlanken Äonen; nicht im
Jägerlatein;
deine Zeit ist verzehrt; dein Blut ist verwirkt;
wir sind verloren; wir haben verspielt;
wir spielen auch nicht um den Preis unseres Abschieds

( .."eine Winter-Nachtigall in deinem Herzen"
.."eine Rose in meiner Hand"
.."ein Stern in deiner Brust"
.."ein Kind an meinen Augen"
.."was schön ist. .")

eine Dämmer-Schere; ein Schwan; eine Kälte;
Zwinger; Gerüstwerk;Freigiebigkeit aus Verzweiflung;
Kalkgeäder; Verkettung; verlorene Frost-Hunde am
Halfter;
versteinte Züge;Angstwalze;Dampf;
Hände übers Gesicht geschlagen;
darunter Lächeln in Sekunden verschneit

...so hingestreckt in Trauer

("blühende Asche---")














Ernst Jandl



VERSUCH, ZU EINEM GEDICHT VON FRIEDERIKE MAYRÖCKER ETWAS ZU SAGEN


Das Gedicht heißt:
("Winter-Nachtigall")
Ich sage dazu:
Dieses Gedicht ist von Friedericke Mayröcker und heißt
("Winter-Nachtigall"). Jetzt weiß ich, wie ich es benennen kann:
("Winter-Nachtigall"). Jetzt will ich es kennen.
Das Gedicht heißt
("Winter-Nachtigall")
Ich sage dazu:
Winter ist die Zeit, und die Region, des Frostes. Die Nachtigall ist
ein Zugvogel, der für diese Zeit diese Region verläßt. Der Winter ist
das Alter des Lebens. Die Nachtigall ist Sommer und süßer Gesang.
Die Nachtigall ist ein romantischer Vogel. Die Winternachtigall
singt nur: für dieses Gedicht
Das Gedicht beginnt:
o!die ganze Herde;die Hufe; die Hilferufe; die Hingabe der Sterne;
ich sage dazu:
Es beginnt wie ein erschreckender Traum.
Das Gedicht beginnt nochmals und sagt:
o!die ganze Herde;die Hufe; die Hilferufe; die Hingabe der Sterne;
die ganze Verklärung der entkernten Kinder-Nüsse (Störche
die aufgehn in Zuckerwasser;
Rosen in weiszem Sirup;
grünende Zephire)
Ich sage dazu:
Es beginnt wie ein erschreckender Traum, aber dann wird alles ganz
ruhig. Etwas ist in einem schrecklichen Abgrund versunken. Aber
dann sehe ich den Himmel mit Sternen bedeckt, und die Sterne
gehören mir. Solange ich ein Kind bin, gehören die Sterne mir. Es
ist Nikolaustag, wir Kinder haben Nüsse bekommen. Ich habe
einen kleinen Zuckerstorch in ein Glas getan, und er ist
zergangen. Jetzt sind alle Nüsse leer. Ich bin schon lange kein Kind
mehr. Aber ich träume davon. Es ist Winter. Aber ein milder Wind
wird aufkommen und das Land wieder grün machen. Ich habe fast
vergessen, wieviel schon im Abgrund versunken ist.
Das Gedicht hat gesagt:
o!die ganze Herde;die Hufe; die Hilferufe; die Hingabe der Sterne;
die ganze Verklärung der entkernten Kinder-Nüsse (Störche
die aufgehn in Zuckerwasser;
Rosen in weiszem Sirup;
grünende Zephire)
Das Gedicht sagt:
gebettet im verständlichen Hymnus; in den geschickten
Polsterungen der Sinne;
im Auto verschränkt(aujourd´hui Neuschnee Rose
stein-blau nach unzerbrechlichen Theorien!)
Ich sage dazu:
Ich kenne eine Hymne, einen Lobgesang. Ich habe einen Lobgesang
gekannt. Und ich habe ihn verstanden. Alles war darin enthalten,
Gott, die ganze Schöpfung, und ich. Ich war eingebettet darin, und
es gab keinen Tod. Und noch etwas anderes gab mir vollkommene
Sicherheit: ich konnte die Welt in mich aufnehmen, mit allen
meinen Sinnen, schauend, hörend, riechend, schmeckend, tastend;
ich konnte die Welt in mich aufnehmen mit allen meinen Sinnen,
und jede Bangigkeit war wie weggewischt. Und ich konnte mich
anvertrauen, wie dem guten Fahrer eines sicheren Wagens, ich
mußte mich um nichts kümmern und würde das Ziel wohlbehalten
erreichen. Und ich konnte mich den Wörtern anvertrauen, die mich
nie im Stich lassen würden, schönen Wörtern wie "Neuschnee",
"Rose","stein-blau", oder einem französischem, ich hatte die
Sprache zu lernen begonnen,"aujourd´hui" - "heute", in dieser
schönen Sprache; alles gab Sicherheit, alles war ausgedacht, "nach
unzerbrechlichen Theorien", und ich mußte mich an den Abgrund
nicht erinnern.
Das Gedicht aber sagt:
ich erreiche dich nicht; nicht in schlanken Äonen; nicht im
Jägerlatein;
Ich sage dazu:
Ich erreiche das Kind nicht, das ich einmal war; oder: ich erreiche
dich nicht, wer immer du bist; oder: ich erreiche dich nicht,
Geliebter; oder: ich erreiche dich nicht, Gott; alle Zeit reicht nicht
aus, dich zu erreichen; alle Geschichten, die ich mir zurechtmachen
kann, reichen nicht aus, dich zu erreichen.
Das Gedicht hat gesagt:
ich erreiche dich nicht; nicht in schlanken Äonen; nicht im
Jägerlatein;
Das Gedicht sagt:
deine Zeit ist verzehrt; dein Blut ist verwirkt;
wir sind verloren; wir haben verspielt;
wir spielen auch nicht um den Preis unseres Abschieds
Ich sage dazu:
Ich habe mir das Leben ganz anders gedacht; ich bin in einen
Zustand ohne Hoffnung geraten; aber ich bin nicht bereit, mich
von dir zu trennen, wer immer du bist; und ich bin nicht bereit, mich
von mir, wer immer ich bin, zu trennen.
Das Gedicht hat gesagt:
deine Zeit ist verzehrt; dein Blut ist verwirkt;
wir sind verloren; wir haben verspielt;
wir spielen auch nicht um den Preis unseres Abschieds
Das Gedicht sagt:
( .."eine Winter-Nachtigall in deinem Herzen"
.."eine Rose in meiner Hand"
.."ein Stern in deiner Brust"
.."ein Kind an meinen Augen"
.."was schön ist. .")
Ich sage dazu:
Ich spreche mit dir, wer immer du bist. Ich spreche mit mir, wer
immer ich bin. Es ist Winter. Aber es gibt noch Gesang. Es gibt
noch, was schön ist: das Herz, die Rose, die Hand, den Stern - in
deiner, meiner, Brust. Es gibt noch, was schön ist, wir können es,
noch, benennen, wer immer wir sind.
Das Gedicht hat gesagt:
( .."eine Winter-Nachtigall in deinem Herzen"
.."eine Rose in meiner Hand"
.."ein Stern in deiner Brust"
.."ein Kind an meinen Augen"
.."was schön ist. .")
Das Gedicht sagt:
eine Dämmer-Schere; ein Schwan; eine Kälte;
Zwinger; Gerüstwerk;Freigiebigkeit aus Verzweiflung;
Kalkgeäder; Verkettung; verlorene Frost-Hunde am
Halfter;
versteinte Züge;Angstwalze;Dampf;
Ich sage dazu:
Das Licht wird abgeschnitten. Ein Schwan ist schön. Kälte bricht
ein. Wir, wer immer wir sind, sind Gefangene. Jedem Bettler muß
ich etwas geben; jeder könnte ich sein. Wir sind im Stein. Wir sind
Stein. Wir werden zermahlen.
Das Gedicht hat gesagt:
eine Dämmer-Schere; ein Schwan; eine Kälte;
Zwinger; Gerüstwerk;Freigiebigkeit aus Verzweiflung;
Kalkgeäder; Verkettung; verlorene Frost-Hunde am
Halfter;
versteinte Züge;Angstwalze;Dampf;
Das Gedicht sagt:
Hände übers Gesicht geschlagen;
darunter Lächeln in Sekunden verschneit
Ich sage dazu:
Dazu ist nichts zu sagen.
Das Gedicht hat gesagt, sagt, und endet:
Hände übers Gesicht geschlagen;
darunter Lächeln in Sekunden verschneit

...so hingestreckt in Trauer

("blühende Asche---")
Ich sage dazu:
("Winter-Nachtigall")

----------------------------------------

Und jetzt, Friederike, lies bitte dein Gedicht.

__________________
Natürlich kann jeder lernen,Gedichte zu schreiben,vor allem deshalb,weil es für das Dichten nicht nur Kreativität und Phantasie bedarf,sondern weil es auch klare Regeln,zahlreiche Tipps und im Prinzip eine Art Anleitung gibt.

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