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Das PokerStrategy.com Forum » Erweiterte Themenforen » Literatur, Kunst und Kultur » HEEE Guillaume und Schrank
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Zum Ende der Seite springen HEEE Guillaume und Schrank 9 Bewertungen - Durchschnitt: 9,009 Bewertungen - Durchschnitt: 9,009 Bewertungen - Durchschnitt: 9,009 Bewertungen - Durchschnitt: 9,00
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FrtZ
Black
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Dabei seit: 25.08.2006
Beiträge: 3.378

Themenstarter Thema begonnen von $starter
HEEE Guillaume und Schrank

...was geht bei euch so? Die Literatur kommt bei mir momentan echt zu kurz, muss mich studientechnisch in die Phil. stürzen. Aber kürzlich auch fürs Studium sehr viel Goethe/Schiller gelesen- was für unfassbare Geistestitanen, die zwei. Mann hat in nem Essay zu den beiden geschrieben Schiller sei ein Heiliger und Goethe ein Göttlicher und so ists auch.
Ansonsten hat mich die Musik wie noch nie. Und wegen Glen Gould musst ich auch an euch denken (verstehe deinen nächtlichen Glen GOuld spielt Bach Erguss jetzt noch sehr viel besser, als damals Schrank, bei Zweitausendeins gabs kürzlich alle Tv Auftritte in ner Dvd Box.. seit dem haben wir 2 schon so manche Nacht miteinander verbracht)... und dann Mahler, immer wieder Mahler. Und Schubert natürlich, wenns ganz schlimm wird. Und Strauss, entgegen all meiner idiotischen Vorbehalte. Jaaa so ist das bei mir. Ich dacht ich hör mal rein wie das so bei euch ist momentan?

Heart
Neuer Beitrag 21.03.2012 09:16 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
Guillaume
Diamant
Diamant

Dabei seit: 20.01.2006
Beiträge: 11.509


Lustig, ich dachte eben gestern : von Schrank hat man aber lange nix mehr gehört. Schade eigentlich.

Ansonsten bei mir gibt's gerade nicht soviel neues auf der Ebene, bin eher der Lesemuffel, mit zwei Bücher die rumliegen und die ich noch nicht zuende gelesen habe (u.a der von dir empfohlene Im zeiten des abnehmenden Lichts).

Wenn ich ein wenig Zeit habe mach ich mir ein bißchen Gedanke über Übersetzung, da es doch ein recht relevantes Thema als Ausländer, und habe mir dazu zwei Übersetzungen der Reise ans Ende Der Nacht geholt. Es ist ganz lustig aber auch erschrekend zu sehen was der Übersetzer für ein Macht hat, und wie kleinigkeiten doch Entscheiden sind, vor allem bei einen Autor der soviel Wert auf den Stil legt.

Arthur, die Liebe ist das Unendliche, den Hunden preisgegeben

Arthur, die Liebe, das ist die Unendlichkeit, für Pudel zurecht gestützt

(Arthur, l'amour c'est l'infini mis à la portée des caniches)

Achja, und zu Mahler... Dank ihn habe ich klassische Musik überhaupt erst entdeckt. Und ich höre ihn aber jetzt sogut wie nie. Ich sollte in öfters meine Dankbarkeit zeigen. Vielleicht gibt's heute Abend mal die Dritte bei mir zu hören. Fünfte wäre auch nicht schlecht, ich habe aber die "Tod in Wenedig" Version zu oft gehört, und dann die CD verloren, und kann mit meine Bernstein Version nicht soviel anfangen.

Ansonsten

Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Guillaume: 21.03.2012 14:44.

Neuer Beitrag 21.03.2012 14:24 Beiträge von Guillaume suchen Nimm Guillaume in deine Freundesliste auf
FrtZ
Black
Black

Dabei seit: 25.08.2006
Beiträge: 3.378

Themenstarter Thema begonnen von $starter

Haha, die Übersetzungen sind wirklich meilenweit auseinander.

Die 2. klingt zwar bescheuert, meint aber das Richtige oder?
Die erste klingt nach Celine, verfehlt aber den Kern- so wie ich ihn jetzt jedenfalls spontan verstehe.

Was Celine meint ist doch, dass wir in der Liebe die Unendlichkeit empfinden, aber eben nur "zurecht gestutzt" auf das, was unser kleiner menschlicher Verstand zulässt, oder? Also nur einen Bruchteil der "vollen Unendlichkeit".
Die erste Übersetzung wäre ja gewissermassen ein Vorwurf, dass die Liebe als Massenphänomen die Unendlichkeit beschmutzt. Ich glaube nicht, dass er das meinte. Oder (mir fehlt da halt auch jedes Sprachgefühl für das franz. Original)?

Lustig, ich hab auch den Bernsteinschen Mahler. Glaube als EInstieg ist der Perfekt. Von der 2. hab ich jetzt noch die Klemperer Version und die hat mich direkt nochmal viel mehr umgehauen. Finde sie sehr viel weniger explizit bei den "großen" Stellen, dafür aber mit mehr Gefühl für das Gesamtwerk. Bei Bernstein geht manches unter, zugunsten des großen Effekts. Nichts destorotz sind die natürlich auch großartig. Die 5., achja, das Adagietto ist halt von nem andern Stern..(und wie bei dir eben sofort mit Tod in Venedig verknüpft, sowas lässt die Musik dann ja auch immer nochma stärker wirken) ansonsten hat mich die 5. noch nich sooo gepackt, wie etwa die ersten 3 oder die 9.


Debussy.. hat das Birmingham Symph. Orchestra letzte Woche in München gespielt. La mer. Zusammen mit Mahler, Strauss und Ravel. Ach, ich weiß auch nicht, ich hab echt versucht mich da endlich mit ihm anzufreunden, aber es hat wieder nich geklappt. Da fehlt mir irgendwie der Bruch oder die Ironie. das wirkt auf mich alles immer zu "weich", zu glatt, zu "rosa". Das ist wie Monet, nur in tönen. Mahler ist ja stellenweise auch so, nur zerreißt er dann irgendwann die Leinwand. Oder malt ein Clownsgesicht über die Monetschen Seerosen Augenzwinkern . Das brauchs find ich. Andererseits ist meine Ablehnung wahrscheinlich, wie das ja fast immer ist, einfach nur Produkt meiner Ahnungslosigkeit was Debussy angeht.

Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von FrtZ: 21.03.2012 14:55.

Neuer Beitrag 21.03.2012 14:50 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
Guillaume
Diamant
Diamant

Dabei seit: 20.01.2006
Beiträge: 11.509


Zitat:
Original von FrtZ
Haha, die Übersetzungen sind wirklich meilenweit auseinander.

Die 2. klingt zwar bescheuert, meint aber das Richtige oder?
Die erste klingt nach Celine, verfehlt aber den Kern- so wie ich ihn jetzt jedenfalls spontan verstehe.

Was Celine meint ist doch, dass wir in der Liebe die Unendlichkeit empfinden, aber eben nur "zurecht gestutzt" auf das, was unser kleiner menschlicher Verstand zulässt, oder? Also nur einen Bruchteil der "vollen Unendlichkeit".
Die erste Übersetzung wäre ja gewissermassen ein Vorwurf, dass die Liebe als Massenphänomen die Unendlichkeit beschmutzt. Ich glaube nicht, dass er das meinte. Oder (mir fehlt da halt auch jedes Sprachgefühl für das franz. Original)?


Genau. Die zweite ist viel näher an das Original. Kommt von der neuesten Übersetzung der Reise, die angeblich Celines Stil viel treuer ist (bin noch nicht soweit das eindeutig behaupten zu können, es ist ein sehr mühsames Vorgehen drei Versionen gelichzeitig zu lesen, vor allem bei Romanen wo man nicht so schnell wie bei Poesie sieht wo was steht).
Mis à la portée heißt sowas wie ähm.. "erreichbar gemacht/Verständlich gemacht" vielleicht ? Und caniche ist Pudel und schafftt ein ganze anderes Bild als Hunde, der immer etwas böses beinhaltet, wobei Pudel eher so ein braves dummes Vieh hervorruft. Die zweite ist viel passender. Hört sich aber auf deutsch etwas komisch an.


Zitat:

Debussy.. hat das Birmingham Symph. Orchestra letzte Woche in München gespielt. La mer. Zusammen mit Mahler, Strauss und Ravel. Ach, ich weiß auch nicht, ich hab echt versucht mich da endlich mit ihm anzufreunden, aber es hat wieder nich geklappt. Da fehlt mir irgendwie der Bruch oder die Ironie. das wirkt auf mich alles immer zu "weich", zu glatt, zu "rosa". Das ist wie Monet, nur in tönen. Mahler ist ja stellenweise auch so, nur zerreißt er dann irgendwann die Leinwand. Oder malt ein Clownsgesicht über die Monetschen Seerosen Augenzwinkern . Das brauchs find ich. Andererseits ist meine Ablehnung wahrscheinlich, wie das ja fast immer ist, einfach nur Produkt meiner Ahnungslosigkeit was Debussy angeht.


Aha, das ist so deutsch.

Wo ist das undendliche leiden, wo ist das Blut, wo ist der Tod ?

Gibt's denn kein Platz für das Stille leiden, die Langeweile, die Melankolie, das bittersüßes ?

Wobei ich selbst mit Debussy nicht ganz soviel anfangen kann, und bervorzuge viel deutsche Komponisten. Aber dieses Quartett finde ich einfach Grandios.

Mich interesiert jetzt aber was deine Gedanken zu Chopin sind.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Guillaume: 21.03.2012 15:23.

Neuer Beitrag 21.03.2012 15:21 Beiträge von Guillaume suchen Nimm Guillaume in deine Freundesliste auf
FrtZ
Black
Black

Dabei seit: 25.08.2006
Beiträge: 3.378

Themenstarter Thema begonnen von $starter

Chopin... im ganzen kenne ich sein Werk zu shclecht um mir ein Urteil zu erlauben, die zwei Klavierkonzerte sind auch alles was ich von ihm besitze.
Aber wäre ja gelacht, wenn ich es nicht trotzdem täte. Ja, natürlich, großartig. Das 2. Klavierkonzert hab ich grade laufen udn das ist schon wunderbar. Nachtmusik. Tiefes blau, wenn Debussy rosa war. Und n tiefes Blau ist immer gut ;D
Ansonsten sind die Nocturnen natürlich wunderschön und die Preludes. Was den Rest angeht hab ich aus dem Kopf echt keine Ahnung, mir fällt keine einzige Sonate ein, die ich wirklich kenn von ihm..
Im ganzen find ich das alles sehr "slawisch" und ich mag das slawische sehr sehr gerne, wenn das irgendwie Sinn macht. Traurig-schöne dunkle große Augen, Birkenwälder und Einsamkeit. Das ist alles so unendlich traurig, aber ohne das faustische der Deutschen (stimmt übrigens was du sagtest, also dass mein Geschmack (und ich überhaupt) da sehr deutsch ist). Der Deutsche verzweifelt an und gegen die Welt, der Slawe trauert mit ihr. Jedenfalls glaube ich das.

Jetzt bin ich übrigens daheim und werd mir gleich mal deinen Debussy-link anhören. Und weil ich soviel über das Slawische geredet habe, ohne ne Ahnung davon zu haben und weil ich auch mit nem Link schließen will:


Neuer Beitrag 21.03.2012 19:51 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
Guillaume
Diamant
Diamant

Dabei seit: 20.01.2006
Beiträge: 11.509


Na dann, wenn du mal ein paar Stunden für eine deutsche-slawische Seele zu opfern hast :

Neuer Beitrag 21.03.2012 21:00 Beiträge von Guillaume suchen Nimm Guillaume in deine Freundesliste auf
FrtZ
Black
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Dabei seit: 25.08.2006
Beiträge: 3.378

Themenstarter Thema begonnen von $starter

Die DOku werd ich mir die tage anschauen, danke dafür! Das Streichquartet von Debussy hab ich grade (komplett) gehört. Der 4. Satz hats in sich. Ja, schon gut, ich gebs ja zu, is scheinbar nich alles schlecht.
Ich muss jetzt noch dieses kleine, feine Gedicht posten, über das ich die Tage gestoplert bin, weils so schön passt:

Joseph Weinheber: Kammermusik

Erste Geige:

Ich, in die Schönheit dieser Welt verliebt,

beschenke sie mit meiner eignen Schöne.

Die Welt ist ohne Abgrund. Strömend gibt

mein Herz sich aus. Ich bin nur Lied: Ich töne.


Zweite Geige:

Mir, neben lichterm Wesen, ist verwehrt,

ein Ich zu haben. Nicht die Welt - doch fester

und wirklicher: die Erd hat mich belehrt.

Dort dunkelt es. Laß dich begleiten, Schwester!


Bratsche:

Mein grauer Scheitel macht es mir zur Pflicht,

den Abgrund euch zu nennen. Wie ihr beide

verschwistert hingeht, Kindliche, besticht

selbst noch der Streit um nichts. Ich aber leide.


Cello:

Ich weiß zutiefst, daß alles Schicksal ist,

das schön Getane und das Unerlöste.

Ich bin dem Ganzen treu: Genießt und büßt!

Ich warne nicht. Ich weine mit. Ich tröste.



Und was Kammermusik angeht, kenn ich immernoch kein Stück, dass mich so bewegt wie Schuberts Quintet. Ist für youtube verhältnisse auch ne ganz vernünftige Version, die die herren da spielen
Neuer Beitrag 21.03.2012 23:39 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
hierkommtkurt
Bronze
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Wollte mich nur für die Links bedanken.
Mit klassischer Musik komme ich leider normalerweise kaum in Berührung und bin auf Zufälle wie diesen hier angewiesen.
Smetana hat grad ein sehr mächtiges Gefühl erzeugt in mir. Den habe ich zu letzt in der Schule gehört, aber da ist man noch viel zu blöd für solche Sachen.

Ansonsten springt mich ähnliche Musik meistens aus Filmen an. So wie in Trois couleurs: Bleu. Die hat aber im Kommentar auf imdb eine vernichtende Kritik bekommen.
Als ich neulich nochmal die Musik aus The Piano gehört habe, hat mich das auch in den Orbit geschossen. Von so modernen Sachen hab ich mir früher mal einiges gekauft.
Von Wim Mertens zum Beispiel. Der hat auch mit Greenaway zusammen gearbeitet.








Dieses hier höre ich noch manchmal, wenn ich mir die Schädeldecke wegsprengen will

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von hierkommtkurt: 22.03.2012 16:14.

Neuer Beitrag 22.03.2012 15:36 Beiträge von hierkommtkurt suchen Nimm hierkommtkurt in deine Freundesliste auf
FrtZ
Black
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Beiträge: 3.378

Themenstarter Thema begonnen von $starter

Bitte, gerne freut mich wenns dir taugt.

Ja, Mozarts Requiem ist ein absolut unfassbares Stück Musik. Auch wenn ich nicht weiß, ob es wirklich eignet um sich einfach "die Schädeldecke wegzusprengen". Für dergleichen wurde und wird es ja nur zu gerne von Popmusik, Filmindustrie, Werbung und was sonst noch so zu dem ganzen Klabautz der Kulturindustrie gehört hergenommen. Eingereiht in den Kanon der Nichtigkeiten. Ritualisiert und damit zur einfachen Unterhaltung degradiert.
Mozart ist über der Messe gestorben, man muss sich mal die Intnsität des Empfindens ernsthaft klar machen. Wie tief der Glaube, wie fromm, wie verzweifelt auch. Die Angst vor dem Tod, vor dem "dies irae", dem Gottesgericht einerseits und dann dieses Kyrie auf der anderen Seite. Gnade. Erlösung.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von FrtZ: 22.03.2012 21:56.

Neuer Beitrag 22.03.2012 21:56 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
Guillaume
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Zitat:
Original von hierkommtkurt

Dieses hier höre ich noch manchmal, wenn ich mir die Schädeldecke wegsprengen will



Da du eine Version mit Barbara Bonney gepostet hat, soll kurz an diese unglaubliche Stimme Respekt gezollt werden.

Ich höre bei Klassische Musik nicht so oft das gesungenes. Ist mir oft ein bißchen zuviel. Aber mit Bonney, ich weiß nicht, die Stimme ist so klar, die Interpretation so rein...



Ansonsten, wenn dir der Requiem gefällt, musst du unbedingt dir die Messe in C-moll anhören.

Und jetzt verpisse ich mich bevor mir FrtZ vorwirft Grieg sei zu gelb.

Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Guillaume: 22.03.2012 22:35.

Neuer Beitrag 22.03.2012 22:32 Beiträge von Guillaume suchen Nimm Guillaume in deine Freundesliste auf
FrtZ
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Themenstarter Thema begonnen von $starter

großes Grinsen
Neuer Beitrag 22.03.2012 22:38 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
hierkommtkurt
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Ich glaube nicht, dass die Kulturindustrie viel mit Leuten ohne Schädeldecke anfangen kann. Aber ich gebe zu, dass das von mir eine viel zu reisserische Umschreibung von Tod, Gnade und Erlösung war.
Wovon brauchst du Erlösung?


Ich mag Frauengesang. Und Klavier. Am Besten beides zusammen. Danke für den Namen. Hab mir gleich eine Playlist von ihr geordert.
Komisch, 3 meiner Freundinnen hatten klassischen Gesang studiert. Ist eigentlich eine Schande, dass ich keine Ahnung von dieser Musik habe.
Aber vielleicht ist es auch besser so. Ich kann nicht einschlafen. Mozart hat mir Angst gemacht.
Neuer Beitrag 23.03.2012 03:47 Beiträge von hierkommtkurt suchen Nimm hierkommtkurt in deine Freundesliste auf
FrtZ
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Themenstarter Thema begonnen von $starter

WOvon ich Erlösung brauche is da garnich die Frage.. Erlösung is ja keine Kategorie in der man im 21. Jhdt denkt. Erst recht nicht, wenn man noch so in einem oberflächlichen, idiotsch-unsensiblen Rationalismus verhaftet ist, wie ich das oft bin. Und die Moiren meinens wohl auch zu gut mit mir um eine so tiefe Verzweiflung und Erlösungshoffnung wirklich 1 zu 1 auf mich übertragen zu können, ohne sie zu profanisieren und damit ein anmaßender Vollidiot zu sein. Aber Mozart! Der hat wirklich so empfunden! Und das dann als Hintergrundgedudel für die neueste profane Scheissproduktion (die ihren Regisseur sicher nicht in den Tod getrieben hat, höchstens dann, wenn sie sich nicht verkauft)... da geht mir das MEsser in der Tasche auf, wie man bei uns so schön sagt Augenzwinkern


Aber jetzt ist es Morgen udn die Sonne durchflutet mein Zimmer und ich trinke frischgepressten Orangensaft. Zeit also, das Requiem hinter uns zu lassen. Wie wärs da mit 2 der schönsten Liebeserklärungen aller Zeiten?













und wo is eigntl Schrank? großes Grinsen

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von FrtZ: 23.03.2012 09:29.

Neuer Beitrag 23.03.2012 09:18 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
hierkommtkurt
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Doch, das war die Frage. Ich habe mich auf deinen Eingangspost bezogen. Ich wollte wissen, was einem hoffnungsvollen Studenten, der wahrscheinlich gerne Geisteswissenschaften studiert, passiert sein mag, "wenns ganz schlimm wird." Egal in welcher Kategorie. Was mit Mozart passiert ist, weiss ich ja schon.
Aber es freut mich, wenn Moira es gut mit dir meint. Mit einem sonnendurchfluteten Zimmer. Mit einem Glas frischgepressten Orangensaft. Und Schubert und Rückert.




Laßt im Grünen mich liegen

Gedicht von Friedrich Rückert



Laßt im Grünen mich liegen
Unter Blumen und Klee,
Unter Blumen mich schmiegen,
Unter Blumen und Klee!

Wo nach Düften die Lüfte
Jagen, Strahlen des Lichts
Auf Thautropfen sich wiegen,
Unter Blumen und Klee!

Wo nach Beute die Bienen,
Und nach müßiger Lust
Summen goldene Fliegen,
Unter Blumen und Klee!

Unterm Klee und den Blumen,
Wo ich hüpfen euch sah
Gleich den Lämmern und Ziegen,
Unter Blumen und Klee!

Unterm Klee und den Blumen,
Wo ermüdet zu früh
Ihr ins Bettchen gestiegen,
Unter Blumen und Klee!

Hör' ich drinnen das Athmen
Ihres Schlummers? o Luft,
Will dein Hauch mich betrügen
Unter Blumen und Klee?

Quillst du, Fülle des Frühlings,
Oder blähen sich so
Ihre schwellenden Wiegen
Unter Blumen und Klee?

Ja, ich fühle das Pochen
Eurer Herzen hindurch,
Wo ihr lauschet verschwiegen
Unter Blumen und Klee!

Ihr wollt schlafen, so schlafet!
Wie ich immer euch gern
Wiegte, will ich euch wiegen
Unter Blumen und Klee!

Schlaft! es müsse vom Seufzer
Kein zu stürmischer Hauch
Euern Frieden bekriegen
Unter Blumen und Klee!

Und die leisere Thräne
Rinn' am Halmen hinab,
Ohn' ein Hälmchen zu biegen
Unter Blumen und Klee!

Glücklich nenn' ich den Seufzer
Und die Thräne, daß sie
So vergehn und versiegen
Unter Blumen und Klee!




Ich war dafür heute zum ersten Mal in diesem Jahr in kurzen Hosen in der Sonne joggen.
Zum Glück bevor ich deinen Schubert gehört habe.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von hierkommtkurt: 23.03.2012 16:30.

Neuer Beitrag 23.03.2012 16:18 Beiträge von hierkommtkurt suchen Nimm hierkommtkurt in deine Freundesliste auf
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Themenstarter Thema begonnen von $starter

Wenn die Verzweiflung ins private geht- und das tut sie im großen und ganzen selten- dann ist mir das doch zu persönlich, um das jetzt hier auszuführen Augenzwinkern
Und wenn es nicht ins private geht? Naja, der Stand der Welt. Und, mehr als alles andere, die Rolle des Menschen in dieser Welt.
Weltschmerz eben, wie Jean-Paul das so wunderbar formulierte. Vielleicht das Deutsche Wort überhaupt. Weltschmerz, der sich ja mehr als aus irgendwas anderem aus Liebe zur Welt und zum Menschen speist. Der Mensch liegt in größter Not.



Das Gedicht ist ganz wunderbar, kannt ich auch nich, danke dafür.. aber Rückert ist gefährlich für mich. Lähmend. Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen" aus den Rückert-Liedern ist wohl das mich am tiefsten berührende Lied überhaupt. (http://www.youtube.com/watch?v=587P3LMhkJg) Es ist dann schwer da wieder rauszukommen, aber das muss man. Diese völlige Entrückung steht einem Anfang 20 Jährigen nicht gut zu Gesicht. Goethe'sche Weltbejahung brauchs!

Trinke Muth des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung,
Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens.
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! Frohe Feste!
Sey dein künftig Zauberwort.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von FrtZ: 24.03.2012 10:21.

Neuer Beitrag 24.03.2012 10:09 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
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Goethe wollte dir mit diesem Gedicht sicher sagen, dass du nicht so viel pokern sollst großes Grinsen . Ein Blackmember zieht bestimmt öfter mal nachts los und spricht dunkle Beschwörungen in Richtung Bankroll. Wie kriegst du das eigentlich alles unter einen Hut?
Und sag mir jetzt nicht, dass du dich auch noch mit Mathematik auskennst, sonst bekomme ich echt Komplexe.

Goethe hats grad nötig: es wusste ja wohl keiner besser als er, dass mindestens für einen 20 jährigen, wenn er nur halbwegs helle und sensibel ist, diese Weltschmerzen unvermeidlich sind. Er hat dann später auch vehement dagegen angekämpft und das in sich versucht zu begraben, um der Geistestitan zu werden. Hat deshalb auch Leuten wie Hölderlin sehr vor den Kopf gestossen, weil er wusste, dass er anfällig ist für solch potentiell selbstzerstörerische wilde Leidenschaft, die er nur zu genau kannte.
Ein grandioser Ausdruck dieser auch Zerissenheit Goethes, natürlich schön verschlüsselt, ist "Die Harzreise im Winter". Mein Klassikdozent am Literaturinstitut damals, Bernd Leistner, hat einen sehr interessanten Essay dazu geschrieben: "Trägst du ihn hoch empor".Zu Goethes Gedicht "Harzreise im Winter". Zu finden in "Spielraum des Poetischen". Spannend auch "Sixtus Beckmesser.Essays zur deutschen Literatur". Da drin "... so schön, wie sein ganzes Leben war".Skizze zu einem Goethe-Memorial, "Schwieriger Gefährte Schiller", oder auch "Wohin denn ich?" Abreviatur zu Hölderlin.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Leist...

Ich selber habe mich als 20jährigen in keiner guten Erinnerung. Wenn man, sowieso schon überkandidelt, mit einer unglücklichen ersten Liebe im Gepäck zur Armee muss, ist das eine sehr bedenkliche Mischung. Da kann man schon auf die Idee kommen, den Werther zu machen. Macht man aber selten. Zum Glück.
Der Franzose ist zwar kein gutes Beispiel, weil er nicht mit dem typisch deutschen Weltschmerz-Gen geschlagen ist, aber als heller und sensibler Mann wird er wohl trotzdem unsere Überzeugung teilen, dass der Mensch in grösster Not ist. Aber Haus, Freundin und Familienplanung, wenn ich das richtig verstanden habe, sind doch ein schöner Gegenpol.



"Ich bin der Welt abhanden gekommen" ist ja eher eine politische Haltung. Rückert hatte zu dieser Zeit frisch geheiratet und war voll am Arbeiten. Ein Ausdruck innerer Immigration nach Französischer Revolution, Napoleon und Restauration.


Später hat es ihn dann aber richtig voll getroffen: Dieses Gedicht "Laßt mich im Grünen liegen" ist eine Ungeheuerlichkeit!

Aber ich habe das erst langsam begriffen.
Es beginnt mit unbedarften Wiederholungen, ein simples Betonungsschema mit 3 Hebungen in jeder Zeile, immer vor dem Ende ein beschwingt stolpernder Daktylus, eine leicht einfältige Reimform wie in einem Kinderlied, nur eine Zeile reimt sich mit der jeweiligen Zeile der nächsten Strophe, kleine technische Spielereien wie ein Binnenreim am Anfang der 2. Strophe und eine angedeutete Alliteration am Anfang der 3.
Es scheint eine Naturidylle. Düfte in der Luft. Strahlen von Licht in Tautropfen. Man fragt sich kaum, ob Beute zu Bienen passt; und das Bienen fliessig und eher nicht müssig sind, klärt sich ja in der 3. Zeile, weil das den goldenen Fliegen zugeordnet werden kann. Und da habe ich gestockt. Fliegen sind hier nicht so üblich.
Und dann ein ICH und ein EUCH. Wer springt da gleich Lämmern rum, was ist ermüdet und atmet zu früh in welchem Schlummer? Und dann das!!!!:::


Quillst du, Fülle des Frühlings,
Oder blähen sich so
Ihre schwellenden Wiegen
Unter Blumen und Klee?



WAS???!!!!


Ich will es abkürzen. Ich weiss nicht, wie oft ich das Gedicht gelesen habe. Es ist auch ohne den biographischen Hintergrund monströs.
2 Kinder von Friedrich Rückert sind gestorben.
Diese Strophe sagt: Friedrich Rückert geht durch eine erblühende Frühlingsnatur, aber er kann in diesem Aufschwellen nur die Leichengase seiner begrabenen Kinder sehen, die das Erdreich über dem neuen Grün anheben. Oder den Atem seiner in der Wiege gestorbenen Kinder, die für ihn nicht tot sind. Nicht tot sein können.
Dannach sieht man das gesamte Gedicht anders, es kommen Assoziationen, die man nicht haben möchte: Fliegen, die um Aas schwirren. Lämmer, die Ostern geschlachtet werden. Soll sich jeder seine eigenen machen.
Und diese eine ständig wiederholte Zeile bekommt plötzlich so eine Wucht!: Unter Blumen und Klee. Man kann vielleicht unter Blumen liegen. Wenn es Sonnenblumen sind. Aber man kann nicht unter Klee liegen. Wenn man unter Klee liegt, liegt man unter der Erde.

Der Titel des Gedichts, Laßt im Grünen mich liegen, der dann in der 1. Zeile wiederholt wird, ist eine Ansprache. An wen?
Er bittet darum, mit seinen Kindern begraben zu werden. Aber er hat es nicht getan. Er hatte noch andere Kinder und eine Frau.





Wenn, dann muss ich dir danken frzT. Bevor du den Schubert Link gepostet hast, wusste ich noch nichts von Friedrich Rückert.







Ich hatte heute auch mein Frühlingserlebnis. Die Natur ufert aus, explodiert. Es gab hier öfter mal ne Ratte, aber seit 2 Woche sehe ich immer eine Ratte, wenn ich abends aus dem Haus gehen. Und nun manchmal sogar am Tag.
Ich habe heute meine Nachbarin auf dem Hinterhof getroffen und wir kamen ins Gespräch über die Rattenplage. Meine Nachbarin ist süss. Ich hätte fast einen Handstand gemacht. Ich hatte viel Testosteron intus vom Joggen. Ich habe meine unbedingte Hilfe angeboten, falls die Ratten unser Haus stürmen.
Das hat mir mehr Angst gemacht als Mozart und Schubert zusammen. Ich hatte schon so einige süsse Nachbarinnen. Verlieb dich nie in deine Nachbarin! Verlieb dich nie in deine Nachbarin, die ein kleines Kind hat!! Verlieb dich nie in deine Nachbarin, die ein kleines Kind hat, und die 15 Jahre jünger ist als du!!!
Es ist nie einfach.


Die ganze Zeit höre ich hier, während ich das schreibe



Hab ich aus Zufall auf Youtube entdeckt, und das war ein Zufall, den ich den ganzen Nachmittag genossen habe. Ich muss mich auf Zufälle verlassen.

Es hat zwar eine Grundschwermut, aber auch so eine klare Beschwingtheit. Oder?
Neuer Beitrag 24.03.2012 21:58 Beiträge von hierkommtkurt suchen Nimm hierkommtkurt in deine Freundesliste auf
FrtZ
Black
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Dabei seit: 25.08.2006
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Themenstarter Thema begonnen von $starter

Hach, für solche Posts bin ich noch hier im Forum. Wenn im Gespräch plötzlich ein Mensch auftaucht hinter dem Nickname. Und es ehrlich und menschlich und wesentlich wird.
Um damit dann auch deine erste Anspielung zu beantworten: für solche Posts, nicht fürs Poker. Ich poker schon seit sicher 2 Jahren quasi nicht mehr; in diesem Jahr etwa hab ich noch nich eine hand gespielt, glaub ich.
Da muss sich Exzellenz Goethen also nicht Sorgen. Wobei er ja ein absolut rigoroser Wirtschafter war und selbst Schiller darüber zur Verzweiflung brachte, dass Goethe "nie etwas herschenkt". Er war da sehr pragmatisch und auf seinen Vorteil bedacht.
Es ist dann auch wieder ein Goethe'scher Pragmatismus, mit dem ich meine (ehemalige) Pokerei vor mir selbst rechtfertige, nämlich diese:
"Wer geringe Dinge wenig acht't,
Sich um geringere Mühe macht."

Aus dem einfach herrlich heiteren und lebensklugen Gedicht "Das zerbrochene Hufeisen", das ich glaub schonmal irgendwo gepostet hab hier im Forum. Weil Oskar Werner aber ein so unglaublicher Vorleser ist macht das garnichts, wenn ich es ein zweites mal poste:


Ab 1:45 liest er das Hufeisen (auch wenn die Erlkönig-Lesung davor nicht minder Beeindruckend ist, auf ganz andere Art freilich. Erlkönig ist ja auch so ein Gedicht, dass in seiner Allgegenwart jede Kraft eingebüßt hat, aber eigntl echt unfassbar ist)


Jaja, diese Kälte Goethes ist ein schwer zu durchdrigender Zug an ihm. Und es ist ja auch schlimm: Nicht nur Hölderlin. Kleist, allen voran, hat er abblitzen lassen und das kann einen schon wehmütig stimmen, wenn man sich vorstellt was aus einem so empfindsamen Menschen wie Kleist hätte werden können, wenn Goethe ihn mit offenen Vaterarmen empfangen hätte und seine Kräfte in eine weniger selbstzerstörerische Richtung zu lenken verstünde. Und was stattdessen aus ihm geworden ist. Oder Schubert natürlich. Der Goethe Gedichten mit größter Verehrung einen ganzen Liedzyklus widmet, einen genialischen zudem, sie ihm hoffnungsvoll schickt und was zur Antwort bekommt? Garnichts. Nicht mal ne Antwort war Schubert ihm Wert.

Wie man darauf nichtmal Antworten kann ist schon echt unerklärlich.

An der These, dass das auch ein Selbstschutz war ist sicher viel dran. Ich meine das kürzlich auch in irgendnem Brief Goethes (an schillern, glaub ich) angedeutet gefunden zu haben. In Bezug auf die Idealisten, also vorallem Fichte, glaub ich. Die Vorstellung die Welt aus dem Ich, statt das Ich als in der Welt zu begreifen war für ihn glaub ich sehr befremdend-abschreckend. Ich werd im April wohl noch ne Hausarbeit zu Goethe schreiben, wenn ich den Aufsatz finde werd ich da auf jeden Fall mal reinschauen. Habe dank.

Innere Emigration ist ja letztlich immer auch eine politische Haltung, aber gleichzeitig verweist sie ja auch über das politische, weil es die gesamte Kategorie des politischen als nichtig zurückweist. Aber sicher ist diese Weltverlorenheit in ihren extremen immer auch aus einer politischen Zeit herraus zu verstehen. Intressant, ich wollte grade den Bogen zu Benn schlagen und da fällt mir auf, dass das politische sich zu beiden Zeiten ja auch explizit National äußert. Deutschtum wird als politische Idee begriffen (statt, etwa als Geisteshaltung) und vermengt so das politische und das private. Überall diese scheiße. Und die Reaktion darauf ist dann natürlich die komplette Entsagung. Das "lasst mich doch einfach in Ruhe mit dem ganzen Mist!" .


Und jetzt nochmal zu Rückert. Ich schäme mich für mein dahingesagtes "das Gedicht ist ganz wunderbar". Das kommt davon wenn man 2 mal drüberhinweg liest, dabei noch verkatert ist und das ganze dann schwups unter "hachja, romantische Befindlichkeit mit ein wenig Todessehnsucht, echt schön im große und ganzen" abhakt. Eine schlechte Entschuldigung, dennoch.
Du hast völlig recht, es ist ne Ungeheuerlichkeit. Und es ist sehr modern und geradezu unromantisch in der ambivalenten Haltung zur Natur. Natürlich, als Heilsspender, als Ideal einerseits. Aber eben auch als Naturgesetz, als blinde Notwendigkeit. Und wie dann plötzlich das gesamte bild im Kopf umschlägt. Der süßliche Duft des Todes, der einem da plötzlich auf dieser Sommerswiese in die Nase steigt. Und man runzelt die Stirn, fährt sich über die Augen und plötzlich ist das alles eine schreckenslandschaft und die Fliegen surren nicht mehr das wunderbare Lied der Harmonie, sondern es ist das monotone, gleichgültige Summen der Verwesung. Der blinden Natur, der völlig egal ist, dass deine Kinder gestorben sind.
Man sollte einfach garnichts mehr über ein Gedicht sagen, bevor man es nicht wengistens 5x gelesen hat. Und zwar genau, in Ruhe, nicht nebenbei. Und sowohl morgens, als auch nachts.


Nun und was die Liebe angeht. Da will ich mich nicht erdreisten mit Rat aufzuwarten. Nur an eins will ich gemahnen:

Wenn ein gewisser von Goethe, seines Zeichens Geheimrat zu Weimar im 18. Jhdt. eine Vulpius, ihres Zeichens einfaches Frauchen und nobody, ehelichen kann und damit nicht nur einer Charlotte von Stein aber so dermaßen ans Bein pisst. Was ihm aber ganz egal ist weil er, der alte Schelm, zuhause sein "eroticon" hat und sich wahrscheinlich diebisch ins fäustchen lacht, wenn er sich, nach wonnevoller stunde im bett liegend, vorstellt wie die damen von gesellschaft außer sich sind vor empörung. Also da muss ich doch fragen, was 15 Jahre und ein kleines Kind im 21. Jhdt schon für eine Hürde sein sollen?
Denn "ohne die Liebe wäre die Welt nicht die Welt" Augenzwinkern


In diesem Sinne wünsch ich ne gute nacht und werde mich morgen erstarkt dem Schumann widmen.
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nervermore
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Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheurer, als der Mensch.
Neuer Beitrag 25.03.2012 00:10 Beiträge von nervermore suchen Nimm nervermore in deine Freundesliste auf
hierkommtkurt
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Dabei seit: 17.10.2010
Beiträge: 3.133


Zitat:
Original von nervermore
Ungeheuer ist viel. der Mensch.


Das habe ich auch gedacht, als ich den Schumann Link nun auch im Bild laufen liess, während ich frtZ post, und das nicht nur einmal, gelesen habe.

Dieser bleiche überfettete Nerd mit seinem Doppelkinn, der spastisch auf das winzige Klavier kloppt. Keine Ahnung, ob der ein guter Interpret ist. Jedenfalls war er für mich ungeheuer.

Ich wünschte mir, dass nur 15 Jahre und ein kleines Kind in diesem 21. Jahrhundert meine Hürde wären.

Zitat:
Original von FrtZ

, wenn Goethe ihn mit offenen Vaterarmen empfangen hätte und

Das ist so schön, damit möchte ich gern schlafen gehen.
Neuer Beitrag 25.03.2012 03:30 Beiträge von hierkommtkurt suchen Nimm hierkommtkurt in deine Freundesliste auf
FrtZ
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"Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheuerer als der Mensch." So hat Friedrich Hölderlin die Chorverse in der „Antigone" des Sophokles übertragen. Ta deina hat er mit ungeheuer übersetzt. Für das griechische Adjektiv deinós nennt das Wörterbuch aber noch andere Bedeutungen, die im Originaltext mitschwingen: neben fürchterlich und entsetzlich auch noch außerordentlich, gewaltig und erstaunlich."


Außerordentlich. Denn wenn er nur ungeheuer wäre, dann wär die Lösung ja langweilig und trivial. Dann könnte man den Menschen entsagen, sich in die innere Emigration stürzen oder gleich selbst umbringen und hoffen, dass der Atomkrieg endlich los geht. Wobei: Ungeheuer als adjektiv hat den Anklang ja auch im Deutschen. Ungeheuer schön könnt er ja auch sein, der Mensch. Und tatsächlich ist ers auch und nichtmal so selten, will ich meinen.
Zb wenn Gould Bach spielt. Bach, bei dessen Musik mir deutlicher wird als bei irgendwas anderem, was wir verloren haben, als wir den Herr Gott da oben gekillt haben. Es wird sicher noch unglaubliche Musik geschrieben werden, aber sowas wie Bach wird es nicht mehr geben. Kann es nicht mehr geben.





Ach, und noch was weltlich-schönes. Ne Anekdote zu Goethe, die ich gestern schon posten wollte, es dann aber vergessen habe. Aus Thomas Manns Rede "Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters"

"Dass bei Exzellenz Goethe ausnehmend schmackhaft gegessen wurde, ist ausgiebig bezeugt, und unfehlbar fällt mir dabei die kleine Geschichte ein, die mir sonderbarerweise seine Person nähergebracht hat als so manche Kundgebung höherer Ordnung. Der Literator und Islandfahrer Martin Friedrich Arendt hielt sich in Weimar auf, ein Bohemengelehrter von etwas wunderlichem Äußeren und nicht sehr gepflegten Gewohnheiten. Er ist bei Goethe zu Mittag geladen, wo er den Hausherrn und seinen engeren Freundeskreis mit Reiseabenteuern und antiquarischen Forschungsergebnissen unterhält und es sich gewaltig dabei schmecken lässt. Es gibt einen Hammelbraten mit Gurkensalat, und nach Verspeisung mehrer Portionen bringt der gute Arendt es nicht über das Herz, die mit Gurkensaft vermischte Bratenbrühe umkommen zu lassen. Er fasst seinen Teller mit beiden Händen und hebt ihn zum Munde, erschrickt aber im letzten Augenblick und blickt um Erlaubnis bittend auf den Hausherrn. Und der große Wohlerzogene legt volles Verständnis für die Begierde seines Gastes an den Tag; mit der größten Bonhomie und Treuherzigkeit fordert er ihn auf, sich nur ja nicht zu genieren, und während er ihn schlürfen sieht, lässt er nicht etwa ein Schweigen aufkommen, das auf den Genießenden doch vielleicht bedrückend wirken könnte, sondern er spricht, er setzt mit wärmster Überzeugung das Leckere einer solchen Mischung von Bratenbrühe und Gurkensaft auseinander und schafft durch dieses Perorieren dem Schlemmer volle Freiheit, seine Lust zu büßen. Man muss ihn sich vorstellen dabei, wie er etwa auf dem Bild von George Dawe vom Jahre 1819 aussieht, einem Bild, das ich immer als besonders lebenswahrscheinlich empfunden habe, mit diesen Augen voll kindlicher Verschlagenheit, tiefer und gütiger Erfahrenheit, diesem wissenden Wohlwollen für das Menschliche, um der heiteren Szene ganz ansichtig zu werden und sich ihren Charme ganz gegenwärtig zu machen."
Neuer Beitrag 25.03.2012 09:02 Beiträge von FrtZ suchen Nimm FrtZ in deine Freundesliste auf
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