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Glossar

Erick Lindgren (English)

Autor: Carsten Schmidt

Name: Erick Lindgren
Spitzname: E-dog
Wohnort: Summerlin, Las Vegas
Geburtstag: 11. August 1976 (Burney,Kalifornien)
Hobbies: Basketball, Golf
Lieblingsmusik: Dr. Dre, Snoop Dog
Turniergewinne: ca. $ 5,500,000
WPT Titel: 2

 

 

Erick Lindgren gehört zu einer neuen Generation von Pokerspielern. Man nennt sie die "Young Guns", die sich ihre Erfahrungen durch Online-Poker angeeignet haben. Diese Generation hat die Art des Pokerns entscheidend verändert.

Lindgren wurde am 11. August 1976 in der 3000 Einwohner zählenden Bergstadt Burney, Kalifornien geboren. Der Familienname verrät die schwedischen Wurzeln. Sein Vater war Besitzer eines Reifenladens. Lindgren hat zwei Brüder, die ebenso athletisch gebaut sind und sich bereits im Kindes- und Jugendalter viele Wettkämpfe lieferten.

Erick war in typischen US-amerikanischen Sportarten aktiv: Basketball, Football und Baseball. Dabei träumte er von einer Profikarriere in der NFL oder der NBA. In der High School gewann er den "MVP award" im Basketball, sowie die "all-league honors" als Quarterback in seinem Football Team.

Der Wendepunkt kam mit der Einschreibung am Butte Junior College. Nicht weit vom College stand das Colusa Indian Casino. Lindgren spielte bereits vorher gelegentlich Poker mit Freunden. Als 19jähriger wurde er in diesem Casino als Black-Jack-Dealer angestellt. Nebenher lernte er, sich professionell mit Poker auseinander zusetzen. Seine natürliche Aggressivität und sein Intellekt entsprachen ganz dem Charakter des Kartenspiels. Es war fast logisch, dass er mehr Zeit im Casino als im College verbrachte. Offensichtlich war das Pokerspielen so lukrativ, dass er heimlich, aus Angst vor den Eltern, das Studium abbrach und sich ganz dem Pokern widmete.

Mit 21 arbeitete er als "proposition player" in einem Casino in San Pablo, Kalifornien. Seine Aufgabe war es, als Angestellter des Casinos, andere Spieler zum spielen zu animieren, ihr Geld in den Pott zu bekommen oder einfacher ausgedrückt sie "auszunehmen".

Dann kam die Zeit des Online-Pokers. Lindgren wohnte zu dieser Zeit in einem kleinen muffigen Apartment. Diese Wohnung soll nur eine Matratze gehabt haben. Andere Möbel waren wohl nicht vorhanden.

Für 200 Dollar kaufte er sich einen Computer und spielte rund um die Uhr. Manchmal bis zu 30 Stunden. Nachdem er 2.000 Dollar gewonnen hatte kaufte er sich drei neue Rechner. Sein Spielen wurde zur Sucht. Der nächste Einsatz, der nächste Blind, Raise, Reraise. Er ging oft tagelang nicht vor die Tür. So erspielte sich Lindgren, aufgrund seines Loose-Agressive-Styles, eine beachtliche Summe zusammen. Es wird von mehreren Millionen gemunkelt. Lindgren selbst gibt dazu keine Auskunft.

Als Internet-Junkie zockt er heutzutage immer noch bis zu 20 Stunden in der Woche. Das ganze an zwei Rechnern parallel, oft acht Partien gleichzeitig.

Während dieser Zeit hatte Lindgren seinen Spitznamen verpasst bekommen. Als ein anderer Spieler in einem Casino von ihm besiegt wurde, sagte dieser nur: "You got me this time, you dog!"

Seinen ersten großen Erfolg erzielte Lindgren im Jahr 2002 im Bellagio, Las Vegas. Hier gewann er das Bellagio Five Diamond Poker Classic Main Event und sicherte sich etwa 230.000 Dollar.

2003 folgte der Sieg im World Poker Tour Ultimate Poker Classic in Aruba. Für den ersten Platz gab es 500.000 Dollar.

2004 kassierte er als Sieger 1 Million Dollar im World Poker Tour PartyPoker Million III Turnier. Kurz darauf verlieh man ihm den Titel der World Poker Tour "Player of the Year".

Im Jahr 2005 wurde er Zweiter in einem World Series of Poker Circuit Event in Atlantic City und gewann über 400.000 Dollar. Einen fünften Platz erreichte Lindgren beim World Poker Tour LA Poker Classic mit einem Geldgewinn von über 200.000 Dollar. Den zweiten WPT Titel gab es eine Woche später am 25. Februar 2005 im Commerce Casino in LA beim Professional Poker Tour No Limit Hold'em $ 500.000 Freeroll. Wieder wanderten über 200.000 Dollar in seine Taschen.

Ähnliche Erfolge hatte er im Jahr 2006 zu feiern. Im Januar wurde Lindgren Dritter beim Borgata Winter Open der World Poker Tour. Im April gewann er das Five Star World Poker Classic der World Poker Tour mit mehr als 260.000 Dollar.

Als Mitglied der Online-Plattform Full Tilt Poker gewann Lindgren im Juni 2006 das Full Tilt Poker.net Poker Pro Showdown Event. Seine Siegprämie betrug 600.000 Dollar. Weitere Teilnehmer waren andere Full Tilt-Spieler wie Mike Matusow, Clonie Gowen, Erik Seidel, John Juanda, Chris Ferguson und Phil Ivey.

Gleich die erste Hand im Heads-up brachte Lindgren den Sieg. Er hielt A K, Matusow A J. Das Board zeigte: 6 6 9 A 3. Clonie Gowen erhielt als Dritte 120.000, Mike Matusow als Zweiter 280.000 Dollar. Erwähnenswert ist der Buy-in von 120.000 Dollar. Dieses Ereignis wurde von Fox Sports Network (FSN) live im Fernsehen übertragen. Howard Lederer (ebenfalls Full-Tilt-Repräsentant), der Co-Kommentator dieser Veranstaltung, bescheinigte Lindgren eine schöne Spielweise. Des Weiteren sei er ein würdiger Sieger. Bereits Daniel Negreanu bezeichnete Lindgren, in Bezug auf dessen mathematischer Vorgehensweise, als einen Roboter. Dieser revanchierte sich und nannte Daniel "hot shit".

Full Tilt Poker wird von einer Gruppe ausgewählter Pokerprofis repräsentiert. Neben den zuvor genannten gehören unter anderem dazu: Andy Bloch, Phil Gordon, Jennifer Harman, der Hendon Mob (Barny und Ross Boatman, Joe Beevers, Ram Vasvani), Huck Seed, Gus Hanson. Sie alle spielen mit ihren echten Namen. (Im Internet wird teilweise verbreitet, dass Lindgren nicht mit seinem eigenen Namen, sondern unter seinem Spitznamen auf dieser Plattform spielen soll.)

Aber nicht nur bei Live-Spielen ist Lindgren zu sehen. Bei Full Tilt spielt(e) er oft Online. So zum Beispiel ein Full Tilt $200+16 Turnier mit einem 200.000 Dollar Preispool. Am Finaltisch zeigte Lindgren, dass er nur ein Ziel hatte: Chipleader zu werden. Aber die Gegner hatten keine Angst vor großen Namen. Lindgren raiste, der Gegner callte im Blind und besiegte Lindgren mit Two Pair gegen King high. Eben jener Gegner wurde auch Erster und gewann 46.395 Dollar. Lindgren belegte den achten Platz.

Auch 2007 setzte Lindgren einige Ausrufezeichen. Im Januar gewann er die Crown Aussie Millions Championship in Melbourne mit über 700.000 Dollar Siegprämie. Im Mai wurde er Fünfter bei einem World Poker Tour Event, dem Mirage Poker Showdown. Mit etwa 12.000 Dollar ist das Preisgeld eher als Almosen zu betrachten. Jedenfalls für Lindgrensche Verhältnisse.

Lindgren ist auch Buchautor. Sein Werk "World Poker Tour: Making the Final Table" beschäftigt sich Schwerpunktmäßig mit der strategischen Vorgehensweise bei Turnieren.

Jeder Spieler hat seine eigenen Rituale, um die eventuell vorhandene Nervosität kurz vor Beginn eines Turniers in den Griff zu bekommen. Wenn Lindgren noch nicht gefrühstückt hat, nimmt er schon mal einen 60 Jahre alten Cognac, einen Hardy Diamond Noces de Diamant, zu sich. Das Glas gibt es für "günstige" 150 Dollar. Dann bestellt er eine Cola light für 4 Dollar und mixt beides zu einem Cocktail. In zwei Zügen ist alles runter gespült. Sein Kommentar: "Schmeckt nicht, das Zeug, funktioniert aber." Zum Vergleich die Methode Negreanu: Selters, eine Banane, Nüsse und eine Schachtel "Clear Edge" (Adrenalin-Blocker).

Aber auch außerhalb des Pokerbetriebs macht Erick Lindgren von sich reden. So gewann er im Juni 2007 eine 350.000 Dollar Wette beim Golf. Zunächst begann alles zwischen Lindgren und Gavin Smith. 100.000 Dollar waren im Pot. Phil Ivey nahm ebenfalls daran teil und schon verdoppelte sich der Einsatz. Einige andere, wie Chris Bell, kamen hinzu und legten noch etwas drauf. Bears's Best ist ein schwieriger Platz und die Wüstenhitze um Las Vegas tut ihr Übriges. Ziel war es, in vier Runden jeweils unter hundert Schlägen zu bleiben. Dabei hatte Lindgren seine Ausrüstung selbst über den Platz zu tragen. Der Gefahr eines Hitzschlages trotzend, siegte er und verlor dabei ungefähr 12 Pfund (6 Kilo).

Für Online-Spieler hat Lindgren noch einige Ratschläge parat: "Poker ist heute ein anderes Spiel als noch vor zehn Jahren. Die Konkurrenz ist härter geworden. Akademiker spielen jetzt Poker, ehemalige Schachprofis. Sie alle üben im Internet. Da lernst du in einem Jahr, wozu du sonst sieben Jahre brauchst. Wenn man diese Jungs unterschätzt, machen sie dich kalt."

Online-Spieler seien in der Effizienz vergleichbar mit Maschinen. Sie gehen sehr analytisch vor. "Im Internet siehst du keinen Gegner, Mimik und Gestik verraten dir nichts. Deshalb ist Spieltheorie extrem wichtig."

Die Berechnung der Wahrscheinlichkeit ist das kleine Einmaleins des Pokerspielers. Ein Online-Spieler muss das Unmögliche in seine Überlegungen einbeziehen. Wann kann er bluffen, wann nicht? Kann er nach dem Einsatz seines Mitspielers noch in der Hand bleiben? Was könnte sein Gegenüber auf der Hand halten?

Besonders stellt er heraus, niemals gierig zu sein, immer Ruhe zu bewahren und diszipliniert zu spielen. Wichtig ist auch, sich niemals unter Druck zu setzen.


Autor: Carsten Schmidt
Bildquelle: FullTiltPoker