Tilt-Coach Jared Tendler: "Phil Hellmuth wird aus der nächsten Ausgabe entfernt"

Jared Tendler konnte mit seinem Buch bereits zahlreichen Pokerspielern bei Problemen mit ihrem Mindset und ihrer Tiltanfälligkeit helfen. In unserem aktuellen Interview spricht er über den Final Table der WSOP und Phil Hellmuths Leistung in Las Vegas.

Jared Tendler
Erst waren es Golf-Berufsspieler, die er beim Erreichen ihres vollen Potenzials unterstützte und durch die Bekanntschaft mit Dusty 'Leatherass9' Schmidt kamen kurz darauf auch professsionelle Pokerspieler hinzu. Jared Tendler ist Experte darin, seinen Kunden zu helfen, ein möglichst optimales Mindset für ihre Sportart zu erarbeiten.

Ob tieferliegende Furcht vor Versagen, Ärger, wenn der Zufall nicht in die Karten spielt oder Verzweiflung bei längeren Durststrecken: In "The Mental Game of Poker" stellt er einen Großteil seines Wissens in Buchform zur Verfügung. Im Interview mit PokerStrategy.com geht er unter anderem darauf ein, wie Pius Heinz seinen WSOP Main Event Final Table angreifen sollte und warum  Phil Hellmuth bald keinen Platz mehr in seinem Buch haben könnte.

"Korrigiere deine Schwächen im Moment"

PokerStrategy.com: Spieler nehmen sich oft Coaches, bevor sie einen Final Table wie den des WSOP Main Event in Angriff nehmen. Was kann ein Mental-Coach wie du dann überhaupt noch erreichen?

JaredTendler: Ich kenne die Spieler persönlich nicht, daher weiß ich auch nicht, was für sie möglicherweise das Wichtigste sein könnte. Spieler in der unteren Hälfte des Chipcounts wie der deutsche Vertreter Pius Heinz (7. in Chips) werden wohl nicht mit großartigen Erwartungen ins Spiel starten. Das wird für ihn weniger Druck als bei so manchem anderen Teilnehmer bedeuten.

Davon abgesehen ist er nur ein Double-Up von der großen Chance entfernt, sich für den Gewinn des Events beste Voraussetzungen zu schaffen. Idealerweise läuft er irgendwann auf Hochtouren. Unter enormen Druck, wie er beim Final Table der WSOP herrscht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass taktische und mentale Fehler zum Vorschein kommen. Wie die anderen Spieler muss er seine Schwächen genau im Auge behalten und wissen, wie er sie gegebenenfalls im selben Moment korrigiert.

Drei Monate reichen nicht aus, viel an neuem Material dazuzulernen. Pius sollte es einfach halten und versuchen, seine Fehler so gut es geht abzuschalten und genau das dann auch auf sein Spiel am Final Table zu übertragen.


PokerStrategy.com: Gibt es denn unter deinen Coaching-Kunden einen Pokerspieler, der vor einem ähnlich großen Event deine Hilfe in Anspruch genommen hat?

JaredTendler: Ich habe Danny Steinberg gecoached, der beim Main Event der WSOPE im letzten Jahr auf Platz 6 ausschied. Ich kann jetzt nicht mehr sagen, über was wir vorher genau gesprochen haben, aber die Hauptarbeit haben wir vor dem Event zusammen auf den Weg gebracht.

Nach Turnierbeginn kann ich für meine Schüler nicht mehr viel tun. Das muss vor dem Spiel passieren.

Mir blieb vor allem in Erinnerung, wie Danny dann reagierte, als er kurz vor dem wirklich großen Geld ausschied. Er wusste intuitiv, dass er sein bestes Poker gespielt und sich den Respekt seiner Mitspieler erarbeitet hatte. Da dies so war, fühlte er sich großartig - unabhängig vom Ergebnis. Er war mit allen Sinnen auf das Spiel eingestellt und alleine der Zufall verweigerte ihm die entsprechende Belohnung.

Über sein Ausscheiden hat Danny auch einen bemerkenswerten Blog geschrieben. Man kann ihn hier nachlesen.


Phil Hellmuth macht Fortschritte
PokerStrategy.com: Stell dir vor, ein Amateur-Spieler wie ich hätte die Chance, ein großes Turnier zu spielen. Ich bin nervös. Ich habe Angst, auf meinem Stuhl Platz zu nehmen. Welche Werkzeuge kann ich auspacken, um meine mentale Einstellung wieder ins Lot zu bringen? Und was ist in deinen Augen drei Monate vor einem solchen Event noch machbar, was eine Stunde vor dem Start des Turniers?

JaredTendler: Wenn du wirklich nur noch eine Stunde übrig hast, musst du dir bewusst machen, dass die nervliche Belastung nicht automatisch dazu führt, dass du schlechtes Poker spielst. Im Gegenteil: Die Aufregung kann der Brennstoff dafür sein, dass du auf deinem höchsten Niveau spielst. Konzentriere dich darauf, die möglichst besten Entscheidungen zu treffen. Atme ein paar Mal tief ein, um deinen Gedankenfluss zu beruhigen.

Konzentriere dich auf die Möglichkeit eines positiven Ausgangs, nicht auf die Möglichkeit des Scheiterns.

Wenn du drei Monate Zeit hast, ist das viel Raum, um Tiefergehendes in Angriff zu nehmen. Der Hauptfokus sollte darauf liegen, dich zu fragen, warum du Angst hast, dich an den Tisch zu setzen. Diese Wurzeln der Angst müssen entfernt werden. Umso schneller bist du in der Lage, sie als Antrieb nutzen zu können und nicht von ihnen gelähmt zu werden.


PokerStrategy.com: Ein bekanntes Beispiel für Tilt war immer Phil Hellmuth. Wie beurteilst du seine starke Leistung bei der WSOP?

JaredTendler: Ich habe Phil während dieser WSOP beobachtet. Er hat definitiv bereits Fortschritte gemacht, was seine mentale Einstellung sowie seine Taktik betrifft. In meinem Buch habe ich die Tilt-Form, auf Erfolg Anspruch haben zu wollen, auch als "klassischen Phil Hellmuth-Tilt" beschrieben, aber das wird in der nächsten Auflage möglicherweise eine der ersten Passagen sein, die überholt ist.


Jared Tendlers Buch 'The Mental Game of Poker' könnt ihr online unter mentalgameofpoker.com bestellen. PokerStrategen erhalten 10% Rabatt, wenn sie den Code 2421 bei der Bestellung angeben.

Jared Tendlers Artikel bei PokerStrategy.com:

Tilt vermeiden - warum es bisher nicht geklappt hat ( Einsteiger-Status)
Die sieben Arten von Tilt und wie man sie bekämpft ( Silber-Status)
Prinzipien der Tiltkontrolle ( Silber-Status)

Kommentare (13)

Neueste zuerst
  • #1

    da fehlt ein teil der überschrift!?
  • #2

    die würde entfern
  • #3

    ausversehen entfern?
  • #4

    Die erste Version der Headline war zu lang, ohne dass es mir aufgefallen wäre. Sorry!

    Habe es jetzt gefixt.
  • #5

    "Tilt-Coach Jared Tendler: ..."

    hätte fast gesagt, stopped reading here, aber ich will mal so nicht sein.
  • #6

    btw, es heißt Potential
  • #7

    und: es heißt "The Mental Game of Poker"
  • #8

    Danke, den Fehler mit dem Buchtitel habe ich korrigiert.

    Bzgl: Potenzial vs Potential:

    "Von Duden empfohlene Schreibung:
    Potenzial
    Alternative Schreibung:
    Potential"
  • #9

    was ist das denn für ein bildzeitungsstyle?

    aus dem
    "Phil Hellmuth wird aus der nächsten Ausgabe entfernt"
    der überschrift wird im text
    "...aber das wird in der nächsten Auflage möglicherweise eine der ersten Passagen sein, die überholt ist."
  • #10

    iwie tiltet mich seine visage
  • #11

    #9

    find's auch nicht ok, dass in der Überschrift suggerriert wird, Phil Hellmuth hätte sich daneben benommen
  • #12

    Davon abgesehen finde ich die Überschrift nichtmal zutreffend. Zumindest in der hier veröffentlichten Version des Interviews steht schließlich lediglich, dass diese Bezeichnung mit der nächsten Auflage evtl. "überholt" wäre. Dass sie geändert oder gar entfernt würde, lese ich da nicht zwangsläufig raus.
  • #13

    @10: deswegen ist Jared ja auch ein Tilt-Coach.