03.02.12

"bwin/Party verschmelzen dieses Jahr ihre Spielerpools" - Interview mit Jim Ryan

PokerStrategy.com hat sich mit dem bwin.party Co-CEO Jim Ryan zusammengesetzt und über den Black Friday, die Situation in den USA, die WPT, Social Gaming, Regulierungen und vieles mehr gesprochen.

Jim Ryan
bwin.party Co-CEO Jim Ryan
 
Anlässlich unserer jüngsten Erhöhung der StrategyPoints bei PartyPoker, unserem langjährigsten Geschäftspartner, haben wir uns zu einem Gespräch mit Co-CEO Jim Ryan getroffen.

Mit dem erwarteten Startschuss des Social Gamings um Echtgeld, der Regulierung der europäischen Märkte und der Rückkehr des Online-Pokers in den USA könnte das Jahr 2012 einige der bedeutendsten Änderungen des Pokermarktes seit langem für uns bereit halten.

Ein Name, der mit diesen und anderen Entwicklungen in Verbindung gebracht wird, ist bwin.party. Aus diesem Grund haben wir uns mit Co-CEO Jim Ryan zusammengesetzt und darüber gesprochen, was wir in den kommenden zwölf Monaten von seinem Unternehmen erwarten können.

PokerStrategy.com: Waren sie angesichts der Tatsache, dass der UIGEA zwar bereits seit fünf Jahren geltendes Recht war, aber vorher kaum gegen amerikanische Betreiber vorgegangen wurde, von den Ereignissen des Black Friday überrascht?

Jim Ryan: Wir waren immer der Meinung, dass es seit Inkraftsetzung des UIGEA illegal war, amerikanischen Kunden weiterhin Glücksspiele anzubieten. Daher waren wir auch von den Aktionen des FBI und des Justizministeriums am Black Friday nicht überrascht, konnten aber natürlich den Zeitpunkt dieses Eingriffs nicht vorhersagen.

PokerStrategy.com: Worin lagen Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass PartyPoker nach dem Black Friday nicht stärker gewachsen ist?

Jim Ryan: Direkt nach dem Black Friday gab es nicht viel zu holen, da PokerStars und Full Tilt in Europa weiter arbeiten konnten. Nachdem Full Tilt aber im Sommer seine Betriebslizenz verlor, konnten wir etwa 15% ihrer europäischen Spieler für uns gewinnen.

"Die Guthaben unserer Spieler sind abgesichert: PartyPoker ist zu 100% sicher."

PokerStrategy.com: Seit dem Black Friday interessieren sich die Pokerspieler stärker dafür, wie Poker reguliert und ihr Geld geschützt wird. Wie wollen Sie diesen Teil ihres Geschäfts transparenter gestalten?

Jim Ryan: Schon seit Gründung unseres Unternehmens als Aktiengesellschaft im Jahr 2005 müssen wir völlig transparent handeln. Neben der Berücksichtigung sämtlicher Regulierungsauflagen müssen wir uns auch an sehr strenge Offenlegungspflichten der Londoner Börse halten, die wir natürlich auch unseren Investoren schuldig sind. Und die Guthaben unserer Spieler sind abgesichert: PartyPoker ist zu 100% sicher.

PokerStrategy.com: Wie hat der Black Friday den Pokermarkt aus ihrer Sicht verändert?

Jim Ryan: Auf dem Weg hin zu einer Regulierung in den USA war der Black Friday ein notwendiger Schritt. Was wir daraus gelernt haben? Wir waren uns damals bereits darüber im Klaren, dass die Verabschiedung des Gesetzes im Jahr 2006 bedeutete, dass amerikanischen Kunden keinerlei Echtgeldspiele mehr angeboten werden dürfen.

PokerStrategy.com: Wann wird man ihrer Meinung nach in den USA wieder legal Online-Poker spielen können?

Jim Ryan: Das vor Weihnachten vom Justizministerium veröffentlichte Gutachten ebnet den Weg für ein innerstaatliches Pokerangebot in den USA. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit.

Unter anderem wurden bereits in Nevada, New Jersey, Florida, Kalifornien und Iowa entsprechende Gesetzesvorschläge auf den Weg gebracht. Über die Rechtmäßigkeit dieser Vorlagen hinsichtlich bestehender Bundesgesetze gibt es keine Zweifel und man kann davon ausgehen, dass eine oder mehrere dieser Vorschläge bis zum Ende des Jahres zu gültigem Recht werden.

Die wichtigere Frage ist jedoch, ob dieses Wettrennen der Staaten, Online-Poker als erster zu legalisieren, die US-Regierung dazu veranlasst, den ansonsten unvermeidlichen Flickenteppich aus verschiedenen Regulierungen, Besteuerungen und Aufsichtsbehörden durch eine bundeseinheitliche Gesetzgebung unter einen Hut zu bringen. Diese Möglichkeit einer landesweiten Regulierung beobachten wir weiterhin sehr genau.

"Ein innerstaatliches Pokerangebot in den USA ist nur eine Frage der Zeit"

bwin.party
Wird man dieses Bild auch in den
USA bald wieder sehen?
 
PokerStrategy.com: Glauben Sie, dass US-Pokerräume von den globalen Pokermärkten abgeschirmt sein werden?

Jim Ryan: Ja, davon gehen wir aus.

PokerStrategy.com: Denken Sie, dass nicht-amerikanische Spieler bei US-Pokerräumen werden spielen können?

Jim Ryan: Daran glauben wir aktuell nicht, wollen aber niemals nie sagen.

PokerStrategy.com: Es ist jetzt schon mehr als fünf Jahre her, dass sich PartyPoker vom US-Markt zurückgezogen hat - hätte die Marke bei einer Rückkehr immer noch die gleiche Strahlkraft?

Jim Ryan: Laut einer Bekanntheitsstudie, die vor knapp einem Jahr in drei der bevölkerungsreichsten Staaten (Kalifornien, New York und Florida) durchgeführt wurde, war PartyPoker hinter PokerStars und Full Tilt die klare Nummer 3. Die beiden Spitzenreiter wurden allerdings nach dem bereits erwähnten 'Black Friday' vom Justizministerium vom Markt genommen.

Zusätzlich zu PartyPoker gehören auch die World Poker Tour, PokerRoom und ClubWPT zu uns, die es in dieser Umfrage alle in die Top 10 geschafft haben.

PokerStrategy.com: Woran liegt es, dass sich viele Länder abschotten wollen und nicht etwa die Betreiber besteuern und weiter Teil des globalen Marktes sein möchten?

Jim Ryan: Wir befinden uns immer noch in der Anfangsphase einer Regulierung der europäischen Märkte und erwarten daher noch weitere Änderungen. Dänemark hat beispielsweise sehr pragmatisch reagiert und erkannt, dass die Einnahmen umso größer sind, je größer die Liquidität des Markets ist. Die dänische Regulierung kann daher anderen Ländern als Vorbild dienen.

PokerStrategy.com: Gehen Sie davon aus, dass die Regulierung in Schleswig-Holstein wie geplant verlaufen wird, nachdem es in Spanien und anderen Ländern zu Verzögerungen kam?

Jim Ryan: Wir erwarten, dass Schleswig-Holstein in Kürze Durchführungsbestimmungen veröffentlicht und im nächsten Monat mit dem Lizensierungsprozess beginnt. Unseren Informationen zufolge läuft die Regulierung in Schleswig-Holstein also wie geplant.

"Solange deutsche Gesetze gegen EU-Recht verstoßen, werden wir unsere Produkte in Deutschland anbieten."

PokerStrategy.com: Wird es mit einer Lizenz aus Schleswig-Holstein möglich sein, Online-Poker deutschlandweit anzubieten?

Jim Ryan: Wir glauben, dass der aktuelle und auch der vorgeschlagene neue Staatsvertrag gegen europäisches Recht verstoßen. Solange sich der deutsche Rechtsrahmen nicht mit EU-Recht vereinbaren lässt, werden wir unsere Produkte weiter in Deutschland anbieten.

PokerStrategy.com: Wird es in der Zukunft eine Zusammenlegung der Spielerpools von bwin und PartyPoker geben?

Jim Ryan: Unser Ziel ist es, unsere Spielerpools noch in diesem Jahr zu verschmelzen. Einer der entscheidenden Vorteile der Fusion von bwin und PartyGaming wird die Zusammenlegung der Spielerpools unserer drei Netzwerke sein - das globale dotcom-Netzwerk bereits im Sommer und später dann die Netzwerke in Italien und Frankreich.

Dadurch werden wir im dotcom-Markt die Nummer 2 und zum Marktführer in Frankreich und Italien.

PokerStrategy.com: Spielt der angestrebte Verkauf von Ongame in diesem Prozess eine große Rolle?

Jim Ryan: Nein, unsere Pläne sind unabhängig von einem Verkauf von Ongame.

"Wir wollen in diesem Jahr die Spielerpools von Party/bwin zusammenlegen."

bwin.party
Die Spielerpools von bwin & Party
sollen noch in diesem Jahr
zusammengelegt werden
PokerStrategy.com: 2012 ist das Jahr, in dem Echtgeldpoker und der Bereich "Social Media" zusammenwachsen könnten. Was hat PartyPoker in dieser Hinsicht geplant?

Jim Ryan: Wir sind von den Möglichkeiten, die uns das Social Gaming bietet, begeistert. Obwohl sich dieses Geschäftsmodell deutlich von unserem Kerngeschäft Echtgeld-Gaming unterscheidet, sind doch viele der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Social Gaming-Sparte schon unter dem Dach von bwin.party vorhanden.

Aber wie man sich vielleicht vorstellen kann, sind unsere genauen Pläne für die Zukunft aus Wettbewerbsgründen streng vertraulich.

PokerStrategy.com: Wird es in näherer Zukunft eine PartyPoker-App für Mobiltelefone geben?

Jim Ryan: Ja. Für das iPhone und Android-Handys gibt es bereits eine bwin-App und wir haben vor, ähnliche Produkte auch für PartyPoker zu entwickeln.

PokerStrategy.com:  Wir freuen uns, dass es im Zuge der World Poker Tour so viele europäische Turniere gab. Sind sie mit der Entwicklung der WPT seit ihrer Übernahme zufrieden?

Jim Ryan: Zunächst einmal sind wir mit den Ergebnissen der World Poker Tour sowohl in den USA als auch in Europa sehr zufrieden. Die Zahlen der europäischen WPT-Events haben unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Die WPT ist eine unserer Haupt-Pokermarken und genießt in Europa und vor allem in den USA einen hohen Bekanntheitsgrad. Auch in 2012 und darüber hinaus wollen wir die WPT-Events online bestmöglich unterstützen.