10.01.12

Brauchen wir eigentlich Super Highroller-Events?

Viktor Blom hat vor ein paar Tagen das $100.000 Event der PCA gewonnen. Über Sinn und Unsinn der aktuellen Entwicklung bei Events mit Buy-in im sechsstelligen Bereich schreibt Barry Carter in dieser Kolumne.

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Blom gewinnt das
PCA $100k Buy-in Event
 
Mit Viktor Blom hat ein prominenter Spieler erst kürzlich das $100.000 Super Highroller-Event der PCA gewonnen. Im Verlauf des Monats gibt es bei den Aussie Millions noch je ein Event mit einem Buy-in von $100.000 und $250.000.

Ebenfalls in diesem Jahr steht bei der WSOP ein Event mit einem Buy-in von $1 Million an, auch die WPT wird ein $100.000 Event veranstalten. Und zweifellos werden wir auch in den nächsten beiden Jahren mehr Turniere dieser Größenordnung erleben.

Zugegeben: Als sich der Black Friday ereignete, dachte ich wirklich, dass mit als erstes diese Turniere mit sechsstelligem Buy-in von der Bildfläche verschwinden würden. Der Onyx-Cup fand dann auch logischerweise nie statt, weil er zu Full Tilt gehörte, aber darüber hinaus bleiben uns die Super Highroller-Events allem Anschein nach erhalten.

Sind diese Events aber mehr als ein Publicity-Stunt? Sind sie ein von vielen Fans gefordertes Spektakel? Und will die High Stakes-Community überhaupt mitspielen?

Die Zeiten sind schlecht

Warum ich über den Erfolg dieser Super Highroller-Events so überrascht bin: Wir befinden uns in einer für die Poker-Wirtschaft schlechten Zeit. Der Black Friday hat nicht nur dazu geführt, dass viele Profis aus den USA ihr täglich Brot nicht mehr online verdienen können, sondern auch zu hunderten Millionen Dollar, die auf Full Tilt Poker feststecken und dem System so entzogen sind.

Berücksichtigt man dann noch die globale Rezession und dass einige der üblichen Verdächtigen, die sonst in einem Super Highroller-Turnier anzutreffen sind, momentan von der Bildfläche verschwunden sind (z.B. die Anteilseigner von FTP), dann bin ich schon geschockt, dass es immer noch so viele Spieler gibt, die sich diese Events leisten können. Oder dass zumindest noch genügend Geld im Pokersystem steckt.

Höhenangst?

Der moderne Pokerspieler ist sich der Konzepte von Varianz und Bankroll Management sehr wohl bewusst. Und doch müssen die meisten dieser Events außerhalb eines gesunden BRM von allen außer ein paar Spielern sein (und die sind in der Regel sogar Cash Game-Spieler). Ich kann einfach nicht verstehen, warum sich überhaupt jemand (außer geistig Zurückgebliebenen) solch massiven Swings aussetzen will.

Die Felder dieser Turniere sind klein, nur selten nehmen mehr als 40 Spieler teil. Von daher ist die Varianz nicht so hoch wie bei einem MTT mit 600 Spielern. Aber der Level des Pokerspiels ist um einiges höher und es gibt nur ein paar Events in diesem Jahr, von daher wird kein Spieler auch nur annähernd eine Sample Size in Super Highrollern aufbauen.

Daneben gibt es so gut wie nie ordentliche Satellites zu diesen Events, weil das Buy-in der Satellites für 99,99% aller Spieler schon eine das Leben verändernde Summe darstellt. Und die würden die Summe dann lieber in Cash ausgezahlt bekommen, wenn sie gewinnen. Spieler können zwar Teile ihrer Action verkaufen, um so die Varianz zu verringern. Für den Stakenden ist es aber kein allzu lukratives Geschäft, da der ROI im Vergleich zu großen Turnieren im Falle eines Sieges deutlich kleiner wäre.

Gemacht für TV Final Tables?

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Sam Trickett gewann zwei Mal siebenstellig
in Super Highrollern im letzten Jahr.
 
Aus der Sicht von Turnier-Organisatoren machen Super Highroller-Events schon mehr Sinn. Ihnen ist ein gut vermarktbarer Final Table so gut wie sicher, den sie im TV ausstrahlen können, denn das Spielerfeld wird unausweichlich mit vielen gesponserten und/oder sehr bekannten Spielern gespickt sein.

Der Preispool wird am Ende ungefähr ähnlich sein wie der eines normalen Main Events, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Final Table mit lauter unbekannten Spielern geben wird, ist quasi bei null.

Ich persönlich bin ein großer Fan von allem, das Freizeitspieler anspricht und für Poker begeistert - auch wenn das bedeutet, dass die 'TV Pros' erfolgreicher erscheinen, als sie in den letzten Jahren tatsächlich waren. Die Super Highroller sind diesbezüglich ein großer Vorteil für eine Poker-Show im TV.

Ich denke jedoch, dass ein weiterer grundlegender Aspekt von Poker der Moneymaker-Effekt ist. Die Tatsache, dass jeder beliebige Spieler teilnehmen und über Nacht zum Millionär werden kann.

Super Highroller-Events verhindern dies effektiv und reduzieren ein mögliches Aschenputtel-Märchen auf ein "normales" Spektakel. Ein tolles Spektakel zwar, wie meine Lieblingspokersendung aller Zeiten eine war, High Stakes Poker. Aber wir müssen sehr vorsichtig sein, dass dieses Format die Ausnahme bleibt und nicht zur Regel wird.

Verzerrte All-Time Money-Rankings

Ranglisten, in denen die Gesamtgewinne aller Spieler miteinander verglichen werden, waren immer schon ein schlechter Indikator für die Frage, wer wohl der beste Spieler der Welt ist, weil sie nur die Events berücksichtigen, in denen ein Spieler gecasht hat und nicht auch die, an denen er lediglich teilgenommen hat. Sie sind absolut nicht repräsentativ was den tatsächlichen Profit eines Spielers angeht und in vielen Fällen sind diejenigen, die wie große Gewinner aussehen, auf lange Sicht sogar große Verlierer.

Einer der positiven Aspekte vieler Super Highroller-Events ist der, dass diese Ranglisten von ihnen sehr stark verzerrt werden. So sehr, dass die Spieler, die früher viel auf sie gegeben haben, das jetzt nicht mehr so stark machen. Natürlich sind die Ranglisten irgendwo noch ein Indikator für die Qualität eines Spielers, aber zum Glück werden sie nicht mehr als die einzige Wahrheit über Können und Klasse angesehen.

Sollten wir die Main Event Buy-ins ändern?

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Seidel ist der König der
Super Highroller
 
Eine weitere Frage, die ich mir zuletzt gestellt habe: Sollten die $10.000 bzw. 5.000€ Main Event Buy-ins für die EPT/WSOP/WPT erhöht werden?

Wir haben jetzt nicht nur Highroller- (10k€-15k€, $15k-$25k), sondern auch auch Super Highroller-Events (sechsstellig aufwärts), von denen erstere oft ein paar hundert Teilnehmer aufweisen.

Heißt das vielleicht, dass das Buy-in für ein Main Event etwas heraufgesetzt werden sollte? Immerhin kostet das WSOP Main Event schon seit den 1970er Jahren $10.000.

Für mich lautet die Antwort nach wie vor nein, und zwar mit demselben Argument, welches ich auch schon bei den TV Final Tables gebracht habe: Ein Hauptaspekt von Poker ist, dass sich der Amateur im gleichen Feld mit den Profis messen kann.

$10k ist nach wie vor eine enorme Geldsumme und bei den großen Teilnehmerzahlen der letzten Zeit und den riesigen Preispools, die so entstehen, erscheint mir $10k als das perfekte Buy-in, um sowohl die Amateure als auch die Profis anzulocken.

Wenn man darauf abzielt, eine gut vermarktbare TV-Show zu schaffen, sind Super Highroller-Events eine tolle Idee. Langfristig gesehen aber sind die $10k-Events der Goldene Schnitt für alle Beteiligten. Sie schaffen ebenfalls oft siebenstellige Preisgelder für den ersten Platz, garantieren in der Regel ein hohes Spielniveau und zumindest ein paar bekannte Spieler an den meisten Finaltischen.

Gleichzeitig wirken sie aber nicht so unverschämt teuer, dass der Durchschnittsspieler nicht davon träumen könnte, an ihnen teilzunehmen. Und, was am wichtigsten ist: Sie erlauben es einem Pokerraum, ein erschwingliches Satellite-Programm zu erstellen.

Die Poker-Elite

Bislang habe ich mich hauptsächlich darauf beschränkt, was der durchschnittliche Pokerspieler über das Thema denkt, aber eigentlich sind diese Events natürlich für die Poker-Elite gemacht. Letzten Endes besteht dann ein Bedarf für Super Highroller-Events, wenn es genügend Spieler gibt, die sich dazu bereit erklären, das Buy-in zu zahlen.

Ob das nun daran liegt, dass einigen Spielern $10k zu wenig oder sie einfach vollkommen verrückt sind, sie das Gefühl haben, dass sie gegenüber diesen elitären Teilnahmefeldern eine Edge haben oder sie einfach nicht dabei erwischt werden möchten, nicht an ihnen teilzunehmen: Super Highroller besetzen eine vorherige Marktlücke.

Ich mag sie, sie sind definitiv unterhaltsam und man kann viel über sie schreiben. Ich glaube, dass es sie noch länger geben wird, wenn wir alle sie nicht ganz so ernst nehmen. Und solange Online-Pokerräume und TV-Sender nicht 99,99% aller Pokerspieler zu solcher zweiter Klasse machen, indem sie ihr Turnier so behandeln, als würden alle anderen nicht mehr zählen (FTP hätte dies ziemlich sicher mit dem Onyx Cup gemacht), werden die Super Highroller-Events immer einen Platz in der Pokerwelt haben.

von Barry Carter