23.03.12

Exklusiv: Wie sich Online-Poker und Offline-Glücksspiel gegenseitig beeinflussen

Heute zitiert PokerStrategy.com aus einer exklusiven Studie der Universitäten von Nevada und Hamburg, in der die positiven Effekte von Online-Poker auf den Offline-Glücksspielmarkt nachgewiesen werden. Außerdem beinhaltet die Studie beeindruckende Daten über die Größe des nordamerikanischen Pokermarkts.

Wir alle wissen, dass Online-Pokerräume und 'echte', also aus Stein gebaute Casinos, immer wieder erfolgreich zusammen arbeiten. Man muss sich nur die Beliebtheit von Turnier-Serien wie der European Poker Tour anschauen, um zu sehen wie eine geschäftliche Beziehung zwischen den zwei Einrichtungen für beide Seiten vorteilhaft sein kann. Aber nehmen sich Casinos und Online-Seiten eigentlich gegenseitig die Umsätz weg?

Kahlil Simeon Philander von der University of Nevada und Ingo Fiedler von der Universität Hamburg haben nun eine gemeinsame Forschungsarbeit veröffentlicht, die beweist, dass dies nicht der Fall ist. Ihre Arbeit, die den Namen "Online Poker in North America: Empirical Evidence on its Complementary Effect on the Offline Gambling Market" ("Online-Poker in Nordamerika: Empirische Untersuchungen über komplementären Effekte auf den Offline-Glücksspielmarkt") trägt, ist die erste Untersuchung dieser Art, in der bewiesen wird, dass Online-Poker nicht den Umsätzen von Glücksspiel in Casinos schadet. Vielmehr ist es den Umsätzen zuträglich.

Online-Poker und Offline-Glücksspiel ergänzen sich gegenseitig

live poker
Online-Poker & Offline-Gambling
ergänzen sich
In bisherigen Untersuchungen wurde der Schluss gezogen, dass Online-Poker dem Offline-Glücksspielmarkt Teile des eigenen Umsatzes streitig machen würde, beide Branchen also um denselben Markt kämpfen würden. In der neuen Untersuchung werden hingegen Beweise dafür geliefert, dass Online-Poker und Offline-Glücksspiel sich tatsächlich gegenseitig ergänzen, also Komplementärgüter sind (bitte beachtet, dass in der Studie Online-Poker mit allen Offline-Glücksspielarten verglichen wird und nicht nur mit Offline-Poker. Grund hierfür sind bestimmte Einschränkungen der Studie):

"Die Ergebnisse sind überraschend: Im Ergebnis streiten Online-Poker und Offline-Glücksspiel nicht um denselben Markt und nehmen sich gegenseitig den Gewinn weg. Stattdessen fanden wir einen kleinen, aber eindeutig positiven Zusammenhang zwischen beiden Variablen. Dies legt den Schluss nahe, dass sich beide Märkte gegenseitig stärken und ihre Angebote Komplementärgüter und nicht Substitutionsgüter sind."

"Abhängig vom zugrunde gelegten Berechnungsmodell haben wir herausgefunden, dass wir in einem Markt mit einem zusätzlichen Ertrag von $1 Million für Casinos einen zusätzlichen Ertrag von $2.700 für Online-Pokerräume vorhersagen können. Dies bedeutet, dass je größer der Online-Pokermarkt ist, desto größer ist auch der Offline-Glücksspielmarkt und umgekehrt. Umgekehrt bedeutet es, dass ein kleinerer Online-Pokermarkt einen negativen Effekt auf die Größe der Offline-Gaming-Industrie hat."

Online-Poker-Industrie setzt $3,6 Milliarden um

live poker
Der US-Markt ist $1,2 Milliarden groß
In der Studie werden außerdem die bislang genausten Schätzungen der Größe des Online-Pokermarkts für das Jahr 2010 geliefert, besonders für die USA & Kanada. Der Online-Pokermarkt hatte 2010 demzufolge insgesamt eine Größe von $3,6 Milliarden, wobei allein der US-Markt eine Größe von $1,2 Milliarden hatte.

Diese Zahl bezieht sich auf einen relativ stabilen Zeitpunkt des US-Pokermarkts kurz vor dem Black Friday. Die Auswertungen der Online Poker Database durch die Universität Hamburg in 2009 vermuteten, dass 1.429.943 Amerikaner (also 0,46% der Bevölkerung) Online-Poker spielten und geschätzte $981 Millionen an Rake zahlten.

In derselben Studie wurde die Zahl kanadischer Online-Pokerspieler mit 307.000 beziffert, die eine Summe von $220 Millionen an Rake zahlten. Obwohl diese Zahl aus offensichtlichen Gründen deutlich kleiner als die der US-Amerikaner ist, so ergibt sie interessanterweise, dass 0,9% der kanadischen Bevölkerung Online-Poker spielten. Damit ist der prozentuale Anteil in Kanada doppelt so hoch wie in den USA, ohne Zweifel eine Folge der Tatsache, dass Online-Poker in Kanada nicht rechtlich beschränkt wird.

Damit liefert die Studie klare Beweise dafür, welch großes Potenzial ein regulierter Online-Pokermarkt in den USA hätte. Legalisiertes Poker würde wohl mit Sicherheit dafür sorgen, dass die Zahlen aus 2010 signifikant ansteigen. Legales Online-Poker würde in den USA außerdem zu deutlich höheren Steuereinnahmen führen. In der Forschungsarbeit wird aber auch die möglichen Probleme hingewiesen:

"Während die komplementären Effekte für die Betreiber von Offline- und Online-Glücksspiel durchweg positiv sind, stellen sie für die Gesetzgeber ein zweiseitiges Schwert dar. Mit einer Legalisierung wird einerseits ein höheres Steueraufkommen sowohl für Online-Produkte als auch für Offline-Glücksspiel angestrebt. Gleichzeitig führt eine Legalisierung aber auch zu einer höheren Verfügbarkeit des Produktes und damit zu einem größeren Markt. Dies kann größere Probleme mit Glücksspiel zur Folge haben."

PokerStrategy.com denkt, dass die Ergebnisse der Studie nicht nur für den US-Markt sehr wichtig sind, sondern für die Pokerbranche insgesamt, weil durch sie deutlich wird, dass Online-Poker und Offline-Glücksspiel sich gegenseitig positiv beeinflussen. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns eure Meinung hierzu in der entsprechenden Forendiskussion mitteilt.

Lest hier die komplette Studie
Diskutiert über das Ergebnis der Studie im Forum

von Barry Carter