Exklusiv: Wie sich Online-Poker und Offline-Glücksspiel gegenseitig beeinflussen

Heute zitiert PokerStrategy.com aus einer exklusiven Studie der Universitäten von Nevada und Hamburg, in der die positiven Effekte von Online-Poker auf den Offline-Glücksspielmarkt nachgewiesen werden. Außerdem beinhaltet die Studie beeindruckende Daten über die Größe des nordamerikanischen Pokermarkts.

Wir alle wissen, dass Online-Pokerräume und 'echte', also aus Stein gebaute Casinos, immer wieder erfolgreich zusammen arbeiten. Man muss sich nur die Beliebtheit von Turnier-Serien wie der European Poker Tour anschauen, um zu sehen wie eine geschäftliche Beziehung zwischen den zwei Einrichtungen für beide Seiten vorteilhaft sein kann. Aber nehmen sich Casinos und Online-Seiten eigentlich gegenseitig die Umsätz weg?

Kahlil Simeon Philander von der University of Nevada und Ingo Fiedler von der Universität Hamburg haben nun eine gemeinsame Forschungsarbeit veröffentlicht, die beweist, dass dies nicht der Fall ist. Ihre Arbeit, die den Namen "Online Poker in North America: Empirical Evidence on its Complementary Effect on the Offline Gambling Market" ("Online-Poker in Nordamerika: Empirische Untersuchungen über komplementären Effekte auf den Offline-Glücksspielmarkt") trägt, ist die erste Untersuchung dieser Art, in der bewiesen wird, dass Online-Poker nicht den Umsätzen von Glücksspiel in Casinos schadet. Vielmehr ist es den Umsätzen zuträglich.

Online-Poker und Offline-Glücksspiel ergänzen sich gegenseitig

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Online-Poker & Offline-Gambling
ergänzen sich
In bisherigen Untersuchungen wurde der Schluss gezogen, dass Online-Poker dem Offline-Glücksspielmarkt Teile des eigenen Umsatzes streitig machen würde, beide Branchen also um denselben Markt kämpfen würden. In der neuen Untersuchung werden hingegen Beweise dafür geliefert, dass Online-Poker und Offline-Glücksspiel sich tatsächlich gegenseitig ergänzen, also Komplementärgüter sind (bitte beachtet, dass in der Studie Online-Poker mit allen Offline-Glücksspielarten verglichen wird und nicht nur mit Offline-Poker. Grund hierfür sind bestimmte Einschränkungen der Studie):

"Die Ergebnisse sind überraschend: Im Ergebnis streiten Online-Poker und Offline-Glücksspiel nicht um denselben Markt und nehmen sich gegenseitig den Gewinn weg. Stattdessen fanden wir einen kleinen, aber eindeutig positiven Zusammenhang zwischen beiden Variablen. Dies legt den Schluss nahe, dass sich beide Märkte gegenseitig stärken und ihre Angebote Komplementärgüter und nicht Substitutionsgüter sind."

"Abhängig vom zugrunde gelegten Berechnungsmodell haben wir herausgefunden, dass wir in einem Markt mit einem zusätzlichen Ertrag von $1 Million für Casinos einen zusätzlichen Ertrag von $2.700 für Online-Pokerräume vorhersagen können. Dies bedeutet, dass je größer der Online-Pokermarkt ist, desto größer ist auch der Offline-Glücksspielmarkt und umgekehrt. Umgekehrt bedeutet es, dass ein kleinerer Online-Pokermarkt einen negativen Effekt auf die Größe der Offline-Gaming-Industrie hat."

Online-Poker-Industrie setzt $3,6 Milliarden um

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Der US-Markt ist $1,2 Milliarden groß
In der Studie werden außerdem die bislang genausten Schätzungen der Größe des Online-Pokermarkts für das Jahr 2010 geliefert, besonders für die USA & Kanada. Der Online-Pokermarkt hatte 2010 demzufolge insgesamt eine Größe von $3,6 Milliarden, wobei allein der US-Markt eine Größe von $1,2 Milliarden hatte.

Diese Zahl bezieht sich auf einen relativ stabilen Zeitpunkt des US-Pokermarkts kurz vor dem Black Friday. Die Auswertungen der Online Poker Database durch die Universität Hamburg in 2009 vermuteten, dass 1.429.943 Amerikaner (also 0,46% der Bevölkerung) Online-Poker spielten und geschätzte $981 Millionen an Rake zahlten.

In derselben Studie wurde die Zahl kanadischer Online-Pokerspieler mit 307.000 beziffert, die eine Summe von $220 Millionen an Rake zahlten. Obwohl diese Zahl aus offensichtlichen Gründen deutlich kleiner als die der US-Amerikaner ist, so ergibt sie interessanterweise, dass 0,9% der kanadischen Bevölkerung Online-Poker spielten. Damit ist der prozentuale Anteil in Kanada doppelt so hoch wie in den USA, ohne Zweifel eine Folge der Tatsache, dass Online-Poker in Kanada nicht rechtlich beschränkt wird.

Damit liefert die Studie klare Beweise dafür, welch großes Potenzial ein regulierter Online-Pokermarkt in den USA hätte. Legalisiertes Poker würde wohl mit Sicherheit dafür sorgen, dass die Zahlen aus 2010 signifikant ansteigen. Legales Online-Poker würde in den USA außerdem zu deutlich höheren Steuereinnahmen führen. In der Forschungsarbeit wird aber auch die möglichen Probleme hingewiesen:

"Während die komplementären Effekte für die Betreiber von Offline- und Online-Glücksspiel durchweg positiv sind, stellen sie für die Gesetzgeber ein zweiseitiges Schwert dar. Mit einer Legalisierung wird einerseits ein höheres Steueraufkommen sowohl für Online-Produkte als auch für Offline-Glücksspiel angestrebt. Gleichzeitig führt eine Legalisierung aber auch zu einer höheren Verfügbarkeit des Produktes und damit zu einem größeren Markt. Dies kann größere Probleme mit Glücksspiel zur Folge haben."

PokerStrategy.com denkt, dass die Ergebnisse der Studie nicht nur für den US-Markt sehr wichtig sind, sondern für die Pokerbranche insgesamt, weil durch sie deutlich wird, dass Online-Poker und Offline-Glücksspiel sich gegenseitig positiv beeinflussen. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns eure Meinung hierzu in der entsprechenden Forendiskussion mitteilt.

Lest hier die komplette Studie
Diskutiert über das Ergebnis der Studie im Forum

von Barry Carter

Kommentare (24)

Neueste zuerst
  • #1

    schöner artikel
  • #2

    nice to
  • #3

    "Aber nehmen sich Casinos und Online-Seiten eigentlich gegenseitig die Umsätz(e) weg?"
  • #4

    da produzierte im Schnitt jeder Onlinespieler der usa 686$ rake? Kommt mir aber viel vor, die ganzen microstakes Freizeitspieler müssten de Schnitt doch deutlich senken. die Summe macht der Eindruck das es nur Grinder gibt.
  • #5

    #4 hat ahnung wieviel rake man bezahlt
  • #6

    @4 Grinder mit nicht mal $2 Dollar Rake am Tag. True Story ;).
  • #7

    mhhh man kriegt vermutlich je nach model das man zugrunde legt andere ergebnisse. und wenn man nur offline poker mit online poker vergleicht vermutlich auch. denn hier wurde ja poker mit glücksspiel allgemein verglichen
  • #8

    @4 erst denken dann schreiben, dat hilft.
    nur als anregung für dich, 4 5$ Sng´s pro tag ergibt 2$ rake x 30 tage sind das 60 $ im monat und 720 im jahr. deine ausrechung ist der mittelwert und da haben deine mircogrinder den schnitt schon gesenkt.
  • #9

    $3,6 Milliarden Umsatz, da geht noch mehr!
  • #10

    cliffs?
  • #11

    @10: Steht doch in den Headlines :)

    Online-Poker und Offline-Glücksspiel ergänzen sich gegenseitig

    Sprich in super simpel: Je größer Online, desto größer offline und umgekehrt. Online und Offline kämpfen nicht um den selben Traffic, sondern machen den Kuchen größer, wenn einer zulegt!
  • #12

    obv ist obv oder`?
  • #13

    Ein guter Artikel! ABER:
    "Stattdessen fanden wir einen kleinen, aber eindeutig positiven Zusammenhang zwischen beiden Variablen." D.h. der Zusammenhang ist da, aber klein - und damit nicht signifikant! Signifikant hieße, dass er unbestreitbar ist. Da der Zusammenhang aber nur klein und positiv ist, solltet ihr nicht von "bewiesen" sprechen. Das ist statistisch und wissenschaftlich nicht sauber.
    Trotzdem: ein guter Artikel!
  • #14

    @12: Persönliche Meinung: Ich finde das nun auch nicht super überraschend, aber gerade in der Geschichte hat es oft zu jahrelangen Irrtümern geführt, weil sich niemand die Mühe gemacht hat, Gutfeeling einmal zu belegen.
  • #16

    @14 sure, jede aussage sollte auch belegt werden
  • #17

    Welch eine Überraschung das Ergebnis!
    (Achtung Ironie)
    Schon vor Jahren hab es im Einzelhandel Studien, die gezeigt haben, dass Händler den Umsatz an Coca-Cola gesteigert haben, wenn sie Pepsi mit ins Sortiment aufgenommen haben. Klingt kurios - ist aber so.

    Abgesehen davon .... letztendlich werden die Verbote sich dauerhaft nicht halten lassen ... es geht nur um die Zeitpunkt, ab dem in einen wie auch immer regulierten Markt Online-Poker legal in mehr oder weniger allen ecken der Welt gespilet werden kann.
  • #18

    "Legales Online-Poker würde in den USA außerdem zu deutlich höheren Steuereinnahmen führen."

    Folgendes fehlt noch: "Die dann zur Unterstützung der Spieler verwendet werden könnten, die ihr Kapital im reguliertem Markt verspielt haben. Erfahrungsgemäß profitieren 10%-15% der Spieler im Poker und die anderen 90% bezahlen dafür."
  • #19

    @#13: Im Artikel wird das Wort Signifikant verwendet. Ist halt die deutsche Übersetzung und wenn da steht "eindeutig" kann man sich schon denken dass das ganze etwas wissenschaftlicher im Artikel unter signifikant läuft.
  • #20

    und wieder 2 min zeit verschwendet ....
  • #21

    Wo ist der Beweis für die Verstärkung? Wächst der Pokermarkt, wächst er Online und Offline. Das ist keine Überraschung, sondern ziemlich logisch. Aber, nur weil der Onlinemarkt um 2.7k wächst, während der Offlinemarkt um 1.0 Mio wächst, bedeutet das doch noch lange nicht, dass das Wachstumg des Offline-Pokermarktes nicht grösser wäre, wenn es den anderen Online-Markt nicht geben würde? Barry geht hier scheinbar davon aus, dass die 2.7k verschwinden würden, wenn es keinen Onlinemarkt gäbe, aber beweisen tut das die Studie nicht? Oder muss man dafür die Studie lesen?
  • #22

    ich fände es gut, wenn bei solchen studien immer der auftraggeber mit genannt wird, halten zeitungen und magazine ja auch so.
  • #23

    @19 Danke;
    @22 Entweder Beweis glauben oder Studie lesen und dann den Beweis nachvolliehen;
    @23 Studie hat keinen Auftraggeber.
  • #24

    Die Frage ist, was wurde gemessen?

    Hypothese 1: wer für online Poker Geld ausgibt, ist auch bereit, in offline Casinos Geld auszugeben und umgekehrt.

    Hypothese 2: Eine Öffnung des online Pokermarkts zieht eine Umsatzsteigerung in den offline Casinos nach sich.

    Meiner Meinung nach wurde nur Hypothese 1 gemessen, Hypothese 2 gibt die Studie nicht her. Dazu hätte man nämlich die zeitliche Veränderung des Spielverhaltens von vor/nach Black Friday messen müssen. Hypothese 2 wäre dann erfüllt, wenn die die Umsätze der offline Casinos nach Black Friday völlig eingebrochen wären. Das ist wohl nicht der Fall, denke ich.
  • #25

    und für diese schlussvolge,braucht
    man zwei unis auf zwei konti,lol
    das ist aber arm also wirklich.