24.04.12

GBT-Anwalt Behnam Dayanim erklärt die Situation gegenüber PokerStrategy.com

PokerStrategy.com hat sich mit Groupe Bernard Tapie-Anwalt Behnam Dayanim unterhalten, um mehr Informationen zum gescheiterten Übernahmedeal mit Full Tilt Poker zu bekommen.

Bereits am frühen Abend hatten wir berichtet, dass der geplante Deal zwischen der Groupe Bernard Tapie und Full Tilt Poker geplatzt ist. Außerdem gab es Gerüchte, dass PokerStars Full Tilt kaufen möchte.

Behnam Dayanim, Anwalt der Groupe Bernard Tapie (GBT), erklärte exklusiv gegenüber PokerStrategy.com, warum die Übernahme doch nicht erfolgreich war. So waren es zwei Punkte, die für das Scheitern sorgten.

"Der erste Punkt waren die Rückzahlungen an die Nicht-US-Spieler. Wir hatten schon zu Beginn der Verhandlungen verdeutlicht, dass wir uns zur kompletten Rückzahlung der Nicht-US-Spieler verpflichtet haben. Bereits vor Februar 2012 hatten wir Diskussionen mit dem DOJ über einen Zeitplan dieser Rückzahlungen geführt", sagte Dayanim.

Allerdings musste die Groupe Bernard Tapie eingestehen, dass sie nicht in der Lage war, die Nicht-US-Spieler sofort vollständig auszubezahlen: "Es hätte etwas gedauert - die Spieler hätten zwar direkt mit ihren kompletten Bankrolls spielen können. Wir wären aber nicht in der Lage gewesen, die Auszahlung aller Guthaben sofort durchzuführen."

Laut Dayanim ist das bei Gläubigerforderungen bei solchen finanziellen Neustrukturierungen nichts Ungewöhnliches. Die Groupe Bernard Tapie setzte deshalb die Verhandlungen mit dem DOJ fort.

Jedoch gab es anschließend Probleme, wie Dayanim berichtete: "Relativ zum Ende der Verhandlungen kam das DOJ auf uns zu und sagte, dass sie keinem Deal zustimmen könnten, der nicht innerhalb von 90 Tagen die komplette Rückzahlung aller Spielergelder beinhalten würde - wir sagten, dass wir das nicht machen könnten."

Dayanim kann PokerStars-Gerüchte nicht bestätigen

Der zweite Punkt, der laut Dayanim zur gescheiterten Übernahme führte: Möglicherweise hätte der Deal außerhalb der USA negative Auswirkungen für die französische Investorengruppe zur Folge gehabt.

"In anderen Ländern wäre der Deal aufgrund der Gesetze vielleicht als illegal angesehen worden und die Gläubiger von Full Tilt Poker hätten möglicherweise versucht, die Schulden von Full Tilt bei der GBT einzutreiben."

Im Grunde genommen bedeutet das also, dass die Groupe Bernard Tapie unter Umständen außerhalb der USA für alle Verbindlichkeiten von Full Tilt Poker hätten haften sollen - auch wenn sie formal nur die Vermögenswerte des Unternehmens gekauft hätte.

"Fairerweise muss gesagt werden, dass wir uns dieses Risiko seit einiger Zeit bewusst waren. Wenn es bei diesem Deal das einzige Risiko gewesen wäre, hätten wir die Verhandlungen fortgesetzt. Doch kombiniert mit den kurzfristigen Änderungen bei der Auszahlung der Nicht-US-Spieler machte es einfach keinen Sinn mehr."

Behnam Dayanim kann nicht bestätigen, dass die Gerüchte einer möglichen Übernahme durch PokerStars wahr sind: "Es könnte gut sein, dass sich PokerStars dazu entschlossen hat, die von mir angesprochenen Risiken bei einer Gesamtlösung mit dem DOJ in Kauf zu nehmen. Sie könnten sich dazu entschlossen haben, dass diese Probleme bei diesem gigantischen Plan kaum ins Gewicht fallen werden und sie damit umgehen können."

von Matt Kaufman