20.06.12

Kolumne: Bitte hebt das Teilnehmerlimit beim One Drop auf

In seiner aktuellen Kolumne drängt Barry Carter die Orgnisatoren des $1.000.000 One Drop Event dazu, das bei 48 Spielern liegende Teilnehmerlimit aufzuheben. Davon würden sowohl die Spieler als auch die Charity-Aktion profitieren.

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Guy Laliberté
Bislang hatte ich eigentlich nie wirklich über das bei 48 Spielern liegende Teilnehmerlimit für das lang erwartete $1 Million One Drop Event nachgedacht. Um ehrlich zu sein hätte ich nie erwartet, dass die tatsächliche Teilnehmerzahl auch nur in die Nähe dieses Limits kommen könnte. Nun aber sieht es nicht nur so aus, als ob dies der Fall wäre. Es sieht sogar so aus, als ob deutlich mehr als 48 Spieler mitmachen wollten.

Wenn da, wie wir vor einer Woche exklusiv bestätigen konnten, nicht die Tatsache wäre, dass das bei 48 Spielern liegende Limit nicht angehoben wird.

Persönlich finde ich dies enttäuschend und ich denke, dass es den meisten in der Pokerwelt ähnlich geht. Wenn schon solch ein Spektakel mit einem Buy-in im siebenstelligen Bereich veranstaltet wird, dann sollte es auch so groß wie möglich sein. Ich bin mir bewusst, dass es in diesem Event logistisch gesehen viel schwieriger wäre, ein Cap zu erhöhen, als zum Beispiel in einem $1.500 Event. Dennoch möchte ich die Organisatoren dringend bitten, es dennoch zu tun.

Seth Palansky sagte zum Cap:

"Die Spieler waren seit dem 1. Juni 2011 in der Lage, sich für dieses Event zu registrieren. Also über ein Jahr lang. Wir haben uns von Anfang an viele Gedanken über die Regeln dieses Events gemacht."

Es tut mir leid, aber das macht einfach keinen Sinn, wenn man die Zielgruppe für dieses Event betrachtet: Pokerspieler. Wir waren noch nie dafür bekannt, besonders gut organisiert zu sein. Um dies zu erkennen, muss Palansky nur einen Blick auf das Tag 1D-Fiasko bei der WSOP 2009 werfen, bei dem hunderte Pokerspieler in der letzten Minute noch versuchten, sich für das Main Event zu registrieren, und damit scheiterten. Die meisten Pokerspieler, besonders diejenigen, die für die Teilnahme am One Drop infrage kommen, tendieren dazu, viele Dinge erst in der letzten Minute zu entscheiden.

Ich habe zwar keine Ahnung davon, wie die Bestimmungen über die Anmeldung lauten und ob man dabei sofort die komplette Summe hinterlegen muss. Aber wenn dies so ist, dann verstehe ich, wenn viele Spieler dieses Geld lieber erst an den Tischen investieren und sich erst sehr spät damit anmelden.

Außerdem bedeutet die Regelung, dass Spieler mit einem sehr guten Lauf bei der diesjährigen WSOP vom Event quasi ausgeschlossen sind. Es gibt immer ein paar Spieler, bei denen es so gut in den Turnieren oder bei Cash Games läuft, dass sie sich für einen Shot entscheiden, den sie sonst eher nicht gewagt hätten. Diesen Spielern stellt sich die Frage nun gar nicht erst.

Zum Schutz der Pokerökonomie

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Phil hat sich noch nicht angemeldet
Ich hörte Jack Effel sagen, dass er die Pokerökonomie keinem zu großen Risiko aussetzen wolle, wenn ein zu großer Teil der Liquidität dieses Wirtschaftskreislaufs möglicherweise an Menschen von außerhalb verloren geht.

Dieses Szenario wurde 2006 schon einmal Realität, als Andy Beal einen seiner Heads-up Battles gegen die "Corporation" gewann, ein Zusammenschluss von mehreren High Stakes Spielern aus Las Vegas. Doyle Brunson sagte am Ende der Partie die Worte "du kannst nach Hause gehen Andy, wir sind alle broke".

Diese Gefahr besteht tatsächlich: Es gibt genügend Geschäftsleute in diesem Event, sodass die Launen der Varianz einen großen Teil von ungefähr $40 Millionen Preisgeld dem Pokerkreislauf entziehen könnten. Und weil immer noch so viel Geld auf Full Tilt Poker liegt und für die Spieler nicht zugänglich ist, kann ich die Vorsicht hier verstehen.

Weitaus wahrscheinlicher ist aber, dass die großen Preisgelder von den professionellen Spielern gewonnen werden. Insofern sollte die Pokerökonomie also eher profitieren. Dies gilt umso mehr, weil nahezu jeder Spieler öffentlich erklärt hat, er werde von anderen Spielern gestaked. Damit werden auch die Gewinne breit in der Pokerwelt verteilt.

Hinzu kommt, dass die Struktur der Auszahlungen mit top 20% deutlich flacher ist als die sonst üblichen top 10%. Auch hierdurch wird es wahrscheinlicher, dass die Pokerökonomie von diesem Event am Ende profitiert.

Ich kann also dieses Argument, die Pokerökonomie schützen zu wollen, durchaus nachvollziehen. Aber wenn dies wirklich ein ernsthaftes Bedenken wäre, wäre es dann nicht sinnvoller, das Event um ein paar Jahre zu verschieben, wenn es der Branche insgesamt besser geht?

Das größte Spektakel aller Zeiten?

ESPN
Ein großer Schub für TV-Poker?
Nur wenige Turniere haben den Status, dass sie mit dem Main Event in Sachen Vorfreude, Größe, Prestige oder Unterhaltungswert mithalten können. Das One Drop könnte eines dieser wenigen Turniere sein.

Der Final Table wird sehr wahrscheinlich ein Traum für jeden TV-Produzenten wie auch Railbird sein. Die rekordverdächtigen Summen, um die es geht, werden außerdem eine deutlich größere Zuschauergruppe erreichen, als die sonst übliche Gemeinde der Pokerfans.

Warum auch sollten ESPN und die WSOP nicht versuchen, dieses Event so umfangreich zu vermarkten, wie es nur irgendwie geht? Warum sollten nicht die Spieler, die am Turnier mit dem größten Buy-in ihres Lebens teilnehmen, nicht zusätzlich zum Preisgeld mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit belohnt werden?

Ich sehe niemanden - nicht die TV-Macher, die Organisatoren, die Spieler, oder die Fans - der den Gedanken gut finden könnte, dass das Event sogar noch größer hätte sein können.

Die Pokerwelt braucht unbedingt einen Schub, besonders TV-Poker in den USA. Das One Drop könnte dieser große Schub sein. Momentan sind weder Phil Hellmuth noch Phil Ivey auf der Teilnehmerliste, beide haben aber gerade sehr großen Erfolg bei der World Series. Mit nur noch sechs freien Plätzen und mindestens zehn teilnahmewilligen Spielern kann es am Ende aber auch große Namen geben, die in die Röhre schauen. Wenn die zwei größten Ikonen des Spiels der Geschichte des TV-Pokers nicht teilnehmen könnten, wäre dies ein echtes Desaster (genau wie bei jedem anderen Profi, der auf der Warteliste ist).

Die Welt retten

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Pro Spieler gehen $111.111 an Charity
Und dann ist da natürlich noch der wichtigste Grund, warum man das Limit anheben sollte: Ziel des Events ist es, Geld für ein wohltätiges Projekt zu sammeln. Mit jedem weiteren Spieler, der am Turnier teilnimmt, gehen $111.111 an die One Drop Stiftung.

Das ist eine große Summe, über die sich jede andere Charity-Organisation wohl unglaublich freuen würde. Seth Palanski sagte hierzu nur: "Das Turnier sorgt für die größte Summe, die im Rahmen eines Charity-Pokerturniers jemals in der Geschichte des Spiels zusammenkam. Außerdem ist die Summe höher als die aller Charity-Poker-Events des letzten Jahres zusammen".

Ich will wirklich niemanden kritisieren, der ein Event auf die Beine stellt, in dem so viel Geld für einen guten Zweck gesammelt wird. Wenn alle 48 Spieler teilnehmen, kommt nämlich die atemberaubende Summe von $5.333.328 für One Drop zusammen.

Gleichzeitig aber kann ich mich nicht gegen das Gefühl wehren, dass das Limit eigentlich gegen den Ethos von gemeinnütziger Arbeit geht. Zahlreiche Menschen werden enttäuscht sein, wenn noch einmal $222.222 oder $333.333 hätten zusammenkommen können.

Einmal die Ausnahme machen

Ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass ein Heraufsetzen des Teilnehmerlimits die einfachste Sache der Welt ist. Das ist bestimmt nicht der Fall. Jede kurzfristige Änderung an einem Pokerevent bedarf der Zustimmung der Nevada Gaming Commission. Dabei würde ein Turnier dieser Größe wohl noch intensiver untersucht als jedes andere. Weil aber der Charity-Aspekt an diesem Turnier so wichtig ist, gehe ich davon aus, dass die NGC den Änderungen zustimmen würde.

Die WSOP hat in den vergangenen Jahren fantastische Dinge getan, um das Spiel voranzubringen. Dieses Beispiel könnte auch dazu gehören. Außerdem haben die Macher öffentlich gesagt, dass sie sich das Feedback der Spieler zu Herzen nehmen und Änderungen entsprechend ihrer Wünsche vornehmen würden.

Ich bin mir bewusst, dass ein Anheben des Teilnehmerlimits für das One Drop längst nicht so einfach ist, wie es in meiner Kolumne klingen mag. Aber dieses Event ist eines von wenigen, von dem die Pokerbranche enorm profitieren kann und das ebenso wichtig für eine sehr gute Sache ist.

Wenn es irgendwie möglich ist, das Teilnehmerlimit für das One Drop zu erhöhen, dann müssen die Organisatoren es tun.

Von Barry Carter