23.05.12

Kolumne: Wie hat Pius Heinz Poker in Deutschland verändert

Kurz vor dem Start der WSOP 2012 wirft Tobias Frey einen Blick zurück auf den Triumph von Pius Heinz. Unser PokerStrategy.com-Redakteur geht darauf ein, wie sich der Erfolg des 23-Jährigen auf Poker in Deutschland ausgewirkt hat.

Am Sonntag beginnt in Las Vegas die 43. Ausgabe der World Series of Poker: 61 Bracelets werden dieses Mal vergeben und natürlich drücken wir unseren Deutschen die Daumen und hoffen auf viele Armbänder.

Im vergangenen Jahr konnte der Kölner Wirtschaftspsychologie-Student und PokerStratege Pius Heinz das WSOP Main Event und $8,7 Millionen gewinnen. Doch wie hat sich der erste deutsche Main Event Erfolg auf die Pokerlandschaft bei uns ausgewirkt?

Mediale Aufmerksamkeit wie noch nie

Pius Heinz nach seinem Sieg
Zuerst einmal hat der 23-Jährige für einen großen Imagegewinn von Poker gesorgt, noch nie in der Vergangenheit haben so viele Medien über unser Kartenspiel berichtet. Welt, Spiegel, BILD, Süddeutsche Zeitung oder Frankfurter Rundschau - nach seinem Triumph war Pius in beinahe jedem Printmedium vertreten.

Auch beim Hörfunk und beim Fernsehen durfte er Präsenz zeigen: Heinz wurde zu stern-TV auf RTL und zu TV Total auf Pro7 eingeladen, viele weitere Sender wie ZDF, n-tv oder SPORT1 berichteten über ihn.

Und auch beim SWR wurde das Thema aufgegriffen: Unserem Weltmeister wurde auf SWR2 ein ausführlicher Hörfunkbeitrag gewidmet, zudem war Poker Thema in der Landesschau - wenn auch mit dem nicht gerade passenden Studio-Gast Horst Koch.

Mich hat es gefreut, dass Poker diesen kleinen Boom erlebte und der Bekanntheitsgrad erhöht wurde. Außerdem habe ich so langsam den Eindruck, dass bei vielen Menschen in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet und Pokerspieler nicht mehr in diese Schmuddelecke gedrängt werden - auch dafür gebührt Pius Dank.

Ob sich der Erfolg beim Main Event auf die Spielerzahl im Internet ausgewirkt hat, lässt sich nur schwer sagen. Ingo Fiedler, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Hamburg, sagte mir: "Der Sieg von Pius Heinz wird die deutsche Pokerwelt leicht beflügelt haben - aber auch nur leicht. Seit dem Black Friday ist Deutschland der größte Onlinepokermarkt und auch gleichzeitig ein relativ gesättigter Markt."

Es war klar, dass wir in Deutschland Ende 2011 nicht den gleichen Effekt haben würden wie 2003, als der Amateur Chris Moneymaker bei der WSOP erfolgreich war. Damals strömten die Spieler an die virtuellen Tische, meldeten sich bei den Online-Pokerräumen an und zockten bis tief in die Nacht.

"Pius Heinz hat sicher ein paar Prozent herausgekitzelt, allerdings wird es nicht weltbewegend sein", sagt Fiedler und wird mit dieser Einschätzung meiner Meinung nach richtig liegen. Auf den Live-Bereich hatte der Sieg keine großen Auswirkungen - die Teilnehmerzahlen der diesjährigen PokerStars European Poker Tour Berlin blieben hinter den Erwartungen zurück.

Die gefürchteten Deutschen?

Wofür Pius aber auf jeden Fall gesorgt hat: Deutschland wird plötzlich in anderen Ländern als Pokernation wahrgenommen. Während wir in den vergangenen Jahren oft belächelt wurden, werden wir jetzt ernst genommen.

Es gibt Respekt und Anerkennung von allen Seiten - Shaun Deeb bezeichnet Deutschland als eine der "toughsten Nationen" und auch Mickey "mement_mori" Petersen schätzt deutsche Pokerprofis als starke Spieler ein. Selbst Barry Greenstein war bei der EPT Berlin erstaunt über die Spielstärke am Tisch.

Die Zeiten, in denen wir mit Benny psychobenny Spindler, Tobias PokerNoob Reinkemeier, Dominik Ace0nTheRiver Nitsche und EPT- und WSOP-Sieger Sebastian miamivice Ruthenberg nur vier starke Turnierspieler hatten, sind vorbei: Jetzt gibt es einen riesigen Spielerpool mit etlichen großartigen Talenten.

Egal, ob Igor Lechuckpoker Kurganov, PokerStratege Martin Schleich, olekonjole, Philipp philgruissem Gruissem, Martin 0piggybank Finger oder Mario Maddyhh Puccini: Viele deutsche Spieler zeigten in den vergangenen Monaten starke Leistungen an den Pokertischen.

Mich würde es nicht wundern, wenn wir in diesem Jahr bei der World Series of Poker mehr Bracelets als in den Vorjahren ergattern würden. Vor allem im High Stakes Bereich ist es nach den jüngsten Erfolgen von Spielern wie Reinkemeier, Kurganov oder Gruissem sehr wahrscheinlich, dass die begehrten Armbänder bei der WSOP 2012 an deutsche Teilnehmer gehen.

Auf die Leistung der deutschen Spieler hatte Pius natürlich keinen Einfluss, doch durch seinen Triumph werden wir jetzt anders wahrgenommen und vor allem nicht mehr unterschätzt.

Mach's noch mal, Pius!

Gelingt Pius in Las Vegas ein
weiterer Bracelet-Erfolg?
Pius Heinz hat nicht nur für eine bessere Wahrnehmung von Poker im Allgemeinen und deutschen Spielern gesorgt, sondern auch für PokerStrategy.com.

Nach seinem Erfolg besuchte uns der Spiegel in Gibraltar und schrieb eine ausführliche Reportage. Im Februar 2012 durfte dann Dominik Korn Kofert live bei radioeins (RBB) über Poker fachsimpeln - ohne deutschen Erfolg bei der WSOP wäre dies wohl kaum möglich gewesen.

Natürlich hat das Interesse an Poker in Deutschland in den vergangenen Monaten wieder etwas abgenommen. Erfolge bei der World Series of Poker 2012 könnten aber dafür sorgen, dass in diesem Jahr erneut etwas mehr über unser Kartenspiel berichtet wird.

Einige Bracelets für deutsche Teilnehmer bei Side-Events wären eine tolle Sache und wer weiß: Vielleicht schnappt sich Pius am Ende beim Main Event das Double und tritt in die Fußstapfen von Johnny Moss, Stu Ungar, Doyle Brunson und Johnny Chan?

von Tobias Tooobi123 Frey