31.07.12

Kolumne: Wird die International Stadiums Poker Tour wirklich ein Erfolg?

Die International Stadiums Poker Tour steht mittlerweile immer häufiger in den Schlagzeilen, sodass Barry Carter seine frühe Skepsis überprüft und sich fragt, ob das Event nicht doch ein Erfolg werden könnte.

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Wembley Stadion
Einige von euch erinnern sich vielleicht daran, dass ich von Anfang an sehr am Konzept der International Stadiums Poker Tour (ISPT) zweifelte. Dabei ging ich sogar so weit zu behaupten, dass dieses Event so abgehoben sei, dass es gar nicht erst stattfinden würde.

Das Event schien logistisch nicht zu verwirklichen zu sein, die meisten Details waren zumindest unsicher und schienen sich ständig zu ändern, das Wembley Stadion war als Austragungsort nicht bestätigt und die hinter dem Turnier stehende Groupe Bernard Tapie war tief in den Skandal um Full Tilt Poker verstrickt.

Seitdem wurde es etwas ruhiger um die Veranstaltung, was sich aber in den letzten Wochen wieder geändert hat. Die Homepage wird öfter geupdated, Partner werden vorgestellt und einige Fragen wurden beantwortet. Tatsächlich stellte sich sogar mit Stephen McClean einer der Verantwortlichen unseren Fragen.

Bin ich nun dank all dieser Informationen immer noch skeptisch über die ISPT?

Ja, das bin ich.

Gibt es eine kritische Masse?

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1.765 Spieler im Grosvenor Goliath
Der Plan, 30.000 Spieler im Wembley Stadion zusammen zu bringen hört sich für mich immer noch wie ein Wunschtraum an. So sehr ich diese "Wenn man will, kann man alles schaffen"-Einstellung auch schätze, wird die kritische Masse für ein Event wie dieses nicht einmal in der Nähe von 30.000 liegen.

In unserem Interview erwähnte Stephen, dass das Kernpublikum des Turniers aus Großbritannien und Irland kommen würde. Dort hatten wir bisher einige Turniere mit etwas mehr als 2.000 Teilnehmern (im Dusk Till Dawn in Nottingham) und viele weitere mit mehr als 1.000 Spielern, allerdings allesamt mit wesentlich kleinerem Buy-in.

Meiner Meinung nach ist die Erwartung, aus diesem Umfeld den Kern der 30.000 anvisierten Teilnehmer rekrutieren zu können, eine gewaltige Überschätzung des Live-Pokermarktes in Großbritannien und Irland. Obwohl beide Communitys sehr lebendig sind, dürfte ihr Potential wohl kaum größer sein als es die bisher erreichten Teilnehmerzahlen hergeben.

Außerdem wurde in dem Interview gesagt, dass das Event sehr wahrscheinlich nicht außerhalb der Pokercommunity vermarktet werden soll. Darüber hinaus hieß es, dass der amerikanische Markt wohl nicht interessiert sein würde. Ich halte das für zwei weitere Fehleinschätzungen der Organisatoren. Die einzige Möglichkeit, die auf dieser Seite des Atlantiks bisher erreichten Teilnehmerrekorde zu übertreffen, ist es, Spieler von außerhalb des normalen europäischen Turnierzirkus anzuziehen. Komplett neue Spieler und Amerikaner sollten hier die Zielgruppe sein.

Natürlich ist es für Amerikaner nicht sehr komfortabel, nach Europa zu reisen um zu spielen, aber genau das trifft auch auf uns zu, wenn wir uns im Sommer auf den Weg zur WSOP machen - die Preispools rechtfertigen jede Reisestrapaze.

Diese Inkonsequenz wird umso deutlicher wenn man bedenkt, dass Michael Mizrachi einer der Botschafter des Events sein wird und man meinen könnte, dass er bei der Werbung amerikanischer Spieler hilfreich sein soll. Es gibt wohl nur wenige Spieler, die mit ihrer Popularität viele Spieler für solch ein Event begeistern könnten und Mizrachi gehört wahrscheinlich eher nicht dazu.

Ein logistischer Albtraum

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30.000 Laptops unter einem Dach?
Die logistischen Anforderungen des Turniers erstaunen mich noch immer. Als ich zum ersten Mal von diesem Event hörte, sollte noch jeder Teilnehmer ein spezielles Tablet erhalten, jetzt müssen die Spieler ihre eigenen Laptops mitbringen.

Die erste Option wäre zwar sehr teuer, die zweite ist allerdings einfach nur heikel, vor allem weil offensichtlich jeder Teilnehmer eine Steckdose und einen Internetanschluss benötigt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies einfach zu bewerkstelligen ist.

Ich erkenne die Notwendigkeit, den ersten Teil des Turniers am Computer zu spielen, durch aus an, aber es wäre definitiv besser gewesen von Zuhause aus online zu spielen und danach eine Woche Pause zu machen.

Dadurch würden den meisten Spielern keine Reisekosten entstehen, es würde keine Unterbringungsprobleme für 30.000 Online-Spieler in einem Stadion geben und es gäbe einen tollen Anreiz für die veranstaltende Online-Pokerseite das Event zu sponsorn.

Rund 3.000 Teilnehmer auf dem Spielfeld live spielen zu lassen sollte kein Problem sein - alles andere davor aber schon.

Ärger hinter den Kulissen?

Seit wir das Interview mit Stephen geführt haben, hat der Lack der ISPT einige weitere Kratzer abbekommen. Zunächst einmal wurde enthüllt, dass der Rake ungewöhnlich groß sein wird, was vorher natürlich niemand wusste. Der Rake beträgt 120€ beim 600€ Buy-in und 2.000€ beim direkten Buy-in von 6.000€.

Zwar muss man anerkennen, dass die Organisation eines solchen Events wesentlich teurer ist als normal, aber man weiß eben auch, dass die meisten Pokerspieler bei diesen Dingen sehr genau hinschauen. Jedem Teilnehmer 20% oder 33% an Rake abzunehmen ist in dieser Hinsicht schon sehr gewagt.

Wenn mit den Buy-ins der garantierte Preispool nicht übertroffen wird, ist das natürlich kein Problem. Schwierig ist vor diesem Hintergrund allerdings, dass nur kurz nach der Veröffentlichung unseres Interviews das Wörtchen "garantiert" von der Homepage der ISPT verschwand.

Stephen wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aus welchem Grund dies geschah, schrieb aber später in unserem Forum, dass die 20 Millionen Euro treuhänderisch hinterlegt werden und im September eine Erklärung zum garantierten Preispool folgen würde.

Wenn das wirklich so sein sollte, stellt sich die Frage, warum dann das Wort von der Homepage entfernt wurde. Das war offensichtlich eine bewusste Entscheidung und es gibt keinen vernünftigen Grund, warum dieses verlockende Wörtchen nicht dort stehen sollte - außer das Preisgeld wird eben doch nicht garantiert.

Ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass dieser Preispool im Mai 2013 tatsächlich noch garantiert sein wird und die Tatsache, dass einer der Organisatoren nichts von diesem Vorgang wusste, macht mich noch skeptischer. Ich habe schon oft erlebt, dass Events ihre garantierten Preispools zurückzogen und so gut wie immer endete dies in einer Katastrophe.

Die Hoffnungsschimmer

wembley
Kann es wirklich funktionieren?
Ich wollte nicht zu negativ klingen, als ich den ersten Artikel über dieses Thema schrieb und will es auch jetzt nicht. Schließlich gab es auch positive Nachrichten, seit ich zum ersten Mal über die ISPT geschrieben hatte.

Zunächst einmal glaube ich wie gesagt nicht im Geringsten daran, dass wir tatsächlich auch nur annähernd 30.000 Teilnehmer sehen werden. Der anvisierte Preispool liegt allerdings durchaus im Bereich des Möglichen.

Seit meinem letzten Artikel wurde das Event zu einem Re-Entry-Turnier geändert. Außerdem können sich bis zu 1.000 Spieler für 6.000€ direkt in die Live-Phase des Turniers an Tag 3 einkaufen.

Während ich also nicht davon ausgehe, dass in der Online-Phase des Turniers 30.000 Spieler an den Start gehen werden, halte ich es nicht für unmöglich, dass sich 1.000 Spieler direkt für 6.000€ einkaufen. Das wären schon einmal 6 Millionen der insgesamt 20 Millionen Euro im Preispool, sodass das Erreichen dieser Marke durchaus möglich wird.

Und wenn es jemanden gibt, der ein solches Event auf die Beine stellen kann, dann ist es Stephen McClean. Er steht unter anderem hinter der International Poker Open in Dublin, bei der jedes Jahr mehr als 1.000 unerfahrene Spieler in einem Hotel zusammenkommen. Das Turnier verläuft stets reibungslos und ist besser organisiert als manche der Turniere mit nur 30 Teilnehmern, die ich bisher gespielt habe.

Wenn also jemand mit einer solch großen Zahl an Teilnehmern unter einem (Stadion-)Dach zurechtkommt, dann ist es dieser Mann. Daher tut es mir auch für ihn leid, dass er an der Front steht und die Fragen der Spieler beantworten muss, während er dabei nicht viel Rückendeckung erfährt.

Noch wichtiger ist, dass wir bereits jetzt so viel von der ISPT hören und lesen. Noch ist reichlich Zeit, die Marketingmaschine anzuwerfen und das Event für uns alle greifbarer zu machen.

Trotzdem nur ein Wunschtraum?

ISPT
Das größte Pokerturnier aller Zeiten?
Es sei noch einmal gesagt, dass ich kein Miesmacher sein oder zynisch klingen möchte. Ich würde gerne sehen, dass die International Stadiums Poker Tour ein Erfolg wird. Leider glaube ich ehrlich gesagt nicht so recht daran, jedenfalls mit den Informationen, die wir bisher präsentiert bekamen.

Bisher hat sich das Konzept des Events zu oft geändert, um noch glaubwürdig zu sein und vor allem die neuste Wendung um den garantierten Preispool lässt mich mehr denn je daran zweifeln, dass die ISPT der Erfolg gewünschte Erfolg sein wird.

International Stadium Poker Tour: Stellt eure Fragen (engl.)

von Barry Carter