13.07.12

Kolumne: Wollen wir mehr Non-Hold'em-Events in Europa?

Nach den großen Erfolgen der Omaha- und Stud-Events bei der diesjährigen WSOP geht Barry Carter der Frage auf den Grund, ob es im europäischen Turnierzirkus eine zu einseitige Konzentration auf Hold'em-Events gibt.

Eine der spannendsten Eigenschaften der World Series of Poker (WSOP) ist, dass dort neben dem zum Standard gewordenen Full Ring No-Limit Hold'em auch andere Turnierformate im Rampenlicht stehen. Es wird Heads-up gespielt, 6-max, Limit, Pot Limit, Stud, Omaha, Hi/Low, 2-7 Draw und Mixed Games. Darüber hinaus wird sogar mit Formaten wie 4-max oder Ante-Only experimentiert.

Ich persönlich mag die anderen Varianten sehr gerne und glaube, dass die meisten Spieler, die sich ernsthaft mit Poker beschäftigen, diese Formate ebenfalls gerne sehen und auch selber spielen. Tatsächlich sind viele der Meinung, dass diese außergewöhnlicheren Bracelets prestigeträchtiger sind als die aus Hold'em-Events. In diesem Jahr veranstaltete die WSOP mit 967 Spielern ihr bisher größtes Omaha Hi/Low-Event aller Zeiten sowie das größte Pot Limit Split-Event mit 978 Teilnehmern.

Wenn die verschiedenen Formate aber so großes Ansehen genießen, warum werden sie dann außer bei der WSOP und ganz besonders in Europa so selten angeboten? Gibt es wirklich eine Nachfrage nach diesen Events in Europa, die einfach nicht befriedigt wird?

Online sehr beliebt

hellmuth
Phil hat endlich sein Non-Hold'em-Bracelet
Die Tatsache, dass all diese Varianten online recht beliebt sind, scheint die Vermutung nach einer bestehenden Nachfrage zu unterstützen. Omaha erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und auch Stud, PLO8 und Mixed Games erreichen bei PokerStars beträchtliche Spielerzahlen. Außerdem werden bei Online-Turnierserien wie der SCOOP und WCOOP zahlreiche Events in diesen Varianten gespielt.

Noch bedeutender ist, dass online die 6-max-Varianten wahrscheinlich beliebter sind als Full Ring und obwohl das sicher nicht in diesem Ausmaß für Heads-up oder Limit gilt, haben auch diese Formate zahlreiche Fans.

Natürlich eignen sich einige dieser Formate trotz ihrer Beliebtheit online nicht unbedingt besonders gut für Turniere. So ist ein Spiel wie PLO vermutlich ein bisschen zu unberechenbar, um als Turnierformat erfolgreich zu sein (es sei denn es handelt sich um ein Rebuy/Double Chance-Turnier) und auf der anderen Seite sind Spiele wie Omaha Hi/Low oder Stud wahrscheinlich ein bisschen zu langsam. Diese Varianten eignen sich besser für Cashgames, wohingegen es wenig Zweifel geben dürfte, dass No-Limit Hold'em das perfekte Format für Pokerturniere ist, woher auch seine Beliebtheit rührt.

Die Popularität der anderen Varianten ist dennoch auch abgesehen von den Cashgames groß genug, um zu vermuten, dass es für sie im Live-Turnierpoker eine Nachfrage geben würde. Auch sie machen live großen Spaß und für die Pros gibt es immer noch einen Wissensvorsprung, der diese Games sehr profitabel machen dürfte.

Das PLO-Problem

omaha
Wollen wir wirklich mehr PLO-Events?
Für den Rest des Jahres steht kaum ein Non-Hold'em-Turnier auf dem europäischen Turnierkalender. Die seltenen Ausnahmen sind üblicherweise Side Events bei den größeren Turnieren und natürlich fast ausschließlich PLO-Events.

Diese sind aber nicht nur äußerst dünn gesät, sondern haben zumeist als Teil einer großen Turnierserie wie der EPT oder WPT auch noch hohe Buy-ins, die viele Bankrolls interessierter Spieler überfordern dürften. (Die große Ausnahme im Turnierkalender sind allerdings die APAT European Championships kommenden Monat in England, bei denen es ein Stud- und eine Omah-Event für je £55 gibt).

Natürlich gilt es hier auch Schwierigkeiten mit den Dealern zu beachten, denn nicht alle europäischen Dealer sind in der Lage, diese Nischenturniere zu dealen. Das wahre Problem sind jedoch die Spieler selbst. Ich habe in den letzten Jahren mit vielen Turnierdirektoren und Casinoangestellten über dieses Thema gesprochen und offensichtlich scheitert es immer an dem gleichen Problem - die Leute sagen zwar, dass sie andere Varianten spielen wollen, am Ende aber nimmt kaum einer an diesen Turnieren teil.

Es kommt immer wieder mal vor, dass ein Casino oder eine Turnierserie auf die Wünsche der Regulars eingeht und ein Format wie PLO in seinen Turnierplan aufnimmt. Wenn es dann aber losgeht, sind die Teilnehmerzahlen immer sehr gering, wobei es gleichzeitig immer massenhaft Spieler gibt, die Hold'em spielen wollen. Die PLO-Anhänger sind zwar oft die lautesten, am Ende will die große Mehrheit aber No-Limit Hold'em.

Nachfrage nach 6-max

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Die European Shorthanded Championships
Spiele wie PLO und Stud erfahren also im Live-Turnierpoker eine geringere Nachfrage als mancher vielleicht denken könnte. Das gilt aber keinesfalls für 6-max No-Limit hold'em. 6-max wird wahrscheinlich online häufiger gespielt als Full Ring und ist dennoch bei Live-Turnieren massiv unterrepräsentiert.

Das liegt vor allem an den entstehenden Kosten. Ein Casino verdient schlicht und einfach mehr mit neun oder zehn Spielern an einem Tisch und kommt außerdem mit weniger Dealern zurecht. Obwohl es also für die Casinos sinnvoll erscheint, hauptsächlich Full Ring-Tische anzubieten, heißt das aber noch lange nicht, dass 6-max neben seiner Populaität nicht auch sehr profitabel betrieben werden könnte.

Im vergangenen Jahr sprachen wir mit dem Turnierorganisator Mike Lacey, der die European Short Handed Poker Championships in Dublin veranstaltet. Er bestätigte uns, dass es nicht annähernd so teuer sei wie manche glauben, diese Events ins Programm aufzunehmen, da die Spieler schneller ausscheiden und so die Dealer schneller für Cashgames oder Side Events zur Verfügung stehen. Die Tatsache, dass am 550€ Main Event im letzten Jahr 656 Spieler teilnahmen und in diesem Jahr noch mehr erwartet werden zeigt, dass es einen großen, noch unberührten Markt für 6-max-Events gibt.

Bei Low Stakes-Events, bei denen jeder Spieler vielleicht gerade einmal 5€ Rake zahlt, ist dies aber wahrscheinlich kein gangbarer Weg. Wenn die Buy-ins aber etwa die Grenze von 100€ überschreiten, ist der Rake pro Tisch wahrscheinlich immer noch groß genug, um diese Events öfter anbieten zu können.

6-max ist für gute Spieler interessanter, weil sie ihr Können besser ausspielen können und gleichzeitig attraktiver für Freizeitspieler, weil diese mehr Hände spielen können. In Sachen Rake ist 6-max pro Tisch sicher weniger profitabel, weswegen Full Ring wohl nie ganz verdrängt werden wird. Allerdings scheiden die Teilnehmer schneller aus und widmen sich früher den Cashgames. Ich glaube Turnierorganisatoren tun sich selbst und den Pokerspielern keinen großen Gefallen, sollten sie nicht regelmäßig 6-max-Events in ihre Turnierpläne mit aufnehmen.

von Barry Carter