03.02.12

WSOP-Änderungen: Überraschungen, Neuerungen und Enttäuschungen

Erst vorgestern wurde der Zeitplan und damit die Art und Zahl der Events bei der World Series of Poker 2012 bekannt gegeben. Barry Carter macht sich nun Gedanken über die wichtigeren Veränderungen in diesem Jahr.

An diesem Dienstag wurde auf WSOP.com der Zeitplan für die diesjährige World Series of Poker bekannt gegeben. Dieser Veröffentlichung gingen einige sorgsam gestreute Gerüchte am Montag voran.

Die World Series hat sich in den letzten Jahren beträchtlich weiter entwickelt. Das ist der Grund, warum diese Bekanntgabe stets mit einer Portion Aufregung verbunden ist. So auch in diesem Jahr: Es gab einige überraschende Neuerungen, einige vielversprechende Events. Und ein paar Enttäuschungen.

Buy-in: $1 Million

Auch wenn das 'Big One for One Drop'-Turnier mit einem Buy-in von sage und schreibe $1 Million kein Geheimnis war, so ist es dennoch eine Erwähnung wert. Ich habe mich bereits ausführlich über Super Highroller-Events ausgelassen und ich glaube nach wie vor nicht, dass dieses Turnier einen Trend hin zu mehr Events mit siebenstelligem Buy-in setzen wird.

Aber es wird ein Spektakel und ihr könnt euer letztes Geld darauf verwetten, dass wir es alle anschauen werden. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als High Stakes Poker erstmals ein Spiel mit einem Mindesteinsatz von $500.000 veranstaltete. Die Dynamiken veränderten sich am Tisch schlagartig und unterschieden sich zu allen Sendungen, die es zuvor gegeben hatte. Man konnte die Profis tatsächlich in Drucksituationen erleben. Spielern, die zu den allerbesten gehören, dabei zuzuschauen, wie sie bei einer All-in-Entscheidung regelrecht ins Schwitzen geraten, wird faszinierend sein.

October Nine

Ok, für einen halben Tag hat uns die WSOP wirklich glauben lassen, dass es die November Nine nicht mehr geben würde. Das Ganze stellte sich dann aber als reiner Slowroll heraus, denn der Final Table wird in diesem Jahr eine Woche früher, nämlich Ende Oktober, gespielt. Der Grund hierfür ist klar: Im November hätte sich die Entscheidung im Main Event mit der US-Präsidentenwahl überschnitten.

Ich bin darüber ziemlich enttäuscht. Ich bin der Meinung, dass wir einen derart hinausgezögerten Final Table nicht mehr brauchen. Die Live-Coverage von ESPN war im letzten Jahr hervorragend, so sehr, dass wir keine vier Monate mehr benötigen, um die Finalisten so wie früher kennen zu lernen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Werbe-Budgets der Firmen in der Pokerbranche nach dem Black Friday signifikant gesunken sind, schien dies eine optimale Möglichkeit zu sein, die große Pause abzuschaffen.

november nine
Tschüss November Nine, willkommen October Nine!
 

Tolle neue Formate

Ich freue mich sehr, dass es in diesem Jahr ein Re-Entry-Event geben wird. Auch über dieses Thema habe ich bereits eine Kolumne geschrieben (quasi niemand von euch war damals meiner Meinung) und es könnte ein wirklich spaßiges Format werden. Es handelt sich dabei um ein $1.500-Event und im letzten Jahr sind einige der Turniere mit diesem Buy-in mit über 3.000 Teilnehmern sehr groß geworden.

Ich denke sogar, dass es ein Fehler war, das Event nicht mit einem Buy-in von $1.000 zu starten. Bei diesem Limit wurden im letzten Jahr sogar über 4.000 Teilnehmer angezogen. Alle Teilnahmen zusammen genommen hätten in einem $1k Re-entry-Event sogar so zahlreich werden können wie die des Main Events selbst. Das Re-Entry-Turnier wäre damit zu einem tollen 'Low Stakes Main Event' für die geworden, die sich das echte nicht leisten können.

Ebenfalls gut ist die Einführung eines Heads-up No-Limit/Omaha Mixed Event, weil viele Heads-up-Spezialisten beide Formate spielen. Die Nosebleed-Spieler werden es lieben, insofern hätten die Organisatoren das Buy-in sogar noch etwas höher als $3k ansetzen können.

Das Mix-Max Event (9-handed an Tag 1, 6-handed an Tag 2, Heads-up am Finaltag) wurde bei der WSOPE gut angenommen und ich denke, dass es auch in Vegas beliebt wird. Ich gehe außerdem davon aus, dass sich das Four-Max Event zum Beliebtesten der gesamten World Series entwickeln könnte (ich bin sogar überrascht, dass es noch nicht mehr online gespielt wird). Es wird bestimmt das Action-Game schlechthin.

wsop
Auch wenn man die Änderungen nicht mag: Die WSOP wird niemals langweilig.
 

Anti-no-Ante

Ich konnte mich noch nicht wirklich mit der Idee eines 'Ante Only'-Events anfreunden. Das Konzept sieht so aus, dass es keine Small und Big Blinds gibt und stattdessen jeder Spieler von Anfang an eine Ante zahlt. Dies wird wahrscheinlich dazu führen, dass in den ersten Levels sehr vorsichtig gespielt wird. Das Spiel wird dann aber plötzlich sehr schnell werden.

Das klingt nach einem unterhaltsamen und spaßigen Event. Mein Problem damit ist jedoch: Es handelt sich um ein Format, das so nirgendwo sonst gespielt wird. In meinen Augen besteht ein großer Reiz der WSOP darin, dass sich dort einmal im Jahr die besten Spieler eines jeden Formats treffen, um den Besten unter sich auszumachen. Um ein Stud-Bracelet zu gewinnen, muss man auch zu den besten Stud-Spielern der Welt gehören. Dieses Format hingegen ist ein einziges Experiment, weil es ein ganz neues Spiel ist. Zweifellos werden die Spieler mit hohem Können eine Edge haben, aber es gibt ebenfalls das Element des Anfängerglücks.

Viel eher würde ich gerne ein neues Bracelet-Event für ein Spiel sehen, das bereits regelmäßig gespielt wird. Ein Event in Chinese Poker zum Beispiel. Ich weiß, dass es schon einmal ausprobiert und nicht wirklich gut angenommen wurde, aber es ist dennoch ein populäres Spiel und hat es somit weitaus mehr verdient, ein Bracelet-Event zu bekommen. Ein Dealer's Choice Event wäre meiner Meinung nach ebenfalls sehr beliebt, denn das ist ein Spiel, dass in jeder Nacht des Jahres in den Card Rooms dieser Erde gespielt wird. Sogar klassische Formate wie Five Card Draw oder Rommé hätten es eher verdient, bei der WSOP aufzutauchen, als ein unbekanntes Format wie 'No Ante', das sich erst noch beweisen muss.

Egal, was ihr vom neuen Plan der WSOP haltet: Es ist toll zu sehen, dass die World Series ihre Grenzen erweitert und neue Dinge ausprobiert. Wir leben in für die Poker-Industrie harten Zeiten, insbesondere für US-Poker und Poker im US-Fernsehen. Egal, ob das Angebot gut angenommen wird oder nicht, ich finde es gut, dass die WSOP ein paar Risiken eingeht in dieser für das Spiel schwierigen Übergangsphase.

von Barry Carter