08.08.12
Wie wird das Department of Justice Full Tilt-Spieler aus den USA auszahlen?
Durch den Kauf von Full Tilt Poker durch PokerStars werden Spieler von außerhalb der USA ihr Geld innerhalb von 90 Tagen zurückerhalten. US-Spieler hingegen müssen sich für ihre Guthaben an das DOJ wenden. In dieser Kolumne beschäftigt sich Matt Kaufman damit, wie dies funktionieren kann.
In der letzten Woche erschien in der Forbes ein Artikel von Nathan Vardi mit dem Titel: "Die große Frage für Full Tilt-Spieler aus den USA: Werden sie ihre Poker-Winnings zurückerhalten?"
Vardi machte damit auf ein mögliches Szenario aufmerksam, dessen Eintritt nach der Meinung der Meinung vieler Experten unwahrscheinlich ist: Die Möglichkeit, dass Amerikaner am Ende nicht ihre komplette Bankroll auf Full Tilt Poker ausgezahlt bekommen.
In Kritiken am Artikel wurde auf einige kleinere Ungenauigkeiten hingewiesen, der eigentliche Punkt ist aber der, dass die sich Auszahlungen für Amerikaner wohlmöglich nicht nach dem Kontostand ihres Accounts im Zeitpunkt des Black Friday richten könnten, sondern vielmehr nach der Summe, welche sie irgendwann mal eingezahlt haben.
Hintergrund ist, dass es im Department of Justice (DOJ) Stimmen gibt, dass eine Auszahlung der Bankrolls im Grunde eine Billigung des illegalen Glücksspiels bedeuten würde.
Die Sicht der Poker Players Alliance
Patrick "Skallagrim" Fleming, Mitglied des Vorstands der Poker Players Alliance, antwortete auf den Artikel im TwoPlusTwo-Forum:"Einige Journalisten verbreiten mit ihren Geschichten Angst, nur um mehr Leser zu bekommen. Dieser Journalist scheint so einer zu sein. Seine 'Quellen' werden nicht genannt und wer kennt schon ihre Gründe, so zu spekulieren.
Ifrah erwähnt kaum, dass diese Dinge noch gar nicht angegangen wurden. Aber genau das ist der Fall: Das ist alles noch ungeklärt. Nach meinen Informationen hat das DOJ noch nicht einmal die Person genannt, welche für den Rückzahlungsprozess verantwortlich sein wird.
Pappas wird in dem Artikel zitiert und seine Aussagen sollten sehr ernst genommen werden.
Alles, was bei derzeitigem Stand feststeht, deutet klar darauf hin, dass das DOJ die Kontostände der Accounts zurückzahlen wird und nicht die Einzahlungsbeträge. Alle anderen Vorschläge, besonders im Hinblick auf Einzahlungen, wären praktisch kaum praktikabel und in ihrer Handhabe uneinheitlich.
Es gibt für diese Situation durch den Fall BetOnSports bereits einen Präzedenzfall. Auch wenn die Betroffenen damals nach Abschluss des Falls nur einen Bruchteil ihrer Guthaben zurückerhielten, handelte es sich um einen Bruchteil ihrer Guthaben, nicht ihrer Einzahlungen."
Ich habe mit einigen Punkten von Mr. Flemings Antwort meine Probleme. Die meisten davon wurden bereits von anderen Stimmen in der Pokerwelt geäußert.
Zunächst mal finde ich es äußerst unredlich, in dieser Art über Nathan Vardi zu schreiben. Vardi ist ein anerkannter Journalist und arbeitet für eine der bekanntesten Publikationen überhaupt. Ihm zu unterstellen, er spekuliere absichtlich, um mehr Leser zu bekommen, kann ich nicht nachvollziehen. Das hat Forbes nicht nötig.
Zweitens ist der Fall BetOnSports, in dem Spieler einen Bruchteil ihrer Guthaben zurück erhielten, kein vergleichbarer Präzedenzfall für die Full Tilt-Situation: Er fand nämlich statt, als die USA den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act 2006 noch gar nicht erlassen hatten.
Für welche Auszahlungsmethode könnte sich das DOJ entscheiden?

Der Gedanke, dass es für das DOJ "praktisch kaum praktikabel" wäre, wenn es sich dazu entscheiden sollte, die Spieler nicht aufgrund ihrer aktuellen Guthabenstände auszuzahlen, ist an sich schon höchst spekulativ. Er setzt aber vor allem voraus, dass sich das DOJ überhaupt mit den praktischen Problemen verschiedener Auszahlungsmöglichkeiten beschäftigt.
Als das DOJ mit der Groupe Bernard Tapie über einen Kauf verhandelte, war die Auszahlungsmethode der amerikanischen Spieler ein Punkt, der intensiv diskutiert wurde. Verschiedene Quellen informierten mich damals über die Möglichkeit, dass Amerikaner auf ihren Einzahlungen basierend ausgezahlt werden könnten.
Meine Antwort auf diese Information war die gleiche wie viele Antworten auf Vardis Artikel: Das DOJ würde dies schon aufgrund der unbezahlbaren Kosten nicht machen. Denn die Summe, welche von Amerikanern im Laufe der Jahre eingezahlt wurde, übersteigt ihre zusammengerechneten Guthaben aufgrund des Rakes deutlich.
Um dies zu verdeutlichen, möchte ich folgendes einfaches Beispiel anführen:
Spieler A und Spieler B zahlen jeweils $100 auf Full Tilt ein. Wenn sie eine Weile gegeneinander Heads-up spielen, dann gewinnt der eine weniger als der andere verliert. Am Ende des Matches könnten ihre Bankrolls aussehen wie $145 und $50. Die fehlenden $5 wären Rake.Wenn das DOJ die Guthaben zurückzahlen müsste, würden sie $195 schulden. Wenn sie Einzahlungssummen schulden würden, wären es $200.
Auch wenn dieser Gedankengang logisch korrekt ist, gibt es doch zahlreiche Möglichkeiten, die Auszahlung der Amerikaner zu berechnen, die trotzdem nicht übermäßig teuer oder schwierig sind - wenngleich vielleicht nicht so genau oder fair.
Eine vom DOJ in Betracht gezogene Möglichkeit war, die Einzahlungen aus einem festgelegten Zeitraum zurückzuzahlen, vielleicht ein oder zwei Jahre. Denn während ALLE Einzahlungen von Spielern die Guthaben aller Spieler deutlich übersteigen würden, wäre das im Bezug auf die Einzahlungen der letzten zwei Jahre nicht der Fall.
Es existieren zahllose Möglichkeiten, einige von ihnen sind ziemlich simpel. Hier sind zwei Beispiele, angenommen, dass $Y die Summe an Geld ist, die unter den US-Kunden verteilt werden kann:
| • | Wie bereits erwähnt, könnte die Auszahlung an jeden Spieler gemessen seines persönlichen Verhältnisses von [Einzahlungen - Auszahlungen] über einen bestimmten Zeitraum hinweg betragen, sodass insgesamt die Auszahlungen an alle Spieler kleiner oder gleich $Y sind. |
| • |
Für alle Spieler wird [Einzahlungen - Auszahlungen] berechnet. Alle Account-Guthaben für Amerikaner, bei denen diese Rechnung positiv ausfällt, werden zu $X zusammengerechnet. Anschließend ergibt $Y/$X die Quote, zu der alle Spieler ausgezahlt werden. Auf diese Weise wird der Verlust, der durch Rake entstand, unter allen Spielern im Verhältnis zu ihrer Einzahlungssumme gleichmäßig aufgeteilt. |
Ich glaube nicht, dass die Verwaltungskosten für die Berechnung der Rückzahlungen das DOJ irgendwie tangiert. Die Kosten werden wohl einfach an die Spieler weitergereicht, indem sich die Anfangssumme $Y verringert.
Natürlich gibt es mit den von mir dargestellten Methoden weitere Probleme. Zunächst einmal ist der Umgang mit all den Spielern schwierig, die kurz vor oder nach dem Zeitpunkt Transaktionen vorgenommen haben, an dem der Cut gemacht werden soll.
Im zweiten Beispiel ist wohl das größte Problem, dass Transaktionen zwischen Spielern genau wie Gewinne und Verluste betrachtet werden. Wenn man einem Freund $50 schickt, bedeutet das einen Verlust von $50. Im Gegenteil ist es ein Gewinn, man Geld empfangen hat.
Signifikante Probleme machen wohl alle denkbaren Methoden, aber macht das dem DOJ überhaupt etwas aus? Ich denke nicht, dass irgendjemand diese Frage seriös beantworten kann.
Was ist fair?
Natürlich bin ich mit Mr. Fleming und der Poker Players Alliance in ihrem wichtigsten Argument einer Meinung: Den Spielern ihr tatsächliches Account-Guthaben zurückzuzahlen, wäre der fairste Weg, das FTP-Geld zu verteilen. Selbst Losing Player werden wahrscheinlich der Meinung sein, dass sie ihr Geld auf eine faire Art und Weise verloren haben. Außerdem waren sie sich komplett bewusst, dass sie während des Spiels ihr Geld verlieren konnten.Der vielleicht stärkste Hinweis auf eine Auszahlung der Spieler anhand ihrer Account-Guhaben ist aber wohl der Umstand, dass PokerStars bereits allen amerikanischen Spielern den aktuellen Stand ihrer Accounts mitgeteilt hat (vielen Dank noch einmal, PokerStars!).
Und dennoch könnten mächtige Menschen im DOJ immer noch entscheiden, dass sie den Spielern ihre Guthaben nicht zurückzahlen können, ohne gleichzeitig illegales Glücksspiel zu billigen. Sollte dies tatsächlich geschehen, dann wird es meiner Meinung nach nicht die riesige logistische Herausforderung, für die es viele halten. Sie würden dann einfach eine Formel auswählen und die negativen Nebeneffekte ignorieren.
Ich hoffe, dass das DOJ dem Prinzip der Fairness den Vorrang gibt und dass amerikanischen Spielern genau so ihre Guthaben zurückgezahlt werden, wie das bei allen anderen Spielern in der Welt der Fall ist.
von Matt Kaufman



#1
Extramask, 08.08.12 10:08
1st#2
sars1887, 08.08.12 10:16
:o#3
DangerEren, 08.08.12 10:19
Hi#4
meistereder2, 08.08.12 10:30
Völlig wayne für deutsche Spieler... Wann teilt PS den restlichen Spielern den Stand ihrer BR mit?#5
neppi88, 08.08.12 10:38
in b4 deutsche ego kommentare, oh wait#6
Tenebrus, 08.08.12 10:46
Eine vom DOJ in Betracht gezogene Möglichkeit war, die Einzahlungen aus einem festgelegten Zeitraum zurückzuzahlen, vielleicht ein oder zwei JahreOMG das wär zu hart, jeder fisch der sein Geld verdonkt hat bekommt es auf kosten der Regs zurück die seit Jahren nur aus- und nicht einzahlen. :d
Für uns wärs toll, die könnten es dann gleich wieder an uns abgeben während die Ami Regs nicht mal ne BR haben
#7
Sequeezer, 08.08.12 10:52
@4 das wäre auch meine Frage, kenne zwar meine FT BR aber für andere sicher interessant#8
Nosferatu89, 08.08.12 11:12
ist als winningplayer doch total unfair, wenn man die einzahlungen rauskriegt.. wäre ich ami, würde ich 100 dollar kriegen, anders erheblich mehr.. da würd ich auf die barrikaden gehen#9
Th0m4sBC, 08.08.12 11:37
Also einerseits zahlt Pokerstars XXX Mio an das DOJ um die US-Spieler auszubezahlen und andererseits hat das DOJ keine Ahnung wie viel Kohle überhaupt ausbezahlt werden soll?Scherz?
#10
Cathleenpoker, 08.08.12 12:08
na hauptsache wir müssen nicht demnähst nicht unsere auszahlungen wieder zurückzahlen ;)#11
jotha, 08.08.12 12:32
Wenn ich die Kommentare lese, kann es nicht unbedingt gut für US-Spieler ausgehen. Ziel des DoJ kann sein, keine Glücksspielgewinne auszuzahlen. Daraus folgt für mich, dass folgendes passieren kann: Der US Spieler erhalt sein Guthaben, wenn es unter den Einzahlungen liegt. Wenn das Guthaben über den Einzahlungen liegt, erhält er seine Einzahlungen.#12
topspit, 08.08.12 12:35
was für ein lustiges Beispiel ist das eigentlich? Und was soll daran Sinn machen, den Rake auszuzahlen ?! Spieler A und B steht lediglich das Geld zu, welches auf ihren Konten ist...#13
Zugwat, 08.08.12 14:30
<3#14
EilatOne, 08.08.12 16:02
hab jetzt nicht alles gelesen aber verstehe die auszahlungsdiskussion nicht ... was spricht dagegen das aktuelle guthaben im account auszuzahlen? bzw. wo ist das problem? steht die information welches guthaben in einem spieleraccout vorhanden ist nicht zur verfügung?#15
PHPNick, 08.08.12 17:02
Lederer und Jesus werden verglichen mit dem DOJ ja immer sympatischer. Die haben doch noch mehr Dreck am Stecken...#16
corleone888, 08.08.12 17:42
jeder bekommt sein geld zurück inklusiv rake-ist das nicht geil die amis#17
Plueschi, 09.08.12 07:29
#9 Genau das dachte ich auch.#18
boehsaonkel, 09.08.12 09:45
hoffentlich baut pokerstars nicht seine jokerrobos ein#19
chiller911, 09.08.12 11:04
is mir wayne möchte eigentlich nur wissen wie ich mein Geld wieder bekomme :D