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Strategie: Psychologie & Didaktik

Wie schützt du dein Geld vor Tilt?

von Michael

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Wie schützt du dein Geld vor Tilt?

In diesem Artikel
  • Achte auf Stopschilder
  • Setz dir realistische Ziele und Grenzen
  • Vergiss nie, Poker ist nur ein Spiel

Der ideale Pokerspieler ist tatsächlich so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Er ist cool, gelassen, er ist im Reinen mit sich und seiner Umwelt. Jemand, der nervös auf seinem Stuhl herumrutscht, dem der Schweiß von der Stirn ins Gesicht läuft, der wird nicht für die Rolle des Helden besetzt. Im Film ist er immer der Verlierer, der Dicke mit Halbglatze, der gerade Haus, Frau, Kind und Altersvorsorge auf eine Karte gesetzt hat.

Der durchschnittliche Online-Pokerspieler schwankt immer zwischen diesen beiden Extremen. Mal ist er vollkommen fokussiert auf das Spiel und in jeder Sekunde auf der Höhe des Geschehens. Mal dreht er durch und macht alles, um endlich einmal einen großen Pot zu erzwingen.

Letzteren Zustand nennt man Tilt. Dahinter verbirgt sich ein psychologisches Phänomen, das man so beschreiben könnte:

Ein Spieler verfällt in einen stark durch negative Emotionen wie Wut, Verzweiflung oder Resignation gefärbten Zustand und versucht, Gewinn zu erzwingen. Er setzt sich über selbst gestellte Regeln hinweg und verliert durch seine mehr und mehr unkontrollierte Spielweise Beträge, die bisweilen seine komplette Bankroll vernichten.

Der elfte Mann am Tisch

Tilt ist der elfte bzw. siebte Mann am Tisch, bei Heads-up-Spielern der dritte. Er muss keine Blinds bezahlen und wartet nur darauf, dich um ein großes Stück deiner Bankroll zu erleichtern.

Poker macht keinen Spaß, wenn du auf Tilt bist. Wirklich nicht. Du verbrennst einen guten Teil deines Geldes. Du wirfst es ausgerechnet auch noch irgendwelchen Vollpfosten in den Rachen, die du normalerweise mit links abgezogen hättest. Und am Ende kommt dieses „Was zum Henker…?“-Gefühl.

Sobald du anfängst, ernsthaft zu pokern, musst du dich zwangsläufig mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Tilt ist nichts, was irgendwie nur passiert. Es gibt Gründe und Anzeichen und jederzeit die Möglichkeit, ihm zu entgehen.

Es gibt Standardsituationen, die dazu prädestiniert sind, Tilt hervorzurufen. Verlierst du mehrere große Pötte, ruft das ganz sicher Frustration hervor und Frustration ist ein Einfallstor für Tilt. Wut nach einem unglücklich verlorenen Pot oder Hass auf einen bestimmten Gegner sind ebenfalls Angriffsflächen.

Jede negative Emotion ist ein Nährboden für Tilt. Gehst du schon schlecht gelaunt an die Tische, erhöhst du nur das Risiko. Man pokert nicht nach einer Beerdigung und das nicht nur, weil es sich nicht gehört.

Easy going, Bruder oder Schwester

Dein Grundgefühl am Pokertisch sollte das der frühen Siebziger sein - easy going, Bruder oder Schwester. Wenn das nicht gegeben ist, wenn du nach zwei Stunden sauberen Spiels auf einmal alles zäh und langweilig findest, wenn du selbst gesetzte Regeln wie dein Bankrollmanagement missachtest, wenn du nur einmal den Gedanken hast: Jetzt ist auch alles egal, dann hör um Gottes Willen auf.

Die Grenze zwischen Jäger und Gejagtem verläuft dort, wo du lernst, wann du spielen und wann du aufhören solltest. Du spielst keine Tische, an denen du auf Tilt bist. Du würdest dich auch nicht mit deiner Bankroll zu einem professionellen Spieler an den Tisch setzen.

Vielleicht wenn du betrunken bist. Nach diversen Litern Bier klingt die Idee, sich mit seiner Bankroll zu Phil Ivey an den Tisch zu setzen, tatsächlich gut. Sie ist es nur nicht. Tilt ist der Phil Ivey des kleinen Mannes.

Setz dir ein Limit

Was viele Spieler erst spät lernen, ist die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung auf eine Session. Einfach drauf los stürmen ist spätestens seit den alten Römern out. Leg dir am besten eine Checkliste zu mit allen Dingen, die du vor einer Session machst.

Laufen Elephant oder Pokertracker? Sitzt du bequem? Hast du alle Charts zur Hand? Musst du noch einmal für kleine Pokersharks?

Setz dir ein Stop-Loss-Limit! Gerät die Session außer Kontrolle und du verlierst mehr als den von dir mit dem Stop-Loss-Limit festgesetzten Betrag, brichst du die Session komplett ab.

Du kannst auch einen Stapel von vielleicht fünf Chips auf die linke Seite der Tastatur legen. Für jedes Buy-in oder für je 20 Big Bets legst du einen Chip davon auf die rechte Seite der Tastatur. Mit dem letzten Chips ist Schluss ohne Wenn und Aber.

Frag dich vor jeder Session, ob du wirklich um des Geldes und des Vorwärtskommen willen spielen willst oder nur zum Spaß oder um Langeweile totzuschlagen. Du kannst auch auf kleineren Limits deinen Spaß haben. Hast du keinen Spaß, dann hör auf.

Nimm dir einmal die Zeit und fertige eine Liste an von allen noch so unbedeutenden Anzeichen, wie es in dir und am Tisch aussieht, bevor du auf Tilt gehst.

Ich kommentiere das Spiel und schimpfe über meine Gegner.
Das Spiel ist mir zu langsam.
Ich spiele viel zu aggressiv
Ich habe das Gefühl, seit einer halben Ewigkeit keine guten Karten mehr erhalten zu haben.
Ich habe vor kurzem einen großen Pot verloren.
Ich halte meine Gegner für völlig unfähig.
Ich zeige Bluffs, obwohl es keinen Nutzen hat.

Ordne diese Punkte nach ihrer Auffälligkeit und Schwere, schreib sie auf einen neuen Zettel und den halt immer griffbereit. Das sind deine Stopschilder. Wenn du im Spiel merkst, dass mehr und mehr Punkte auf der Liste zutreffen, dann hör auf. Erkenn die Stopsignale und beachte sie.

Es ist nur ein Spiel

Und nimm vor allen Dingen das Pokerspiel nicht zu ernst. Entspann dich. Es ist am Ende doch nur ein Spiel. Respektier deine Gegner. Du musst sie nicht gleich heiraten, nur sobald du merkst, dass du einem Spieler unbedingt etwas beweisen willst, läuft etwas falsch. Wenn du das Spiel persönlich nimmst, läuft etwas falsch. Hast du keinen Spaß, sondern bist viel mehr frustriert oder sauer, dann lass es sein. Du musst jetzt nicht spielen.

Setz dir realistische Ziele. Glaub nicht alles, was die Fernsehwerbung verspricht. Du wirst nicht von heute auf morgen zum Millionär. Mach dir lieber eine Liste, was du in diesem Monat erreichen willst, was du im nächsten Monat erreichen willst, und arbeite auf diese Ziele hin. Sei realistisch!

Wenn du nicht gerade Black Member bist, findest du im Forum mit Sicherheit eine Menge Leute, die dein Limit schon geschlagen haben. Frag sie, wie lange sie gebraucht haben. Du wirst es auch schaffen. Versuch nur nicht, es zu erzwingen. Mit sauberem Spiel, Gelassenheit und Bankrollmanagement kann nicht mehr viel schiefgehen.

Man kann viel über Tilt erzählen und es doch kurz fassen. Akzeptiere, dass es ihn gibt. Setz dich mit dem Thema auseinander. Versteh, dass du auf Tilt nicht vernünftig weiterspielen kannst. Auf Tilt wirst du deine Ziele nicht erreichen, sondern nur bisherige Erfolge zunichte machen.

Egal wie du es anstellst, ob durch Stop-Loss-Limits, durch Rituale oder Yoga, geh von den Tischen, wenn du merkst, dass du tiltest. Denk daran: Es ist nur ein Spiel und du nimmst nicht an Spielen teil, in denen du nur das Opfer bist.

Videos und Artikel

Willst du mehr darüber erfahren, wie du die psychologischen Aspekte des Spiel kontrollieren und dir realistische Ziele setzen kannst, schau dir die Videos von Pascal Kühner an. Der Diplompsychologe hat vor einiger Zeit zusammen mit PokerStrategy zwei Videoserien produziert, die du über folgenden Link aufrufen kannst:

Hier kommst du zu den Psychologie-Videos

Weitere Informationen zum Setzen von Stop-Loss-Limits findest du im folgenden Artikel:

Hier geht's zum Artikel Stop-Loss-Limits - Rettungsanker setzen

Hast du Fragen zu Tilt, Selbstmanagement oder andere psychologische Aspekte des Pokerspiels, findest du in den Psychologie-Foren von PokerStrategy Ansprechpartner.

Hier gelangst du zu den Psychologie-Foren

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Kommentare (31)

#1 Skyw4lker2k, 25.09.08 12:32

Brüder und Schwestern, findet euren inneren Frieden ;)

#2 crt32, 25.09.08 12:34

Dieser "Tilt" scheint ja ein noch fieserer Hacker zu sein als dieser "peer".

#3 kolbklobs, 25.09.08 12:54

achja?

#4 lryyyyyy, 25.09.08 13:06

komma her!

#5 Gavius, 25.09.08 13:11

Jede Zelle meines Körpers ist glücklich ... *träller* ;)

#6 MfGOne, 25.09.08 14:58

komma du her

#7 AgressiveInline, 25.09.08 15:10

auf tilt ein paar stacks verballern: 2000$
auf tilt jemanden aussucken: unbezahlbar

#8 R4ph4, 25.09.08 15:12

woooouza

#9 R4ph4, 25.09.08 15:14

#7 QFT

#10 Dominik7, 25.09.08 16:14

" Ich halte meine Gegner für völlig unfähig. "
"Ich kommentiere das Spiel und schimpfe über meine Gegner."

Ich scheine wohl auf Dauertilt zu sein, das ist bei mir normal ^^

Nice Artikel!

#11 Settra, 25.09.08 16:42

"auf tilt ein paar stacks verballern: 2000$
auf tilt jemanden aussucken: unbezahlbar"

true story

" der Verlierer, der Dicke mit Halbglatze"

hey, hey, das is Diskriminierung von Übergewichtigen und Männern mit Haarausfall

#12 Pokerfu, 25.09.08 17:16

Gestern n üblen down auf NL 50 sh = 8 stacks weg und dann noch 2 stacks weggetiltet. Pause auf NL 25 gegangen und auf Tilt dann n upswing erwischt und inner halben h Stunde von 900 auf 1100 bucks zurück. Verarschung Ich hab mich nicht mal gefreut. Gerade in dem Moment wo das limit wechselts kommt der up...und auf NL50 sitzen genau solche Pappnasen nur sucken sie ständig. Arrrh immer noch tilt.

#13 Trigger1201, 25.09.08 17:20

1 Stoppschild überfahren (mit Unfall) = 60€ Bußgeld und 3 Punkte in Flensburg
6 Stoppschilder überfahren (mit Unfall) = 360€ Bußgeld und 18 Punkte

18 Punkte
Die Fahrerlaubnis wird entzogen, für wenigstens 6 Monate.
Um die Fahrerlaubnis wiederzubekommen, muß man sich
einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) stellen.
(Quelle: Bußgeldkatalog)

#14 Eastwood, 26.09.08 07:26

Pech und Wut führen zur dunklen Seite der Macht!

#15 Allin5288, 26.09.08 08:32

lol cooler Vergleich

"Tilt ist der Phil Ivey des kleinen Mannes."

Dann hab ich also auch mal was von Ivey an mir ;-)

#16 rambofranjo, 27.09.08 18:28

Bob Marley rein und schon spielt man +EV

#17 Doninhas, 21.10.08 14:39

Was ich vermiss ist der Tilt aufgrund von positiven Erlebnissen. Wenn man nicht mehr folden kann, weil man schon die 5. Hand in Folge gewinnt und denkt, dass man eh unschlagbar ist, auch wenn die Situation eigentlich was anderes sagt.

#18 Kretzschi, 20.11.08 17:31

Seine Grenzen kennen! Man lernt nie aus ^^

#19 omega300, 08.12.08 18:32

es gibt ja auch noch die softwer

#20 omega300, 08.12.08 18:32

es gibt ja auch noch die softwer

#21 k0nkav46, 24.01.09 14:22

verdammt es stimmt schon das man schnell on tilt gerät, nach dem motto: ich muss jetzt unbedingt wieder das gewinnen, was ich in den letzten 3 spielen verloren habe, also höheres limit, und ratzfatz ist der halbe bankroll weg, meistens nichtmal durch schlechtes spiel, sondern durch üble bad beats.. kennen die meisten denke ich :( gut wenn man sich dann auf dauer wieder fängt :)

#22 onlinekasper, 19.02.09 13:43

SOFTWARE

#23 SirKerensky, 21.02.09 23:36

@k0nkav46:
auf 'n höheres Limit zu wechseln, weil du was verloren hast und mehr gewinnen willst ist imho einer der größten fehler.

#24 PokerPurple, 17.03.09 15:49

Alle tilt!!

Ahhhhhhhhhhh aber ihr habt alle recht!!! ;)

#25 qu00rz, 25.04.09 12:03

Schöner Artikel und sehr nett geschrieben. Danke ;)

#26 mergelina, 29.04.09 21:10

zu 17

sowas gibts wirklich! wird von manchen Rush genannt. Nur kommen leider nur Fische in Genuss dieses Hochgefühls, weil ein guter Spieler sich immer an odds und richtig bzw falsche cals hält. Eigentlich schade.
Als ich mal irgendwann als kleiner Fisch angefangen habe, erwischte ich mal son Rush. ich war wirklich in jedem pot drin, denn ich war sowieso inzwischen megachipleader in einem MTT. Egal was ich callte, immer war ich am River der Sieger. Die anderen müssen mich abgrundtief verachtet und gehasst haben, egal , ich ahb das MTT gewonnen. Sowas wird leider nie mehr passieren, ist ein phantastisches gefühl, das gegenstück zum TILT, der RUSH eben.

#27 MoneymakerMike, 22.05.09 18:47

Echt guter Artikel. Hab den Tilt auch schon kennengelernt.
Hey, wer ist "Peer"?

#28 Jabbadahudd, 08.06.09 21:54

@26: nicht wirklich das Gegenstück, eher eine der wenigen Situationen in denen sich der Tilt nicht negativ auf deine BR auswirkt :D

#29 vanRednaxela, 21.06.09 04:43

ach herrlich ^^ Tilt.. Ivey..Ego..und Demut.. meeine allerbesten friends^^ top artiel!!!

#30 Seniore, 21.08.09 21:21

Also der artikel beschreibt genau die Phasen die ich immer durch mache, d.h. das geld wieder reinholen was ich verloren hab, mich selber unter druck zu setzten, total genervt weiter zocken! Ich muss da echt was dran ändern! Aber ich denk da bin ich nicht alleine^^ Sehr guter Artikel!

#31 StevenRieke, 26.02.10 09:37

"Tilt beim Gegner ist wie ein Heimspiel im Fußball und andersrum."
Guter Artikel

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