Scripting
von Christopher Reza
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Einleitung
Viele Spieler kennen das folgende Phänomen: Man spielt an vier Tables oder mehr, ist zunächst hoch konzentriert und versucht sein Theoriewissen möglichst effizient an den Tischen umzusetzen. Schon nach kurzer Zeit ertappt man sich jedoch dabei suboptimal zu spielen und die vielen anstrengenden Gedankenoperationen, die nötig sind, um eine Hand tatsächlich optimal spielen zu können, mehr oder weniger schleifen zu lassen. Man verfällt in suboptimale Standardmuster, vernachlässigt die Reaktion der Gegner oder die Boardtextur, verpasst wichtige Valuebets und eröffnet Spielern durch Freecards neue Möglichkeiten.
Der folgende Artikel hat nicht das Ziel, das Rad neu zu erfinden, Bestehendes zu relativieren oder weiterzuentwickeln; vielmehr geht es darum, bereits Bekanntes für eine optimale Nutzung aufzubereiten bzw. eine Methode vorzuschlagen, die in der Praxis angewendet, einen möglichst großen Nutzen erzielt. Gerade deshalb richtet sich der Artikel insbesondere an Spieler, die über das theoretische Wissen der angesprochenen Konzepte bereits verfügen. Dieser Artikel kann und will daher nicht den Anspruch erheben, eine etwaige Theoriekompensation darzustellen!
Um die komplexen Entscheidungen einer Pokerhand nicht zu marginalisieren, dh. jedes Mal wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, eine möglichst hinreichende Anzahl an Faktoren zu berücksichtigen und adäquat zu reagieren, bediene ich mich eines Skript, das ich Punkt für Punkt in meinem Kopf abarbeite. Zunächst wird es schwer fallen, sich alle Faktoren zu merken oder in der konkreten Situation richtig einzuordnen und entsprechend zu reagieren aber je häufiger ein derartiges analytisches Denken geübt und durchgeführt wird, desto automatischer wird dieser Prozess verlaufen.
Lernpsychologen gehen davon aus, dass eine große Zahl der Menschen mit Hilfe von mehr oder weniger komplexen Skripten eine ausgesprochen gute Erfolgsquote hinsichtlich ihrer Tätigkeiten, Aufgaben und Herausforderungen in den verschiedensten Bereichen ihres Arbeits- aber auch Soziallebens vorweisen können. Auch auf den Pokerbereich angewendet möchte ich behaupten, dass Scripting vielen Spielern einen deutlichen Leistungsanstieg ermöglichen kann.
Dabei darf das Scripting nicht irrtümlich als vollautomatisierter und nicht mehr zu hinterfragender Prozess verstanden werden; vielmehr handelt es sich um einen dynamischen Vorgang, der selbstverständlich an seine Grenzen stoßen kann. Genau hier muss die Vertiefung- und Auseinandersetzung mit Pokertheorie und das Posten von uneindeutigen oder schwierigen Händen ansetzen.
Der unten vorgestellte Scriptingprozess ist sicher alles andere als optimal, aber trotzdem dazu geeignet, eine Vorstellung davon zu erhalten, welche Fragen und Probleme in jeder Hand zu den unterschiedlichsten Situationen und Zeitpunkten gestellt werden sollten.
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