Original von Campione2211
wieso rutschen die odds dann in den keller? ich meine letztendlich liegt dann doch mehr im pot. oder liegt es dann daran, dass sie mehr setzen müssen?
kann mir einer das verständlich erklären?

ich versteh zB nicht warum die odds besser sind wenn nur eine bet kommt (s.o.) und die odds schlechter werden, wenn die beidn mit dem reraise konfrontiert sind.
Im Grunde liegt es daran, dass für die Odds die Beträge hergenommen werden müssen, die nach dem Abschluss der Betrunde bestehen. Abschluss heisst, dass keiner mehr betten oder raisen kann und die nächste Karte kommt.

Beispiel 1:

Du sitzt in MP3, drei Leute vor dir callen. Deine Pot Odds für den Call sind 1: 4,5 (drei Small Bets + die Blinds). Wenn jetzt noch ein paar Calls dazukommen, erhöht das den Pot und verbessert Deine Pot Odds. Damit darfst Du aber nicht rechnen.

Beispiel 2:

Du sitzt in MP3, zwei Leute vor dir callen, MP2 raist. Um zu callen, musst Du jetzt schon 2 Bets bringen, es liegen aber nur 5,5 Bets im Pot. Also eigentlich Pot Odds von 2 : 5,5. Jedoch darfst Du damit rechnen, dass die Caller vor dir auch den Raise noch mal callen. Sie tun das, weil sie gute Pot Odds bekommen.

Angenommen, Du callst, alle anderen hinter dir folden bis zum ersten Caller. Dieser erste Caller bekommt für seinen Call Pot Odds von 1 : 7,5, denn er muss ja nur eine weitere Bet investieren, um für den Pot von inzwischen 7,5 Bets im Spiel zu bleiben.

Deshalb sind Deine implizierten Pot Odds nicht nur 2 : 5,5, sondern 2 : 7,5 (es folgen noch die zwei Bets der ursprünglichen Caller). Das ist schlechter als in Beispiel 1.

Beispiel 3:

Du sitzt in MP3, UTG callt, UTG+2 raist, MP2 reraist. Jetzt liegen 7,5 Bets im Pot, Du brauchst 3 Small Bets für den Call, also erstmal Pot Odds 3 : 7,5. Verbessert sich das noch bis zum Abschluss der Runde?

Angenommen, Du callst und alles foldet bis zu UTG, dann sieht für UTG die Situation so aus: 2 Bets nötig für den Call, 10,5 Bets im Pot. 2 : 10,5 ist sehr viel schlechter als 1 : 7,5 aus Beispiel 2. UTG wird hier also wesentlich weniger Motivation haben noch zu callen.

Für UTG+2 sieht die Situation wieder besser aus. Angenommen, UTG hat gefoldet, dann liegen immer noch 10,5 Bets im Pot und UTG+2 braucht nur eine Bet zum Call, also Pot Odds von 1 : 10,5. Das ist besser als die Odds für seinen ursprünglichen Raise, mit dieser Bet darfst Du rechnen (siehe aber unten).

Für Deine Investition von 3 Bets bekommst Du einen impliziten Pot von 8,5 Bets. (Deine 3 Bets darfst Du nicht dazurechnen!) Unterm Strich hast Du also implizite Pot Odds von 3 : 8,5, das ist nochmal deutlich weniger als 2 : 7,5 aus Beispiel 2.

Daraus ergibt sich auch, dass man für einen Cold Call von 2 Bets bessere Blätter braucht als für den einfachen Call eines Raises hinter einem. (Vergleiche die Odds von UTG und dir in MP3 in Beispiel 2.)

Es wird auch klar, dass man für den Call einer 3-bet wirklich Spitzenblätter braucht, da hierfür die Pot Odds schon sehr schlecht sind. Genaugenommen muss auch UTG+2 in Beispiel 3 seine Pot Odds noch abwerten, da MP2 seinen Reraise mit furchtbar schlechten Pot Odds gemacht hat und offensichtlich ein Blatt hat, mit dem er diese schlechten Odds noch meint schlagen zu können.