Einschätzung gewünscht

    • Mylana76
      Mylana76
      Bronze
      Dabei seit: 02.11.2009 Beiträge: 32
      Hallo Leute,

      ich hätte hier gern mal eine Einschätzung von Euch. Ich versuche mich seit einigen Wochen an etwas ernsthafterem Poker-Spiel. Ich habe schon recht viel gespielt aber bislang noch nicht so viel Theorie gemacht, aber jetzt immerhin mal die Bronze-Artikel für BSS durch.

      Ich spiele zur Zeit immer Rushpoker NL10.

      Ich halte mich weitestgehend an die PS-Einsteiger/Bronze-Strategien, ein paar Abwandlungen habe ich aber eingeführt:

      - mit Paaren < 88 calle ich eher selten nach einem Raise.
      - Begründung: Wenn ich mit getroffenem Set Action mache ist die Contibet meist alles was ich gewinne. Selbst ein Call zwecks Slowplay wird meist als große Stärke interpretiert, die Gegner checken und steigen auf meine Turn-Bet aus. Bei loosen aggressiven Gegnern calle ich normalerweise, die zahlen ein Set meist aus, auch wenn sie nur middle pair treffen.
      Mit Paaren ab 88 kann man auch ohne Set oftmals sinnvoll weiterspielen. Ich denke das beherrsche ich auf dem Limit auch relativ gut, ich kann mich wenn nötig auch wieder von meinen Karten trennen.
      Bei mehreren Gegnern calle ich auch kleinere Paare, wg. erhöhter Pot Odds.

      - AK spiele ich deutlich weniger aggressiv. Reraise tendenziell nur nach Raise aus späteren Positionen, und nur bei mittelmäßig tighten Gegnern. Nach einem Raise aus früher Position, wenn ich auch selber eine relativ frühe Position habe folde ich sogar gelegentlich.
      - Begründung: loose Gegner callen ein Reraise fast immer. Die Contibet wird dann schon sehr teuer, und treffen tut man nunmal selten. Extrem oft wird auch diese von Gegnern gecallt. Weiter bluffen bringt wohl nix. Checken wird sofort als Schwäche interpretiert, die Gegner bluffen mich raus oder haben halt tatsächlich was, ich kann es nicht einschätzen.
      - bei extrem tighten Gegnern reraise ich auch nicht, damit meine ich die, die nur AQ, AK, und QQ+ spielen, davon gibt es ja einige.

      Ich verstehe nicht so ganz, warum AK so extrem anders als AQ gehandhabt werden soll, da es meiner Meinung nach bei den meisten Flops kaum einen Unterschied macht, egal ob getroffen oder nicht. Jedenfalls war AK die ersten 15.000 Hände, wo ich nach Chart gespielt habe, meine mit Abstand größte Losing Hand. Inzwischen ist sie ganz leicht im Positiven angelangt.

      - KQ und KJ spiele ich looser als empfohlen, ab mittlerer Position raise ich in der Regel wenn noch keiner eingestiegen ist. Laut Hand-Statistik funktioniert es, sind alle positiv außer KJs.

      Ich habe jetzt gut 30.000 Hände gespielt, der Erfolg ist eher mäßig. Bitte schaut euch mal den Graphen an:



      Ist es normal, dass der Net Expected Won Graph mehr als doppelt so hoch liegt? Liegt das an meinem sehr konservativem Spiel, dass ich so viel mehr Suckouts einstecke als austeile? Oder kann man hier von Pech reden? (Ich glaube ich habe ein einziges Mal mit KK vs AA gewonnen, aber etliche Suckouts eingesteckt.) Was ist mit dem Money Without Showdown Graphen, darf der diese Abwärtstendenz haben?

      Und hier noch meine Statistics:



      Fällt euch irgendwas auf was ich ändern sollte? Ich versuche grad, weniger Steals zu folden. Bei eigentlich tighten Gegnern mit hohem Attempt-to-Steal Value reraise ich zumindest als BB mit fast allen Karten die nicht total Schrott sind, als SB etwas konservativer, das geht auch fast immer gut dass die dann sofort folden.

      So, vielen Dank schonmal für eure Kommentare!
  • 5 Antworten
    • r0cket1108
      r0cket1108
      Bronze
      Dabei seit: 30.04.2010 Beiträge: 469
      Hallo,

      vorab erstmal die Info, ich habe selber nie Rush poker gespielt und kenne den gameflow nicht so, hoffe dir aber trotzdem ein paar Tips geben zu können.


      Original von Mylana76

      - mit Paaren < 88 calle ich eher selten nach einem Raise.
      - Begründung: Wenn ich mit getroffenem Set Action mache ist die Contibet meist alles was ich gewinne. Selbst ein Call zwecks Slowplay wird meist als große Stärke interpretiert, die Gegner checken und steigen auf meine Turn-Bet aus. Bei loosen aggressiven Gegnern calle ich normalerweise, die zahlen ein Set meist aus, auch wenn sie nur middle pair treffen.

      Also generell würde ich denken dass es doch so 2-3 Arten von Spielern auf dem Limit geben wird. So "nittige" Leute wie dich (nicht böse gemeint :P ) und loosere Fische-Semifische. Du sagst ja selber, dass du gegen die looseren nicht so die Probleme hast. Aber gegen die tighteren Gegner sollte es relativ egal sein ob du 22-TT oder sogar JJ und QQ auf Setvalue callst. Generell ist es profitabler auf Setvalue zu callen wenn der Gegner in früher Position sitzt, da er dort eine stärkere (tighere) Range spielt. Außerdem empfehle ich, je drawlastiger das Board ist desto aggresiver sollte man spielen. Achja wenn du glaubst dass deine Gegner zu oft Bet Flop, check/fold Turn spielen kannst du das doch wunderpar exploiten. Dann kann man auch mal den Flop callen ohne das Set getroffen zu haben, wenn der Gegner den Turn bettet hast du nen easy Fold, wenn nicht einfach selber betten.

      Bei mehreren Gegnern calle ich auch kleinere Paare, wg. erhöhter Pot Odds.

      - AK spiele ich deutlich weniger aggressiv. Reraise tendenziell nur nach Raise aus späteren Positionen, und nur bei mittelmäßig tighten Gegnern. Nach einem Raise aus früher Position, wenn ich auch selber eine relativ frühe Position habe folde ich sogar gelegentlich.
      - Begründung: loose Gegner callen ein Reraise fast immer. Die Contibet wird dann schon sehr teuer, und treffen tut man nunmal selten. Extrem oft wird auch diese von Gegnern gecallt. Weiter bluffen bringt wohl nix. Checken wird sofort als Schwäche interpretiert, die Gegner bluffen mich raus oder haben halt tatsächlich was, ich kann es nicht einschätzen.

      Stichwort Domination. Wenn du AK gegen einen loosen Gegner 3-bettest hofft du ja das er sowas wie AQ,KQ callt. Außerdem braucht man nicht jedes Board zu cbetten.

      Mit AK zu 3betten macht übrigens gegen sehr tighte Spieler nicht viel Sinn. Sagen wir dein Gegner 4bettet nur QQ+,AKo, dann ist ein Call mit AK auch nicht verkehrt, da du Hände die du dominierst drinbehälst. Gegen Gegner die sehr viel auf 3bets folden lieber Ax s oder kleine suited connectors (67 ect.) 3betten und von der Foldequity leben.


      - bei extrem tighten Gegnern reraise ich auch nicht, damit meine ich die, die nur AQ, AK, und QQ+ spielen, davon gibt es ja einige.

      Ich verstehe nicht so ganz, warum AK so extrem anders als AQ gehandhabt werden soll, da es meiner Meinung nach bei den meisten Flops kaum einen Unterschied macht, egal ob getroffen oder nicht. Jedenfalls war AK die ersten 15.000 Hände, wo ich nach Chart gespielt habe, meine mit Abstand größte Losing Hand. Inzwischen ist sie ganz leicht im Positiven angelangt.

      - KQ und KJ spiele ich looser als empfohlen, ab mittlerer Position raise ich in der Regel wenn noch keiner eingestiegen ist. Laut Hand-Statistik funktioniert es, sind alle positiv außer KJs.

      Stichwort Sampelsize. Kann jetzt nicht genau beurteilen ob das gut ist. Aber nach insgesamt 30k Händen zu sagen, dass man mit der hand xy im plus ist macht nicht soviel Sinn.

      Ich habe jetzt gut 30.000 Hände gespielt, der Erfolg ist eher mäßig. Bitte schaut euch mal den Graphen an:



      Ist es normal, dass der Net Expected Won Graph mehr als doppelt so hoch liegt? Liegt das an meinem sehr konservativem Spiel, dass ich so viel mehr Suckouts einstecke als austeile? Oder kann man hier von Pech reden? (Ich glaube ich habe ein einziges Mal mit KK vs AA gewonnen, aber etliche Suckouts eingesteckt.) Was ist mit dem Money Without Showdown Graphen, darf der diese Abwärtstendenz haben?

      Du hattest quasi etwas Pech, lass dich davon aber nicht verrückt machen. Stehst mit deinen Winnings doch noch ganz gut da. Dass die Non-SD-Winnings so im Keller sind ist natürlich nicht schön, aber bei der tighten Spielweise ganz normal.


      Und hier noch meine Statistics:



      Fällt euch irgendwas auf was ich ändern sollte? Ich versuche grad, weniger Steals zu folden. Bei eigentlich tighten Gegnern mit hohem Attempt-to-Steal Value reraise ich zumindest als BB mit fast allen Karten die nicht total Schrott sind, als SB etwas konservativer, das geht auch fast immer gut dass die dann sofort folden.

      So, vielen Dank schonmal für eure Kommentare!

      r0cket
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      - mit Paaren < 88 calle ich eher selten nach einem Raise. - Begründung: Wenn ich mit getroffenem Set Action mache ist die Contibet meist alles was ich gewinne. Selbst ein Call zwecks Slowplay wird meist als große Stärke interpretiert, die Gegner checken und steigen auf meine Turn-Bet aus. Bei loosen aggressiven Gegnern calle ich normalerweise, die zahlen ein Set meist aus, auch wenn sie nur middle pair treffen. Mit Paaren ab 88 kann man auch ohne Set oftmals sinnvoll weiterspielen. Ich denke das beherrsche ich auf dem Limit auch relativ gut, ich kann mich wenn nötig auch wieder von meinen Karten trennen. Bei mehreren Gegnern calle ich auch kleinere Paare, wg. erhöhter Pot Odds.


      Kannst du ein paar konkrete Zahlen nennen?

      Falls es wirklich so ist wie du sagst, dann frage ich mich doch wieso du nicht trotzdem callst mit den Pocketpairs und weiteren Händen. Wenn deine Gegner doch ständig folden, dann ist der Value eines Bluffcalls Preflop doch extrem hoch, weil du ständig die Preflopbet + Contibet gewinnen kannst.
    • Mylana76
      Mylana76
      Bronze
      Dabei seit: 02.11.2009 Beiträge: 32
      Vielen Dank erstmal für deine ausführliche Antwort!

      Deine Tips zur Spielweise bei Paaren waren sehr hilfreich.

      Original von r0cket1108
      Stichwort Domination. Wenn du AK gegen einen loosen Gegner 3-bettest hofft du ja das er sowas wie AQ,KQ callt. Außerdem braucht man nicht jedes Board zu cbetten.
      Ich cbette so, wie in den Artikeln empfohlen. Also nicht bei besonders drawlastigen Flops, ansonsten fast immer. Ich sollte es aber wohl noch mehr Gegner-abhängig machen. Ich denke nur immer, wenn ich nicht bette, bettet der Gegner sowieso. Das gehört ja umgekehrt sogar zu den ganz wenigen Situationen in denen ich manchmal bluffe.

      Original von r0cket1108
      Mit AK zu 3betten macht übrigens gegen sehr tighte Spieler nicht viel Sinn. Sagen wir dein Gegner 4bettet nur QQ+,AKo, dann ist ein Call mit AK auch nicht verkehrt, da du Hände die du dominierst drinbehälst. Gegen Gegner die sehr viel auf 3bets folden lieber Ax s oder kleine suited connectors (67 ect.) 3betten und von der Foldequity leben.
      Warum macht es gegen sehr tighte Gegner Sinn zu callen? Der eigentliche einzige richtig positive Fall, nämlich dass auf dem Flop ein A oder K auftaucht ist hier doch nichts mehr wert, ich wäre dann nur gegen QQ vorne?

      Original von r0cket1108
      Du hattest quasi etwas Pech, lass dich davon aber nicht verrückt machen. Stehst mit deinen Winnings doch noch ganz gut da. Dass die Non-SD-Winnings so im Keller sind ist natürlich nicht schön, aber bei der tighten Spielweise ganz normal.
      Meine Hauptwinnings kommen zur Zeit aus dem Rakeback :) . Was mich wirklich genervt hat war, dass es in den 21 getrackten Tagen keinen einzigen gab, wo mein EV-Graph mal höher gewesen wäre. Heut hat es zum ersten Mal geklappt... zunächst wieder Suckout kassiert, dann aber einen ausgeteilt, FH vs Straight auf River getroffen. Das tat mal richtig gut. Aber im Vergleich zu dem was ich bei SNGs erlebt habe kann ich hier wirklich noch nicht von großem Pech reden. Ich beobachte mal optimistisch weiter :)
    • Mylana76
      Mylana76
      Bronze
      Dabei seit: 02.11.2009 Beiträge: 32
      Original von Ghostmaster
      Falls es wirklich so ist wie du sagst, dann frage ich mich doch wieso du nicht trotzdem callst mit den Pocketpairs und weiteren Händen. Wenn deine Gegner doch ständig folden, dann ist der Value eines Bluffcalls Preflop doch extrem hoch, weil du ständig die Preflopbet + Contibet gewinnen kannst.
      Ja, ich muss das einfach mal ausprobieren. Ich denke grad tagsüber funktioniert das tatsächlich so. Ich werde es bei bestimmten Gegner-Typen einfach mal ausprobieren und beobachten. Ist halt ein etwas riskanterer Stil als ich eigentlich fahre.
    • r0cket1108
      r0cket1108
      Bronze
      Dabei seit: 30.04.2010 Beiträge: 469
      Original von Mylana76


      Original von r0cket1108
      Mit AK zu 3betten macht übrigens gegen sehr tighte Spieler nicht viel Sinn. Sagen wir dein Gegner 4bettet nur QQ+,AKo, dann ist ein Call mit AK auch nicht verkehrt, da du Hände die du dominierst drinbehälst. Gegen Gegner die sehr viel auf 3bets folden lieber Ax s oder kleine suited connectors (67 ect.) 3betten und von der Foldequity leben.
      Warum macht es gegen sehr tighte Gegner Sinn zu callen? Der eigentliche einzige richtig positive Fall, nämlich dass auf dem Flop ein A oder K auftaucht ist hier doch nichts mehr wert, ich wäre dann nur gegen QQ vorne?

      Ja ich weiss ein Call mit AK scheint auf den ersten Blick nicht so schön, aber die Alternativen Fold (geht natürlich nicht) bzw. 3bet/fold oder 3bet/broke (gegen eine AK+,QQ+ Range evtl. sogar noch tighter?!) sind halt noch beschissener.

      Außerdem wird dein Gegner ja fast jedes A high bzw. K high cbetten. von daher würdest du bei nem hit noch oft die Cbet mitnehmen. Wenn dein Gegner generell zuviel cbettet und auf zu vielen Turn aufgibt kannst du auch mal nen J78 Flop callen und den Turn betten.