Neutrale Betrachtung einer selbst gespielten Hand nicht möglich

    • Mc8
      Mc8
      Bronze
      Dabei seit: 24.01.2008 Beiträge: 7.697
      Hallo Leute,

      Ich bin Handbewerter für 6max BSS und ich ich gehe an jede Bewertung neutral heran und bin auch in der Lage, die nach meinem Skill beste Option für jede Situation herauszufinden (obs nun wirklich immer die besten Entscheidungen sind sei mal dahingestellt). Selbst der Ausgang einer fremdgespielten Hand ändert meine neutrale Einschätzung der Situationen (bzw Ranges) nicht.
      Doch ich habe ein großes Problem bei den von mir selbst gespielten Händen. Ich in einfach nicht in der Lage eine von mir in letzter Zeit gespielten Hand nüchtern zu beurteilen. Meißt ist es so dass der großteil als OK abgehakt wird weil man nachher noch die gleichen Gedanken hat wie im Game, welche Grund für die jeweilige Entscheidungen waren (auch wenn sie falsch war) oder man hat im Game nen wichtigen Faktor übersehen und man sieht ihn dann auch nachher in der SR nicht. Zudem tendiere ich leicht dazu eine Hand als gut anzusehen wenn sie gewonnen wurde. Ein Bsp ist ich merke ich beginne leicht zu tilten und 3barrel Bluff einen Regular in einem schlechten Spot. Bevor Villian irgendwas macht habe ich den Gedanken "Oh du spielts kein A Game mehr, beende die Session". Während die Autopostblind Häkchen schon raus sind entscheidet sich Villian doch zu folden und schwupps sind die Häkchen wieder drinn und es wird doch noch weiter gezockt.

      Kurz
      - Ich habe Probleme selbst gespielte Hände zu beurteilen
      - und habe ein leichtes Problem mit Ergebnisorientiertem Beurteilen von SELBST gespielten Händen.


      Hat vll jemand Tipps dazu ?
      Hände von anderen Bewerten lassen ist klar, mache ich auch. Würde irgendwann nur gerne den Stand erreichen dass ich bei meinen Sessionreviews and die Hände genauso neutral rangehen kann wie im HB Forum


      Danke schonmal

      Grüße Mc8
  • 4 Antworten
    • wespetrev
      wespetrev
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2008 Beiträge: 2.384
      Hallo Mc8,

      was du als Problem darstellst, gehört sicher schon zu den höheren Ligen des Selbstmanagements. Ich glaube, dass du es niemals vollständig lösen wirst aus denselben Gründen, warum auch niemand von sich behaupten kann, zu jeder Zeit 100 % tiltfrei zu sein.

      Nicht zu Unrecht gibt es unter den Rechtsanwälten den Spruch: vertrete dich niemals in eigener Sache! Du bringst einfach nicht die erforderliche Distanz auf, um dich völlig objektiv und vorurteilsfrei zu sehen.

      Was natürlich nicht bedeutet, dass man nicht dahin streben kann und soll.

      Eine Möglichkeit wäre, tatsächlich etwas mehr Distanz zu schaffen. Du könntest deine Hände mit etwas größerem zeitlichen Abstand analysieren. Dann sind die Gedanken aus dem Game nicht mehr präsent. Allerdings hast du dann auch nicht mehr die Erinnerung an Besonderheiten aus dem Game Flow, die ja auch bei deinen Entscheidungen eine Rolle spielen können.

      Ich finde die Fragestellung aber sehr interessant und würde mich über weitere Beiträge freuen.

      Gruß

      wespetrev
    • Mc8
      Mc8
      Bronze
      Dabei seit: 24.01.2008 Beiträge: 7.697
      Original von wespetrev
      würde mich über weitere Beiträge freuen.

      Gruß

      wespetrev
      jop, ich auch. =) vll kommt ja noch was

      Danke dir für deine Antwort

      Gruß Mc8
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      hallo Mc8,

      es ist schon witzig, in lezter Zeit häufen sich die Posts zu genau diesem Problem,

      nämlich die Diskrepanz zwischen der Bewertung einer fremden Hand zb im Handbewertungsforum und der eigenen gespielten hände. Im Einzelfall am Tisch bedeutet das: call oder fold? - was ist es, das uns callen lässt, obwohl wir wissen, wahrscheinlich (oder besser ausgedrückt: häufiger) beat zu sein.

      Ich werde nun keinen neuen beitrag verfassen, sondern einen meiner Posts zu diesem Thema einfach hier reinkopieren und hoffe, dass du dir was anregendes rausziehen kannst:

      Dieses Problem des Handeln wider besseren Wissens dürfte jedem Spieler bekannt sein.
      Die wirklich guten finden einen Weg, richtig damit umzugehen.

      Es geht bei diesem Spiel um viel mehr als nur das Wissen, um die richtigen lines und Strategien.

      Die psychologische Komponente ist am Ende vielleicht sogar die allerwichtigste, das, was einen wirklich erfolgreichen Spieler ausmacht.

      Nur so ist diese Diskrepanz zwischen den Entscheidungen zu erklären.
      Solche, die du z.b. im Handbewertungsforum an den gespielten Händen anderer findest und solche, die du selbst am Tisch für dein Spiel fällst, scheinen unterschiedlichen Prämissen zu folgen.

      Ich kann sagen, ich kenne genau dieses Phänomen auch bei mir sehr gut und ich bin sicher, es geht den meisten so, denn es gehört imo zum Lernprozess eines Pokerspielers.
      Jeder ambitionierter Pokerspieler kommt sehr bald an genau diesen Punkt und schafft es entweder darüber hinaus oder nicht.

      Du kennst das Spiel als solches eigentlich, wenn es nur um die Karten und damit verbundenen Strategien geht. Dein Skill und Erfahrung verschafft Dir grundsätzlich Sicherheit.

      Sobald du gegen Gegner spielst, fügst Du aber neue Werte hinzu.

      Du willst den Gegner (Fisch?) beherrschen, betrafen, ownen.

      Du willst hier und heute unbedingt im Plus abschliessen.

      Du willst evtl. dein Geld zurückgewinnen.

      Das alles sind Werte, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, welches du eigentlich hier gelernt hast bzw lernen möchtest..

      Was kann man nun machen, um diese Tilts, diese Entscheidungen trotz bimmelnder innerer Alarmglocke, dieses Handeln wider besseren Wissens in den Griff zu kriegen?

      Niemals, wirklich niemals würdest Du die nuts absichtlich folden, es gäbe keine möglichen Gründe, die man sich vorstellen könnte.

      Aber du ziehst permanent Gründe heran, um zu callen, trotzdem du weisst, häufiger beat zu sein.

      "ich call jetzt mal, weil ich sehen will, ob der AA preflop limpt" ect ect ect.

      Und warum? Um deinem Ziel nähertzukommen, das du dir intuitiv selbst gesetzt hast.

      - Deinen Gegner zu betrafen

      - Heute noch unbedingt im Plus abzuschliessen

      - Dein Geld zurückzubekommen.

      Du musst dich nun einmal entscheiden, welches Spiel du spielen willst. Willst du erfolgreich, weil profitabel spielen, gehören solche Ziele in den Mülleimer!


      Häng Dir nen grossen zettel über den Monitor.

      "ich spiele Poker, weil ich die jeweils profitabelsten Wege kenne und gehe"

      Mit Deiner Erfahrung und deinem Skill kannst du einschätzen, ob, gemessen an deinen Alterativen

      - ein Push hier jetzt profitabel ist

      - ein call profitabel ist

      - ein Laydown profitabel ist!


      Wenn Du Deine sessions analysierst, wirst du feststellen, dass laydowns immer zu den bigpoints gehören. An einem korrekten laydown gewinnst du ebensoviel, wie an einem korrekten call.

      Einsparen ist gewinnen!

      Wenn du dir das in der Sache klargemacht hast, geht es noch darum, dass emotional umzusetzen.

      Gewinnen macht Spass. Callen und gewinnen macht Spass.

      Folden macht keinen Spass. Aber korrektes Folden ist Gewinnen!

      Ergo: Folden sollte im idealfall ebenso Spass machen.

      Focussiere! Focussiere die profitabelsten Entscheidungen.

      Versuche dein Ego aus den Entscheidungen rauszuhalten.

      Anfangs fällt es vielleicht noch schwer, denn man macht sich vor, nichts wäre schlimmer, als die bessere Hand zu folden. Aber wir können die situationen nie 100% exact bestimmen, wir können nur anhand unseres skills und erfahrung annähern und häufig die beste entscheidung treffen.

      Mache Dir nochmal klar, dass profitable Entscheidungen nicht nur Entscheidungen sind, die dein Geld in die Mitte bringen, sondern gerade solche, in denen du dich aus einem Pot zurückziehst, können die profitabelsten sein, wenn man es hinterher betrachtet.

      gruss,

      mergelina
    • Mc8
      Mc8
      Bronze
      Dabei seit: 24.01.2008 Beiträge: 7.697
      wow, super Post, auch wenn er nicht direkt für mich bestimmt war, sag ich dickes Merci für die Arbeit.

      Finde den Punkt, dass man mehr auf die Laydowns achten soll sehr interessant. Merke selber, dass ich in der SR (die meißt eh zu kurz kommt) vermehrt auf die SD Hände achte, mit großer Tendenz zu denen die ich nicht gewonnen habe. Folds in mittelgroßen Pötten kommen meißt zu kurz, denn hauptsächlich schau ich mir , wenn überhaupt, nur die Laydowns in großen Pots nochmal an. Alle kleineren Nonsd Pots werden kaum von mir wenig beachtet und dabei steckt in solchen "kleinen" Fold bestimmt einige BBs der Winrate.

      Danke nochmals

      Grüße Mc8