Diskussion zu "Standardsituationen"

    • muehlenzwick
      muehlenzwick
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2011 Beiträge: 227
      Hey,

      ich bin vor kurzem auf NL5 aufgestiegen und mitlerweile hab ich das Gefühl es lohnt sich über einige Dinge Gedanken zu machen.

      Ich möchte hier einige Fragen stellen, die sich mir in den letzten paar Tagen gestellt haben.
      Das hier soll kein mimimi-thread werden, allerdings haben mich einige Sachen angekotzt, die mir in meinem play öfter passieren und das erst seit NL5 und ich weiß nicht warum. Vielleicht kann mir jemand diese Fragen beantworten. Die Fragen sind eher marginal, trotzdem interessieren die Antworten mich und es gibt bestimmt auch vers. Ansichten wie z.B. bei meiner ersten Frage ...


      Call20:
      Abgesehen davon, dass einige nach Call15, 20 oder 25 spielen, kann ich hier any pocket oop oder ip in Relation zu jeder Position von Villain callen oder sollte ich das nach den genannten Kriterien anpassen?

      Beispiel:
      13/6 in UTG openraist auf 3-4BB, alle folden, ich sitze mit 88 im BB. Die Call20 Regel ist erfüllt.
      Sollte ich da aufgrund dessen, dass ich oop bin folden oder aufgrund dessen, dass ich ein mittleres PP halte oder das er aus UTG starke Karten hält und für den Fall, dass ich hitte seine Karten häufig zum SD bringt doch callen? Wie verhält es sich z.B., wenn ich 33 oder 22 halte?

      "Odds" für SC's

      Gibt es eigentlich so wie für Sets bestimmte Richtwerte ab wann ich einen Suited Connecter oder Suited One Gapper callen kann?

      Stats

      Ich würde gerne mal wissen, ab wann bestimmte Stats aussagekräftig werden. Dinge wie VPIP,PFR, AF, WTS ist klar, aber wie ist das z.B. mit 3-bet, ft3bet, 4-bet, ft4bet, Steal, Resteal und solche Dinge. Das es da keine exakten Zahlen gibt, ist logisch, aber vielleicht kann da jemand mal ne Einschätzung abgeben.

      Blindbattle

      Sollte ich im Blindbattle die Betsize erhöhen, wenn ich im SB sitze, um ihm das Positionplay teurer zu machen und kann ich umgekehrt die Betsize auch auf 3BB belassen, wenn ich im BB sitze?


      Sets

      Ich habe ein Problem Sets (vor allem gegen viele Gegner) zu spielen.
      Wenn ich eins am Flop getroffen habe und das Board ziemlich drawy ist, muss ich ja protecten. Allerdings gehen mir dann immer alle Gegner flöten und ich bekomme keinen Value.
      Ich überlege, dann immer in früher Position Checkraise zu spielen, weil ich so noch value von den Leuten bekomme, weil irgendeiner immer setzt, sei es um den Pot mitzunehmen oder als Cbet.
      Würdet ihr das auch so machen oder gleich potsize setzen? Ich finde mit einem Checkraise zwingt man die Gegner oft zu Fehlern, da sie dann meistens einen schlechten Call machen, wenn sie callen.

      Die nächste Frage, die sich mir stellt ist wie ich das set am turn weiterspiele, wenn mich jemand doch noch callt und ein Draw ankommt, sei es ein Flush,- oder Straigtdraw. Ich entscheide dann meistens nach Reads oder Stats was ich dann mache, bin aber in der Entscheidungsfindung immer noch total verloren.
      Wann spiele ich da check/fold, bet/fold oder check/call. Ich hab da überhaupt keine Grundlage auf der ich meine Entscheidung treffen soll. TPTK könnte ich ja noch locker check/fold spielen, wenn ich der Meinung bin villain hat wirklich getroffen, allerdings fällt es mir schwer da mein set wegzulegen, weil ja doch viele Spieler so einen Spot für einen Bluff nutzen. Die Geschichte, die er erzählt, wenn er mein checkraise callt, ist ja plausibel. Ich verrenne mich da glaube ich sehr oft in unprofitable Situationen.

      Das ist auch eine der Sachen, die mich manchmal tiltet, weil ich auf NL2 einfach Straight4value gespielt habe und solange keine 3bet kam, hab ich nichtmal ansatzweise drüber nachgedacht, da zu folden. Vielleicht ist das nur Einbildung oder aber nicht vorhandene Edge, aber ich habe das Gefühl in solchen Spots viiiel mehr zu verlieren als auf NL2.


      Ja, ist doch ein bisschen mimimi geworden. Mir stellen sich oft soviele Fragen im Play, wo mir die Entscheidungsgrundlage fehlt.

      Würde mich über ne Diskussion, bzw. Antworten oder Empfehlungen freuen.

      lg, muehle
  • 3 Antworten
    • SleepyCat06
      SleepyCat06
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 2.137
      Ich fang mal an:

      Call20: Abgesehen davon, dass einige nach Call15, 20 oder 25 spielen, kann ich hier any pocket oop oder ip in Relation zu jeder Position von Villain callen oder sollte ich das nach den genannten Kriterien anpassen?

      Wenn du nach der Call20 Regel spielst, also Call auf Setvalue, callst du, um ein Set zu treffen und dann deinen Gegner zu stacken. Die Frage, die du dir nun schon preflop stellen musst ist: Wie stark ist die Range des Gegners, bzw. wie hoch die Wahrscheinlichkeit, dass er auch postflop noch stark ist und ich ihn stacken kann.
      Ein openraise aus dem BU wird meist mit einer weiten Range gemacht, das bedeutet aber auch, dass Villain postflop oft weak ist und nicht bereit ist, um Stacks zu spielen. Deshalb sind Calls auf setvalue aus den Blinds vs CO/BU meist nicht so profitabel.
      Auch wichtig ist zu beachten, wer hinter dir sitzt. Hat ein aggressiver Spieler Position auf dich, könnte er nach deinem Call squeezen und du müsstest folden.
      Wenn du im BU einen openraise aus EP auf Setvalue callst, musst halt erst schauen, ob in den Blinds ein notorischer Squeezer sitzt, der genau weiß, was dein Call zu bedeuten hat.
      Gegen einen 13/6 UTG openraiser kannst 22, 33 etc im BB auf Setvalue callen, du bist last to act, es kann nach dir keine 3-bet mehr geben. Villain ist ne Nit, er ist pre sehr tight und hat eine strong Range, auch postflop wird er oft stark sein, solche Spieler haben die Angewohnheit, dass sie sich von den wenigen Händen, die sie spielen, auch nicht mehr trennen wollen. Gute Chancen also, seinen Stack zu bekommen.


      Blindbattle Sollte ich im Blindbattle die Betsize erhöhen, wenn ich im SB sitze, um ihm das Positionplay teurer zu machen und kann ich umgekehrt die Betsize auch auf 3BB belassen, wenn ich im BB sitze?

      Openraise aus dem SB auf 4bb macht schon Sinn, um BB schlechtere Odds zu geben. Im BB kannst einen opencomplete aus dem SB wie einen Limper behandeln, den du IP isoraist. Durch sein opencomplete zeigt SB ja, dass er gerne billig den Flop sehen möchte, das solltest du ihm nicht gestatten.


      (später evtl mehr zu den anderen Punkten)
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      1) Grundsätzlich ist es erstmal so, dass dein Gegner dich ausreichend oft ausbezahlen muss. Bei der Call 20 Regel ungefähr jedes 3. mal; das Problem ist hier mehrschichtig:

      - der Gegner muss sich mit Overpairs stacken lassen -> ansonsten fehlen dir die Implied Odds
      - durch deinen Positionsnachteil wird es schwieriger den Gegner zu stacken -> wobei ein UTG Raiser meistens sowieso eine hohe Betfrequenz am Flop haben wird und dies daher nicht ganz so relevant ist
      - 88 hat auf vielen Boards noch eine Equityedge gegen die UTG Range. Wenn du z.b. auf einem T23r Board bist und gegen UTG spielt, dann brauchst du bei einer 2/3 Potsizebet ca. 30% Equity für einen Call. 166:66 = 28.4% um konkret zu sein.
      Du kannst dir im Equilator anschauen wie du gegen seine Contibetrange (UTG Ranges sind ja relativ klar definiert) performst, dabei überlegen wie oft er am Turn setzen wird und wie wahrscheinlich es ist, dass du deine Equity realisieren kannst.


      2) Für suited connectors kannst du durchaus Wahrscheinlichkeiten bestimmen zu denen du am Flop bestimmte Handkombinationen triffst. (gibt mehrere Strategieartikel darüber:

      http://de.pokerstrategy.com/strategy/weekly-no-limit/

      Runterscrollen zu Draws. Im Bronzeartikel Suited Connectors findest du die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten (die sind auch richtig)

      Ein Problem dabei ist, dass Suited Connector keine "Hardequity" Hände wie Pocketpairs sind, die entweder ein Set floppen oder "nur" ein Pair sind und relativ einfach zu spielen sind. Mit Suited Connectors hast du in den meisten Fällen nur irgendeinen Gutshots, einen Straightdraw, einen Flushdraw oder sowas und bist "gezwungen" die Hand Postflop weiterzuspielen und +EV Spots zu finden und zu nutzen.
      Und genau hieran werden die meisten Anfänger verzweifeln, daher werden im SHC und auch in der ganzen Anfängerstrategiesektion Coldcalls mit solchen Händen nicht behandelt. (und darüberhinaus kannst du mal Datenbanken durchsuchen - du wirst herausfinden, dass viele gute Spieler mit diesen Händen leicht im Minus sind; das hat damit zu tun, dass sie ihre Coldcallingrange balancen müssen (damit sie nicht nur aus Pairs und Broadways besteht) und somit ihre Range erweitern und den Gegner vor schwierigeren Entscheidungen zu stellen.
      Auf den Micros sind diese Calls absolut unnötig, da fast niemand (selbst auf NL200 nicht) darauf achtet, dass deine Coldcallingrange weit genug ist.


      3)
      Stats:

      Überleg dir doch einfach selber mal wie lange es dauert bis deine Stats am Tisch mit den Stats in deiner Datenbank langsam übereinstimmen. Die Basisstats (Vpip/Pfr/Af) brauchen wahrscheinlich nur 50 - 100 Hände, um eine grobe Tendenz abzubilden. Komplexere Stats wie z.b. Fold to Cbet und Cbet Flop brauchen da sicherlich schon eine größere Samplesize, da diese Situationen halt seltener vorkommen. Exotische Stats wie C/R to River Cbet brauchen dann sicherlich schon weit über 1k Hände, da sie einfach sehr selten vorkommen.


      4)
      Sets:

      Wie man Made Hand richtig und maximal spielt hängt weniger mit deiner konkreten Hand zusammen, sondern mit der konkreten Boardstruktur und den wahrscheinlichen Ranges deiner Gegner.

      Nehmen wir mal an UTG openraist, CO overcalled und wir callen im SB mit 88. Der Flop ist 8h9dJh und somit sehr drawheavy.
      Wenn wir davon ausgehen, dass UTG sehr oft cbettet und wir CO somit die Möglichkeit geben zu callen, dann wird ein C/R sehr profitabel, da du die Bet von CO noch eingesammelt hast.
      Wenn du davon ausgehst, dass UTG nicht so oft cbettet (z.b. weil er auf dem Board Overcards nicht cbettet) und die Gefahr besteht, dass der pot durchgecheckt wird, dann wird eine Donkbet besser, um niemandem freie Karten zu geben.
      Grade auf solchen Boardstrukturen gibt es nämlich einige Turnkarten, die die Ranges deiner Gegner massiv stärken können.
      Zwar stellst du bei dieser Donkbet UTG oft vor die Wahl zu raisen oder zu folden (und bekommst die Bet von CO nicht), aber das ist weit aus besser als überhaupt keine Bet zu bekommen oder im ungünstigsten Fall alle Spieler eine Turnkarte sehen zu lassen.

      Anders ist die Situation, wenn du keine relative Position auf den Preflopaggressor hast. Nehmen wir an UTG openraist, du callst im SB und BB overcalled. Gleiche Situation wie oben nur die Positionen sind jetzt halt anders.

      Mit einer Donkbet erzeugst du keine nachteilige Situation, sondern wahrscheinlich eine Situaiton in der du BB zwischen dich und dem Preflopaggressor trappen kannst. Die Range von BB ist nach seinem Overcall sehr wahrscheinlich weit und er wird sich häufig irgendwie mit dem Board verbunden haben (Twopair, Pair + Draw, Flushdraw etc.) und deine Bet callen. UTG bekommt jetzt die sehr schwierige Aufgabe mit seinem Overpair oder seinen Overcards + Backdoordraws richtig weiterzuspielen und genau solche Situationen willst du erzeugen: Situationen in denen dein Gegner vor ein Problem gestellt wird.
      Ein C/R wäre hier z.b. nicht so gut, wenn du BB trappen willst, da es meistens ja so aussieht: Du checkst, BB checkt, UTG bettet und du C/Raist und BB folded.

      Turn:

      Überleg dir wie die Ranges die gecalled haben am Flop sich mit dem Turn verbinden. (solche Analysen machst du mit dem Equilator und einem Taschenrechner)
      Überleg dir welche schlechteren Hände eine Bet callen werden, überleg dir gegen welche Hädne du hinten liegst und schau dir an wie die Verteilung dieser Hände ist.

      Z.b. weisst du das die Flopcallingrange des Gegners auf einem Ts9s2h Board (du hälst 99) folgendermaßen aussieht:

      JJ+, ATs+, As2s - AsKs, QJs, KsQs, KsJs. Jetzt überleg dir einfach mal auf Grundlage dieser Range (die nicht ganz akurat ist, aber als einfaches Beispiel dienen soll) wie unterschiedliche mögliche Turnkarten die Wahrscheinlichkeiten stark drehen und welche Turnkarten, die Wahrscheinlichkeiten gegen diese Range wenig drehen.

      Auf dieser Grundlage entscheidest du dann zu betten oder zu checken. (und je nach Position eine Bet zu callen)

      Die Entscheidungsgrundlage können als entweder immer nur die Range deines Gegners sein ODER du konstruierst für dich "Standardlines" (wovon ich nichts halte und auch nicht für möglich halte), die du als profitabel ansiehst. Z.b. so Regeln wie never Fold a Set; Folde Overpairs auf Action beim Gegner; Spiele Draws nur nach Odds und Outs etc.
    • muehlenzwick
      muehlenzwick
      Bronze
      Dabei seit: 16.01.2011 Beiträge: 227
      wow, danke für eure antworten.
      das ist ja noch komplizierter als ich dachte.

      werde mir den content + links anschauen und versuchen das irgendwie zu verstehen um umzusetzen.

      lg, muehle