Spielertypen mittels Clusteranalyse

    • KindOfBlue
      KindOfBlue
      Bronze
      Dabei seit: 22.10.2008 Beiträge: 202
      Der folgende Kram bezieht sich hauptsächlich auf Fixed Limit 0.25/0.50.

      Ich habe mal ein bisschen mit dem 'Auto-Rate' Feature von Pokertracker herumgespielt, bin aber zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen. Natürlich wäre es schön, eine grobe Klassierung der Spieler zu haben, mit denen man an einem Tisch sitzt - am besten noch, bevor man sich an den Tisch setzt. So machen es ja die TableSelection-Programme. Aber wenn die auch nur Rule-Sets wie Pokertracker benutzen, frage ich mich, wie sinnvoll die sind.

      Das Problem ist, dass eine einfache Einteilung nach Stats schon sehr willkürlich ist, da man immer irgendwelche harten Grenzen festlegen muss. Zum Beispiel könnte man VPIP, PFRR, AFq und WTSD nehmen und jeweils einen 'optimalen' Bereich definieren wie 0.10 < VPIP < 0.20. So erhält man für jeden Stat 3 Abschnitte, was dann ausmultipliziert auf 81 Spielertypen führt. Das ist aber völlig unpraktikabel, selbst 27 sind zu viel.

      Eine vernünftige Zahl wären z.B. 8 Spielertypen, wie in dem entsprechenden Artikel in der Stategie-Sektion. Wenn man aber danach vorgeht, stellt man aber fest, dass auf Fixed Limit 0.25/0.50 viele dieser Typen kaum vorkommen (z.B. 'Rocks') und andererseits immer eine riesige Spielermasse durch das Gitter durchfällt und eben nicht klassiert wird - was die ganze Übung natürlich hinfällig macht.

      Ich habe mich daher entschlossen, ein neuronales Netzwerk für die Spielerklassierung zu benutzen. Natürlich fallen auch dabei eine Menge Spieler durch, einfach weil ich nicht die erforderlichen 50 gespielten Hände von ihnen habe. Aber immerhin werden die verbleibenden 40% der Spieler jetzt sauber eingeteilt. Da diese 'Vielspieler' aber meist mehrere Tische gleichzeitig belegen (20 x MultiTabling habe ich auf FL 0.25/0.50 beobachtet. Wahnsinn.) liegt die Abdeckung - wenn man das auf einen Tisch bezieht - bei gut 80%. Damit kann man leben.

      Für Februar/März habe ich 40.000 Spieler und 8 Mio Hände analysiert, und bin dabei auf folgende Einteilung gekommen:



      Das ist jetzt eine dynamische Zuordnung, d.h. es gibt keine festen Stats-Grenzen, nur 'Zentren'. Überhaupt sind die Spieler bezüglich ihrer Stats in dem von mir aufgespannten 4-Achsen Raum sehr fließend verteilt. Den einzigen Typus, den man wirklich signifikant abgrenzen kann, ist: Der Pokerstrategy-Spieler :P

      Wen's noch interessiert, was ich mit der Klassierung mache: In den Pokertracker ist das nicht übertragbar. Aber es gibt Pokersites die benutzen xml-Files für die Spielernotes. Diese lassen sich leicht ersetzen und dann sieht man anhand der Farbkennzeichnung schon in der Lobby, an welchen Tisch es sich zu setzen lohnt. Zudem sind die Notes sofort verfügbar, sobald sich ein neuer Spieler mit an den Tisch setzt und nicht erst nach einem Orbit. Mir gefällt das ganz gut, man kann so auch besser seine Position am Tisch steuern. Ich glaube, TableSelection funktioniert damit ganz vernüftig. Zumindest bilden sich häufig an den Tischen, an die ich mich als letzter gesetzt habe, lange Warteschlangen. Aber ich sehe auch auch als erster, wenn die TAG's wieder Überhand nehmen ...

      Hat sich schon mal jemand anders mit dieser Thematik befasst?
  • 9 Antworten
    • Scherben
      Scherben
      Gold
      Dabei seit: 07.12.2007 Beiträge: 972
      naja ich sortier einfach nach fisch und multitabler (wobei der multitabler der ein fisch ist bei mir als fisch sortiert wird).

      Für die tischauswahl reicht das denk ich. Sobalt ich am tisch bin hab ich eh stats.

      Hast du datamining betrieben? Bzw. handhistorys gekauft?
    • KindOfBlue
      KindOfBlue
      Bronze
      Dabei seit: 22.10.2008 Beiträge: 202
      Ja, vielleicht ist das alles ein bisschen übertrieben. 8 Spielertypen sind immer noch zuviel. Hier reichen eigentlich die vier TAG, TPA, LAG und LPA. Damit hat man dann aber auch schon alle zusätzlichen Informationen für knappe Entscheidungen am Tisch. Die HUD-Stats nutze ich eher für unbekannte Spieler. Da hat man nach 2 Orbits immerhin auch schon eine Tendenz. Und Sachen wie ATS braucht man hier eh nicht: Die Meisten spielen nach Chart und der Rest weiss noch nicht einmal, was das bedeutet.

      Multitabling ist auch ein gutes Kriterium. Standard dürfte aber gefühlt bei 2-4 Tischen liegen. Wer nur einen Tisch spielt, brütet dabei häufig die tollsten Sachen aus. Da wäre ich vorsichtig. Mit vielen Tischen geht es streng nach 'Schema F', d.h. keine Gefahr.

      Ein paar 'Regs' hab ich auf einer extra Liste stehen. Das sind ganz harmlose Zombies. Wie die über zehntausende von Händen mit ihrer negativen Winrate zurechtkommen, ist mir ein Rätsel. Die höchste Winrate haben diejenigen Spieler, die nach ein paar glücklichen Pötten den Rechner für den Rest des Monats abschalten und sich wieder den Kakteen widmen --- oder auf ein höheres Limit wechseln, weil es ja so gut läuft ...
    • paraumbrella
      paraumbrella
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2010 Beiträge: 109
      Die technische Komponente würde mich da interessieren.
      Die Hände in PTR eingelesen, die Datenbank dann angezapft, Analyseprogramm laufen lassen und dann die XML-Dateien der Spieler ersetzt?

      Na jedenfalls kann ich auch nicht viel mit Tableselection-Programmen anfangen, aus den von dir genannten Gründen. Und das obwohl ich Stat-Grenzen bekommen habe, die für andere Spieler super mit den Tableselection-Programmen zur Fischejagd funktionieren.

      Ich markiere die Spieler während des Spielens anhand ihrer Preflop-Stats unterschiedlich. Da gibt es eigentlich nur zwei Unterteilungen:
      rentabel (Fisch, oder richtig schlechter Reg)
      unrentabel (Regs gegen die ich gegen Rake max BE performe)
      (PreFlop unrentabel, PostFlopSkills zum heulen <- und für die wenigen Rocks)

      Je nachdem wie die Spieler dann in der Lobby markiert sind, setzte ich mich dazu oder eben nicht. Im Grunde das was du auch hast, nur ist meine Unterteilung händisch und deine voll automatisch xD
      Mich würde nur diese riesige Farbvielfalt stören, da ich mir eh nicht merken könnte wer nun rentabel ist oder nicht^^

      btw... gibt es auf deinem Limit keine Gruppe die über BE performt?

      gruß
      umbrella
    • DismasX
      DismasX
      Black
      Dabei seit: 30.06.2007 Beiträge: 1.509
      Die technische Umsetzung bzw. die Idee finde ich schon sehr geil. Ansonsten habe ich das lange Zeit ähnlich gehandelt, also praktisch alle 8 Farben von Stars ausgenutzt. Problem ist, dass mir die 8 Farben für die Tableselection nix bringen (da reichen weniger), für das Postflopspiel - dafür würde ich gern die Farbschemata "krass" erweitern - aber bei weitem nicht ausreichen. Bei FTP hat man in der Hinsicht natürlich vollen Spielraum und vielleicht zieht Stars ja irgendwann mal nach.

      Inzwischen interessieren mich eigentlich nur noch "hoch profitabel", "profitabel", "BE" und "nicht profitabel". Mache ich per Hand, Werte werden dann regelmässig bei "Auffälligkeiten" (z. B. -6 BB Lag spielt Postflop sehr gut, kann dann zu ziemlichen Überraschungen führen) über PTR überprüft. Möchte 1-2 Positionen hinter einem Spieler der Kategorie I sitzen und im Idealfall noch mind. einen weiteren Kategorie I-II Spieler am Tisch haben. Alles über -1BB (nicht vergessen, der hat eigentlich + 2 BB auf 2/4 FL SH vor Rake, darunter noch mehr) - stufe ich erstmal als nicht profitabel ein. Bei Rakes von 3BB/100++ müssen die Gegner schon deutlich schlechter sein. Hoch profitabel ist für mich deshalb erst ab ca. -5BB. Ich würde hier also nicht mit allzu kleinen Edges arbeiten. Wenn Du anfängst, die Leute noch in z. B. Lags, Tags und Stations zu unterteilen, kommst Du mit den 8 Farben nicht mehr klar - wichtig ist in erster Linie ja die Profitabilität.

      Beim Start einer Session finde ich so sehr schnell gute Tische. Tracking Programm - zur Zeit Table Scan Tubo mit angepassten Einstellungen - läuft aber dann im Hintergrund noch mit, finde ich extrem hilfreich. So kann ich mich auf die Session konzentrieren und nebenbei, ohne ständig in der Lobby rumzusuchen, automatisiert neue lukrative Tische finden.

      Btw.: Gerade von den Extremfischen hat man oft sehr wenig Hände. Hatte gestern nach der Session mal 2 davon über PTR gecheckt - die hatten gerade mal 1000 Hände seit 2009 mit avg. -15 BB+ gespielt. Vielleicht ja jeden letzten Sonntag im Monat ein Tisch eine Stunde? Soll heißen, das ich evtl. für Vpip>60% nur 20 Hände ansetzen würde, da steckt halt trotz geringer Samplesize fast immer ein Vollfisch dahinter, den ich ungern übersehen würde. Bei dem Tracking Programm habe ich hier die Einstellung >50% und min. 15 Hände.

      Wie die über zehntausende von Händen mit ihrer negativen Winrate zurechtkommen, ist mir ein Rätsel.


      Ein Multi kommt imho - müßte man für Dein Limit mal nachrechnen - locker auf 1BB+ Rakeback. Stellar Rewards, Milestones, VIP-Freerolls, Reloads und Aktionen mit eingerechnet. Würde hier auch mal Deine Edge auf sie "hinterfragen". Sicher gute "Playability", aber evtl. "nur" 3BB" vor Rakeabzug Edge und das ist halt im Ergebnis inkl. deinem Rakeback gerade mal Break-Even.
    • KindOfBlue
      KindOfBlue
      Bronze
      Dabei seit: 22.10.2008 Beiträge: 202
      Vielen Dank für eure Anmerkungen.

      Die technische Umsetzung ist leider noch nicht vollautomatisch. Ich benutze eine 64bit Programmierumgebung und kann nicht direkt auf Postgre 8.3 connecten. Da steht mir noch ein Upgrade bevor. Solange lasse ich die Stats von PokerTracker berechnen und schreibe sie nach csv raus. Der Rest geht dann aber wie von selbst. Vor allem war ich überrascht, dass der Pokerclient überhaupt keine Probleme hat, 50.000 Playernotes einzulesen.

      Den Hauptzweck der Übung sehe ich zur Zeit in der Table- und Seat-Selection. Die Farbcodierung ist einfach sofort da, auch wenn sich jemand neu an den Tisch setzt. Die 'farblosen' Gelegenheitsspieler sind eigentlich kein Problem, denn die sind fast immer profitabel. Aber ich werde auch mal probieren, die Mindesthandzahl bei hohem VPIP runterzusetzen. Schwieriger ist es schon mit den Regs: Meine 8 Typen sind von der Spieleranzahl her etwa gleich verteilt. Von den gespielten Händen - und damit der Tischpräsenz - dominieren aber eindeutig die TAGs. Dazu mal zwei Zahlen:

      1% der Spieler repräsentieren 45% aller gespielten Hände
      10% der Spieler repräsentieren 81% aller gespielten Hände

      D.h. es sitzt mindestens ein Regular mit am Tisch (abhängig davon, wo man die Grenze ziehen möchte). Dies ist auch ein Grund, die anderen Typen weiter zusammenzufassen.

      Was die Winrate der TAGs angeht: Die ist im Durchschnitt schon leicht im Plus, aber eben selbst unter den Top 12 der FrequentPlayer sind 4 deutlich im Minus - vor Rakeback (Danke für den Hinweis).

      Nochmal zu den Regs: Ich denke denke nicht, dass ich gegen die eine Edge habe. Ich würde mich nie an einen 'gelben' Tisch setzen. Es müssen immer mindestens 2 loose Spieler rechts neben mir sitzen. Aber dann spielt sich so ein Tisch eigentlich ganz gut ...

    • bluffem
      bluffem
      Bronze
      Dabei seit: 14.03.2007 Beiträge: 3.786
      Hört sich alles sehr interessant an.

      Ich selbst habe 5 Standard Farben

      1. grün - Fisch, calling Station
      2. gelb - random Note
      3. hellblau - schlechte Regs
      4. rot - gute Regs
      5. blau - Monster Fische
      6. lila - Freunde, Ps.com Typen
    • DismasX
      DismasX
      Black
      Dabei seit: 30.06.2007 Beiträge: 1.509
      @KindOfBlue

      Hoffe, du verfolgst diesen Thread noch. Für Sessionreviews möchte ich mir die Notes aus der Starssoftware in den PT3 reinziehen. Ist mir aber nicht wichtig genug, um stundenlang zu recherchieren, wie das geht.

      Die Starsnotes (xml) kann ich beliebig umformen (bspw. zu CSV), notfalls würde ich mir dafür ein kleines Script schreiben. Habe jetzt aber auf Anhieb weder eine "PT3-Playernotes-Datei" noch eine Importfunktion gefunden.

      Hast du da evtl. einen Tipp für mich?
    • KindOfBlue
      KindOfBlue
      Bronze
      Dabei seit: 22.10.2008 Beiträge: 202
      Eine Importfunktion für Playernotes wurde schon mehrfach im PT-Forum angefragt, ist zur Zeit aber weder vorhanden, noch geplant. Da aber alle Informationen in der PT-Datenbank stehen (PostgreSQL), kann man dort einfach die entsprechende Tabelle bearbeiten oder erweitern.

      Die Tabelle die du suchst ist public.notes mit den Spalten

      id_note = laufender Index
      id_x = Player-ID
      enum_type = P (für playernote)
      date_note = Zeitstempel
      notes = Text

      Die Player-ID bekommst du aus public.player indem du nach dem player_name suchst.

      Rein praktisch kannst du dir die beiden PT-Tabellen in Excel zusammen mit der notes.xml Datei anzeigen lassen und dir daraus eine neue csv-Datei im oben beschriebenen Format bauen. Diese lässt sich dann über das pgAdmin Tool und den Befehl "COPY public.notes FROM filename CSV" importieren.
    • DismasX
      DismasX
      Black
      Dabei seit: 30.06.2007 Beiträge: 1.509
      Hey KindOfBlue,

      super, danke dir! Hätte sonst wahrscheinlich stundenlang googeln müssen...