[SNG] Druck und Verantwortung - Meine arme kleine Bankroll

    • Thiemo1981
      Thiemo1981
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2006 Beiträge: 3.789
      Hey !

      Ich habe gerade nopis Thread gelesen und in den letzten Tagen auch einige andere in diesem Forum (va Verum). Zentral fand ich die Hinweise auf Poker, Druck, Mindset und selbsterfüllenden Prophezeiungen.
      Nun möchte ich auch hier posten, weil ich zum einen den Drang verspüre mit "Profis" bzgl Poker und dem was es mit uns und wir aus ihm machen zu sprechen, zum anderen weil ich die Beiträge einiger Member wie Verum, Cubaner, Scoop, Wespetrev ua sehr schätze.
      Ich spiele selber seit Jahren Poker (mainly only ;) ), habe meine 50k Winnings aus den guten alten Zeiten mittlerweile aufgebraucht und konnte nicht gegen meine Ausgaben gegen an pokern. Das hat natürlich wohl verschiedene Gründe, zB mangelnder Ehrgeiz, mangelnder Fleiß, eine relaxte und alternative Lebenseinstellung, an und für sich niedrige Bindung an Geld und was weiss ich noch. Wiederum haben diese Charakteristika wohl ihren Ursprung va im familiären Umfeld, meiner Sozialisation und auch meiner Intelligenz. Ich bin in den Dingen die ich tue, egal ob damals Schule, Klavierspiel, Magic, Frisbee, LoL, Studium, etc. gut bis sehr gut, ohne dass ich übergroßen Aufwand dafür treiben musste.
      Nun spüre ich seit Monaten den enormen Druck, den Poker als alleiniges Einkommen ausübt, wenn die BR nichtmal mehr ausreicht um guten Gewissens MTT mit 11$ Buy-In zu spielen.
      Ich merke, daß die Verantwortung, die ich meiner BR zumute viel zu groß ist, daß der Druck so immens ist, dass mein Spiel (SNG 9man turbo) leidet. Ich zB viel zu viel Angst vor schlechten Calls meiner Gegner habe und deswegen gerade wenn es drauf ankommt, also 4-6handed zu vorsichtig werde.
      Ich lese hier viel, ich schaue regelmäßig die Handbewerterforen durch, schaue Videos und habe auch einen festen Trainingspartner. Ich esse recht gesund, bewege mich, habe eine tolle Freundin und tolle Freunde sowie ein, zwei andere Hobbys.
      Hah und da ertappe ich mich, dass ich gerade ein, zwei andere Hobbys geschrieben habe. Poker ist dabei schon lange kein Hobby mehr. Ich habe nur das Glück gehabt vor ~2 Jahren sehr intensiv auf Titan fast sämtliche Buyins MTT-technisch zu spielen und dies auch so gut, dass das Geld erst jetzt so langsam wirklich alle ist. Graph ist schon lange geblockt (bin bzgl Veröffentlichung von winnings recht scheu ;) ), falls ein Kommentar diesbezüglich kommen sollte. Im SNG Gold-Forum auf Seite 86 Mitte bei Sicke SNG-Graphen könnt ihr euch was anschauen, wenn ihr wollt/braucht.
      Was ich hier schreibe und wieso ? Weiss ich selber nicht. Nur pokern mit gutem Gewissen kann ich gerade nicht mehr. Der Druck, die Verantwortung ist zu hoch. Und natürlich erfüllt es sich mit so einer Einstellung auch leicht von selbst, dass man tatsächlich in loose Calls läuft, obwohl man gerade gemerkt hat, "hey, das ist ein guter Push, lass den nicht aus, oder doch ?, ich hab ja schon gut geprengelt BvB, oder doch nicht oder was jetzt?".
      So kann ich nicht mehr pokern. Aber ich will verdammt nochmal pokern. Ich bin gut, ich habe Skill, vor allem SNG und MTT beherrsche ich technisch mittlerweile recht ordentlich, wenn ich in freudig-ausgeglichener Stimmung bin. Nicht umsonst lebe ich seit Jahren davon und weigere mich an diesem ganzen regular Arbeitszirkus mitzumachen, wo man sich den Arsch für andere aufreisst. Das mache ich hier (beim Poker) nicht. Das mache ich nur für mich, niemand bekommt was ab, bätsch ;)
      Hm.
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      Konsequenzen sollte ich ziehen und mich aus dieser lethargisch, vertrackten, druckvollen Situation lösen. Hier zu posten und vllt Denkanstöße zu bekommen ist schonmal etwas.
      Andere Ideen, gegen die ich mich bisher aber vehement verwehre (wieso eigentlich) wären ein Staking-Deal (denke ich habe auch genug Bekannte, die mir gute Konditionen bieten). Aber bisher habe ich alles alleine hinbekommen. Auch so eine Sache aus meiner Familie, Sozialisation und Geschichte...
      Die andere Alternative, buuuuuuuh, ist sich einen regular Job zu suchen (Pizzabäcker bei den Mafialäden nebenan wäre da meine Wahl, vllt ergibt sich da auch noch anderes ;) ). Hm. Will ich aber gar nicht. Ich will pokern, ich will wieder hoch. Ich kann es auch. Nur ist kein Geld mehr da. Und diesen Druck hält einfach kein Mindset aus, das merke ich schon seit Monaten. Ich schaffe es noch so gerade gegen meine laufenden Kosten (die nun wirklich sehr bescheiden sind) gegenan zu pokern. Und das wird auf Dauer nicht gut gehen.

      So Schluß hier. Ich hoffe ich habe durch meine typische Art überhaupt noch Ansatzpunkte eröffnet. Ich blick ja immer so gut durch und verstehe mich selbst so gut :P Aber das Umsetzen, das Umsetzen an den Tischen und ab von den Tischen, konsequent, freudig, gespannt-entspannt was als nächstes passiert....nenene

      Ich freue mich auf Antworten !

      Lieben Gruß an euch da draußen, nopi, verum und wer sonst noch, wir sind nicht allein mit diesem riesengroßen Mindfuck names Poker :)

      Thiemo
  • 2 Antworten
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      hallo thiemo1981,

      ich kenn deine sorgen nur zu gut. Es ist immer ein problem, wenn man vom poker leben muss, oder teilweise leben muss, jedenfalls oftmals mehr auscashen muss, als gewinne reinkommen.

      Ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen, das geht irgendwann schief, der psychische Druck während eines downswings ist hoch genug, wenn man da nicht ein gesundes mindset und vor allem ein gesundes BRM entgegensetzt, kann der druck leicht übermächtig werden.

      Durch das permanente auscashen kann die BR nicht wirklich gut wachsen in guten Phasen und wird in schlechten Phasen arg strapaziert.
      Das führt dazu, dass man, wenn man sich strikt an ein BRM hält (und 200 buyins wären bei solchen kandidaten wie wir es sind ein vernünftigges BRM) oftmals niedrigere Limits spielen muss, als man möchte und sich zutraut.

      Letztlich ist dieses "ich muss noch bissschen was gewinnen, die stromrechnung ist fällig und ich möchte die BR nicht unter (zb) 3000 fallen sehen.....das alles ist kontraproduktiv und alles andere als hilfreich.

      Die Sache ist einfach die: Entweder deine winnings reichen longterm das ganze Jahr durch für deinen Lebensunterhalt, dann kann das ganze klappen, dann aber würde ich trotzdem für die nerven, für ein dickers BR polster sorgen, damit solche geldnöte keinen platz in deinem kopf haben.

      Wenn es eher so ist, dass du von vergangenen Tagen zehrst, wie du sagtest, dann würd ich halt mal schauen, ob es nicht andere wege gibt, wo noch etwas geld reinkommen könnte.

      Es ist einfach schade, wenn man seine BR für den Lebensunterhalt crushed.

      Viel schöner ist es, ab und zu etwas für Luxus auszucahsen, für einen Reise, für einen geilen Fernseher oder ein sauteures Parfüm für die Freundin?

      Ich empfehle Dir an dieser Stelle mal meinen eigenen Problemthread zu diesem Thema, der viel tolle und für mich damals sehr hilfreiche Antworten enthält, die du möglicherweise zum Teil auf Dich übertragen kannst.

      [SNG] Angst vor dem Gau - broke zu gehen...

      Halt uns auf dem laufenden, wie das bei dir weiterläuft.

      viel Erfolg,

      mergelina
    • Thiemo1981
      Thiemo1981
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2006 Beiträge: 3.789
      Moin!

      Da bin ich wieder. Erstmal einen Dank an mergelina für deine Antwort.

      Es ist in den letzten 2 Monaten einiges passiert. Vor allem der Black Friday hat mir die Augen geöffnet, wie unsicher Poker eigentlich ist. Deswegen habe ich die Konsequenz gezogen und alles bis auf 100$ ausgezahlt. Damit daddel ich 1-2mal in der Woche mal eine Stunde oder so etwas rum.
      Ich kann wirklich niemandem empfehlen, sich alleine auf das Pokern zu konzentrieren und nichts "richtiges" in der Tasche zu haben.
      Klar, es mag einige wenige Ausnahmen geben. Aber ich denke der allergrößte Teil der Spieler, die sich überlegen den Poker-only-Weg zu gehen, sollte sich das noch einmal stark überlegen. Niemand weiß, wie die Situation in ein, fünf oder zehn Jahren ist. Abgesehen von den enormen Herausforderungen die ein Pro-Alltag an Selbstdisziplin, Ausdauer, Konzentration, Selbstmanagement, Ausgleich, Arbeitsrhythmus usw usf stellt.

      Und endlich habe ich mich dazu entschieden mein Studium zu Ende zu bringen. Das war wohl einer der größten Fehler der letzten Jahre. Ich habe bisher noch gar nichts "richtiges" in der Tasche, kann aber innerhalb von etwa zwei Jahren wenigstens einen Bachelor-Abschluss erzielen. Und das in meinem Alter :( Aber wenigstens etwas und alle mal besser als gar nichts.

      Tja, wat soll ich noch schreiben. Ich sehne mich im Moment nur noch nach Regelmäßigkeit, einem normalen Tagesrhythmus und einem Ziel vor Augen. Und ich denke ein Studium kann genau das bieten, gerade so ein enges Bachelorstudium. Und wenn es bedeutet, dass ich aus finanziellen Gründen nach zehn Jahren wieder bei meinen Eltern einziehen muss ;) Egal.

      Gruß an alle, war eine schöne Zeit und ein schöner Traum. Snap back to reality - oh there goes gravity.

      Thiemo