Epigenetik: Vererbbarkeit von Eigenschaften. Diskurs in der VErwandschaft

    • joe0411xx
      joe0411xx
      Bronze
      Dabei seit: 02.10.2007 Beiträge: 1.483
      Gestern hatten wir eine lebhafte Diskussion in der Verwandschaft.
      Ich vertrat die Ansicht, dass sich persönliche Eigenschaften wie Disziplin, Ehrgeiz und Motivation zu einem größren Anteil aus der persönlichen Sozialisation (Einfluss der Eltern, spätere Freunde, Bildung, Medienkonsum, persönliche Erfahrungen etc..) her speisen als aus den Genen.
      Meine Tante vertrat die Ansicht, das die Gene diesbezüglich absolut dominierend sind und die Sozialisation in der Ausprägung jener Eigenschaften nur eine untergeordnete Rolle spielt.

      So ist ihr Bruder hochintelligent, kriegt jedoch im Leben wegen zu geringer Zielstrebigkeit und Motivation nichts so wirklich auf die Kette.

      Meine Erfahrung (aus meinem persönlichen Lebenslauf) als auch von anderen Menschen ist, die, dass ein Mensch seine Persönlichkeit in seinem Leben extrem verändern kann und jene Eigenschaften eben nicht, zumindest in *dominierender* Weise, durch seine Gene vorbestimt sind.

      Wir haben beide keine wissenschaftlich repräsentativen Belge für unsere Thesen, sondern jeweils nur persönliche Erfahrungen, die uns zu den jeweiligen Annahmen führen.

      Jetzt würde mich natürlich der aktuell objektive Stand der Forschung dazu interessieren.
      Gibt es aktuelle Studien die relativ eindeutig belegen, welcher Teil (Gene oder Sozialisation) der bestimmendere ist?
  • 9 Antworten
    • tomte999
      tomte999
      Black
      Dabei seit: 21.02.2007 Beiträge: 704
      also definitiv kann ich dir auch nix sagen, weil ich das selber nicht studiere, hab aber angeregt von nem zeitungsartikel mal eine ähnliche diskussion mit einem molbio-studenten gehabt..

      soweit ich mich recht erinnere, hat mir der damals gesagt, dass man sich sowohl gene als auch sozialisierung nicht als absolut bestimmende faktoren für ein bestimmtes verhalten vorstellen sollte. Ein erwachsener Mensch kann sowohl total friedfertig sein, wenn er eine genetische Prädisposition zu aggressiven Verhalten hat als auch wenn er in einer aggressiven Umgebung aufgewachsen ist. Es ist die Verbindung der beiden Ebenen, die dann zum tatsächlich gezeigten Verhalten führt. Ein Mensch hat dann eine Prädisposition in den Genen zu aggressiven Verhalten, und dieses Prädisposition wird dann durch eine aggressive Sozialisationsumgebung 'aktiviert'.

      Epigenetik steckt aber noch gewissermaßen in den Kinderschuhen, also all zu viel weiß man über die Mechanismen noch nicht. Was man aber denk ich als fix annehmen kann ist, dass a.) in der nature vs. nurture Debatte jetzt aufgrund der Entdeckungen der Epigenetik NICHT plötzlich Nurture gewinnt, und dass b.), wenn man so Anteile wie zu wieviel % ist etwas angeboren und zu wie viel % sozialisiert jemals aufstellen kann, dann wird es sehr wahrscheinlich für jede Charaktereigenschaft spezifisch und unterschiedlich sein.
    • joe0411xx
      joe0411xx
      Bronze
      Dabei seit: 02.10.2007 Beiträge: 1.483
      Dank dir.
      Das ist ja schon mal ein Anfang.

      Hatte von einem Freund mittlerweile so etwas ähnliches gehört.
      Jetzt muss ich nur noch eine passende Studie dazu finden.
      Zwillingsstudien (eineiig) sollen sich dazu ja angeblich besonders anbieten..
    • Schokobaer
      Schokobaer
      Bronze
      Dabei seit: 30.11.2008 Beiträge: 1.182
      also ich habe von einem experiment gehoert, bei dem wissenschaftler ratten durch ein labyrinth geschickt haben. die nachkommen der ratten, welche das labyrinth passiert hatten, kamen ohne es zu kennen schneller durch das labyrinth, als ratten, deren vorhfahren das labyrinth nicht passiert haben.
      keine ahnung wie das mit quellen dazu aussieht, hab ich von einem meiner dozenten.
      darwin hat behauptet evolution findet durch mutation und selektion statt. das experiment wuerde bedeuten, dass auch erworbene eigenschaften weitervererbt werden koennen...

      soviel mal zur wissenschaftlichen seite ^^
    • FiftyBlume
      FiftyBlume
      Bronze
      Dabei seit: 06.06.2010 Beiträge: 8.580
      Kanns mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Eigenschaften "vererbt" sind.

      Ich hab selbst schon öfter erlebt, wie Menschen sich durch einschneidende Ereignisse komplett verändert haben.

      Auf der anderen Seite sind bestimmte Verhaltensweisen/Charakterzüge wohl angeboren.
    • Augepaul
      Augepaul
      Bronze
      Dabei seit: 24.12.2006 Beiträge: 501
      Original von Schokobaer
      also ich habe von einem experiment gehoert, bei dem wissenschaftler ratten durch ein labyrinth geschickt haben. die nachkommen der ratten, welche das labyrinth passiert hatten, kamen ohne es zu kennen schneller durch das labyrinth, als ratten, deren vorhfahren das labyrinth nicht passiert haben.
      keine ahnung wie das mit quellen dazu aussieht, hab ich von einem meiner dozenten.
      darwin hat behauptet evolution findet durch mutation und selektion statt. das experiment wuerde bedeuten, dass auch erworbene eigenschaften weitervererbt werden koennen...

      soviel mal zur wissenschaftlichen seite ^^
      Aus dem Versuch kann man halt nicht wirklich viel ableiten imo.

      Da du ja nicht weiß, ob es vllt einfach daran liegt, dass die Nachfahren der Mäuse die das Labyrinth geschafft haben einfach einen besseren orientierungssinn haben...

      @OT:
      Die Sache ist halt erstma bei so einem Thema, dass es sehr schwer ist das nachzuweißen, da man halt mit eineigien Zwillingen einen Versuch machen muss und die dann recht lange beobachten muss.
      Das Problkem heirbei ist die reproduzierbarkeit.

      Allerdings wäre es für mich logisch zu sagen, dass es, wenn die Gene einen EInfluss auf zB das Äußere eines Menschen hat, auch eine Wirkung auf die Eigenschaften hat.
      Dabei darf man allerdings nicht unberücksichtigt lassen, dass es eine sehr hohe Variabilität gibt und es somit sehr schwer zu quantizifizieren ist, was denn eigentlich die bestimmte Eigenschaft auslöst / bewirkt und was dann zu einer Veränderung führt.

      Aus eben dieser Variabilität entsteht ja auch Evolution und ein Lebewesen wird sich im Laufe seines Lebens verändert, da es sich an äußere Einflüsse anpasst / anpassen muss.

      Ich würde somit sagen, dass es sowhl zu einem gewissen Teil genetisch bestimmt ist, welche Eigenschaft ein Lebewesen hat, aber auch äußerkliche Einflüsse die eigenschaften verändern können ( was wie gesagt in der Evolution und Entwicklung wichtig ist. Da könnte man aber imo auch argumentieren, was man evtl auch mit Rekomination erklören könnte.


      Ich hoff das hat dir ein bisschen weitergeholfen und dass es, auch wenns spät ist und ich en hartes WE hinter mir habe logisch und verständlich ist :)
    • Djax
      Djax
      Bronze
      Dabei seit: 19.08.2006 Beiträge: 1.020
      Die in Stein gemeiselten Gene werden bezüglich persönlicher Eigenschaften im Allgemeinen deutlich überschätzt und nur als "Ausrede" benutzt um sich nicht zu ändern. Das meiste wird im Kindesalter angelegt aber auch "Erfahrungen" im Leben deiner Vorfahren wirken sich direkt auf dich aus!
      So werden z.B. um das 12 Lebensjahren bei Männern die ersten Samen produziert. Die "Erfahrungen" um die Zeit wirken sich auf alle Samen aus und damit auf die Kinder. Bei Frauen wird das soviel ich weiß schon vor der Geburt im Bauch angelegt und damit sind die Erfahrungen die die Oma macht mit entscheidend für das Kind. Ist soviel ich weiß noch nicht hundertprozentig abgesichert aber deutet darauf hin.
      In der Doku sind paar Beispiele aufgezeigt.



      auch gut:
      http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/53101.html

      Also würd ich sagen zum einen werden "Eigenschaften" schon vererbt aber durch Epigenetische Marker. Ich denke die lassen sich dann durch andere "Erfahrungen" auch wieder ändern wie hier manche schon aufgezeigt haben.
    • venusflytrap
      venusflytrap
      Bronze
      Dabei seit: 21.12.2007 Beiträge: 3.289
      Wenn es um Verhalten geht gibt es wohl immer eine Gen-Umwelt Interaktion.

      Umwelt ist hierbei nicht nur alles was einem passiert ist seit man geboren ist sondern fängt schon beim Embryo an. Zum Beispiel beeinflusst das Geschlecht benachbarter Embryos bei Mäusen die Zahl der Androgenrezeptoren im Gehirn welche später (teilweise) das agressive Verhalten steuern.
    • pmatze
      pmatze
      Bronze
      Dabei seit: 05.03.2010 Beiträge: 1.002
      Es werden halt nie Experimente durchführbar sein die eine These beweisen können, da man weder 2 Menschen mit gleichen Genen, noch 2 Menschen mit gleichen Erfahrung hat. Daher kann man da nur spekulieren, ich denke es ist eine Kombination von beidem. Also verschiedene Erfahrungen werden von verschiedenen Genkombination verschieden in Richtung und Intensität interpretiert und bestimmen dann das Verhalten.
    • FuaVarra
      FuaVarra
      Bronze
      Dabei seit: 03.09.2006 Beiträge: 3.381
      das thema ist zwar schon etwas älter, aber ich wollt mal noch ein bisschen 2centen:

      klar ist aber, dass genemutationen einen enormen einfluß auf "uns" haben. sehr häufig führen diese zu krankheiten oder halt auch zu verhaltensstörungen. beispiel hierfür ist "fragile-x mental retardation". Ein einzelner Gendefekt führt hier zu schwachsinnigkeit. betroffene menschen leiden u.a. unter einem niedrigen iq. ein gutes umfeld kann dem menschen vielleicht helfen, aber nicht heilen - sie sind kognitiv einfach eingeschränkt.

      anders ist die gezielte förderung von kindern oder ihre verblödung zu betrachten. würde man zwei exakt gleiche kinder untersuchen (btw ist das bei den mäusen an denen wir forschen der fall) kann die art der erziehung einen einfluss auf den iq haben. das gehirn ist nicht statisch, sondern hoch dynamisch. und bestimmte reize/stimulationen können bestimmte genprogramme halt aktivieren und die kognitiven fähigkeiten steigern oder eben verkümmern lassen, wenn man sich nicht aktiv um sein kind kümmert, mit ihm spielt, lernt, etc.

      extremen beispiele sind aber sehr häufig durch gene verursacht (anderes beispiel alzheimer). bei schlechter mess-/greifbaren dingen wird es halt schwieriger. Aber auch beispielsweise gewaltätigkeit konnte schon mit einem gendefekt in verbindung gebracht werden. habe die quelle leider grad nicht gefunden, aber es ging um eine familie die erhöht gewaltbereit ist und alle teilten einen gemeinsamen gendeffekt.

      weiteres beispiel: schlafbedarf. ebenfalls höchstwahrscheinlich genetisch bedingt. wieder wurde eine familie untersucht. während ein teil der familie nach 6 stunden idr topfit und leistungsfähig ist, braucht der rest die "normalen" 8 stunden. möglich (für die wenig-schläfer) machts eine genmutation.

      man kann das jetzt noch sehr viel weiterführen. mit googlen solltest du auch viele studien finden. aber dennoch ist auch ganz wichtig und fast jedem klar, dass es sich um ein zusammenspiel zwischen genen und umwelt handelt.

      auch ein spätaufsteher kann sich trainieren früh einzuschlafen und früher (als genetisch gewollt) aufzuwachen. er wird hier aber wohl nicht ganz die leistungsfähigkeit erreichen durch seinen verschobenen tagesrythmus wie ein "nativer" frühaufsteher ("sozialer jetlag")

      selbst wenn man sich etwas im laufe des lebens aneignet kann es noch durch "die gene" verursacht sein [hier gehts aber eher um veränderungen durch traumatische ereignisse u.ä.]. hier kommt dann die epigenetik ins spiel: durch modifikationen wie methylierung kann ein gen abgeschaltet werden, was sich dann wiederum in einer verhaltensveränderung niederschlagen kann.

      schwieriges und komplexes thema. tschuldige die wirren sätze, aber es ist schon spät.

      bin übrigens neurowissenschaftler in der ausbildung (phd) und nochmal für pmatze: bei menschen ist es nicht möglich viele identische paare unter genormten, unterschiedlichen bedinungen großzuziehen/zu betrachten, für mäuse ist dies aber sehr wohl möglich. wir arbeiten mit inzucht-stämmen (geht nicht bei vielen tierarten), jedes tier ist genetisch nahezu identisch zu mutter, vater, brüdern & schwestern, alle gene liegen im selben allel vor.