Checkraise am Flop oop und ohne Ini

    • voxymoron
      voxymoron
      Bronze
      Dabei seit: 08.09.2010 Beiträge: 66
      Hallo,

      das kommt ja häufiger mal vor, dass man mit Händen, die nicht ganz so toll sind, oop und ohne Initiative dasitzt und vielleicht ein middle pair oder besser hat. Zum Beispiel passive BB-defense gegen späten open-raiser oder 3-bet vom button, wenn ich in cutoff open-raise

      Hier mal eine Situation von heute (insgesamt stärkere ranges, weil in MP, aber von der relativen Situation ähnlich wie oben beschrieben):

      Full Tilt - $0.10/$0.20 - Holdem - 9 players

      BTN: $0.43
      SB: $3.26
      BB: $5.31
      UTG: $3.72
      UTG+1: $0.81
      Hero (MP): $5.78
      MP+1: $4.13
      LP: $2.64
      CO: $4.05

      SB posts SB $0.05, BB posts BB $0.10

      Pre Flop: ($0.15) Hero has 9:diamond: 9:club:

      fold, fold, Hero raises to $0.20, MP+1 raises to $0.30, fold, fold, fold, fold, fold, Hero calls $0.10

      Flop: ($0.75, 2 players) 7:spade: 7:diamond: 5:spade:
      Hero checks, MP+1 bets $0.10, Hero raises to $0.20, MP+1 calls $0.10

      Turn: ($1.15, 2 players) T:diamond:
      Hero bets $0.20, fold

      Hero wins $1.10

      Ich denke Overpair ist hier schon eine der besseren Hände und richtig gespielt. Zum Beispiel gegen AK und AQ, einige halten vielleicht noch KQs.
      Villain ist unbekannt (100 Hände: 11/10). Ich halte es für unwahrscheinlich, dass er hier schlechteres hält und dass er 88+ weglegt. Aber wieso ist es richtig, so zu spielen? Weil er mehr Kombinationen ohne Pocketpair in seiner range hat? Weil er 'nur' 6 outs gegen mich hat (dafür bekommt er noch richtige Odds)? Wird er mit JJ-KK auf calldown umsteigen, wenn ich preflop nicht cappe? Schmeiße ich direkt weg, wenn er am Flop 3-bettet oder am turn raised?

      Irgendwie sind das Situationen, die ich so nicht spielen will, weil sie ziemlich teuer werden können.
  • 3 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.496
      Das lässt sich beantworten, wenn man die Hintergründe der Entscheidungen beleuchtet. Grundsätzlich gilt: bist du im Vorteil, willst du mehr Geld in den Pot bringen, um den Vorteil zu verwerten und du willst deine Hand schützen. Bist du im Nachteil, willst du deine Verluste gering halten, aber andererseits deine Chancen auf den Gewinn des Pots wahren, wenn du einen angemessenen Preis bekommst.

      Es gilt also erst mal herauszufinden, ob du überhaupt einen Vorteil am Flop hast. Vom Gegner weisst du nach 100 Händen, dass er ziemlich tight ist. Er wird dich nur mit starken Händen preflop 3-betten, entsprechend dem Einsteiger- oder dem Bronzechart. Im Bronzechart kommt die 3-bet gegen MP1 (deine Position) mit 99+, AQ+. Im Einsteigerchart kommt sie von 99+, AJs+, AQo+. Geht man mal vom Bronzechart aus, liegst du gegen 30 Kartenkombinationen hinten (TT+) und gegen 32 vorne (AQ+). Im Einsteigerchart kämen weitere 4 Kombos dazu, gegen die du vorne liegst (AJs). Dein Gegner hat mehr Outs gegen dich als du gegen ihn. Du hast keinen Vorteil.

      Das sagt auch das Equilab:

      Board: 7:spade: 7:diamond: 5:spade:
             Equity     Win     Tie
      UTG    44.21%  43.50%   0.71% { 9d9c }
      UTG+1  55.79%  55.08%   0.71% { 99+, AJs+, AQo+ } (Einsteigerchart)


      bzw. 42,6% gegen den Bronzechart.

      Du solltest also von Erhöhungen absehen. Deine Hand ist aber zu gut, um sie aufzugeben. Die beste Strategie ist, mit einem Calldown bei geringen Kosten den Showdown anzustreben. Fällt ein Ass, gibst du auf.

      Hättest du QQ, sähe es anders aus. Damit liegst du gegen etliche Pockets des Gegners auch noch vorne und der Gegner hätte weniger Outs. Das verschafft dir einen deutlichen Vorteil, so dass du die Standardlinie zu zweit am Flop mit checkraise Flop, bet Turn spielen solltest.

      JJ ist der Grenzfall. Damit hast du einen kleinen Vorteil (56 gegen 44), gibst jedoch deinem Gegner implied Odds für seine besseren Hände, wenn du checkraist. Die wird er auf dem Turn gegenraisen. Dadurch zahlst du gegen bessere Hände deutlich mehr als du von schlechteren Händen gewinnst (du kannst auf dem Turn nicht so leicht folden, weil dich vielleicht auch ein schlechteres Pocket oder JJ raist). Deswegen ist auch hier ist der Calldown besser.
    • voxymoron
      voxymoron
      Bronze
      Dabei seit: 08.09.2010 Beiträge: 66
      Hallo und danke für die frühe Antwort ;)

      Ich habe mir endlich mal einen Equity Calculator für Mac runtergeladen und ein paar ranges aus dem Bronze-Chart eingegeben.

      Dabei frage ich mich, wie ich mit dem unteren Teil dieser ranges spielen soll. Zum Beispiel bei den 3bets. Der Button raised first in mit 33+, A2+, K5s+, K9o+ usw. und ich 3bette mit 55+, A2s+, A7o+ usw.

      Mit meinen 19% laufe ich preflop gegen die 32% des button ganz gut. (55% Equity), auch mit einer einzelnen Hand wie 77 ist das noch so. Selbst auf einem board mit einer overcard (das erstaunt mich ein bisschen). Aber schon mit zwei overcards, also nicht gepaarte broadways, wendet sich das Blatt. Mit AK auf dem board ganz dramatisch.

      Nehmen wir an der button callt preflop, mache ich die contibet auf einem 3AK board und gebe am turn auf (c/f), wenn er callt?

      Cappen tut er laut chart mit QQ+ und AK, spiele ich dann direkt c/f auf diesem Flop? Oder reichen mir die 38% für einen calldown gegen seine AK-Hände?

      Also generell ab wieviel Equity spiele ich showdown bound? Mit denn Siebenern aus dem oberen Beispiel habe ich 48% auf einem 3QJ-board, das bis zum river keine weiteren broadways bringt. Bette ich da durch und bin glücklich, wenn er mit TT nur runtercallt (weil er mir wegen der 3bet credit gibt und selber scared ist wegen Q+J auf dem board)? Und wie spiele ich, wenn eine weitere scarecard kommt, z.B. T, K oder A - b/f oder c/f (wobei ein check ja eine Vorlage für einen bluff ist).
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.496

      Nehmen wir an der button callt preflop, mache ich die contibet auf einem 3AK board und gebe am turn auf (c/f), wenn er callt?
      Richtig. Das wird aber abgemildert durch die Tatsache, dass der Gegner oft schon auf dem Flop aufgibt, weil er auch nichts getroffen hat (Wert der Initiative) und dadurch, dass eine solche Flopstruktur nur einen Teil der Möglichkeiten bildet.


      Also generell ab wieviel Equity spiele ich showdown bound?
      Dazu gibt es den Gold-Artikel Konzepte: Calldown. Es gibt eine sehr einfache Formel, wie die nötige Equity abgeleitet werden kann:

      Equity > Kosten des Calldowns / Pot am Showdown

      Wenn du annimmst, dass der Gegner in jeder Bietrunde eine Bet abfeuert, dann sind deine Kosten ab dem Flop 2,5 BB. Der Pot am Showdown ist dann 2 * 2,5 BB + Pot am Flop. Nach einem preflop Cap ist der Pot am Flop 8,5 SB = 4,25 BB. Also

      Equity > 2,5 / (4,25 + 2*2,5) = 27%

      Die anderen Situationen sind je nach Preflopaction entsprechend.

      Unabhängig von der Potgrösse wirst du am Flop für gewöhnlich nur dann eine Bet abfeuern, wenn du die Initiative hast. Bist du im BB und es wurde gecappt, dann ist das nicht der Fall zu zweit am Flop. Du checkraist dann nur, wenn du einen Vorteil hast (mit einer 77 wohl nicht). Ansonsten callst du einfach runter, wenn deine Equity gut genug ist.

      Kommt eine Karte, die die Range des Gegners sehr gut trifft (z. B. ein A), musst du natürlich neu überlegen, ob du immer noch eine ausreichende Equity für den Calldown hast. Im Cap Beispiel sicher nicht.