Frage zur EV-Bestimmung / Vorgehensweise

    • Gurkha
      Gurkha
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2005 Beiträge: 1.287
      es gelten beispielhaft folgende Annahmen:

      - mp2 raist 15% seiner Hände (22+, A9s+, ATo+, xTs+, KQo, 76s+)
      - wir halten im BB A T und callen

      Flop: T 8 6

      1. Gegen mp2's gesamte Range haben wir 63% Equity.
      2. Wir gehen davon aus, das er auf eine donkbet oder einen checkraise seine starken Made Hands und starken Draws reinstellt und alles andere foldet.
      -> er foldet ca. 50% seiner Preflop-Range (nur schlechtere Hände als unser TPTK)
      - gegen seine Pushing-Range von 66, 88, TT, JJ+, xTs+, AT, T9s und x y (x;y >T) haben wir 36% Equity.

      -> unter der Annahme, das die Range-Analyse richtig ist, kann man bei PotOdds von 1,8:1 oder besser sein Geld hier gegen ein Raise reinbringen.
      Soweit, so gut. Das ist gut zu wissen, wenn wir vor die Entscheidung gestellt werden, all unser Geld reinzubringen.

      Wie aber geht man in der Situationsanalyse vor, wenn man sich überhaupt erst für eine der Optionen bet oder c/r entscheiden will?
      Man kann vorher ausrechnen, welche Pot Odds man gegen einen Raise oder Push erhalten wird.
      Aber das gleichzeitige "Abzählen/Schätzen" der möglichen Fold- bzw. Call-/Raise-/Push-Ranges + das dann erneute Abschätzen der Equity gegen diese "neue" Range + das Abschätzen der gegebenen Pot Odds dauert bei mir im Nachhinein schon recht lange.
      Wie habt ihr euch das angeeignet? Oder geht ihr vollkommen anders vor?

      Eine letzte Frage dazu: Die Equity gegen die gesamte Prefloprange ist am Flop dann doch eigentlich vollkommen uninteressant, weil wir immer nur die EQ gegen die Range bestimmen dürfen, die uns callt, oder?
  • 3 Antworten
    • Scooop
      Scooop
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2009 Beiträge: 22.773
      dein Beispiel ist etwas unglücklich gewählt, da wir ja OOP sind und der Standardweg wäre zum PFA zu checken und wir nach einer cbet vor der Frage stehen ob wie callen oder valueraisen sollten (fold scheidet natürlich aus mit TPTK)...

      Zu deinen Fragen:

      zur letzten Frage zunächst: exakt - die Equity (und playability) müssen wir immer nur gegen die Range nehmen, die weiterspielt.
      Ganz einfacher Fall - ein tighter Spieler openraist 12% aus UTG, wir sind am BU und wollen ihn 3betten - wir wissen aus seinen HUD Stats, dass er keine 3bet OOP callt bisher (auf 6k Hände) und nur 2,56% 4bettet (QQ+,AK).
      Jetzt muss uns natürlich unsere Equity gegen seine Openraiserange nicht die Bohne interessieren, uns interessiert nur das Verhältnis der Größe der "Weiterspielrange" [gibt irgendwie keinen guten Namen dafür] und der Range die er foldet. - da er nur 21,33% seiner openraiserange weiterspielt und also 78,67% foldet, haben wir eine +EV 3bet mit any2 cards.
      Wenn wir also so einen Spieler 3betten wollen, dann im Grunde nur mit bluffs. Hände die eine sehr gute Equity gegen seine Weiterspielrange haben sind nur KK+ und da er so oft auf 3bets foldet ist die große Frage ob wir diese Hände wirklich 3betten wollen oder ob nicht ein coldcall wesentlich besser wäre.

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      Jetzt zu deinem Handbeispiel:
      ich denke deine Annahmen sind einigermaßen nachvollziehbar.
      Der wichtige Punkt ist aber der, dass du ja selber sagst, dass er alle Hände gegen die wir vorne sind auf ein raise foldet und wir uns also gegen eine bessere Range isolieren. - (Fast) immer wenn das der Fall ist, ist unser raise nicht gut, weil wir eine Hand die stark genug ist zum coldcallen de facto in einen bluff verwandeln.
      Daher würde ich am Flop in so einem spot immer callen und schauen wie er am Turn weiterspielt, immerhin ist das board eines das er sehr oft verpasst haben sollte und das unsere cc Range deutlich stärker trifft.

      Selbst wenn raise/broke in dem spot mit TPTK +EV sein sollte so kann der call am Flop insgesamt einen höheren EV haben, auch wenn der leider nicht so einfach abzuschätzen und zu berechnen ist.

      Eine weitere sehr wichtige Sache die man nicht übersehen sollte in solchen spots ist die, dass du eben mit einer ziemlich marginalen Hand hier all in gehen willst - wenn deine Rahmenbedingungen nicht stimmen, z.B. er mit draws nicht broke geht, sondern wirklich nur mit Overpairs oder besser, dann wird dein Spielzug sehr, sehr schnell EXTREM -EV...

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      Solche genauen Analysen wie du sie hier versucht hast während des Spiels zu machen, am Besten noch wenn man mehrere Tische gleichzeitig spielt ist unmöglich.
      Was man daher machen sollte ist solche Analysen im Nachhinein zu machen, dadurch bekommt man erstens ein besseres Gespür für solche spots und entwickelt schneller Muster, z.B. das dass auf so einem board TPTK ohne backdoordraws eine viel zu marginale Hand ist um raise/broke zu spielen, wenn die Umstände nicht sehr extrem sind.
    • wizardoface
      wizardoface
      Bronze
      Dabei seit: 27.03.2011 Beiträge: 24
      Sorry... wofür steht TPTK (T = 10... soviel ist klar)? Danke.
    • Scooop
      Scooop
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2009 Beiträge: 22.773
      Top Pair Top Kicker

      ;)