Wie FE gegen mittelstarke Ranges einschätzen lernen?

    • Gurkha
      Gurkha
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2005 Beiträge: 1.287
      (Dies ist ein x-post aus meinem Thread im Selbstmanagement-Forum)

      Anhand welcher Kriterien bestimmt ihr die Foldequity gegen den mittelstarken Bereich einer gegnerischen Handrange?

      Bsp:
      Ihr befindet euch in einer Hand und müsst entscheiden, ob ihr betten bzw. raisen sollt (z.B. als Bluff oder Semibluff).
      Ihr könnt recht gut den Monsterteil (der weiterspielt) und den Trash-Teil (der folden wird) der Gegnerrange bestimmen.
      Allerdings seid ihr euch nicht sicher seid, welche Teile seiner mittelstarken Range (marginale bis mittelstarke Made Hands, mittelstarke Draws) er jeweils gegen Aggression callen, folden, oder vielleicht sogar raisen wird.

      Und genau diese Einschätzung bereitet mir Probleme.
      Daraus folgt:
      -> ich kann die EVs von Spielzügen, die eine gewisse Foldequity benötigen, nicht korrekt berechnen.

      Das würde ich aber gerne! :(
  • 4 Antworten
    • chrsbckr75
      chrsbckr75
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      Dabei seit: 15.02.2007 Beiträge: 3.693
      Vielleicht musst Du im Falle von Medium holdings einfach über mehrere Streets analysieren.


      Sprich: Am Flop würde ich zB Hände a la TPGK nicht annehmen, dass Villain die auf einen Raise hin foldet.
      Aber diese Foldet er in den meisten Fällen auf der nächsten Street.


      Ich glaube, dass ist streetspezifisch:


      ---> Flop: Medium Hände bleiben drin (TPGK, 2ndPairs auf Single Highcard boards etc.) Die sehe ich mich nicht rausfolden (außer auf einen Push oder OverRaise (>PS))


      und bpoard spezifisch:


      Auf einem paired board (YETI) kann Villain auch mal mit marginalstem schrott 1xpeelen
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Es bleibt dir nichts übrig als Street für Street über mögliche Holdings von Villain nachzudenken.

      Einen Gesamt-EV abzuleiten ist beinahe unmöglich, weil sich die Schätzungen addieren und zu falschen Ergebnissen führen (Annahme Ranges/Spielweisen Preflop/Flop/Turn/River...), da triffst du letztlich über 10 Annahmen...das Ergebnis wird beinahe wertlos sein.

      Es wäre gut Spielweisen deiner Gegner zu erkennen, sprich: Was callt dein Gegner am Flop OOP auf einem Axxr-Flop?

      Spielt er häufig wa/wb? Oder kann er es gar donken? Oder c/raisen?

      Oder peelt er einmal mit middle Pairs? Oder zweimal (sprich er c/c auch am Turn)? Oder gar dreimal?

      Oder möchte er OOP floaten? Oder unsere 2nd Barrel gar bluff c/raisen, weil er uns wenig Ax-Hände gibt?

      Etc.

      Wie du siehst, massenhaft Annahmen.

      Preflop hast du grobe Ranges, an Flop und Turn sollte es dann immer weniger und am River kannst du da schon auf einige Handgruppen schließen.


      Letztlich lautet deine Frage ja übersetzt "wie spielt man perfekt Poker"? Wenn es eine Formel gebe wo man jederzeit über Ranges der Gegner und deren Spielweise mit jeweiligen Handgruppen bescheid wüßte, dann müsste man ja nicht mehr spielen.

      Genau darauf kommt es doch an. ;)
    • Gurkha
      Gurkha
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2005 Beiträge: 1.287
      @chrsbckr75:
      Das scheint mir eine gute Vorgehensweise zu sein. Danke!

      @Miiwiin:
      Es ist mir natürlich klar, das es diese "perfekte" Formel nicht geben kann (hoffentlich).
      Aber gerade diese Situationen bereiten mir Probleme, wenn ich versuche, Hände in Reviews zu analysieren und dann den EV verschiedener Aktionen zu bestimmen.
      Derzeit bin ich dabei, mich durch die verschiedenen Artikel und Kolumnen zu dieser Thematik zu arbeiten, und hoffe einige neue Impulse zu finden.
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.649
      Original von Gurkha
      @Miiwiin:
      Es ist mir natürlich klar, das es diese "perfekte" Formel nicht geben kann (hoffentlich).
      Aber gerade diese Situationen bereiten mir Probleme, wenn ich versuche, Hände in Reviews zu analysieren und dann den EV verschiedener Aktionen zu bestimmen.
      Derzeit bin ich dabei, mich durch die verschiedenen Artikel und Kolumnen zu dieser Thematik zu arbeiten, und hoffe einige neue Impulse zu finden.
      Wie gesagt, Übung macht den Meister!

      Einen EV zu bestimmen ist im NL immer eine schwere Sache, sofern man es über mehrere Streets verfolgt. Aber die Annahmen über Ranges machst du ja dennoch recht häufig.

      In erster Linie am River. Dort sind die Hände fertig und du hast die meisten Informationen vorliegen.

      Beispiel:

      Du raist aus early Position, BU ist eine recht tighter regular und er callt.

      Du hältst A:hA

      Flop: 2:h5:hJ

      Du c-bettest 2/3 PS, er callt.

      Turn: T

      Du bettest 2/3 PS, er callt.

      River: 2

      ...


      Nun kommts halt drauf an, wie gut du den Gegner und seine Aktionen kennst, wenn du nicht viel weißt, musst du grobe Annahmen treffen.

      Bei einem tighten Regular muss man erstmal von straight forward ausgehen (womit wir schon bei wirklichen "Annahmen" sind.

      Was hält Villain am River, was callt er, was würde er selber betten?

      => 2x => callt er Preflop zu selten am Button
      => 22/55/JJ => würde er häufig an Flop oder Turn raisen
      => TT => würde den Turn raisen
      => 99-66 => wird er häufig am Turn folden
      => -Draws wird er nur bedingt am Turn callen (mangelnde implieds)

      Also reduziert sich seine River-Range wohl auf ein paar Kombos aus 99-66, wenige busted Draws, Toppairs wie AJ-QJ, ab und an ein trapped Overpair (QQ+).

      Folge: check/call macht wenig Sinn, weil er zu viele Draws hält. Jx hat die meisten Kombinationen und ist nach seinem Play bis zum River amwahrscheinlichsten. Die Hand foldet er bei dieser Rivercard auch nicht.

      Mit schwächeren Händen (99-) ist es ihm selbst überlassen ob er callen will oder nicht.

      Von tricky Bluffraises brauchst du bei unknown nicht ausgehen.

      Also wäre bet 1/2 PS / fold ein geeignetes Play.


      Diese Gedanken solltest du theoretisch in jeder Hand durchspielen, aber selbst hier siehst du, dass nun trotz aller Annahmen der direkte EV nicht so einfach auszurechnen ist. Dafür müsste man einfach zu viel "raten" (wie spielt er bspw. seine 99-66? Callt er am Turn? Callt er T+R? Callt er am T und foldet am R? Ist die River-Betsize dafür entscheidend?).

      Und da du selten einen Gegner hast (vor allem auf kleineren Limits) den du ewig kennst und von dem du alles weißt (zusätzlich zum Zeitproblem, du kannst halt nicht 15Minuten nachrechnen bis du dich entscheidest, du hast nur 15-30 Sekunden im Schnitt), muss diese grobe Analyse ausreichen.