NonShowdownWinnings bringen mich um den Gewinn

    • TfTanzt
      TfTanzt
      Bronze
      Dabei seit: 26.12.2009 Beiträge: 2.746
      Hallo liebe Pokerstrategen,

      Ich spiele seit kurzem Nl25 und ich hoffe ich bekomme Hilfe von erfahrenen und erfolgreichen Spielern, sodass ich meine wohl größten Leaks stopfen kann.


      Thema: NonShowdownWinnings

      Wenn ich mir da so meinen Graph anschaue, kommt mir echt das gruseln. Alle Gewinne
      verliere ich wieder bei den NonShowdownWinnings.
      - Wie kann ich dem entgegenwirken?
      - Wie kann ich am effektivsten daran arbeiten?
      - Welche Informationen braucht Ihr eventuell noch um helfen zu können?


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      Lg TfTanzt
  • 3 Antworten
    • zetarat
      zetarat
      Bronze
      Dabei seit: 20.02.2010 Beiträge: 108
      Du kannst Dingen am Besten entgegenwirken, wenn du verstehst wieso sie so sind (in deinem Fall: wieso habe ich so starke Non-SD Winnings)....
      Um dies herauszufinden kannst du dir mal diesen, wie ich finde, sehr guten Post von Ghostmaster durchlesen.Er spricht hier genau dein Problem an und zeigt dir Möglichkeiten auf dein Spielstil anzupassen.



      Original von Ghostmaster
      Stell dir folgendes Szenario vor:

      1. Du cbettest wie sonst auch dein Hand XY auf dem Board ABC und gibst am Turn danach auf, weil du ja nichts hast.

      => deine Non-SD Winnings fallen, wenn dein Gegner mit einer Bet den Pot sofort klar macht

      2. Du cbettest wie sonst auch deine Hand XY auf dem Board ABC, setzt am Turn nochmal und gibst dann am River auf, weil du ja nichts hast.

      => deine Non-SD Winnings fallen, wenn dein Gegner mit einer bet den Pot sofort klar macht

      3. Du cbettest wie sonst auch deine Hand XY auf dem Board ABC, setzt am Turn nochmal und setzt auch am River.

      => wenn der Gegner folded, dann steigen deine Non-SD Winnings um den Betrag im Pot; wenn der Gegner called, dann fallen deine Showdownwinnings


      Wenn du jetzt so recht drüber nachdenkst, dann werden dir zig Szenarien einfallen in denen du irgendwie schonmal viel Geld im Pot hattest und dann doch aufgegeben hast.
      Es gibt 2 richtig profitable Ansätze meiner Meinung nach:

      1. du bluffst extrem wenig (d.h. auch am Flop) und versuchst extrem gut Value aus deinen starken Händen zu extrahieren (d.h. richtig valuebetten) und wenn du dann doch mal gelegentlich bluffst, dann bluffst du richtig.

      Dieser Stil führt dazu, dass du sehr starke Showdown Winnings haben wirst und dadurch, dass du wenig bluffst werden deine Non-SD Winnings leicht negativ sein

      2. du greifst jede Schwäche in der Handrange des Gegners an - dazu brauchst du ein sehr starkes Verständnis von deinen Gegnern, Boardtexturen, Stacksizes etc.

      Dieser Stil führt dazu, dass du steigende Non-SD Winnings hast und wahrscheinlich ebenlaufende Showdownwinnings (da du beim bluffen erwischt wirst).

      Natürlich gibts da noch diverse Abweichungen, aber ein Problem vieler Spieler ist es nicht nachzudenken. Die haben ihre Regeln im Kopf wie sie Hände spielen, aber denken nicht darüber nach. Z.b. kannst du 100 Spieler fragen was er auf Axx Boards macht, wenn er Air hat und Preflopaggressor ist; 95+ werden dir Antworten, dass sie eine Cbet machen. (sowohl IP als auch OOP)
      Das haben sie so gelernt und gilt als profitabel, aber keiner von denen hinterfragt ob das wirklich so ist und wieso das eigentlich immer gesagt wird, dass es profitabel ist. Diese 5 Spieler sind dann diejenigen, die von den anderen 95 das Geld gewinnen. Die anderen 95 spielen +-0 oder verlieren.

      Das Problem welches daraus resultiert zu den 95 zu gehören ist folgendes: Sie machen durchgehend Spielzüge, die sie irgendwo gelernt haben ohne sie jemals zu hinterfragen. Der so und so hat gesagt, dass xBB openraise sinnvoll ist - ich mach das jetzt. Der so und so hat gesagt, dass 3-betten mit Hand XYZ sinnvoll ist - ich mach das jetzt.
      Das Problem dahinter ist (und das ist es auch schon auf den Mikros), dass jeder seinen individuellen Stil hat. Wenn ich einen bluffarmen Pokerstil spiele, dann sind vielleicht alle Tips bezüglich 3-betting und multibarrelbluffs gar nicht so geil für mein Spiel geeignet und ich sollte das ganze vielleicht eher aus der Perspektive meines Spiels betrachten und wie ich die Sachen profitabel einbauen kann.

      Nach dem Motto: Vernachlässige was unsinnig klingt und nimm was du gebrauchen kannst, aber hinterfrage es.

      Stell dir mal folgende Situation vor bzgl. des Axx Boards:

      Spieler A cbettet immer den Flop und gibt danach immer auf, wenn er nichts starkes hat. -> die einfachste Adaption ist es für mich gegen ihn immer den Flop zu callen oder zu raisen, wenn seine Range am Flop in den meisten Fällen vorbeigerauscht ist.

      Spieler B cbettet immer den Flop und den Turn. Auch hier kann ich immer den Flop und Turn callen, wenn seine Flopbettingrange meistens am Flop vorbeigerauscht ist, da er ja oft genug am River C/F spielen wird.

      Spieler C checkt immer am Flop, wenn er nichts hat und setzt nur, wenn er was hat.

      Spieler D cbettet nicht immer den Flop, dafür öfter am Turn als; er gibt aber auch nicht immer auf, wenn er am Flop gecheckt hat.
      D.h. Spieler D hat Spielzüge von Spieler A, B und C in seiner Auswahl und das macht Spieler D so kompliziert zu spielen. Spieler D versteht wann er welchen Spielzug nutzen sollte, um das meiste zu gewinnen. Für ihn gibts keine "Standards", sondern er beurteilt Situationen immer wieder aufs neue.
      Spieler D hat auf einem A72dd Board QJo? Vielleicht cbettet er den Flop, weil er davon ausgeht, dass seine Foldequity so extrem hoch ist. Vielleicht checkt er aber auch am Flop, um am Turn die Situation neu zu evaluieren, weil er nicht weiss wie hoch seine Foldequity durch den Flushdraw ist und welche Turnkarten für einen Multibarrelbluff geeignet sind und welche nicht. (das ist übrigens der Knackpunkt bei der ganzen Non-SD Winning und SD Winning Diskussion - Bets ohne Informationsgewinn/Vorteil sind total sinnlos. Nehmen wir das A72dd board mal weiter als Beispiel:

      Du cbettest standardmässig auf dem A72dd Board. Was du jetzt machst ist folgendes in den meisten Fällen - du gibst auf am Turn, wenn du gecalled wirst. (deine Non-SD Winnings fallen) Spieler D überlegt sich jetzt: Wenn ich den Flop setze, dann wird der Gegner wahrscheinlich Hände ohne SD Value folden und seine Callingrange wird aus Ax Händen, Flushdraws und möglicherweise Midpairs bestehen. Spieler D überlegt sich schon am Flop wie er die Hand gegen diese Range gewinnen kann, da nur Ax Hände deutlichen Showdownvalue hat. Er denkt sich "hmm Turn und River vielleicht bluffen" - das Problem ist, dass gegen die genannte Range nicht so ganz klar ist welche Turn und Riverkarten sich denn überhaupt für einen Bluff eignen und welche nicht. Kommt der Flush an, dann verbessert das den Flushteil seiner Range; kommt kein Flush an, dann werden wir vielleicht bluffcatched; und was mit den Midpairs ist (und ob die nicht vielleicht doch schon am Flop folden) ist dann die größte Frage überhaupt.
      Spieler D bereitet also schon VOR der "Standard Cbet" verschiedene Szenarien vor und beschliesst Informationen zu bekommen und zwar auf den Turn und die Hand von dort aus aufzubauen.

      Du wärst jetzt also gecalled worden und hättest ab dem Turn aufgegeben: Deine Investition Preflopraise + Flopcbet

      Spieler D steht am Turn und wenn der Gegner bettet, dann ist seine Investition der Preflopraise gewesen. Wenn der Gegner allerdings checkt, dann kann man mit diesem Informationsvorteil (ich hoffe du erkennst woher der Informationsvorteil resultiert) nutzen um zu entscheiden, ob man weiterhin checkt oder anfängt den Pot anzugreifen.

      Eine Sache, die viele Spieler nicht ganz richtig machen ist ihr Image (bzw. die Wahrnehmung ihres Images) richtig zu spielen und daraus resultierend machen sie technische Spielfehler. Z.b. siehst du extrem häufig Spieler IP KK auf Axxdd Boards cbetten. Die Bet an sich wird wahrscheinlich +EV sein, aber was passiert da eigentlich? Am Flop callen Ax Hände und Flushdraws und evtl. (und das ist der entscheidende Faktor) Midpairs. Was ist wenn diese Midpairs gar nicht oft genug callen? -> dann macht der Spieler mit KK einen Fehler, weil er gegen die Range des Gegners vielleicht gar keine Valuebet hat und nur bettet, um den Pot zu gewinnen?
      Die Bet erzeugt aber eine Information, die für viele wertvoller ist, als die Hand technisch korrekt zu spielen. Die Information ist nämlich: Dein Gegner hat Ax oder den Flushdraw. Okay das ist eine gute Information prinzipiell, aber dadurch erkauft, dass wir wahrscheinlich alle Hände aus dem Pot gekickt haben, die wir geschlagen haben bzw. diese Information uns noch gar nicht zugänglich ist. Dies führt zu einem technischen Fehler (ich glaub irgendwo gibts auch einen Artikel zum Thema Informationbets - prinzipiell ist dass das gleiche hier)

      Ich denke du erkennst worauf ich hinauswill. Informationen sammeln und auswerten und gegen den Gegner nutzen ist essentiell, um im Poker zu gewinnen. Was du hier in den Einsteigerartikeln geliefert bekommst ist eine ganz grundlegende Basis, aber dort haben sich viele "einfach zu erlernenden" Spielzüge etabliert (wie z.b. Axx immer cbetten). Die Ausnahme von diesen Spielzügen (bzw. das Wissen wann und gegen wen) ist aber der Knackpunkt, der dein Spiel von der großen Masse der ganzen Onlinespieler abheben kann und dich zu einem Crusher machen kann.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ja mehr kann ich dir dazu dann wohl auch nicht mehr sagen ;p
    • beapoker
      beapoker
      Global
      Dabei seit: 23.05.2010 Beiträge: 892
      Ein traumhafter Post. :s_thumbsup: