SHC niedrige PP

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    • maechtigerHarry
      maechtigerHarry
      Bronze
      Dabei seit: 02.07.2007 Beiträge: 5.596
      Ich weiß natürlich nicht genau was sich die Leute gedacht haben die das SHC erstellt haben aber ich vermute in etwa folgendes:

      Openlimpen ist schlecht aus verschiedenen Gründen. Das ist prinzipiell ein Spielzug den man "nie" (außer in gaaaanz speziellen Situationen die man als Anfänger aber niemals haben wird) machen sollte. Also fällt limpen weg.

      Das heißt wenn wir sie spielen wollen müssen wir sie raisen. Es gibt jedoch eine Gründe dagegen.

      1) Wir spielen fast immer OOP. OOP spielen ist extrem schwer und sollte als Anfänger vermieden werden wann immer es möglich ist. Selbst wenn du dein Set triffst ist es nicht einfach. Du wirst mit einem Set zwar sowohl OOP als auch IP fast immer gewinnen ABER es ist deutlich schwerer maximal Geld aus einem Settreffer rauszuholen und falls du doch mal hinten liegst ist es IP deutlich einfacher die Potgröße selbst zu kontrollieren.

      2) Es sind noch sehr viele Spieler hinter uns. Das heißt wir bekommen mit einem openraise seltener die Blinds direkt was ziemlich schlecht ist (Die Blinds gewinnen ist ein ziemlich gutes Ergebnis, nicht unterschätzen!) und es wird deutlich häufiger ein 3bet geben auf die wir dann folden müssen was obv auch ziemlich schlecht ist.

      Ich vermute sehr stark das die SHC Verfasser wegen diesen beiden Gründen zu einem Fold raten. Du musst bedenken das das SHC eine Strategie für Anfänger darstellt. Selbst wenn ein guter Spieler in einer speziellen Situation mit Gewinn spielen kann kann es für einen Anfänger dennoch besser sein dieser Situation aus dem Weg zu gehen weil er einfach noch nicht ausreichend Erfahrung hat und daher in schwierigen Situationen viel Geld verlieren, bzw weniger Geld gewinnen kann.
    • EisTi
      EisTi
      Bronze
      Dabei seit: 24.10.2006 Beiträge: 759
      Der Hauptpunkt, der ja auch schon aus dem Geschriebenen meines Vorposters herausgehen sollte ist einfach die Vemeidung marginaler, komplizierter Spots, in denen du folden muss, da du nicht weißt, das du tun musst.
      Es ist nicht unbedingt rentabel deine Pocketpairs immer nur auf setvalue zu callen. Um sie wirklich gewinnbringend zu spielen musst du auch mal nen pot gewinnen, ohne getroffen zu haben und das ist IP sehr, sehr viel einfacher als OOP, da du schonmal nen gewissen Informationsvorsprung hast, während dein Gegner deine Range nur sehr schwer einschätzen kann, nachdem du aus später Position gelimped/geflatcallt oder geraist hast.
      Hast du aber aus einer frühen Position limp/call gespielt, so ist es sehr einfach gegen dich zu spielen. Oder würdest du noch andere Hände als kleine PP limp/callen?
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Das Problem mit dem SHC war, dass früher NUR Pocketpairs openlimpt wurden und diese Strategie extrem einfach auszuspielen ist.

      Das Problem ist nämlich, dass du zu oft von einem Spieler nach dir den Raise bekommst von einer weiten und schwachen Range und dann OOP mit relativ geringen Implied Odds eine Hand spielen muss ohne Initiative, die im Prinzip darauf aufbaut ein Set zu treffen und ausbezahlt zu bekommen.

      Die Call20 Regel basiert darauf, dass davon ausgegangen wird, dass jedes 2.5te Set welches du triffst voll ausbezahlt wird.
      OOP ist es allerdings ungleich schwieriger als IP den Pot effektiv aufzubauen und den Stack des Gegners mitzunehmen.
      Dadurch das die Range deines Gegner schwächer sein kann als sie sein müsste, damit die Call 20 Regel in der Situation nutzbar ist, wirst du aber eben nicht jedes 2.5te Set voll ausbezahlt bekommen und das ist das Problem:

      In 88% der Fälle hast du am Flop ein kleines Pair mit wahrscheinlich 2 oder 3 Overcards und du kannst schlichtweg nichts anderes machen als C/F zu spielen, ausser du hast sehr spezielle Reads auf den Gegner (z.b. das er am Turn und River niemals blufft und du nach dem Flopcall dann oft genug an den Showdown kommst).
      Dies resultiert darin, dass du
      1. zu selten deine Sets ausbezahlt bekommst

      2. unimproved zu selten an den Showdown kommst

      => potentielle Verlustquelle

      Jetzt könnte man natürlich sagen: Hey die Range des Gegners ist zu weak, wenn er meine Sets nicht ausbezahlt. Wieso bluffe ich denn dann Postflop nicht einfach öfter?

      Bluffs basieren im Prinzip darauf, dass man

      1. Foldequity hat -> die haben wir gegen eine schwache Range in Massen offensichtlich

      2. Potequity hat -> die haben wir mit Pocketpairs nicht, wenn der Gegner mitgeht. (z.b. ist ein Nutflushdraw für einen Semibluff zig mal besser geeignet als ein kleines Pocketpair : 12 potentielle outs gegen 2 potentielle outs)


      In der Pokertheorie und einer perfekten Welt will man in jeder Situation möglichst unlesbar sein. In der Praxis ist das nicht notwendig, da viele Spieler einfach viel zu unaufmerksam sind, um Situationen zu erkennen in der wir unsere Handrange quasi offen auf dem Tisch liegen haben.
      Durch einen Openlimp mit kleinen Pocketpairs machst du aber genau das. Deine Handrange bei einem Openlimp ist 22 - 66 (keine Ahnung genau aber sowas wirds ungefähr sein) und gegen diese Handrange (die aus 30 Handkombinationen besteht) ist es extrem einfach zu spielen.
    • sportsgeist
      sportsgeist
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2008 Beiträge: 2.214
      da wäre zum Beispiel auch einer der ersten Punkte, wo man das SHC ein wenig aufloosen kann mit ein bisschen Erfahrung. Einfach mal in ein Paxis-Coaching für Beginner gehen und mal nachfragen, was er so davon hält. Mir hat er das auch ganz gut erklärt, dass man da ruhig mal selber raisen soll first in. ;)