Sterbehilfe Pro und Contra

    • Brieftraeger
      Brieftraeger
      Bronze
      Dabei seit: 15.11.2006 Beiträge: 25.650


      in england gibt es derzeit eine angeregte diskussion über dieses - mehr oder minder - leidige thema. weil eine bbc doku über den freitod eines bekannten autors, der seit 5 jahren mit alzheimer gelebt hat, berichtet.

      klar stößst man hier auf ethische grenzen, nur gehört hier endlich mal eine lösung gefunden. wieder mal nimmt die schweiz eine vorreiter position ein. ich möchte nicht pietätlos klingen, doch sollte man über dieses thema offen über die vor- u. nachteile diskutieren können. vorallem verstehe ich nicht die halterung der hilfs- u. religionsgemeinschaften, welche dieses thema einfach nicht ansprechen wollen und es total ablehnen. ich finde auch, dass die politik sich hier auch nicht ganz "drüber traut" weil eben wählerstimmen daran hängen und hierbei scheitert es möglicherweise. weil keiner die verantwortung für eine diesbezügliche entscheidung übernehmen will.

      näheres zu diesem thema findet ihr im übrigen hier.

      http://www.orf.at/stories/2063586/2063594/
  • 43 Antworten
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Wie ist denn Deine Haltung zu dem Thema, Brieftraeger?
    • Tiltberger
      Tiltberger
      Bronze
      Dabei seit: 23.06.2005 Beiträge: 28.156
      Ich bin pro eingestellt.
      Wenn mal jemand Leute mit so schweren Krankheiten selbst kennt und sieht wie sie dahin "vegetieren" ohne irgendeine Freude am leben würden glaube ich viele so denken wie ich. Ist die betroffene Person im Zeitpunkt des Entschlusses bei vollem geistigen Bewusstsein (schwer zu definieren -> ist mir klar), dann sollten sie selbst über ihre weitere Behandlung und ihren weiteren Weg bestimmten dürfen (Sterbehilfe inklusive).
    • def23
      def23
      Bronze
      Dabei seit: 30.05.2005 Beiträge: 80
      Grundsätzlich gilt dass man jedes Leben schützen muss (egal ob aus ethischen oder religiösen Gründen) und daher kann man kein Pauschalurteil darüber fällen.
      Auf der einen Seite gibt es Krankheiten die schwer auszuhalten, aber dennoch kurierbar sind. Auf der anderen Seite steht der freie Wille eines jeden Menschen, mit seinem Leben das zu tun was er für richtig hält.

      Wenn der Betroffene geistig auf der Höhe ist (und hier hat man das Problem, dies auch festzustellen) und einen entsprechenden Wunsch äußert, dann muss man diesen Wunsch respektieren.

      Man muss aber ganz klar sagen, dass man niemanden zur aktiven Sterbehilfe zwingen darf! Niemand muss in der Pflicht stehen, weder Arzt noch normaler Bürger oder Verwandter, eine letale Dosis eines Medikaments zu injizieren.

      Man kann natürlich auch ganz simpel argumentieren und das Argument vorbringen, dass jeder Suizid begehen könnte und somit die Sterbehilfe rechtfertigen. Jedoch muss man auch hier beachten welche psychischen Implikationen dies für den Ausführenden hat.

      Ich persönlich würde mich pro Sterbehilfe aussprechen.
    • Hadi
      Hadi
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2009 Beiträge: 12.303
      Ich würde mich seeberger da weitgehend anschließen - wenn jemand im Besitz seiner vollen geistigen Kapazitäten ist und beschließt, dass er sterben möchte, dann sollte man dem nicht im Weg stehen.
    • FRFR
      FRFR
      Bronze
      Dabei seit: 14.10.2005 Beiträge: 2.627
      Flame entfernt.
    • rogeralexmueller
      rogeralexmueller
      Bronze
      Dabei seit: 15.02.2010 Beiträge: 9.087
      Original von Hadi
      Ich würde mich seeberger da weitgehend anschließen - wenn jemand im Besitz seiner vollen geistigen Kapazitäten ist und beschließt, dass er sterben möchte, dann sollte man dem nicht im Weg stehen.
      Die Frage ist wann ist jmd "im Besitz seiner vollen geistigen Kapazitäten".
      Ist jemand aufgrund seiner Erkrankung der Auffassung das Leben mache keinen Sinn. Ist dies wirklich so oder liegt es eben an der momnetanen Situation die ja verändert werden kann oder verändert wahrgenommen werden kann.
    • Kavalor
      Kavalor
      Gold
      Dabei seit: 07.09.2006 Beiträge: 17.648
      Original von Hadi
      Ich würde mich seeberger da weitgehend anschließen - wenn jemand im Besitz seiner vollen geistigen Kapazitäten ist und beschließt, dass er sterben möchte, dann sollte man dem nicht im Weg stehen.
      stimme dem zu, im Grunde spricht ja auch nichts gegen den freitot (ausser paar finanziellen Gründe), aber besonders im Alter gibt es genug menschen, die genug vom Leben haben. Ich bin auch Pro
    • Brieftraeger
      Brieftraeger
      Bronze
      Dabei seit: 15.11.2006 Beiträge: 25.650
      Original von michimanni
      Wie ist denn Deine Haltung zu dem Thema, Brieftraeger?
      eigentlich wollte ich meine meinung im verlaufe des threads erst kundtun, um nicht zu polarisieren. aber da ich so früh darauf angesprochen werde...

      michimanni, ich bin beruflich briefträger und ab und zu muss ich in einem krankenhaus, speziell in geriatrischen abteilungen, die RSA briefe bis ans (so traurig es klingt) "sterbebett" der menschen zustellen. was ich dort sehe schockiert mich! klar das alt werden als solches gehört zu unserem aller leben dazu, auch der tod. doch der umgang mit diesen situationen sollte in zeiten wo man noch herr seiner sinne ist, klar geregelt werden! hierfür gehört eine gesetzliche regelung geschaffen, notariell beglaubigt, gleich wie ein testament, was sich der jeweilige in solchen situationen wünscht!

      ich kann nicht urteilen ob die leute in der oben beschriebenen geriatrischen abteilung lieber den freitod wünschen oder so weiterleben wollen, ich rede hier wirklich von extremen, auch gibt es spezielle geschlossene abteilungen wo leute die nicht mehr aufstehen können, nicht mehr sprechen können, die eigenen körperausscheidungen nicht kontrollieren können, stationiert sind.

      komme ich ein paar monaten wieder dort hin, so muss ich die briefe getour senden mit den vermerk verstorben. klar versuche ich mich hin und wieder in die situation der pfleger, ärzte, patienten hineinzuversetzen und schätze mich blos glücklich noch nen 2xer vor mein alter zu haben und ob ich da lieber liegen würde oder eben nicht?

      für mich hat "leben" ein ende, wenn ich nicht mehr herr meiner sinne bin (zb. alzheimer) oder körperlich derart eingeschränkt bin das es nicht mehr dafür steht weiter zu leben. muss jeder selbst wissen. und genau hier fehlt der gesetzestext, welcher es formuliert, dass man selbst entscheiden kann zu sterben. und das man den jeweiligen medizinischen fachpersonal die weisung nach seinem eigenen ableben geben kann.

      was mich einfach bewegt ist, wie sehr unsere gesellschaft von diesem thema wegsieht anstatt klipp und klar eine regelung zu finden. man macht es den betroffenen familien genauso schwer! die wissen von den ärzten wie die chancen und möglichkeiten stehen ob man nach einem schlaganfall oder wachkoma wieder ein leben hat oder für immer ein schwerer pflegefall ist.

      wir sprechen hier nicht von einer ausrottung von alten menschen, weil sie der gesellschaft zu teuer kommen, sondern der anwendung der sterbehilfe bei härtefällen und der schaffung einer gesetzlichen grundlage.

      das leben hält soviele wundersame zufälle parat, welche einen von einer sekunde auf die andere schlagartig verändern. und das betrifft einen jeden. jeder kann von einem alkolenker zusammen geführt werden, sich mit sprungfedern mutwillig und fahrlässig am autoüberspringen versuchen... nur sollten wir uns über das bewusst sein und es nicht ständig verdrängen. wir haben ein medizinisches level erreicht, wo vieles möglich ist.
    • FjodorM
      FjodorM
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2006 Beiträge: 11.238
      Wenns halt mal tatsächlich erlaubt ist wird oft der Druck da sein, daß Oma vielleicht doch nicht mehr so viele Pflegekosten verursachen soll...ich bin da echt zwiegespalten. Man kann auch mit Alzheimer leben und nicht nur dahinvegetieren, und die Grenze zu ziehen würde ich mir nicht zutrauen.

      Es sollte aber bei tatsächlich unheilbaren Krankheiten mehr Wert auf würdevolles Sterben gelegt werden als auf lebensverlängernde Maßnahmen bis zum letzten Atemzug.
    • HaenschenKlein
      HaenschenKlein
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2008 Beiträge: 10.890
      Es gibt nur Pros. where cons?
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.223
      Alzheimer ist doch eine noch recht angenehme Krnakheit im Alter?! Wir reden hier immerhin über menschliches Leben, da macht unser Grundgesetz schon sehr sehr strenge Vorgaben.
      Patientenverfügung wurde doch nun erlaubt.

      Vielleicht sollten wir uns erstmal darüber einigen über welche Sterbehilfe wir reden.
      Die aktive Sterbehilfe hat imo nichts in einer zivilisierten Welt verloren. KEINEM Menschen (Arzt) sollte es erlaubt sein, bzw. sollte es aufgebürdet werden menschliches Leben aktiv zu beenden.
      Man muss hier nicht immer auf die Opferseite schauen, sondern kann auch die "Täterseite" einmal in den Blickpunkt nehmen.

      Bei passiver Sterbehilfe sieht es natürlich anders aus. Aber hier sind nunmal, die Probleme, ob ein freier Wille vorlag und ob dieser noch aktuell ist.


      Selbstmord ist in Deutschland btw nicht strafbar! Daher ist auch Beihilfe, dazu nicht strafbar.
    • vaaya
      vaaya
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2010 Beiträge: 5.993
      Generell auch pro...

      Habe auch schon einen ähnliches Fall erlebt, ein Mensch dem das Dahinvegetieren nach zwei schweren Schlaganfällen so dermaßen zuwider gewesen wäre, dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch den Freitod gewählt hätte, dies aber nicht mehr selbst kontrollieren oder entscheiden konnte. Am Tag der geplanten Einlieferung ins Pflegeheim starb er, was mich natürlich mitgenommen hat. Die Tatsache allerdings, dass man ziemlich sicher sein konnte, dass er es so gewollt hätte, machte das ganze irgendwie erträglicher.

      aber genau da liegt das Probleme, wäre der Tod nicht auf natürliche Weise eingetreten, wer hätte die Befugnis soetwas zu entscheiden?

      Auf der einen Seite stellt sich natürlich die Frage, wann ein Mensch zurechnungsfähig ist und diese Entscheidung für sich selbst treffen "darf", auf der anderen gibt es aber auch solche Fälle, in denen der Patient nicht mal mehr in der Lage ist zu kommunizieren, könnte aber theoretisch in einer Art Patientenverfügung den Wunsch äußern, dass durch bestimmte Umstände sein Leben nicht mehr lebenswert ist. Hier steht eben auch wieder jede subjektive Bewertung im Weg. Wer will schon eine solch irreversible Entscheidung für einen anderen Menschen treffen?

      Der Arzt auf fachlicher Basis?
      Sind auch schon Menschen nach 20 Jahren Koma wieder aufgewacht.

      Familienangehörige, die sicher glauben dass der Patient so nicht leben wollte?
      Evtl trotzdem später Schuldgefühle, es hätte ja doch noch Bergaufgehen können...etc

      Auch bei voll zurechnungsfähigen Menschen, kann man behaupten der Wunsch käme aus einer depressiven Verstimmung heraus..etc
      Es müssen halt einfach soviele Instanzen und Kontrollen/Nachfragen durchlaufen werden, eine 2./3./4. Meinung eingeholt werden, Missbrauch ausgeschlossen werden, wenn soetwas "legalisiert" werden würde...was ich mir eben durchaus schwierig vorstelle.

      Das ganze aber als ethisch nicht vertretbar zu deklarieren ist absoluter Schwachsinn....
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.223
      @ Vaaya wieso sollte es nicht eine ethisch vertretbare Meinung sein, gegen das Töten von Menschen generell und in jedem Fall zu sein?


      Dein "ist Schwachsinn" könntest du evtl etwas näher ausführen.
    • Krul
      Krul
      Bronze
      Dabei seit: 21.01.2005 Beiträge: 3.050
      Letztens ne Dokumentation zu dem Thema gesehen.

      Ging drum dass (erstmals?) jemand der manisch-depressiv war sich in der Schweiz per Sterbehilfe hat töten lassen.

    • JamesFirst
      JamesFirst
      Gold
      Dabei seit: 07.11.2006 Beiträge: 6.071
      editiert: Spam entfernt - FRFR
    • JamesWhites
      JamesWhites
      Bronze
      Dabei seit: 01.12.2009 Beiträge: 514
      Original von Pokersaft

      Selbstmord ist in Deutschland btw nicht strafbar! Daher ist auch Beihilfe, dazu nicht strafbar.
      Quelle? Also wegen Beihilfe. Denn soweit ich mich an eine Religionsstunde in der Schulzeit erinner, darf man z.B. einem Menschen kein Seil geben, wenn du weißt, dass er sich damit erhängen will. Das war glaub ich das Beispiel, des unser Lehrer benutzt hat.
    • Pokersaft
      Pokersaft
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 02.03.2006 Beiträge: 25.223
      Original von JamesWhites
      Original von Pokersaft

      Selbstmord ist in Deutschland btw nicht strafbar! Daher ist auch Beihilfe, dazu nicht strafbar.
      Quelle? Also wegen Beihilfe. Denn soweit ich mich an eine Religionsstunde in der Schulzeit erinner, darf man z.B. einem Menschen kein Seil geben, wenn du weißt, dass er sich damit erhängen will. Das war glaub ich das Beispiel, des unser Lehrer benutzt hat.

      Also ich fange mal an:

      § 212
      Totschlag

      (1) Wer einen (anderen) Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.


      § 27
      Beihilfe

      (1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.



      Ich denke wir sind uns einig, dass Selbstmord nicht rechtswidrig ist. Also kann Beihilfe ebenfalls nicht strafbar sein, da keine rechtswidrige Tat vorlag.
      Aber wenn du willst kann ich dir noch Randnummer aus einschlägigen Büchern geben oder du googlest einfach :)
    • vaaya
      vaaya
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2010 Beiträge: 5.993
      Original von Pokersaft
      @ Vaaya wieso sollte es nicht eine ethisch vertretbare Meinung sein, gegen das Töten von Menschen generell und in jedem Fall zu sein?


      Dein "ist Schwachsinn" könntest du evtl etwas näher ausführen.
      naja, vllt etwas überzogen, ich meinte damit eben die generelle Meinung, dass Sterbehilfe in jeglicher Form verboten bleiben und bestraft werden muss. Das sich daraus ergebende Problem hab ich ja versucht zu schildern, ich halte es eben in bestimmten Fällen für durchaus vertretbar, denke aber dass sich eine Umsetzung auf rechtlicher Basis als sehr schwierig gestalten würde. Daher kann ich das "Ausschweigen" auf politischer Plattform durchaus nachvollziehen, halte aber pauschale Aussagen oder Strafen diesbezüglich für überzogen.

      Soweit ich weiß gibt es in den USA bestimmte Konditionen unter denen passive Sterbehilfe möglich ist, aber das würde ich nicht in den Diskussionsfokus nehmen, da dort die staatliche Einstellung bezüglich der Entscheidungsgewalt über das Leben anderer Menschen ohnehin anders ist.
    • ChristianF1988
      ChristianF1988
      Global
      Dabei seit: 02.03.2008 Beiträge: 2.771
      es gibt keine contras bis auf ethik und religion, die sind aber halt schwerwiegend, sollte jeder für sich selbst entscheiden, ich wäre dafür