Vaterhunger anyone?

    • jigger1977
      jigger1977
      Bronze
      Dabei seit: 21.09.2009 Beiträge: 1.471
      Liebe Leute,

      es ist mir ein Anliegen, hier ein Thema anzusprechen, das wahrscheinlich viele von uns betrifft. Wir Männer haben ein Problem, und dieses Problem ist den Meisten wahrscheinlich gar nicht bewusst, und viele der Anderen verdrängen es. Wir leben in eine emanzipierten, feminisierten Welt. Was als solches nicht schlecht ist. Allerdings bleiben wir Männer hier deutlich auf der Strecke. Damit muss Schluss sein! Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass ich mich nicht gegen die Emanzipation der Frau ausspreche, ich persönlich halte sie für wichtig, aber es gibt auch eine andere Seite davon. Nämlich die der Männer.

      Aber erstmal zu den Fakten:
      • Männer leben im Schnitt 7 Jahre kürzer als Frauen
      • Männer scheitern immer wieder in ihren Beziehungen (in 4 von 6 Fällen wird die Scheidung von der Frau eingereicht)
      • 80 % aller Verurteilten von Gewalttaten betreffen Männer
      • In den Schulen sind drei Viertel der Kinder mit Verhaltensstörungen Buben
      • Über 95 % der Gefängnisinsassen sind Männer
      • Die dritthäufigste Todesursache von Männern ist Selbstmord!


      Warum ist das so?

      Warum können wir Männer nicht einfach glücklich und zufrieden leben?

      Es gibt wahrscheinlich viele Antworten auf diese Fragen. Und ich möchte auch keine vorgefertigten Antworten anbieten, weil sich durch die Beschäftigung damit für den Einen oder Anderen Möglichkeiten ergeben, sein Leben und seine Lebensgeschichte besser zu verstehen.

      Ich lese gerade ein Buch dazu, eine Frage daraus hat mich erschüttert: "Sind sie glücklich? Oder tun Sie vielleicht nur so und hoffen, das Glück durch diese Vortäuschung eines Tages doch noch zu erhaschen?" (Diese Frage kannst du dir auch selbst beantworten, wenn du willst.)
      Ich, derjenige, der einfach ein Sonnenkind ist. Derjenige, der in Thailand bei Buddhisten meditiert hat, eine Weltreise gemacht hat, dem Frauen nachlaufen (um ihm danach irgendwann wieder davonzulaufen), anerkannt ist, beliebt ist, studiert, etwas aus seinem Leben macht, usw...
      Nein, ich bin es nicht! Tief im Inneren bin ich unglücklich. Mir persönlich fehlt etwas ganz Entscheidendes. Mein Vater! Eine männliche Kraft, die mir zeigt, wie es ist, und was es bedeutet ein Mann zu sein.
      In dem Buch, welches ich gerade lese, betrifft ein gesamtes Kapitel die Bereinigung der Vater-Sohn Beziehung, während ich das Buch gelesen habe, musste ich das gesamte Kapitel durchheulen.

      Aber es geht hier nicht um mich und um meine Geschichte. Sondern um die Situation an sich. Wir Männer scheitern bei vielem, was wir machen. In der Beziehung, im Beruf, beim Pokern (dann vertilten wir z.B unsere ganze BR und noch mehr). Und wir machen uns gegenseitig dafür auch noch Vorwürfe!
      Das Problem ist, dass wir in den meisten Fällen niemanden haben, der uns zeigt, wie es richtig geht. Weil unsere Väter waren ja auch Versager, Alkoholiker, Arschlöcher, Workoholics (und dadurch nicht da), schwach, zurückgezogen (und dadurch nicht da), oder einfach so nicht da. Wir wurden von Müttern großgezogen und haben weibliche Werte übernommen, was auch ganz ok ist, aber es hilft uns nicht dabei Mann zu werden.
      Für das Fehlen des Vaters gibt es einen Begriff. Es ist er wichtigste Begriff in der Psychologie des Mannes, und er heißt Vaterhunger. Bezeichnend (und schon fast originell) für diese gesamte Situation ist, dass es Wikipedia nicht einmal einen Eintrag wert ist. Such doch mal nach Vaterhunger auf Wikipedia... Und schon gefunden?
      Also hab ich mir gedacht, naja, Mann wie ich bin, mach ich es halt einfach selbst und verfasse einen einfachen Eintrag dazu, mit dem Effekt, dass er innerhalb von 2 Minuten wieder gelöscht wurde. Ist es uns Männer so egal, was mit unserer Psyche passiert? Oder gibt es in dieser emanzipierten, feminisierten Welt keinen Platz für männliche Probleme? Ich weiß es nicht! (Naja, vielleicht war auch mein Eintrag dazu schlecht)

      Vielleicht fragst du dich jetzt. Was will OP überhaupt? Oder vielleicht, der Trottel spinnt doch und soll mich in Ruhe lassen. Deshalb sage ich es. Ich möchte ein Bewusstsein für das Problem schaffen. Nicht mehr, und auch nicht weniger. Und wenn ich einen von euch da draussen erreiche, und schaffe, dass er sein Leben etwas hinterfragt (und vielleicht auch seine Vater-Sohn Beziehung), dann habe ich mehr erreicht, als ich mir überhaupt gewünscht habe. Aber ich glaube, dass das Problem akut ist. Und dazu möchte ich die Mods bitten eine Umfrage einzuführen. In meinem Buch heißt es, dass nur einer von 10 Männer eine glückliche Vater-Sohn Beziehung hat, 3 (von 10) sprechen überhaupt nicht mehr mit ihrem Vater, die nächsten 3 haben ein gespanntes und schwieriges Verhältnis zu ihrem Erzeuger, und die anderen 3 sehen den Vater zwar regelmässig, reden aber bestenfalls über den Rasenmäher, das neue Auto oder das Wetter mit ihm. Zu welcher der 4 Gruppen gehörst du?

      Ja, ich weiß, ist ein langer Text. Danke, dass du bis hierher durchgelesen hast. Ich lade dich ein, erzähl über deine Erfahrungen in Bezug zu dem Thema, schreib was dir dazu auf dem Herzen liegt. Ich möchte hier in diesem Thread einem Raum schaffen, dass wir darüber reden und uns gegenseitig austauschen können, welche unterschiedlichen (und vielleicht doch sehr ähnlichen) Erfahrungen wir gemacht haben, und was wir tun können, um die Situation zu ändern, und um besser mit uns ins Reine zu kommen. Ergebnisse werde ich auch regelmässig im Folgepost aktualisieren, lasst uns einfach gemeinsam einen Konsens finden!

      An all die Hater da draußen, haltet euch hier doch bitte zurück. Das Thema ist zu wichtig und zu sensibel, dass es durch euch zerstört wird. Vielleicht könnt ihr euch die Frage stellen, warum ihr gerade haten müsst, was ihr damit erreichen wollt. Und ob das hier gesagte nicht euch doch auch ein wenig betrifft. Danke!

      Danke für eure Aufmerksamkeit, und eure Gedanken dazu!
      LG,
      jigger

      PS. Liebe Mods, wenn das hier das falsche Forum ist, dann verschiebt den Thread doch einfach!
  • 41 Antworten
    • jigger1977
      jigger1977
      Bronze
      Dabei seit: 21.09.2009 Beiträge: 1.471
      Platzhalter
    • NudeAndHappy
      NudeAndHappy
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2011 Beiträge: 262
      Hi, na du? ;) Was bedeutet es denn ein richtiger mann zu sein?
      Was genau soll uns der Vater denn Schönes zeigen?

      Ich bin ohne Vater aufgewachsen (weg seit ich 2 war), kann es daher anscheinend nicht wissen.
      Mein Leben ist eigentlich auch so ganz schnuckelig dachte ich bisher?
    • Mephisto87
      Mephisto87
      Black
      Dabei seit: 19.02.2006 Beiträge: 4.176
      habe ein top verhältniss zu meinem vater. alle meine kumpels und ich respektieren ihn da er ab und an öfter mal mit uns ein saufen geht und ansonsten für alles zu haben ist. einfach ein cooler typ mit ecken und kanten :) .

      ich selbst bin 29 jahre er ist 57 :D .

      selbst bin ich auch vater von einem 7 jährigen sohn und versuche auch nicht nur sein vater sondern auch sein kumpel zu sein. lebe von seiner mutter getrennt aber sehe ihn mehrfach die woche bzw. hole ihn ab von der kita etc.



      gegenteiliges kenne ich aber auch aus dem freundeskreis. haste ja oben alle problemfälle beschrieben ;) .




      männer setzen sich grundsätzlich nicht gern mit ihrer psyche auseinander. und nach außenhin geschwächt dazustehen oder als unglücklich - nein das geht nunmal nicht. ein mann muss seinen "mann" stehen und hat nicht rumzuflennen das macht unsexy -> frauenlogik :P
    • MXh
      MXh
      Bronze
      Dabei seit: 04.05.2009 Beiträge: 638
      Tjo, was genau suchst du?

      Sowas?
    • groovechampion
      groovechampion
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2009 Beiträge: 1.947
      Ich weiß ehrlich nicht, was du mit der Umfrage bezwecken willst. Egal, was du damit erreichen willst, die Umfrage wird es nicht bringen...
      Mein Vater war kein Bilderbuch-Vater, auch wenn es für andere Familien im Vergleich danach ausgeschaut haben mag. Das ist aber egal.

      Du musst deine eigenen Schlußfolgerungen für Dich ziehen. Mein ältester Sohn kam heute von einer Klassenfahrt zurück und seine Freude beim Wiedersehen war wahrscheinlich größer als bei meinen Homecomings vor 30 Jahren, aber es war einfach ein tolles Gefühl für mich und deshalb einfach unbeschreiblich.

      Ich weiß nur, daß ich selbst jetzt auch irgendwie undankbar meinen eigenen Eltern gegenüber bin: mittelofter Kontakt, Abwimmeln, wenn es nicht passt usw.

      Jeder muß seinen eigenen Weg finden. Gestalte dein zukünftiges Leben nach deinen Masststäben und sei deinen eigenen Eltern dankbar gegenüber, die haben evtl. auch viele Opfer für dich gebracht. Und wenn nicht, dann reduzier den Kontakt auf ein Level deiner Wahl.
    • Nafti
      Nafti
      Bronze
      Dabei seit: 08.01.2007 Beiträge: 4.005
      Hey Jigger,

      ein sehr interessantes Thema hast du hier aufgemacht :f_thumbsup:

      Ich bin der Meinung dass wir Männer in einer Krise sind. Am deutlichsten sieht man das imo am Verhalten gegenüber Frauen. Wenn man sich anschaut welche Rolle viele Männer in Beziehungen einnehmen gibt es da oft nur Schoßhündchen oder Arschloch. Die gesunde Mitte ist leider viel zu selten. Was für mich hauptsächlich daran liegt, dass uns Vorbilder fehlen.

      Die Emanzipation ist meiner Meinung nach auch mit Schuld daran. Ich bin absolut für Gleichberechtigung! Aber absolut gegen alle Versuche Gleichtheit zwischen den Geschlechtern zu erzeugen. Auch darf die Emanzipation nicht in eine Benachtteiligung der Männer abdriften. Bestes Beispiel hierzu: Der Girls Day. Mädchen sollen besseren Zugang zu naturwissenschaftlichen Fächern finden. Aber wo sind die, die sich dafür einsetzen, dass Jungen besseren Zugang zu sozialen Berufen finden? Dieses Jahr findet der erste Boys Day statt. Es geht in die richtige Richtung! Vereine wie Manndat setzen sich für so etwas ein.

      Wie heißt denn das Buch das du liest? Zufällig was von Robert Betz?
    • ElHeisenberg
      ElHeisenberg
      Global
      Dabei seit: 14.04.2007 Beiträge: 7.196
      Dann seid doch einfach die "goldene Mitte". Wenn es sonst niemand macht, werden euch doch die Chicas hinterherrennen. :)

      Ne, im Ernst, stimmt alles. Ich studiere Englisch und Deutsch, und was uns da teilweise völlig unreflektiert als absolute Wahrheit gefüttert wird ist schon erschreckend. Mal ganz abgesehen von den gesundheitlichen und rechtlichen Angelegenheiten, ist es einfach Kacke, wenn einem dauernd die sozialen Ungerechtigkeiten von vor 500 Jahren vorgehalten werden. Dazu kommt dann noch eine "Frauen können alles gleich gut oder besser als Männer"-Einstellung. Sieht man zB beim Frauenfussball. Ohne gross darüber nachzudenken wird die Haltung "Frauen sind den Männern taktisch und technisch überlegen" propagiert, obwohl das jeder Grundlage entbehrt. Aber klar, muss ja wohl so sein, weil die Männer ja körperlich stärker sind.

      Mich stört sowas einfach, aber ich kann damit umgehen. Was mir aber extrem auf den Wecker geht, sind die armen Typen, die halt nicht mit diesen dauernden Vorwürfen umgehen können, und sich dadurch als Männer schlecht fühlen, einfach weil sie Männer sind. Wie oft hab ich schon im Zug gesessen, und mitgehört wie eine Frau ihren Partner sowas von zur Schnecke gemacht hat. Und der Typ weiss sich nicht zu helfen, weil das ganze Ausbildungs- und Schulsystem nur auf Frauen ausgerichtet ist, und die männlichen Vorbilder fehlen.

      Das sieht man beispielsweise auch daran, wie Frauen heute ihre Weiblichkeit geradezu zelebrieren können, während alles was mit männlicher Sexualität zu tun hat, einfach als eklig hingestellt wird.

      Als einer der sich für Männerangelegenheiten einsetzt, und btw auch für das Schweizer Parlament kandidiert (wenn auch wahrscheinlich chancenlos :) ) muss ich aber trotzdem mal anmerken, dass sich im Moment einiges tut. Der schweizerische Frauenstreiktag am 14. Juli, an dem zu 98% Frauen über 45 teilgenommen haben, zeigt doch ganz deutlich, dass auch junge Frauen der Ansicht sind, dass im Moment etwas schiefläuft.
      Und in Diskussionen höre ich je länger je mehr Stimmen von Frauen, die sich klar von Feministinnen distanzieren.
      Die Aktion SchickEnStei, die von Männerorganisationen getragen wurde, war auch erfolgreich, nämlich in dem dass sie den Bundesrat dazu gebracht hat, das Gemeinsame Sorgerecht nicht nochmals ein Jahr aufzuschieben.
      Das gleiche Rentenalter 65 für beide Geschlechter ist wohl nur noch eine Frage der Zeit–keine Ahnung, warum man darüber noch diskutieren muss, aber immerhin.
      Und die Antifeministen werden es wohl noch auf Jahre hinaus schaffen, das Thema nicht aus dem öffentlichen Fokus verschwinden zu lassen.

      Also Kopf hoch! :)
    • vandaalen
      vandaalen
      Bronze
      Dabei seit: 06.03.2008 Beiträge: 5.348
      Original von jigger1977
      Warum können wir Männer nicht einfach glücklich und zufrieden leben?
      Ganz einfach Antwort: Weil man uns nicht lässt.

      Es gibt tausende von Weltbildern, wie sich ein Mann angeblich zu verhalten hat. Der Chef meint so, die Frau sagt so und die Kumpels meinen anders.

      Das fängt schon im Kleinkindalter an. Der Junge hat gefälligst nicht so rumzuweinen. "Sei ein Mann! Ertrag es!"

      Ich habe mir als Kind immer eine Tochter gewünscht (und bekommen ;) ), weil ich kleine Jungs total memmig und übersensibel finde.

      Das ist durchaus nicht abwertend gemeint, aber meine ganz persönlich Beobachtung. Aber da liegt doch schon die Crux: Ist das nicht einfach nur die subjektive Wahrnehmung, weil das männliche Geschlecht halt einfach stark sein muss?

      Wenn man dann älter wird und anfängt sich Gedanken über sich und sein Leben zu machen, dann kann das manchmal schon hart werden.

      Mann muss ja stellenweise Dogmen, die man über Jahrzehnte eingetrichtert bekommen hat, über Board werfen.

      Ich für meinen Teil bin gerade in so einer Umbruchphase (mit 35).

      Mir wird immer mehr klar, daß ein Mann zu sein nicht zwangsläufig heisst in jeder Situation der härtere, schnellere, aggressivere zu sein, sondern eher der besonnenere, weitdenkende und vor allem in sich selbst und seiner Meinung gefestigte zu sein.

      Für mich ist es z.B. auch nicht mehr wichtig der Vielficker (Sorry für meine Ausdrucksweise ;) ) zu sein.

      Ich habe nichts mehr zu beweisen. Bzw. immer weniger. Daraus resultieren weniger Versagensängste und daraus eine größere Zufriedenheit.

      Ich glaube die größte Herausforderung als Mann besteht dadrin die ersten 40 Jahre möglichst unbeschadet zu überstehen und dann noch die Midlifecrisis abzuhaken. Danach geht's im Kopf bergauf (und mit dem Körper bergab :D ).

      Das große Problem ist halt, daß man oft nicht die väterlich Bezugsperson hat, die einem das vermitteln kann.

      Ich fühle mich ja selbst stellenweise noch genauso, we ich mich als Kind gefühlt habe. Wie soll das erst bei einem 25-jährigen aussehen?

      Einer der schwersten, aber auch erhellendsten Moment, war, als ich erkannt habe, daß meine Eltern (und damit ja zwingenderweise auch mein Vater) auch nur Menschen sind und auch Fehler gemacht haben, ohne sie "bewusst" zu machen.

      Das Erlebnis hätte ich ohne mein Kind nicht gehabt, denn mittlerweile bin ich ja der Vater und muss meinem Kind die Welt erklären.
    • abgerammelt
      abgerammelt
      Bronze
      Dabei seit: 23.01.2008 Beiträge: 4.759
      Du magst ja mit Deinen Statistiken recht haben.
      Aber jeder sterbliche trägt selbst die Verantwortung für sein Schicksal (geschlechterunabhängig)

    • Szel202
      Szel202
      Bronze
      Dabei seit: 23.08.2009 Beiträge: 2.434
      Na, da hat wohl jemand ne Reportage gesehen :D

      Werd morgen was dazu schreiben. Bei solchen Themen , die Gesellschaft oder Philosophie betreffen sollte man nüchtern sein. Also bis morgen, muss noch meiner Frau den Popo verhauen. (Ja, sie mag das!)

      btw. was Vandaalen hier geschrieben hat trifft es eigentlich nahezu perfekt, ich hätte nur noch etwas weiter auf der abstrakten Ebene ausgeholt :D
    • poker4midway
      poker4midway
      Bronze
      Dabei seit: 24.09.2010 Beiträge: 345
      @OP

      Schön zu sehen, dass sich hier noch jemand ernsthafte Gedanken darüber macht!

      Ich bin deiner Meinung. Dieses gross gezogen werden von den Müttern ohne Vater trägt dazu bei, dass wir uns nicht ausgeglichen entwickeln können. Wir Männer müssen viel zu oft mühsam selbst lernen wie man als Mann lebt, anstatt es von unseren Vätern gelernt zu haben.

      Mit meinem Vater habe ich nur noch selten Kontakt und verstehe mich solala mit ihm, was ich schade finde, aber auch seine Gründe hat.

      Mir ist dieses Thema schon so lange bewusst, selbst wenn ich erst 20 Jahre alt bin. Vielleicht hat es auch etwas mit meiner Abstammung zu tun, ich weiss es nicht.

      Meiner Meinung nach geht das ganze auch stark in Richtung Konditionierung. Da die meisten Männer nur von ihren Müttern erzogen worden sind, kennen wir nur die Ying Seite und die Konditionierungen, die unsere Mütter noch von ihren Müttern erfahren haben, geben Sie dann an uns Männer weiter. Das ist nicht alles schlecht, aber zum Grossteil können wir mit einigen Dingen eigentlich gar nichts anfangen.

      Dazu habe ich mal einen Text geschrieben, mal sehen ob ich ihn noch finde.
    • MyLady17
      MyLady17
      Black
      Dabei seit: 11.03.2007 Beiträge: 7.975
      Ich bin inzwischen 23 Jahre alt, als ich 11 war ist mein Vater an Krebs erkrankt, kurz nach meinem 14. Geburtstag starb er. Ich frage mich sehr oft, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich "normal" aufgewachsen wäre. Einige Dinge fehlen mir einfach, diese Vater-Sohn Gespräche z.B. Über manche Dinge will man einfach nicht mit der Mutter reden (dazu hatte ich zeitweise ein ziemlich schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter).

      Dazu kommen Probleme wie z.B. die scheinbare Unfähigkeit eine längere Beziehung einzugehen, generell zu weich und nachgiebig zu sein etc. Eben alles Dinge, die sich meiner Meinung nach einbürgern, wenn man nur von seiner Mutter großgezogen wird. Aber vielleicht irre ich mich auch, herausfinden kann ich es leider nie :(
    • thefolding1
      thefolding1
      Bronze
      Dabei seit: 29.04.2007 Beiträge: 2.168
      Original von MyLady17
      Ich bin inzwischen 23 Jahre alt, als ich 11 war ist mein Vater an Krebs erkrankt, kurz nach meinem 14. Geburtstag starb er. Ich frage mich sehr oft, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich "normal" aufgewachsen wäre. Einige Dinge fehlen mir einfach, diese Vater-Sohn Gespräche z.B. Über manche Dinge will man einfach nicht mit der Mutter reden (dazu hatte ich zeitweise ein ziemlich schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter).

      Dazu kommen Probleme wie z.B. die scheinbare Unfähigkeit eine längere Beziehung einzugehen, generell zu weich und nachgiebig zu sein etc. Eben alles Dinge, die sich meiner Meinung nach einbürgern, wenn man nur von seiner Mutter großgezogen wird. Aber vielleicht irre ich mich auch, herausfinden kann ich es leider nie :(

      Der letzte Absatz könnte genauso von mir kommen. Mit dem Unterschied, dass meine Eltern sich haben scheiden lassen, als ich 16 war und ich dann an und für sich nur noch beim Vater gelebt habe.
      Trotzdem bin ich generell auch viel zu weich und unfähig was langfristiges mit der Damenwelt zu starten, wenngleich ichs grad mal ernsthaft versuche - was man mit 28 dann aber auch schonmal darf. :)
    • NudeAndHappy
      NudeAndHappy
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2011 Beiträge: 262
      Also ich muss schon zugeben dieser Thread macht mir ein wenig Angst ?(

      Was soll diese Diskussion, wie Männer eigentlich sein müssten bzw. wie Jungen eigentlich aufwachsen müssten?
      Sind das nicht auch nur gesellschaftliche Vorurteile?
      Ihr stellt das teilweise so hin als könne man(n) nicht glücklich werden wenn er hauptsächlich von Frauen erzogen worden und deshalb evtl. ein wenig sensibler etc. ist?

      Zu mir hatte ich ja schon oben etwas geschrieben. Ich hatte nie einen Vater, meine Mutter war immer die Hauptbezugsperson, auch als ich dann einen Stiefvater hatte... Im Gegensatz zu anderen Männern würde ich mich schon eher als ''weich'' wie ihr es nennt bezeichnen und ich komme auch in sozialen Situtationen meistens besser mit Frauen zurecht, aber ich sehe darin nichts schlimmes? Kann ich etwa so wie ich bin nicht glücklich werden?

      Achja btw. was sagt ihr dann zu Homosexualität, also wenn man einfach kein ''Verlangen'' in sexueller Hinsicht auf Frauen verspürt sondern eher auf Männer? Ist es nach eurer Meinung eine Missbildung aufgrund falscher Bezugspersonen / falsch geschlechtlicher Erziehung oder ähnliches?

      Fühle mich gerade wirklich mies, so als ob ich ein ''falscher'' Mensch bin, wenn ich euren Aussagen Glauben schenke. :f_cry:
      Achja und sry für eventuelle jugendliche Unwissenheit in diesem Post, bin grade knapp über volljährigkeit.

      Und Nochmal ein EDIT: Von meinem leiblichen Vater habe sowohl eine Adresse als auch eine Tel.Nr. (über das Jugendamt) und auch schon immer gehabt... Aber ich habe nie ein Wort mit ihm gewechselt, ich will das auch gar nicht. Ich habe kein Bedürfnis mich mit diesem Menschen auseinander zu setzen und wüsste nicht was ich von/an ihm hätte?
    • R3l4x3
      R3l4x3
      Bronze
      Dabei seit: 09.08.2007 Beiträge: 12.096
      Da man "glücklich sein" nicht messen kann, gibt es auf diese Frage auch sowieso keine Antwort.

      Ich für meinen Teil z.B.: Mein Vater war, als er noch bei uns wohnte selbständig und somit so gut wie nie zu Hause. Meine Mutter war also Hauptansprechperson. Dann ist mein Vater als ich 16 war ausgezogen und meine Eltern haben sich getrennt. Für meine Mutter + Schwester brach eine Welt zusammen und ich durfte jetzt den Starken spielen, damit da jetzt nicht 3 Personen heulend auf dem Sofa sitzen.
      Nach einer Zeit ohne Kontakt zu meinem Vater sind wir jetzt richtig gute Kumpels.
      Ich wohne nun alleine und habe zu beiden Elternteilen sehr guten Kontakt, auch wenn sie sich gegenseitig nichtmal die Butter auf dem Brot gönnen.

      Ob ich aber glücklich bin? Nein. Zufrieden auf jeden Fall, aber um zu sagen dass ich glücklich bin fehlt noch was. Nur frag mich nicht was das sein soll.
    • jigger1977
      jigger1977
      Bronze
      Dabei seit: 21.09.2009 Beiträge: 1.471
      Original von Szel202
      Na, da hat wohl jemand ne Reportage gesehen :D
      Nein, ein Buch gelesen... :D
      Dieses. Keine Ahnung, ob es gut ist oder ob es bessere gibt. Ich habe es ausgewählt, weil es das billigste war, und es hat mich im Inneren tief erschüttert und wachgerüttelt. Deshalb finde ich es gut.

      Btw. Bitte Cliffs für die Popoklatsch Geschichte... :coolface:

      Für mich war es eine Herausforderung, diesen Thread zu erstellen. Eben, weil wir dazu konditioniert werden, stark zu sein, und keine Schwäche zu zeigen. Aber es schaffen auch andere über ihr Inneres zu sprechen, also warum sollt ich das nicht auch können.

      groovechampion hat gefragt, was die Umfrage bringen soll. Eine berechtigte Frage. Ich glaube, dass es auf dem Weg zum wahren Mann-sein Entwicklungsstufen gibt. Es gibt diejenigen, die gar nicht wissen, dass sie ein Problem haben. Die nächsten erahnen schon irgendwo im Inneren, dass irgendetwas nicht stimmt. Dann gibts die, die sich das Problem eingestehen, aber nicht bereit sind, darüber zu sprechen. Und schließlich die, die es bearbeiten. Und am Schluss gibts noch die, die den gesamten mühsamen Weg schon hinter sich gebracht haben. Wahrscheinlich befinden wir uns alle irgendwo dazwischen. Die Umfrage soll bezwecken, dass alle (auch die stillen Mitleser) ein Voting abgeben können, damit wir sehen können, wo wir tatsächlich stehen.

      In meiner Familie bin ich als jüngster von 5 Kindern aufgewachsen. Als ich zur Welt kam, war die Ehe schon total kaputt. Meine Mutter dominant und hysterisch, mein Vater schwach und abwesend. Seine Vorgehensweise war der stille Rückzug. Eine Strategie, die ich bei aufkommenden Problemen auch über 30 Jahre lang angewandt habe. Ich habe heute noch das Gefühl (mit 33), dass er sich überhaupt nicht für mich und mein Leben interessiert. Dies stimmt mich zutiefst traurig. Ich habe mal vor ein paar Jahren mit ihm eine kleine Aufarbeitung gestartet, mir seine Lebensgeschichte angehört, begonnen zu verstehen, dass er auch kein einfaches Leben hatte. Dennoch sitzt da anscheinend noch etwas tief in mir, das an die Oberfläche möchte. Mein ganzes Leben strebe ich eigentlich nur nach einem "Gut gemacht", welches nie kommt.

      Es macht mich aber noch mehr traurig und auch wütend und aggressiv, dass es so Schicksale gibt, wie die von Tim2201 und Lemieux92. Der eine wird gelobt, weil er stark ist, und es geschafft hat, wieder aufzustehen. Der andere wird in eine Schublade gesteckt und mit Steinen beworfen (Achtung - diese Formulierung ist überspitzt und es soll dadurch auch niemand angegriffen werden!). Lemieux 92 hat mir, nachdem ich ihm meine Geschichte erzählt habe, eine Message geschickt, in der er sich dafür bedankt hat, dass ich eine hilfreiche Antwort geschickt habe. Geschichten helfen einfach in schwierigen Situationen (deshalb vielleicht auch dieser Thread). Seit dem hört man leider nix mehr von ihm. Mann, lebst du noch? Ja, du hast Freunde!

      Warum müssen wir immer erst fallen, um aufstehen zu können. Ich sage, es muss anders gehen. Lasst uns doch unsere männliche Energie, Kraft und Stärke konstruktiv einsetzen, wir müssen uns nicht immer gegenseitig bekriegen und bekämpfen. Karl Marx hat einmal gesagt: es kommt nicht darauf an die Welt zu interpretieren, es kommt darauf an sie zu verändern.

      Ein Schritt ist, für mich der wichtigste, mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen. Wir machen alle Fehler, und wir alle machen uns dafür Vorwürfe. Aber verdammt, wie sollen wir denn fehlerlos sein können, wenn in den meisten Fällen niemand da ist, der uns zeigt, wie es richtig geht. Frauen können uns sicher nicht zeigen, wie man ein Mann wird. Mein Fehler z.B. heißt Mia, ist 2 1/2, hat wunderschöne blaue Augen (von mir), wunderschöne Löckchen (auch von mir) und erhellt jedes 2. meiner Wochenenden. Es war ein ONS mit viel Alkohol. Aber sie gibt mir Kraft, Stärke und Sinn in meinem Leben. Und der Weg - vor allem die Auseinandersetzung mit der Mutter, und die Sorge, die Kleine überhaupt sehen zu können - war alles andere als einfach. Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, jetzt ein freundschaftliches Verhältnis mit ihr zu haben. Ich hätte mir dabei auch einen Vater gewünscht, der mich hier vielleicht ein bisschen unterstützt.

      Und ja, mein Weg ist und war lang und steinig. Mein Vater hat mir dabei nicht wirklich weitergeholfen. Ich habe mir alles selbst beigebracht, Seminare besucht, Bücher gelesen, philosophie studiert, etc. Und ich bin sogar gut, bei dem was ich mache. Wahrscheinlich weil ich dabei nur meinem Vater zeigen möchte, dass ich es kann. Determiniert zum Workoholic.

      Die gesamte Geschichte hat auch etwas gutes. Ich bin jetzt selbst Vater, ich kann meiner Tochter die Welt zeigen (wie Vandaalen auch schon erwähnt hat), und ich kann ihr ein echter Vater sein, der da ist und sich interessiert. Weil Leute, wir alle brauchen Väter, und gerade wir heranwachsenden Männer!

      Hab gestern noch ein kleines Video gefunden. Mag den esoterischen Teil davon nicht, aber die Fakten bringt der Typ ziemlich genau auf den Punkt.

    • jigger1977
      jigger1977
      Bronze
      Dabei seit: 21.09.2009 Beiträge: 1.471
      Original von NudeAndHappy

      Achja btw. was sagt ihr dann zu Homosexualität, also wenn man einfach kein ''Verlangen'' in sexueller Hinsicht auf Frauen verspürt sondern eher auf Männer? Ist es nach eurer Meinung eine Missbildung aufgrund falscher Bezugspersonen / falsch geschlechtlicher Erziehung oder ähnliches?

      Fühle mich gerade wirklich mies, so als ob ich ein ''falscher'' Mensch bin, wenn ich euren Aussagen Glauben schenke. :f_cry:
      Achja und sry für eventuelle jugendliche Unwissenheit in diesem Post, bin grade knapp über volljährigkeit.

      Das brauchst du nicht, sei froh, wenn alles in Ordnung ist, wisse aber, dass es andere Menschen gibt, bei denen das nicht der Fall ist!

      Und Homosexualität ist doch voll ok. Nicht für mich, ich mag lieber Frauen, aber wer es will soll es doch machen. Leben und leben lassen ist doch die Devise. =)
    • draghkar
      draghkar
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2006 Beiträge: 12.432
      Original von NudeAndHappy
      Zu mir hatte ich ja schon oben etwas geschrieben. Ich hatte nie einen Vater, meine Mutter war immer die Hauptbezugsperson, auch als ich dann einen Stiefvater hatte... Im Gegensatz zu anderen Männern würde ich mich schon eher als ''weich'' wie ihr es nennt bezeichnen und ich komme auch in sozialen Situtationen meistens besser mit Frauen zurecht, aber ich sehe darin nichts schlimmes? Kann ich etwa so wie ich bin nicht glücklich werden?

      Achja btw. was sagt ihr dann zu Homosexualität, also wenn man einfach kein ''Verlangen'' in sexueller Hinsicht auf Frauen verspürt sondern eher auf Männer? Ist es nach eurer Meinung eine Missbildung aufgrund falscher Bezugspersonen / falsch geschlechtlicher Erziehung oder ähnliches?
      Das Wort Missbildung passt hier überhaupt nicht. Es gibt ja viele Studien wie und ob Homosexualität erlernt wird und wenn man so will, ja es kann durchaus an der Erziehung liegen. Wieso auch nicht?

      Und ich finde vandaalen beschreibt hier einfach den falschen Ansatz.
      Ja, kleine Jungs sind memmig. Eben weil sie klein sind. Ich betrachte einen kleinen Jungen der weint auch nicht als Memme, du etwa?

      Auch dieses "Sein ein Mann, ertrag es". Hat das jemals schonmal jemand zu hören bekommen? Ich nicht.
      Ich bin jetzt fast 26 und hatte eigentlich noch nie in meinem Leben (außer in der Pubertät vllt) das Bedürfnis mich stärker zu machen als ich eigentlich bin. Warum sollte ich denn ein Problem damit haben als Mann in der Öffentlichkeit zu weinen z.B.? Auch irgendwelche Profilierungen gegenüber Kumpels ("Vielficker", ob es der Wahrheit entspricht oder nicht) ist absolut kindisch und in meinen Augen nicht ansatzweise männlich.
      Gutes (auch oftgenanntes) Beispiel ist hier Roger Federer. Keinerlei Profilierungen oder sonstiges, trotzdem ein mmn ideales Gleichgewicht zwischen Arschloch und Weichei.

      Ich finde der entscheidende Punkt ist hier die Beziehung zwischen Mann und Frau. Wieviel Kerle haben denn noch die Hose an in der Beziehung? In dieser Richtung fehlt einfach die männliche Erziehung, die meisten Männer sind einfach Muschis wenns um Muschis geht.
      Das hat aber nichts mit irgendwelchen Sachen zu tun, dass sie keine Gefühle o.ä. zeigen dürfen, sondern dass sie nie gelernt haben sich wirklich durchzusetzen.
    • NudeAndHappy
      NudeAndHappy
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2011 Beiträge: 262
      ja ich mag das wort auch nicht aber hatte es gewählt weil es meine vorredner es irgendwie so darstellten und ich mich leicht angegriffen fühlte

      nach jiggers letzten post glaub ich euer problem nur ansatzweise bzw. gar nicht wirklich verstanden zu haben...
      Die Klassifizierung nach Suchenden und ''Helden'' finde ich etwas lächerlich.
      Naja vielleicht verstehen dass nur todesunglückliche Typen die sich nach ihrem Vater sehen und sich zu viele Gedanken darüber machen was es heißt männlich zu sein.
      Es gab schon immer unterschiedliche Erziehungen, und es gab 'harte' und 'weiche' Männer, gefühlskalte und sensible.
      Genauso wie es übrigens auch 'harte' und 'weiche' Frauen gibt auch wenn da Verteilung anders ist als bei Männern.

      Ich denke ich werde mich langsam aus dem Thread ausklinken,
      für mich ist die Diskussion mehr oder weniger schwachsinnig.
      Vielleicht verstehe ich es auch nur (noch) nicht.