Welcher Sinn ist am Stärksten ausgeprägt?

    • Dodadodadodada
      Dodadodadodada
      Black
      Dabei seit: 25.02.2006 Beiträge: 4.461
      Sehen - Hören - Tasten - Riechen - Schmecken


      Viele meinen, dass das Sehen das "Wichtigste" sei, danach die anderen in der Reihenfolge.

      Mir geht es darum, dass sich das Denken und Handeln erst aus der Wahrnehmung herausbildet. Und je stärker die Wahrnehmung für etwas ist, desto intensiver gestaltet sich der kognitive Prozess, sehr grob formuliert.

      Mir fällt auf, dass wenn ich einen Film schaue, mir das Bild wichtig ist, der Sound aber noch wichtiger.
      Bei Pokervideos das Gleiche. Solange ich die Karten halbwegs erkenne, ist das ausreichend, rauscht der Ton allerdings, oder ist unregelmäßig usw., nervt es mich sehr viel mehr.


      Da also das Denken durch die Wahrnehmung bestimmt ist, dreht sich bei mir noch mehr im Kopf, und zwar:
      Glück und Angst (Wenn es denn die Antagonisten sind) müssen auch durch Wahrnehmung eingeleitet werden.
      Durch welches Sinnesorgan erfahre ich also ein Glücks- oder Angstgefühl am Intensivsten?

      In einigen Filmen sticht die Frage heraus, nämlich vor allen Dingen bei "Clockwork Orange". Ziemlich gewaltvolle Bilder, künstlerisch gestaltet und mit "schöner" klassischer Musik untermalt. Dadurch wirken die Szenen sehr viel weniger bedrohlich.
      Hannibal Lecter, der bei "Schweigen der Lämmer" die beiden Polizisten im Käfig tötet und dabei klassische Musik hört. Auch das lässt die Situation weniger bedrohlich wirken, auch wenn Blut, Schläge usw. gezeigt werden.

      Ich hoffe, dass die Frage relativ klar formuliert ist.
  • 9 Antworten
    • SpaceCowboyIV
      SpaceCowboyIV
      Bronze
      Dabei seit: 03.10.2009 Beiträge: 54
      Nunja die Wichtigkeit liegt natürlich in erster Linie im Auge des Betrachters...
      Wenn man aber die Wichtigkeit durch Möglichkeit zur Interaktion mit der Umwelt definiert, dann sind das Ohr und das Auge mit Sicherheit die wichtigsten Organe. Sie beinhalten nämlich neben der Sinneswahrnehmung auch den Gleichgewichtssinn (Ohr) bzw. ermöglichen Orientierung im Raum (Auge). Ohne dies hat man schonmal mächtig Probleme. Der Verlust der anderen Sinne erscheint von außen betrachtet weniger verheerend.

      Welcher Sinn am stärksten ausgeprägt ist, lässt sich auch nicht so leicht sagen. Man kann eine Einordnung in der Natur vornehmen (Auge besser als beim Maulwurf, schlechter als beim Adler...) aber der direkte Vergleich fehlt trotzdem. Wenn man die Empfindlichkeit gegenüber Reizen als Maßstab nimmt, dann ist der Geruchssinn beispielsweise recht weit vorne (5% aller unserer Gene codieren Geruchsrezeptoren!). Letztendlich sind aber alle unsere Sinne beschränkt (Wellenlänge, Frequenz, etc.). Der Geschmackssinn ist aber wohl tatsächlich der Rückständigste (die Empfindlichkeit ist 20.000 mal kleiner als beim Geruch) ist aber auch eng mit dem Geruchssinn verbunden. Man denke nur mal daran wie viel man noch schmeckt mit geschlossener Nase.


      Mit der Verbindung von Sinneseindrücken und Emotionen kenne ich mich leider nicht so gut aus, jedoch gibt es durchaus ein emotionales Gedächtnis, bei dem Sinneseindrücke mit Emotionen verknüpft werden. Ich würde also mal behaupten, dass dir der Sound wichtiger ist, weil du bisher mehr emotionale Verbindungen zu Musik gebildet hast (warum und auf welche Weise auch immer). Dass sich Emotionen zu Bildern und Musik nicht ersetzen sondern summieren zeigen ja Filme, denn wie du sagst ist den meisten Menschen Musik in Filmen wichtig.

      Ohne Garantie auf Richtigkeit würde ich also sagen, dass diejenigen Sinne am intensivsten Glücks- oder Angstgefühle auslösen, die in der Entwicklung des Menschen am stärksten mit diesen Emotionen verbunden wurden, sprich individuell anders sein können.
    • TheRealJoker
      TheRealJoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.03.2009 Beiträge: 281
      Evolutiv gesehen wuerde ich auch dem Hoeren die groesste Angstwirkung zuschreiben. Waehrend Schmecken, Riechen und Tasten zur Feinderkennung/Abwehr nicht besonders hilfreich sind und visuelle Reize nicht von Geburt an mit Wertung versehen sind, zumindest was den Gegenstand der Betrachtung an sich betrifft (Kleinkinder haben weder eine angeborene Abneigung gegen Faekalien noch nach zB Raubtieren per se).
      Jedoch sind laute Geraeusche von Geburt an ein Angstausloeser, wesshalb ich hier den schnellsten Draht zur Emotion vermute.
      Koerperlichen Schmerz stelle ich hier schon noch drueber, verfehlt aber meiner Ansicht nach die Frage.

      Reduziert auf das Tier in uns wuerde ich aus demselben Grund dem Tastempfinden den groessten Gluecksmoment (Orgasmus) zuschreiben.

      Da der Mensch ueber sich reflektieren kann, wird jede "triviale", widerholbare Gluecksempfindung der Sinne durch groessere (Liebe, Erfolg, etc.) in den Schatten gestellt und damit wohl subjektiv.
      Bin aber keinerlei Experte
    • ruudFFO
      ruudFFO
      Einsteiger
      Dabei seit: 05.06.2007 Beiträge: 1.704
      das ist von mensch zu mensch unterschiedlich, im nlp unterscheidet man zwischen visuellem(sehen), auditivem(hören) und kinestäthischem(fühlen) kommunikationstyp, jenachdem welcher typ man ist, nimmt man dinge stärker wahr.
      jemand der zb auditiv veranlagt ist, empfindet bei einer bildlich detallierten beschreibung von etwas, was einem visuell-stärker veranlagten typen weniger angst, als wenn man die beschreibung für ihn anpasst. (die bomben haben geknallt, die leute geschrien, fenster geklirrt)-ein visueller typ hat dann mehr angst, wenn die beschreibung bildlich ist (wie grell die explosionen waren, alles voller blut und splitter) während der kinästeth mehr angst hat, wenn die beschreibung gefühle/geschmäcker und taktile reize umfasst (alles hat gebebt, sie haben angst gefühlt, die luft hat nach blut gerochen und nach rauch geschmeckt).
      dabei gehts erstmal nur um primäre wahrnehmungssysteme, die typen können andere sinne auch wahrnehmen oder übersetzen sie intern auf ihre art in ihre lieblingswahrnehmungsform.

      siehe hier, etwas detaillierter http://www.nlp-bibliothek.de/practitioner/p-02-03-vorstellung-der-drei-typen.html
    • SpaceCowboyIV
      SpaceCowboyIV
      Bronze
      Dabei seit: 03.10.2009 Beiträge: 54
      Also die Unterteilung in Kommunikationstypen, wie sie NLP macht, scheint mir nicht sonderlich seriös. Gerade weil auch versprochen wird, dass man ohne weiteres seinen Kommunikationstyp in den (natürlich kostenpflichtigen) Seminaren ändern kann. Wikipedia sagt auch, dass NLP stark im Verdacht steht nur eine Pseudowissenschaft zu sein. Aus dem was ich bisher gelesen habe möchte ich dem nicht widersprechen ;)

      @TheRealJoker
      Ich denke die meisten Reize sind sogar mit Wertungen versehen (ursprünglich). Damit meine ich aber nicht ausschließlich Angst. An kleinen Kindern sieht man aber wie du sagst, dass laute Geräusche Angst auslösen. Beim Geschmack ist es das Bittere und das Saure, die als Warnung aufgefasst werden. Visuelle Reize sind auch mit Wertungen belegt (http://www.leben.uni-freiburg.de/magazin_5/unileben/der-reiz-des-roten,1.htm).

      Den Sinn mit der größten emotionalen Verknüpfung zu finden ist also nicht so leicht. Hören und Sehen sind zwar recht "offensichtliche" Reize aber das Olfaktorische beeinflusst durchaus auch das Verhalten (http://www.fr-online.de/auto/hersteller-entdecken-geruch-als-kaufkriterium/-/1472790/3146934/-/index.html) wenn auch subtiler, da Geruch nicht so sehr in unser Bewusstsein dringt.
    • venusflytrap
      venusflytrap
      Bronze
      Dabei seit: 21.12.2007 Beiträge: 3.289


      Hier sieht man erstmal, wieviel "Platz" die verschiedenen Sinne im Gehirn einnehmen, ist vielleicht für die Frage auch nicht ganz uninteressant.

      Zu deiner Frage: Das wird wohl bei jedem ziemlich unterschiedlich sein und mit Erfahrungen zu tun haben. Ich bin auch absolut kein Experte auf dem Gebiet, das Vorweg. Denke aber vor allem die Sache mit der Musik von der du geschrieben hast ist eine sehr individuelle Sache. Genau wie manche Leute bei mancher Musik direkt Gänsehaut kriegen wird wohl das Angstempfinden da sehr unterschiedlich sein.

      Der Körper nutzt halt die Reize von aussen so wie die Vorteile des Reizes sind, zb. Licht (also Sehen), legt schnell große Strecken zurück, lässt sehr sichere Schlüsse über die Gefahr zu, ist aber bei Dunkelheit oder verdeckter Sicht eingeschränkt. Hören geht ebenfalls schnell über große Strecken, geht auch ohne Sicht durch/über Hindernisse und funktioniert auch bei Nacht. Aber auch zb. riechen kann sicher irgendwie instinktiv Angst oder ein Gefühl nach Unwohlsein und Flucht auslösen, wie zum Beispiel Verwesungsgeruch.
    • derch3f
      derch3f
      Einsteiger
      Dabei seit: 27.06.2011 Beiträge: 452
      mal meine gedanken zum vergleich mit der tiewelt

      sehen: ich denke das wir so gut sehen ist reines luck, denn brauchen (also so gut wie wir es tun) tun wir es nicht, fast alle anderen lebewesen sehen deutlich schlechter als wir

      hören: ich glaube unser gehör ist noch ziemlich gut geblieben, war als wir mal natürlich feine hatten zur flucht mal gut zu gebrauchen. größere und bewegliche ohren wären zwar ganz praktisch, sofern unsere vorfahren die mal hatten haben sie sich aber wohl zurück gebildet. seit der homo xyz sich aufgrund seines körperbaus und seiner geschicklichkeit gegen große tiere verteidigen kann und somit bei keinem tier mehr zu der bevorzugten nahrung gehörte, ist das gehör aber eher unwichtig gewesen

      tasten: unser tastsinn ist heutzutage ziemlich nice, aber wieso haben wir den? braucht man zum beeren sammeln oder um nen tier zu erlegen nicht annähernd so ausgeprägt. wahrscheinlich genauso luck wie das sehen

      riechen: vorallem jäger haben nen sehr guten geruchssinn, wir sind aber eher sammler, also war unser geruchssinn wahrscheinlich nie überragend, wenn auch mal besser als jetzt. denn ich denke geruch ist auch wichtig um festzustellen ob nahrung noch ok ist, was aber als das feuer entdeckt wurde und durch kochen/braten dann keime abgetötet wurden nichtmehr ganz so wichtig war

      schmecken: braucht man eigentlich nur zum merken ob nahrung ok ist. bräuchte man aber nicht wenn man gut riechen könnte. also hat er sich evtl gebildet als unser geruchssinn zurückging, was auch immer das genau für vorteile gebracht hat, müssen wohl noch irgendwelche anderen aspekte reingespielt haben. unser geruchssinn ist zwar nicht gut, aber ich denke deutlich besser als bei jedem tier


      also verglichen mit tieren sehen, fühlen und schmecken wir super, hören ist ganz passabel und riechen lässt zu wünschen übrig
      die reihenfolge ist auf jeden fall schonmal anders als die meisten menschen, und auch ich, die wichtigkeit einstufen würden.
      das wir sehen als wichtigsten sinn einstufen liegt wohl daran das es die schnellste art der informations aufnahme ist. wir sehen etwas für den bruchteil einer sekunde und wissen schon sehr viel darüber, es mit z.b. worten zu beschreiben oder es zu ertasten ist deutlich langsamer
      das hören der zeitwichtigste sinn für uns ist liegt denke ich daran das das gehör bei den meisten menschen am empfänglichsten für emotionen ist, gibt doch nur wenige menschen die ein gute laune lied kalt lässt ;)

      aber natürlich gibt es bei den sinnen trotzdem gewisse unterschieden. z.b. habe ich bei sachen die ich sehe kaum emotionen, wohingegen ich für musik/geräusche sehr empfindlich bin. wie oben schon wer schrieb, für mich ist bei nem film der sound auch sehr wichtig, also wenn der scheisse ist empfinde ich durchaus den ganzen film als scheisse

      es hat aber auch zumindest bei mir irgendwie nichts mit der empfindlichkeit des sinns zu tun inwiefern daran emotionen gekoppelt sind. mein geschmackssinn ist z.b. sehr gut, also ich schmecke bei essen sogut wie alle sachen die drin sind raus und kanns einfach so ausm stehgreif ohne das man mir die zutaten nennt nachkochen, allerdings löst essen bei mir keinerlei emotionen aus. so ein "jam, das ist lecker" gefühl gibt es bei mir garnicht
    • Zodiac1981
      Zodiac1981
      Bronze
      Dabei seit: 26.07.2007 Beiträge: 25.930
      Der Leichtsinn
    • Paxmain
      Paxmain
      Bronze
      Dabei seit: 19.10.2007 Beiträge: 1.059
      Original von derch3f
      also verglichen mit tieren sehen, fühlen und schmecken wir super, hören ist ganz passabel und riechen lässt zu wünschen übrig
      die reihenfolge ist auf jeden fall schonmal anders als die meisten menschen, und auch ich, die wichtigkeit einstufen würden.
      würde es nicht als luck bezeichnen dass wir bestimmte Fähigkeiten in solchem Umfang entwickelt haben, kommt bestimmt nicht von ungefähr. Die Evolution hat bestimmt nicht nen Würfel geworfen um zu sehn ob n Hase Flügel bekommt oder nicht. Wird schon eine gewisse Notwendigkeit gegeben haben.

      Würde das Schmecken an die erste Stelle setzen, bin zwar kein Experte aber vermute dass kein Tier einen solch komplexen Geschmackssinn hat.

      Fühlen als 2., zwar gibt es Tiere wie Elephanten, die sehr feine Vibrationen über die Füße spühren können, wissen ob durch ein Erdbeben ein Tsunami im Anmarsch ist und kommunizieren durch Stampfen über mehrere Kilometer hinweg. Doch Strukturen auf Oberflächen zu spühren, sowie Temperaturunterschiede, Festigkeit... dürfte ebenfalls nur der Mensch im Stande sein.

      Sehen würde ich im oberen drittel ansetzen, die meisten Raubtiere wie Katze, Adler, UHU und anderes zeug dürfte besser sehen als der Mensch.

      Hören und riechen dürfte mittelprächtig sein.

      Die meisten Jagd und Fluchttiere hören weitaus besser als der Mensch. Angefangen bei Katze und Hund, sowie Polarfuchs der selbst unter einer Schneedecke Mäuse hören kann, Rehe nehmen das leiseste Rascheln war und Wale unterhalten sich über extrem weite Strecken miteinander.

      Beim Riechen muss man unterscheiden zwischen welche Entfernung man Gerüche Wahrnehmen kann und welches Geruchsspecktrum abgedeckt wird. Während sich ein Raubtier gegen die Windrichtung an die Beute ranschleichen muss weil die Bäute ihn ansonsten von weitem riechen kann, schafft es ein Mensch erst aus geringer Distanz zu erkennen, ob jemand geduscht hat oder nicht. Dafür kann ein Mensch sicherlich die Komplexesten düfte und feinste Nuancen wahrnehmen. Allerdings muss das letztere gut geschult sein, nicht jeder erkennt winzige Unterschiede z. B. bei verschiedenen Weinen. Dafür gibt es Tiere die nehmen winzigste Duftpartikel wahr.
    • daemmerung
      daemmerung
      Global
      Dabei seit: 22.03.2008 Beiträge: 1.029
      Also, alle Sinne erfüllen einen gewissen Sinn, sonst hätten sich diese komplexen Konstrukte nicht so entwickelt.
      Die Vergleiche mit der Tierwelt halte ich für sehr problematisch, da jedes Tier anders ist.
      Maulwurf (schlechte Augen), Hund (gute Nase, gute Ohren), Adler (gute Augen) usw.
      Der Mensch ist ansich auch nur ein Tier und die Entwicklung erfolgt halt nach den Prinzipien der Evolutionstheorie.

      Die Frage, durch welches Organ man Ansgt sowie Glück am intensivsten empfindet, ist sehr interessant, aber durch simple "Schlussfolgerungen" meines Erachtens nur schwer zu beantworten.
      Wir wissen nicht mal, ob diese "Toplist" bei jedem Menschen gleich wäre, ob sie alleinig genetisch geprägt oder sich durch die Umwelt "verändern" kann.

      Man könnte zwar ein "Experiment" durchführen, bei dem man Glücks- und Stresshormone misst. Dafür müsste man aber auch dafür realistische Situationen schaffen und das scheint nur schwer möglich. Zudem ist Glück und Angst für jeden etwas anderes. Einige haben vor Spinnen panische Angst, andere mögen sie vllt.
      Und ohne Studien, die erstmal durchgeführt werden müssten, bleibt die nur die reine Spekulation ;) .

      Zudem wird der Input ja bei jedem anders verarbeitet. In einer Region, in der Gewalt und Schüsse Alltag sind, hat man wohl eher weniger Angst vor einem gehörten Pistolenschuss (auch wenn man immer noch Angst hat) als in einer wohlhabenden sicheren Gegend, in der man dies gar nicht erwartet.