Angst

    • draghkar
      draghkar
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2006 Beiträge: 12.432
      Warum und wie entsteht Angst?

      Für mich gesprochen, ich hab Todesangst (ja, ist wirklich schlimm) vorm Fliegen und bin leidenschaftlicher Hypochonder, hab also bei jedem kleinen aua direkt Angst vor ner tödlichen Krankheit.

      Die Flugangst bekämpfe ich mehr oder weniger wirkungsvoll mit Medikamenten wenns drauf ankommt und den Rest versuche ich einfach zu verdrängen/vergessen.
      Dabei macht es mir aber hingegen z.B. garnichts aus mit 300 am Boden entlang zu ballern, während andere Angst auf der Autobahn haben.

      Bei sowas wie Arachnophobia oder Platzangst kann ich das mit einer evolutionellen Begründung ja noch verstehen, aber wie kann es sein dass manche die krassesten Steilhänge erklettern/mit Ski runterfahren, skydiven und andere sich dabei vor Angst einpissen?

      Und was kann man gegen das Phänomen Angst machen? In meinem Fall hat weder die rationale Komponente in Sachen Flugangst (Sicherheitsrating, technische Details usw.) noch die emotionale (Hypnose-"Therapie") was geholfen. Auch sich ihr immer wieder stellen bringt nur bedingt was bei mir.

      Bevor hier die erste Antwort kommt mit "Es gibt 2 Arten sich der Angst zu stellen - kämpfen oder wegrennen - beides ist im Flugzeug nicht möglich -> Panik". Ja, dessen bin ich mir bewusst, dennoch würde ich gerne einen Schritt vorher ansetzen und fragen warum ein solches Gefühl überhaupt erst entsteht.
  • 9 Antworten
    • FlammenULI
      FlammenULI
      Bronze
      Dabei seit: 02.09.2005 Beiträge: 654
      Ich denke, dass Angst eine evolutionäre Schutzreaktion ist.

      Keine festen Boden unter den Füßen zu haben, hieß in der Vergangenheit meist bald zu sterben. Davor selbst irrational große Angst zu haben ist also verständlich.
      Das gleiche gilt für Verletzungen. Früher starb man an denen sehr oft.

      D.h. einfach, selbst wenn wir es wollten und auch logisch verstehen, läßt sich nichts dagegen tun. Deswegen finde ich z.B. gg Flugangst den Medikamenten-Einsatz richtig. Dein Körper reagiert richtig, aber er kann nicht wissen, dass wir mittlerweise äußerst sichere Flugzeuge entwickelt haben. In anderen Bereichen, ist das ja auch üblich (Pille etwa).

      Bei Verletzung musst Du halt zum Arzt, egal wie klein sie sind. Dich da nur zu betäuben hilft halt nicht.

      Also, mit Dir ist alles in Ordnung, wo es um zeitlich begrenzte Angst geht (wie fliegen), da helfen Medikamente, beim Rest halt Fachmann aufsuchen, der einem sagt, dass nichts wildes los ist.
    • LLuq
      LLuq
      Bronze
      Dabei seit: 14.04.2006 Beiträge: 3.389
      Hab irgendwo gelesen, dass Angst durch Konditionierung entsteht und Kleinkinder z.B. nur vorm Hinfallen und vür Lärm Angst haben.
    • draghkar
      draghkar
      Bronze
      Dabei seit: 16.08.2006 Beiträge: 12.432
      Wenn Angst durch Konditionierung entsteht, also erlernt ist dann fällt das mit der Evolution ja schonmal weg. Im Gegenzug müsste man Angst dann aber auch verlernen können?
    • venusflytrap
      venusflytrap
      Bronze
      Dabei seit: 21.12.2007 Beiträge: 3.289
      Würde Evolution nicht unbedingt ausschließen, Angst vor Spinnen zum Beispiel könnte teilweise im Erbgut verankert sein.
    • alterego
      alterego
      Bronze
      Dabei seit: 03.07.2006 Beiträge: 4.149
      Original von draghkar
      Wenn Angst durch Konditionierung entsteht, also erlernt ist dann fällt das mit der Evolution ja schonmal weg. Im Gegenzug müsste man Angst dann aber auch verlernen können?
      Ich denke, die Mischung machts. Die Fähigkeit, Ängste zu entwickeln ist ziemlich sicher evolutionär entstanden. Einige Ängste sind evtl. auch im Erbgut verankert, wie die zB Angst vor Spinnen oder Schlangen, die ja zum Teil ja auch heute noch sinnvoll sind.

      Daneben gibt es eben die Möglichkeit, sich Ängste anzutrainieren. Auch dies ist letztendlich evolutionär zu erklären: Verschiedene Lebensräume bergen unterschiedliche Gefahren.
      Der Mensch musste auf diese Gefahren variabel mit verschiedenen Ängsten reagieren können, um seine Überlebenschancen zu erhöhen. Dabei spielen dann gemachte Erfahrungen und die Erziehung eine Rolle.

      Da dieser Vorgang im Unterbewusstsein abläuft, kann man ihn nicht willentlich steuern. So können dann Ängste entstehen, die einem im Alltag auch im Weg stehen können. Bis zu einem gewissen Grad lassen sich solche Ängste wohl auch wieder abtrainieren. Gibt da ja verschiedene Therapien, die wahrscheinlich nicht bei jedem Patienten gleich wirksam sind.
    • thomasiosi
      thomasiosi
      Bronze
      Dabei seit: 04.03.2011 Beiträge: 2.334
      Original von LLuq
      Hab irgendwo gelesen, dass Angst durch Konditionierung entsteht und Kleinkinder z.B. nur vorm Hinfallen und vür Lärm Angst haben.
      spielst du auf die Aversiontherapie an, so wie sie z.b. auch in Clockwerk Orange bei Alex Anwendung findet?
    • doubleJay
      doubleJay
      Black
      Dabei seit: 09.10.2006 Beiträge: 6.232
      direkte sensibilisierung: konfrontation in der realität
      wenn das nicht möglich ist, dann:

      indirekte sensibilisierung: konfrontation in der visualisierung

      einfache ängste sind evolutionär bedingt (höhe, dunkelheit, spinnen, dinosaurier), aber eine unverhältnismäßige reaktion IST konditioniert (flugangst) und lässt sich daher UMkonditionieren!

      dabei machste konfrontationspyramiden (direkt und/oder indirekt halt) mit dem kleinsten schritt, der KEINE angstsymptome (= körperliche empfindungen und/oder neg. gedanken) erzeugt (10 schritte etwa).

      das geht natürlich auch beim fliegen (flugzeugdoku gucken -> zum flughafen fahren -> in der lobby aufhalten -> ... -> halbe stunde fliegen mit therapeut -> halbe stunde ohne therapeut -> ...)


      hypnose usw.. alles nur maßnahmen, um dein vermeidungsverhalten zu rechtfertigen. dass das so ist, musst du zuerst VERSTEHEN, dann kannste dich an die konfrontation machen, es wird dir nämlich tatsächlich nix anderes helfen, weil du diese blöden neuronalen verknüpfungen im gehirn umprogrammieren musst und das geht NICHT anders.
    • DerExec
      DerExec
      Bronze
      Dabei seit: 05.10.2007 Beiträge: 12.529
      Original von venusflytrap
      Würde Evolution nicht unbedingt ausschließen, Angst vor Spinnen zum Beispiel könnte teilweise im Erbgut verankert sein.
      Nein, das liegt an den Müttern, die Angst vor Spinnen haben.
      Die sagen dann "iihhhhh Spinne, eklig" und schon findet das Kind die Spinnen auch eklig.

      Bringt man dem Kleinkind gleich bei, die Spinnen zu töten/whatever, hat es später auch keine Angst. Glaub ich.
    • venusflytrap
      venusflytrap
      Bronze
      Dabei seit: 21.12.2007 Beiträge: 3.289
      Original von DerExec
      Original von venusflytrap
      Würde Evolution nicht unbedingt ausschließen, Angst vor Spinnen zum Beispiel könnte teilweise im Erbgut verankert sein.
      Nein, das liegt an den Müttern, die Angst vor Spinnen haben.
      Die sagen dann "iihhhhh Spinne, eklig" und schon findet das Kind die Spinnen auch eklig.

      Bringt man dem Kleinkind gleich bei, die Spinnen zu töten/whatever, hat es später auch keine Angst. Glaub ich.
      Jo, beides möglich, ist halt schwer zu beweisen. Wiki sagt zum Beispiel das Naturvölker die Angst vor Spinnnen nicht kennen, was für deine Lösung spräche, ist aber schwer nachzuweisen.