Wahrscheinlichkeiten und Adaption gegen Fische - adapten Fische?

    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      Hi,

      ich habe letztens gegen einen Fisch auf 5/T HU gespielt. Da ich noch keine Erfahrungen über die Swings im HU habe, würde ich gerne mal ein paar erfahrungen von euch erzählt bekommen und wissen wie ihr dann adapted.

      a) Wie viel Hände hintereinander zu verlieren ist akzeptabel? Ich versuchs mal selbst zu beantworten: Die Edge, die man gegen einen Fisch hat ist i.d.R. kleiner als man denkt. Eine alte Weisheit besagt: Man gewinnt nicht mehr gegen Fische, aber man verliert weniger. Das bezieht sich ja nur auf die größe der Pötte und nicht auf die Anzahl. Ich denke wenn man 11 von 20 pötten im Schnitt gewinnt, ist das nicht zu wenig eher zu viel. D.h. 55% Gewinn-WK. Bei 50/50 (ähnlich Roulette) ist die WK, dass 10 mal hintereinander Rot kommt 1/1024, also etwa 0,1% also jedes Tausendste mal (kann man das so rechnen?). Damit sind auch im HU-Poker Serien von 10 verlorenen Händen keine Seltenheit richtig?

      b) Ihr spielt gegen einen Fisch, der gegen eure Aggressivität fröhlich foldet. Irgendwann hat aber auch der Fisch eine Hand und in guter Fisch-Manier called er euch mit TP2ndK einfach down und sieht, dass ihr euren Trash durchgeballert habt. Das passiert auch in der nächsten und übernächsten Hand. Jetzt meine Frage: Glaubt ihr, dass der Fisch dann so schnell adapted und sich denkt:"Der Maniac ballert ja nur rum! Ich glaub dem jetzt nix mehr!"? Ich denke, solche Fische gibt es. Meine Frage: Wie adapted man da gegen? Meine Lösungsidee: Tighter openraisen. HU natürlich schwierig. Wir können ja nicht nur auf Hände mit SD-value warten. Aber evtl. geht man von 100% OR runter auf 50%? Spielt seine Hände hart for value und nimmt sich mit Draws die FC bzw. gibt den Trash auf? oder ist das overadapted? Was meint ihr?
  • 4 Antworten
    • reptile
      reptile
      Black
      Dabei seit: 04.03.2005 Beiträge: 948
      zu a hab ich keine ahnung

      50% openraise? rechne dir mal aus wieviel du durch 50% folden verlierst..

      auf 5/10 würde ich auch nicht 100% openraise 1. wegen rake und 2. ist meistens 2/5 struktur wo du generell etwas tighter spielen kannst imo
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      a) Eine Serie von Händen zu verlieren ist die eine Sache, das wesentliche ist aber, warum man sie verliert. Inakzeptabel werden Verluste erst durch eines der folgenden Merkmale:

      • sie gefährden dein Bankrollmanagement, weil sie zu hoch werden,
      • sie kommen dadurch zustande, dass du den Gegner falsch eingeschätzt hast
      • sie beruhen auf fehlerhaftem Spiel deinerseits
      • sie gefährden die Integrität deines Spiels durch Tilt


      Allein die Zahl der verlorenen Hände in einer Serie sagt noch gar nichts über die Ursachen oder deren Wirkung.

      Wenn man von deinen Zahlen der durchschnittlich gewonnen Pötte ausgeht (nicht unrealistisch, vielleicht noch näher an 50%, da du vermutlich im Schnitt grössere Pötte gewinnst als verlierst), dann landet man bei den Längen der Verlust- und Gewinnserien und deren Häufigkeit nahe beim Münzwurf. Im Glücksspiel heissen solche Serien Permanenzen. Beim Münzwurf folgt die Häufigkeit einer Permanenz einer geometrischen Verteilung in Abhängigkeit von deren Länge (eines der Roulette-Gesetze).

      Beispiel:

      Du wirfst 1000 mal eine Münze. Die Wahrscheinlichkeit für Kopf oder Zahl ist je 50%.
      50% aller Serien haben die Länge 1
      25% aller Serien haben die Länge 2
      ....
      1/2^n aller Serien haben die Länge n

      Eine Serie der Länge 10 wird in 1000 Würfen also mit einer Häufigkeit von 1/2^10 =0,0009765625 ~ 0,1% auftreten.

      Eine Serie der Länge 10 oder grösser tritt mit einer Häufigkeit von 1/2^(n-1) = 1/2^9 = 0,001953125 ~ 0,2% auf. Dieses Ergebnis erhält man aus der Summenformel der geometrischen Reihe.

      Im Poker wird es etwas abweichen, weil die Dealerposition wechselt. Dadurch ist nicht jedes Spiel mit dem nächsten vergleichbar.

      b) Heads up hast du ja bei einem Openraise Position, was ein grosser Vorteil ist. Schon deshalb darfst du auf gar keinen Fall bis auf 50% Openraise runtergehen, weil du damit deinen Vorteil vergibst. Die richtige Adaption ist, erst einmal die Adaption des Fisches abzuwarten. Solange er das nicht schafft, spielst du dein Spiel einfach weiter. Wenn er dann looser callt, dann bluffst du eben nicht mehr alles durch. Da er passiv ist, wird er dich häufig billig auf Outs ziehen lassen. Du kannst ihn aber immer noch sehr gut für Value spielen, weil du die Equities besser einschätzen kannst als er. Er dagegen holt aus seinen guten Händen weniger raus als du.
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      Vielen Dank! Also würdest du gar nicht tighter werden? Einfach weiter A-Game spielen nur auf Purebluffs verzichten? Wie sieht es mit Semibluffs ohne SD-value aus?
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Preflop werde ich nicht tight, auch nicht bei anderer Blindstruktur. Gerade gegen einen passiven Spieler ist das nicht sinnvoll, weil der dich selten aus dem Pot blufft. Das bedeutet, auf dem Button kannst du dir aussuchen, wann das Geld in den Pot kommt und wann nicht. Das ist ein riesiger Vorteil. Preflop hast du selbst mit schwächerer Range keinen grossen Nachteil, weil der Gegner den höheren Blind gezahlt hat. Entweder er foldet seinen Blind, was nur zu deinem Vorteil sein kann, oder er verteidigt viel, dann ist deine Equity oft in Ordnung.

      In der Blindverteidigung sieht es anders aus. Stealt der Gegner viel zu selten (er raist unter 70%), dann kannst du auch tighter in der Blindverteidigung werden. Du gibst dann zwar ab und zu deinen Blind auf, aber dafür bekommst du auch ab und zu den small Blind geschenkt und deine Equity ist in Ordnung. Reraises solltest du vor allem mit Showdownhänden und mit Händen besserer Equity machen, also vor allem Asse, Pockets, Face Cards. Deceptive Hände mit guten implied Odds (87s, JTo, J8s usw.) lohnen sich weniger zu reraisen, wenn du den Gegner nicht aus dem Pot moven kannst. Die Passivität des Gegners sorgt dafür, dass du deren Equity auch bei passiver Verteidigung ausspielen kannst.

      Auf keinen Fall solltest du eine no 3-bet Strategie spielen. Die ist gut gegen aggressive Gegner, die zu 100% contibetten. Gegen passive Spieler ist sie nicht angebracht. Gegen passive Spieler muss man gute Equity selber pushen.

      Postflop folden HU-Fische eher zu viel als zu wenig (ist ja auch deine anfängliche Fisch-Definition). Das nutzt man durch Aggression aus. Callt er dagegen zu viel, dann muss man seine Bluffs zurückschrauben, aber nicht notwendigerweise ganz aufgeben. Die meisten können schon noch folden, nur braucht man eben mehr Überzeugungskraft. Die liefert das passende Board. Semibluffs ohne SD-Value sollten gerade bei Kombodraw Boards viel gespielt werden (d. h. das Board bietet Möglichkeiten für mehrere Draws, du brauchst den Kombodraw aber nicht zu haben. Z. B. Boards mit Flush und Straight Draws oder mit vielen möglichen Straight Draws). Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine Angstkarte für den Gegner fällt, auch wenn du deinen Draw nicht triffst.