Frage zu Situation im Artikel: "Draws aggressiv spielen oop"

    • Gurkha
      Gurkha
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2005 Beiträge: 1.287
      Dieser Artikel befindet sich in dem "Kolumnen"-Bereich der Strategiesektion (Silberstatus)

      Hier ist der Link dazu. Und es geht mir um die Hand 2 in dem Video.

      kurze Handbeschreibung:
      Fullring, Hero defendet BB mit T:c9 vs CO.

      Flop ist J:h9:s6 - Hero hält midpair+BDFD+BDSD
      Action: Hero c/r, CO 3bettet -> Wishmaster setzt ihn häufig auf Overcards die for freecard raisen -> Hero cappt

      Turn: A
      Action: Hero bettet (was ich persönlich schon dünn finde, weil das Ace einen sehr großen Teil seiner Flop-3betting-Range hilft) und kassiert einen Raise, worauf Wishmaster dann meint, Hero wäre beat und könnte beruhigt folden.

      Wenn wir aber davon ausgehen, dass Villain mit seiner Flop-3bet häufig Overcards repräsentiert, dann hat ihm das Ace am Turn natürlich oft ein Toppair gemacht. Allerdings viel öfter nur ein Toppair als ein 2-Pair. Und Hero bekommt nach dem Raise PotOdds von 9:1. Wieso ist das dann scheinbar für viele ein glasklarer Fold? Selbst wenn Hero sich statt 5 nur 4 Outs auf 2-Pair gibt, kann er doch noch einmal callen.
  • 1 Antwort
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Ich sehe dieses Beispiel ebenfalls etwas kritisch, weil es die Aussagen ohne konkrete Reads auf den Gegner trifft. Bei einem unbekannten Gegner gehe ich von vielen Möglichkeiten aus und ich möchte ihn ungern auf eine enge Range bei einer bestimmten Linie eingrenzen.

      Das Video ist knapp 4 Jahre alt. Eine Zeit lang waren diese cheap Showdown Raises sehr beliebt. Die Idee des Raisers in Position ist, auf dem Weg zum Showdown 1 SB zu sparen, in dem man eine BB am Turn oder River gegen eine SB am Flop tauscht. Da man ausserdem mit einem Call des Checkraises am Flop und einem Raise am Turn mehr Geld in den Pot bekommt als mit einer 3-bet am Flop, und es daher für eine made Hand besser wäre, mit dem Move bis zum Turn zu warten, wurde die Regel abgeleitet, dass 3-Bets am Flop grundsätzlich eher schwach sind. Ich bin nicht so sicher, ob diese Linie heute immer noch so beliebt ist. Inzwischen wissen viele, was Balancing ist.

      Im Grunde handelt es sich um eine Abwandlung von Yetis Theorem, nach dem eine 3-bet am Flop in Position auf einem gepaarten Board immer ein Bluff ist. Die Trips würden stattdessen gecallt, um sie auf dem Turn oder River zu raisen. Sonderlich zutreffend war dieses Theorem nie, denn gute Spieler balancieren ihre Linien. Wer mit schwachen Händen in einer bestimmten Linie stark spielt, sollte auch viele starke Hände mit der gleichen Linie spielen.

      Jedoch gibt es bei dieser Boardstruktur auch viele Draws, die der Gegner haben kann und die er tatsächlich für free Card, Fold Equity oder Showdownvalue spielen kann. In Position hat er je nach Turnkarte die Wahl. In den Sinn kommt vor allem QT, KQ und KT, die in der Range des Gegners liegen. Insbesondere mit KQ und KT ist der Gegner noch oft vorne gegen Draws von Hero. Der hat noch eine Menge mehr Straight Draws in seiner Range, da auch zwischen 9 und 6 Draws möglich sind. Villains Draws würden auf dem Turn nicht folden, da der Pot dafür zu gross wird (ausserdem sind es ziemlich gute Draws), sie verbessern aber Heros Equity, denn gegen diese Draws ist er vorne.

      Ein Problem ist, dass das Ass den Gegner dazu verleiten könnte, seine Draws auf dem Turn noch einmal als Semibluff/ für free Showdown zu raisen, da das Ass eine Angstkarte ist, die Hero selten hat. KQ/KT hat definitiv noch Showdownvalue, da sich viele Draws in Heros Range befinden. Was immer Hero auf dem Flop checkraist und cappt, ein Ass wird es selten sein. Insbesondere trifft keiner von Heros guten Draws das Ass. So klar beat ist Hero nicht und der Pot ist bei 9:1 Pot Odds schon richtig gross.

      Rangebetrachtung:
      Selbst wenn der Gegner alles raist, was 2 Overcards oder Gutshot + Overcard oder besser ist, ist Hero nur break even. Lässt der Gegner nur ein paar unverbesserte Asse weg, kommt Hero schnell in Nachteil.

      Flop: Villain 3-bettet mid Pair und besser, Gutshot + Overcards und besser oder 2 Overcards.

      Board: J:heart: 9:spade: 6:club:
             Equity     Win     Tie
      CO     49.11%  48.64%   0.47% { 99+, 66, A8s+, K9s+, Q9s+, J9s+, 87s, A8o+, KTo+, QTo+, JTo }
      BB     50.89%  50.43%   0.47% { Tc9c }


      Man braucht für den Move definitiv den Read, dass der Gegner seine Range mit der 3-bet splittet und dass er den schlechteren Teil 3-bettet, während er den besseren Teil am Turn raist. Ohne Read funktioniert es nicht. Eine bessere Hand (top Paar) könnte man jedoch cappen, weil man gegen die Range des Gegners im Vorteil sein wird.

      Turn vor Raise: Hero hat ein dickes Problem, wenn seine Annahmen über die Floprange des Gegners stimmen.

      Board: J:heart: 9:spade: 6:club:  A:spade:
             Equity     Win     Tie
      CO     73.33%  73.16%   0.16% { 99+, 66, A8s+, K9s+, Q9s+, J9s+, 87s, A8o+, KTo+, QTo+, JTo }
      BB     26.67%  26.51%   0.16% { Tc9c }

      Im wesentlichen ist die Bet ein Bluff, bei dem Hero hofft, ein paar Hände zum folden zu bringen. Sonst ergibt die Bet keinen Sinn. Hero hat auf Grund der Potgrösse die Equity für einen Calldown.

      Turn nach Raise: Gegner raist top Paar oder besser und alle seine Draws.

      Board: J:heart: 9:spade: 6:club:  A:spade:
             Equity     Win     Tie
      CO     65.73%  65.73%   0.00% { AA, JJ, 99, 66, A8s+, KQs, KTs, QTs, J9s, 87s, A8o+, KQo, KTo, QTo }
      BB     34.27%  34.27%   0.00% { Tc9c }

      Da Heros Equity sogar besser geworden ist, kann er nicht folden.