Gantoris

    • Gantoris
      Gantoris
      Bronze
      Dabei seit: 08.02.2008 Beiträge: 829
      Hallo, Ich würde gerne meinen NL5 SH Graphen von Break-Even in den positiven Bereich pushen! :)

      Zu mir: Ich bin 27 Jahre alt und schreibe zur Zeit meinen Doktorarbeit in Astrophysik. Pokern sehe ich als entspannte Abwechslung/Zerstreuung als auch als Herausforderung aus spieltheoretischer Sicht an, aber dazu mehr in den Hausaufgaben der Lektion 1.

      Bisher habe ich hauptsächlich NL5 SH auf FullTilt gespielt, seit dem die Seite jedoch Down ist spiele ich nun ungetracked :( auf PokerStars, da ich mit der Software von ongame/ipoker einfach nicht klar komme. (das erklärt dementsprechend auch mein Bronze-Fish dasein). Angefangen habe ich dort mit 50$ aus denen durch NL2 SH innerhalb von 2 Wochen 125$ wurden. Seit dem spiele ich nun NL5 SH, wobei ich jedoch wie gesagt break-even bin, was für die Micros natürlich alles andere als toll ist...
  • 4 Antworten
    • Pascal
      Pascal
      Bronze
      Dabei seit: 11.01.2011 Beiträge: 875
      Hi Gantoris,

      ehrbare Ziele und denke die No Limit Anfänger Schule ist dafür genau der richtige Weg =)
      natürlich ein bisschen Mitarbeit vorausgesetzt :coolface:

      Wünsch dir auf jeden Fall viel Spass und viel Erfolg,

      Pascal
    • Gantoris
      Gantoris
      Bronze
      Dabei seit: 08.02.2008 Beiträge: 829
      NL Anfängerkurs, Lektion 1: Hausaufgaben

      Frage 1: Aus welchen Gründen spielst du Poker?
      Mich als Naturwissenschaftler (Physiker) reizt vor allem die mathematisch-statistische Komponente des Spiels:
      Im Allgemeinen spielt man immer gegen einen Bereich (=Range) von Händen die der Gegenspieler in einer bestimmten Situation halten kann. Aufgrund aller vorhandenen Informationen (Position, Setz-Verhalten, Tells, ...) wird dieser Bereich dann immer weiter eingeschränkt. Man könnte hier Parallelen zu der Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Quantenmechanik ziehen, der wahre Zustand eines Systems (=gegnerische Hand) ist nicht festzustellen, sondern nur die Wahrscheinlichkeit zu welcher dieser gemessen wird. Die eigene Handlung/Entscheidung richtet sich nun nach dem Prinzip der Maximierung des Erwartungswerts (=EV) welche meine Hand gegen diese "Wahrscheinlichkeitswolke" besitzt.

      Des weiteren liebe Ich den daraus folgenden psychologischen Aspekt:
      Genau wie ich spielt ein (mitdenkender) Gegner auch gegen einen Wahrscheinlichkeitsbereich von Händen welche ich halten kann... haben beide dieses System in den Grundzügen verstanden dann fängt hier der psychologische Tanz auf dem Hochseil an: Was denkt er was ich denke was er denkt... u.s.w. Beim Live-Poker hat man darüber hinaus sehr viel mehr Möglichkeiten dieses mit entsprechender Mimik/Gestik zu beeinflussen, auch wenn die meisten (mich eingeschlossen) dabei wohl unglaublich schlechte Schauspieler sind.

      Das Verdienen von Geld bringt mir hingegen nur wenig bis kaum einen Anreiz, da ich realistisch auf den Micro-Limits keine großen Gewinne erwarte. (Höhere Limits (ab NL100) traue ich mir in absehbarer Zeit kaum zu, aber "never say never..." ;) )
      Ich sehe das Geld eher als obligatorische Prämisse, quasi den materialistischen "advocatus diaboli" des Spiels: Ohne Ihn würden die Mitspieler nur mit Spielchips um sich werfen und sich keine Gedanken um "Ranges", "EV" und "lines" machen. Es ist der Hauptverursacher von positiven (Euphorie, Bestätigung, "Glück"(!?)) und negativen (Anspannung, Enttäuschung, Tilt) Auswirkungen auf die menschliche Psyche und macht somit Pokern erst zu dem was es ist.

      Und "Last but not least": Es ist faszinierend eine Spiel zu spielen dessen Grundregeln in ca. 5 min von so gut wie jedem verstanden werden können und welches dennoch so viele tiefgründige Aspekte des menschlichen Daseins und seiner Psyche tangiert (s.o.).


      Frage 2: Was sind deine Schwächen beim Poker?
      Oft spiele ich aus reiner Langeweile einfach zu viele Tische, momentan habe ich mich an 6 shorthanded Tische "gewöhnt", merke jedoch dass ich Konzepte und Überlegungen sehr viel schlechter umsetzen kann wenn es dann mal an mehreren Tischen zu Action kommt.

      Außerdem habe ich wohl ein kleines Top-Range-Syndrom: Ich sehe oft bei einem gegnerischem Raise oder Call nur noch Sets/Monster bei den Gegnern, wodurch ich wohl vor allem am River sehr viel Value liegen lasse (Stichwort: Checkbehind). Dies bedeutet dass es mir sehr schwer fällt in konkreten Ranges zu denken und ich somit sehr schwer meine tatsächliche Equity abschätzen kann.

      Und zu guter Letzt: Tilt! Auch wenn ich mich in der Hinsicht schon ein wenig gebessert habe merke ich wie ich bei mehreren verlorenen Stacks (auch wenn die entsprechenden Hände korrekt gespielt wurden) einfach "heiß-laufe". Mir fällt es sehr schwer danach konzentriert und Ergebnis-unorientiert weiter-zuspielen. Dies ist vor allem bei Live-Cash-Game Runden der Fall, wenn man direkt noch die "Reaktionen" des Gegenüber miterleben darf... Ich hoffe also mein Mindset besser vom tatsächlichen Ergebnis lösen zu können.


      Frage 3: Was heißt es, tight-aggressiv zu spielen?

      Tight:
      Anstatt mit vielen möglichen Start-Händen beteiligt man sich nur mit wenigen (und besseren) am Spiel.

      Vorteil:
      1. Dies führt dazu dass man im Durchschnitt eine bessere/stärkere Range als die des Gegner besitzt und man somit systematisch im Vorteil ist.
      2. Außerdem werden einem dadurch oft postflop-Entscheidungen vereinfacht da man meist besser die eigene Handstärke einschätzen und relativieren kann.
      3. Ein indirekter Vorteil ergibt auch dadurch, dass durch das Spielen weniger Hände auch weniger eigener absoluter(!) Rake erzeugt wird, wohingegen das Rakeback oft (zB bei PokerStars) mit der sog. "dealt"-Methode berechnet wird, also für alle Spieler welche Karten bekommen haben gleich ist.


      Aggressiv:
      Aktive Handlungen (setzen und erhöhen) werden im allgemeinen den passiven (checken, callen) vorgezogen.

      Vorteil:
      1. Durch das aktive Vorgehen erzwingt man Reaktionen und vor allem Fehler(!) des Gegners. Die Reaktion auf das eigene aktive Handeln dient direkt dem Informationsgewinn und damit zur Einengung der gegnerischen Range, wodurch wiederum die eigene Handstärke (=Equity) besser abgeschätzt werden kann. Ein passives Verhalten bedeutet oft kaum oder nur wenig Informationsgewinn über die gegnerische Range.
      2. Durch aktives Handeln ermöglichen wir erst mögliche gegnerische Fehler (ungünstige Draws, tighte Folds). Dadurch bekommen wir Value von schlechten Händen und können ab und zu bessere zum Folden bringen.
      3. Man kann selber bestimmen wie und ob man den Pott-aufbaut oder klein-hält anstatt die Entscheidung dem Gegenspieler zu überlassen.


      Zusammenfassend: Tight-Aggresiv:
      Nur wenige (und im Schnitt bessere) Hände werden gespielt, diese aber oft durch die eigene Initiative aktiv geleitet und dadurch besser kontrolliert. Ein guter Spieler weiß in jeder Situation warum er welche Entscheidung trifft und kann diese fundiert(!) mit dem Prinzip der EV-Maximierung begründen. Der sog. TAG-Style ist dabei die sicherste/solideste/einfachste Methode um sich einen Vorteil über seine Mitspieler zu verschaffen.
    • Gantoris
      Gantoris
      Bronze
      Dabei seit: 08.02.2008 Beiträge: 829
      - Platzhalter -
    • CKWebsolutions
      CKWebsolutions
      Bronze
      Dabei seit: 30.04.2007 Beiträge: 2.171
      Hi!

      Sorry für die späte Rückmeldung, dafür jetzt umso ausführlicher.

      1) Du gehst die Sache ja richtig wissenschaftlich an :-)
      Mit diesen Voraussetzungen wirst du auf jeden Fall kein Problem haben, die Kursinhalte zu verstehen und umzusetzen.
      Dass Geld für dich nur eine untergeordnete Rolle spielt ist löblich anzuerkennen - du machst dir keine falschen Hoffnungen und siehst die Sache realistisch. Beste Voraussetzungen also!

      2) An den ersten beiden Punkten kannst du problemlos arbeiten, die Erkenntnis der Probleme bringt dich da schon ein großes Stück weiter. Schreib dir das Ganze auf ein PostIt und kleb es an den Bildschirmrand. Mit dieser ständigen Erinnerung lassen sich die Vorhaben (weniger Tische, realistischere Range-Einschätzung) auch besser umsetzen und du verfällst weniger leicht in den gewohnten Trott.

      Was das Tilt-Problem betrifft, gibt es kein Standardrezept. Eine relativ einfache Möglichkeit wäre, einfach die Session zu beenden, wenn du glaubst, nicht mehr optimal zu spielen. Nach einer kleinen Auszeit zum Abreagieren kann es weitergehen, voll konzentriert und bei der Sache.
      Irgendwann wird sich die Situation dann bessern und du wirst nciht mehr so heftig auf die negativen Situationen reagieren.

      3) Wow, diese Ausarbeitung ist spitze! Nichts hinzuzufügen.