Darf, soll, muss oder kann die deutsche Sprache sich verändern?

    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.682
      Jeder kennt es und die meisten hassen es:

      "Ey, gehst du Bushof oder gehst du Schule, Alda?!" Wer mag schon die Leute, die so sprechen geschweige diese Sprache ansich? Es gibt aber auch weniger krasse Fälle:

      "Jo, den Film hatte ich gestern gesehen gehabt!"
      "Das ist dem Sebi sein Auto!"
      "Wegen dem schlechten Wetter bin ich nicht Fußball spielen gegangen."
      "Zum Abschied habe ich noch gewunken."
      "der einzigste, der hier komisch redet bist du!"
      "Die A3 ist die vielbefahrenste Autobahn Deutschlands!"
      "nachdem ich die Wäsche aufgehangen hatte, bin ich ein Eis essen gegangen!"

      Die wenigesten finden in jedem Satz den Fehler und wenn nur nach genauem hinehen und fast keiner spricht fehlerlos. Sprache hat sich immer schon verändert. Wer möchte heute noch so sprechen wie vor 300 Jahren? Wer möchte Englisch reden wie zu Shakespears Zeiten (übrigens nicht "Shakespear's Zeiten")?
      Wir fordern von Ausländern, dass sie unsere Sprache lernen. Aber vergeht einem nicht verständlicherweise die Lust, wenn man hört "die Lampe, der Tisch, das Fenster" und man keine Ahnung hat und auch keine Begründung geliefert bekommt, warum es einmal der, einmal die und beim nächsten mal das heißt? Ist es nicht einfacher den Artikel wegzulassen? Wozu braucht man ihn? Ich habe 8 Monate in Kambodscha gelebt und die Sprache gelernt. Dort wird weder konjugiert noch dekliniert noch Tempuus (oder Tempi oder Tempen?) benutzt (oder benützt?). ein Satz sieht da folgender Maßen aus: "Gestern ich gehe mit Mutter-ich Schule". Versteht man doch auch. Wer sagt denn heute noch "ich ginge zur Schule, wenn du mir mein Buch gäbest!"? Der Konjunktiv I ist bei den meisten doch auch schon ausgestorben und bis auf so ein paar altmodische Typen wie mich stört es niemanden. Was ist aktzeptabel was verwerflich?
  • 90 Antworten
    • Th0m4sBC
      Th0m4sBC
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2006 Beiträge: 7.550
      Soll ich machen dich Krankenhaus, oder wat? :f_confused:
    • belze
      belze
      Bronze
      Dabei seit: 27.05.2005 Beiträge: 3.800
      Natürlich darf sich eine Sprache verändern.

      Wer allerdings nicht bei jedem deiner Beispielsätze (ich würde gewunken/gewinkt mal davon ausnehmen, weil das im Gegensatz zu den übrigen Sätzen wirklich eher eine "Entwicklung" als ein Fehler ist) nicht sofort kotzen könnte kann einfach kein Deutsch.

      Ich bin stolz darauf, "gutes Deutsch" zu reden. Würde ich auch in einem Vorstellungsgespräch als Stärke nennen, falls diese ausgelutschte Frage tatsächlich mal gestellt werden sollte. Wegen dem/des ist wohl das einzige aus deiner Liste, das mir auch passieren könnte bzw. sage ich das teilweise absichtlich. Ich weiß, dass der Genitiv richtig ist, aber es klingt oft irgendwie hochgestochen.

      "Das einzigste" geht gar nicht. Der richtige Gebrauch von "als/wie" ist genauso wichtig. Aber woher sollen die Blagen es auch lernen wenn die Privatsender nur irgendwelche Vollspaten wie Heidi Klum im Angebot haben, deren Sprachverständnis nicht sonderlich ausgeprägt ist.

      Und das hat nichts mit "wie vor 300 Jahren" zu tun.

      Und gleich wird irgendein Fehler in meinem Text gefunden und jemand wird mich flamen :)
    • DarthAce
      DarthAce
      Bronze
      Dabei seit: 01.04.2006 Beiträge: 3.263
      ...
    • 00aarononaces00
      00aarononaces00
      Bronze
      Dabei seit: 21.07.2009 Beiträge: 957
      Sprache ist, wenn einander verstanden wird.
    • dontplotzthehotz
      dontplotzthehotz
      Bronze
      Dabei seit: 25.02.2011 Beiträge: 21.481
      So ein Blödsinn.

      Die Sprache auf die du dich beziehst kann sich obv. ändern, deshalb die Rechtschreibung der Sprache anpassen ist aber lächerlich.
    • Dustwalker
      Dustwalker
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2006 Beiträge: 5.541
      Er, in desem Thread ich schreibe, ist ein Horst.

      Sicherlich darf und kann sich eine Sprach verändern - soll und muss nicht, passiert eh von allein. Jede einzelne Generation verändert die Sprache, vollkommen normal. Aber das wußtest du eh schon.

      Zu dem Kambotscha Bsp.; schön, wieviele kamotschanische Dichter kennst du oder kennt auch nur irgendwer auf dieser Welt? Bei deutschen sinds wohl ein paar mehr, auch im Ausland. Rate mal warum das so ist. Eben weil die deutsche Sprache soviele Formen hat und zuläßt. Niemand zwingt dich sie zu benutzen, aber sie zu haben schadet nun auch nicht.


      wobei....


      Er Blick gehen vorbei Stab viele
      muede nun, nix halten
      Er nur viele Stab
      und nix Welt

      Gehen Katze, stark Fuss
      gehen Kreis klein
      stark Tanz Kreis
      muede Kopf.

      Manchmal Auge auf
      leise kommt Bild
      durch Körper leise
      Herz aus - tot.


      Stimmt, gleile Sprache.
    • Khrano
      Khrano
      Bronze
      Dabei seit: 20.06.2009 Beiträge: 25.581
      Original von Dustwalker

      Zu dem Kambotscha Bsp.; schön, wieviele kamotschanische Dichter kennst du oder kennt auch nur irgendwer auf dieser Welt? Bei deutschen sinds wohl ein paar mehr, auch im Ausland. Rate mal warum das so ist. Eben weil die deutsche Sprache soviele Formen hat und zuläßt. Niemand zwingt dich sie zu benutzen, aber sie zu haben schadet nun auch nicht.
      Das Argument hinkt leider gewaltig, weil die deutschen Dichter nicht nur wegen ihrer Sprache, sondern auch mit der Ausdehnung des Deutschen Einfluss' zusammenhängt.

      Nur, weil du keine kombotschanische Dichter kennst, heißt es ja nicht, dass es keine. Wenn dein Argument sich allein auf die Vielfältigkeit der deutschen Sprache gibt, dann sollte eine Sprache wir Russisch ja noch viel mehr wunderbare Dichter in die Welt gebracht haben. Bei meisten hört die Kenntnis der russischen Literatur, wenn überhaupt vorhanden, bei Puschkin auf.

      Ich spreche selbst gerne richtig. Das Einzige, Konjunktiv II und alte Präteritumformen (buk/backte).
      Weiß aber auch, dass viele das einfach für abehoben, versnobbt und vielleicht eingebildet halten. Kann also auch einfach mal Dialekt sprechen, ohne dabei krass die deutsch Grammatik zu verdrehen. Geht ja auch ohne.

      Obwohl ich mich dabei erwischte, dass als mich mein Bruder fragte, ob das Auto verplant sei, ich mit: "Ich nicht." antwortet. Hat mich n bisschen geflasht in der Sitution.

      Sprache kann sich wandeln: Ja.
      Das heißt aber nicht, dass man jeden Dialekt, jede Mundart und jeden Slang und Anglizismus direkt übernehmen muss.

      Wo wir im anderen Thread auch über die ausländischen Begriffe geredet haben: Gnocco, Spaghetto, Mafioso, etc. Mir ist es eigentlich ziemlich egal, ob die Leute Spaghetti oder Spaghettis sagen. Aber es ist doch manchmal schön zu wissen, dass es eben anders ist und manchmal sicherlich auch ganz amüsant.



      Der Plural von Tempus ist übrigens Tempora. ;)
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.682
      Original von belze
      Der richtige Gebrauch von "als/wie" ist genauso wichtig. Aber woher sollen die Blagen es auch lernen wenn die Privatsender nur irgendwelche Vollspaten wie Heidi Klum im Angebot haben, deren Sprachverständnis nicht sonderlich ausgeprägt ist.
      Gut, dass du das noch ansprichst. Ist auch eins meiner Lieblingsthemen. das Schlimme: Man liest es mittlerweile in Zeitungen (okay, in der Bild bei dem fetten TechFreak), aber auch in Magazinen und sonst wo. Es gibt viele Regionen (Köln, Hessen, ...) in denen das eben besser ist (als) wie normaler komparativ.

      Aber es versteht doch jeder und wie gesagt. Auch heute gibt es Formen, die ausgestorben sind, die damals noch benutzt wurden (das Gleiche und das Selbe fällt mir leider nur gerade ein. Aber seyen oder sowat gabs doch auch. Ist jetzt womöglich nur eine Frage der Rechtsschreibung. Aber der Pluralis Majestatis z.B: Könnte natürlich auch daran liegen, dass wir keinen König mehr haben - außer J. Drews). Oder von sich selbst in der 3. Person Singular reden.

      Obwohl ich mich dabei erwischte, dass als mich mein Bruder frug, ob das Auto verplant sei, ich mit: "Ich nicht." antwortet. Hat mich n bisschen geflasht in der Sitution.


      FYP

      P.S. Es heißt Kamodscha mit "D"

      Der Plural von Tempus ist übrigens Tempora. Augenzwinkern


      Danke!
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.682
      Ach so, und nochmal zu den Fremdwörtern:

      Wie gesagt, ich kann weder Französisch, noch Italienisch. Mit meinem Latein bin ich meistens am Ende (Latinum mit ausrecihend) und daher finde ich es nicht verwerflich, wenn man nicht den korrekten ausländischen Plural/Singular bilden kann (wie heißt das Fachwort dafür eigentlich?).
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.682
      Aber nochmal zu den Ausländern: Wäre es nicht schön, es würden mehr Ausländer Deutsch sprechen?
    • DerExec
      DerExec
      Bronze
      Dabei seit: 05.10.2007 Beiträge: 12.531
      Original von wuerstchenwilli
      Aber nochmal zu den Ausländern: Wäre es nicht schön, es würden mehr Ausländer Deutsch sprechen?
      Was genau willst du überhaupt?
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.682
      Ich will wissen, ob meine Einstellung zur Deutschen Sprache, nämlich alle ihre Facetten aufrecht zu erhalten, lohnen- und lobenswert sind. Soll ich mich weiter über Kinder aufregen und sie korrigieren, wenn sie sagen: "ich bin schneller wie du!" oder soll ich es einfach hinnehmen, dass sich die Sprache wandelt und dass das auch gut so ist.

      Ich habe zwei Töchter, 6 Monate und 2,5 Jahre. Sie wachsen in einem Umfeld auf, in dem ausschließlich "größer wie..." "dem sein Auto" und "gegessen gehabt" gesagt wird. Kann ich dagegen erfolgreich ankämpfen? Lohnt es sich?
    • Rubnik
      Rubnik
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2006 Beiträge: 10.301
      Original von wuerstchenwilli
      Ach so, und nochmal zu den Fremdwörtern:

      Wie gesagt, ich kann weder Französisch, noch Italienisch. Mit meinem Latein bin ich meistens am Ende (Latinum mit ausrecihend) und daher finde ich es nicht verwerflich, wenn man nicht den korrekten ausländischen Plural/Singular bilden kann (wie heißt das Fachwort dafür eigentlich?).
      wenn Du das FW für den Grad der Vielzahligkeit meinst: numerus afaik

      ansonsten ist mir atm auch nicht klar, worauf Du eigentlich hinaus willst ?(

      Zu der Frage, ob sich Sprache verändern darf/soll: klares jein von mir.
    • Rubnik
      Rubnik
      Bronze
      Dabei seit: 12.02.2006 Beiträge: 10.301
      Original von wuerstchenwilli
      Ich will wissen, ob meine Einstellung zur Deutschen Sprache, nämlich alle ihre Facetten aufrecht zu erhalten, lohnen- und lobenswert sind. Soll ich mich weiter über Kinder aufregen und sie korrigieren, wenn sie sagen: "ich bin schneller wie du!" oder soll ich es einfach hinnehmen, dass sich die Sprache wandelt und dass das auch gut so ist.
      hmm ok, wenn du alle Facetten aufrecht erhalten willst solltest Du die Kinder nicht korrigieren. Das wurde nämlich früher auch schon gesagt.
    • DerExec
      DerExec
      Bronze
      Dabei seit: 05.10.2007 Beiträge: 12.531
      Sehe den Zusammenhang zu den Ausländern nicht ganz, deshalb die Nachfrage.

      Ich achte - soweit es angebracht ist - schon auf meine Sprache. Im Dialog jemanden zu korrigieren ist schon sehr ... hansig ;)

      Persönlich hasse ich geschäftliche E-Mails, die dahergerotzt erscheinen :rage:


      Ich finde den allgemeinen "Verfall der Sprache" auch nicht gut, aber was soll's. Ich kann ja nur versuchen mein bestes zu geben.
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.682
      Original von Rubnik


      hmm ok, wenn du alle Facetten aufrecht erhalten willst solltest Du die Kinder nicht korrigieren. Das wurde nämlich früher auch schon gesagt.
      Aber die Facette "größer als" wird dann imo aussterben, da "größer wie" ganz fett auf dem Vormarsch ist.
    • Khrano
      Khrano
      Bronze
      Dabei seit: 20.06.2009 Beiträge: 25.581
      Original von DerExec
      Original von wuerstchenwilli
      Aber nochmal zu den Ausländern: Wäre es nicht schön, es würden mehr Ausländer Deutsch sprechen?
      Was genau willst du überhaupt?
      Jeder der mal eine neue Sprache außerhalb der Schule gelernt hat und damit in einem andern Land überlebe musste weiß, wie schwer es ist eine neue perfekt oder überhaupt akzeptabel zu lernen.

      Man kann von keinem Migranten in Deutschland verlangen, dass nach Deutschland kommt und innerhalb von 5 Jahren akzentfrei und fließend Deutsch spricht.
      Aber ich finde man sollte verlangen, dass Kinder, deren Familien in der 3. Generation in Deutschland leben, keine Probleme mit der deutschen Sprache haben. Damit meine ich übrigens nicht also und wie vertauschen.

      Aber wenn man das thematisieren will, dann muss man über Integration sprechen und das geht völlig am Thread vorbei.

      Ironischerweise bin ich im Deutschen fast ein Sprachnazi. Im Englisch, was ich auch fließend spreche, benutze ich viele sinnbildliche Ausdrücke und Slangwörter. Also das komplette Gegenteil.

      Singular ist übrigens in Numerus und Singular und Plural sind Numeri. ;)
    • RealBESS
      RealBESS
      Gold
      Dabei seit: 10.08.2007 Beiträge: 442
      Als ehemaliger Germanist habe ich gelernt: Sprache ist, wie sie praktiziert wird. Es handelt sich um ein höchst dynamisches System, das ständigen Wandel unterliegt. Wir versuchen nur sie in eine Systematik zu pressen. Es gibt kein richtig und falsch, nur im Auge des Betrachters.
    • ETBrooD
      ETBrooD
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2009 Beiträge: 2.421
      "Wegen dem schlechten Wetter bin ich nicht Fußball spielen gegangen."

      Der Satz ist grammatikalisch korrekt.
      "bin (nicht) Fußball spielen gegangen" -> "bin spielen gegangen".

      Man könnte auch sagen "... bin ich nicht gegangen, um Fußball zu spielen."