Systematische Einsteiger-Fehler beim Limit-Aufstieg

    • wok64
      wok64
      Bronze
      Dabei seit: 25.01.2006 Beiträge: 78
      Hallo,

      ich bin Einsteiger und stehe gerade vor dem Wechsel auf das 0.5/1 Limit. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich bei jedem Limit-Wechsel immer wieder dieselben - teilweise schmerzlichen - Fehler begehe.

      Hauptübel ist aus meiner Sicht, in Geldbeträgen zu denken und nicht - wie von etlichen Lehrbüchern gepredigt - in (big) bets. Das führt bei mir beim Limit-Aufstieg zu folgenden systematischen Problemen:

      a) ßberschätzen des einzuzahlenden Geldbetrags
      b) ßberschätzen des möglichen Gewinns (Pot)

      Dazu kommt noch als weiteres Problem:
      c) Ungenügende Vorbereitung auf short-handed bzw. heads-up Situationen
      d) Ungenügende bzw. unkritische Analyse der eigenen Spielweise

      Zu a) Konsequenz ist ein zu tightes und zu passives Spiel:

      - Preflop scheut man sich mit marginalen Händen wie kleinen Paaren oder suited connectors einzusteigen, auch dann wenn die Voraussetzungen dafür optimal sind.

      - Postflop schaltet man lieber auf check/call um, anstatt z.B. for value zu betten oder zu raisen, bzw. die Hand zu schützen.

      - Zu frühes folden aussichtsreicher Hände, weil man dem Gegner evtl. zu viel glaubt.

      Zu b) Führt in den falschen Momenten zu zu aggressivem Spiel

      - Gerade wenn man längere Zeit auf einem tieferen Level gespielt hat, hat man ein Gefühl dafür entwickelt, ob man in bestimmten Situationen mit einer Hand genügend pot-odds hat. Dieses Gefühl leitet einen aber nach dem Limit-Wechsel in die Irre, wenn man in Geldbeträgen denkt und nicht in Bets. Man neigt dann dazu mit einer drawing hand im Spiel zu bleiben, obwohl man nicht genügend outs hat.

      - Wenn der Pot sehr groß wird, besteht die Gefahr "hineingesogen" zu werden. In Bets ist der maximale Pot natürlich auf jedem Limit genau gleich groß, wenn man aber in $ denkt, ist der Faktor 2 gewaltig. Besonders in Verbindung mit dem im letzten Punkt angeführten "Gefühlsfaktor" kann das fatale Folgen bis hin zum völligen Verlust der rationalen Urteilsfähigkeit haben. Wenn man dann - wie mir geschehen - mit AK in die Mühle zwischen zwei Maniacs gerät, findet man sich plötzlich mit Highcard A im Showdown wieder und hat dabei insgesamt 6 mal 2 bets ohne hinreichende pot odds gecalled. Immerhin bleibt einem dann - außer dem Titel des "Königs der Fische" - eine für immer in der Erinnerung haftende Erfahrung, die möglicherweise ähnliche Fehler in Zukunft verhindert und damit eventuell sogar die 12 BB wert ist.

      c) Mit jedem Limit-Aufstieg steigt der Prozentsatz der short-handed bzw. heads-up Situationen, in denen man sich wiederfindet. Das ist sogar auf den Microlimits klar zu bemerken. Entsprechend wichtig ist es, sich theoretisch darauf vorzubereiten, ansonsten lässt man zu viel Geld liegen. Ein Level nachhaltig zu schlagen bedeutet eben nicht, dass man nun auf dem nächsten Level genauso weiterspielen kann, wie bisher.

      d) Wozu, man hat doch Erfolg ? :-)

      Trotz der Mängel in der eigenen Spielweise, hat man den Limit-Aufstieg geschafft. Da einem aber auf dem höheren Limit die Gegner in der Regel nicht so viele bets "hinterherwerfen", zählen die bets, die man durch eigene Unzulänglichkeiten unnötig verliert schwerer, als auf dem tieferen Limit. Wenn man es unterlässt konsequent die eigene Spielweise kritisch zu hinterfragen, wird man es auf dem höheren Limit schwer haben.

      Mein Fazit aus alledem:

      - Lernen in bets zu denken und nicht in $ - machmal haben Lehrbücher eben doch recht :-)

      - Raus aus dem "Autoplayer Modus". Es ist gut ein "Gefühl für Situationen" zu entwickeln, wenn sich die Voraussetzungen ändern, kann das aber auch sehr schädlich sein. Also wieder zurück zur konsequenten Berechnung von pot-odds bei drawing hands.

      - Verbesserung der short-handed / heads-up Fähigkeiten

      - "Reich wird man nicht durch das Geld das man einnimmt, sondern durch das, das man nicht ausgibt" (schwäbisches Sprichwort)
      Konsequent weiter nach den Lücken in der eigenen Spielweise suchen, die einen Geld kosten. Je höher das Level, umso teurer werden die Fehler und umso schwerer gewinnt man dieses Geld wieder zurück.

      Es würde mich freuen, wenn ich dem ein oder anderen Community Mitglied mit diesem Beitrag beim Limit-Aufstieg geholfen hätte. Erfahrungen anderer beim Aufstieg in Limits interessieren mich sehr.

      wok64


      P.S.: Es wäre auch interessant zu hören, ob beim Limit-Abstieg evtl. die umgekehrten Effekte zu beobachten sind.
  • 2 Antworten
    • Schelkx
      Schelkx
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2005 Beiträge: 547
      hey, das ist ein genialer Text. Du sprichst mir genau aus der Seele. Ich hatte genau das gleiche Problem bei meinen Limitaufstiegen. Ich hatte nie ein Problem mit SH, da ich auch auf den Micro-Limits immer leere Tische gesucht habe und sobald sie voll waren in der Regel wieder aufgestanden bin. Aber das mit dem Geld kann ich 100% unterschreiben. Ich habe jetzt eine BR von knapp 700$ und will den Aufstieg auf 1/2 noch nicht vollziehen, da ich das 0.5/1 Limit in 3000 Händen mit 400BB geschlagen habe. Ich meine das ist ein riesen Upswing und ich möchte mein Spiel noch weiter festigen. Deshalb warte ich mit dem Aufstieg, denn ich kann es immernoch nur schlecht ertragen bei einere Hand über 10$ zu verlieren.
      Ich denke, dass je mehr Händer du auf einem Limit gespielt hast, umso einfacher wird es für dich nicht mehr in $, sondern in BB's zu denken. Ich habe immer so ca. 500-1000 Hände gebraucht, bis mir der Betrag nichts mehr ausgemacht hat und ich mich nach meiner Auslegung normal verhalten habe. Nimmt mich wunder wie ich den Schritt auf 1/2 packen werde. Ich wünsche dir Glück für die weiteren Limitaufstiege.

      MFG Marc
    • TheMarl
      TheMarl
      Bronze
      Dabei seit: 06.02.2006 Beiträge: 902
      Der Text ist echt klasse, sind viele Fehler bei die ich gemacht habe und z.T. auch noch mache (die mir auch nicht wirklich bewusst sind, bis gerade).