Wie lerne ich aus meinen Fehlern?

    • ribpoker
      ribpoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 341
      Hier einige pokerrelevante Infos zu mir / meiner bisherigen "Karriere":

      Spiele seit ca. 5 Jahren vorwiegend FL SH und SNG (meist Turbos) auf Party und früher FTP (inklusive Rush).
      Spiele meist ein halbes Jahr relativ regelmäßig so um die 1000 Hd/Woche, dann pausiere ich mal wieder ein halbes Jahr oder Jahr und dann geht es wieder von vorne los...

      Meine BR (leider überwiegend bei FT "geparkt") ist im niedrigen vierstelligen Bereich und dort seit langem stagnierend bis fallend.

      Ich schätze mal, dass ich loosing player bin und meine winnings durch bonus whoring und rakeback stammen, an den Tischen selbst habe ich über die letzten 100 k Hände wohl sowas wie -0,1 bis -0,5 BB/100 auf den Limits 0,25/0,5 bis 1/2. An der Tableselektion liegt es in meinen Augen nicht, finde immer wieder Gegner mit fischigen Stats und Notes auf sehr schlechte Spielweise.

      Meine wichtigsten leaks aus meiner Sicht sind meine zu loose Spielweise - hauptsächlich postflop, meine manchmal blinde Aggression sowie regelmäßig das "Nicht-Hören" auf die innere Stimme. Möglicherweise auch öfters mal das Überbewerten/übermäßige Adopten an die Stats meiner Gegner. Außerdem kann ich wegen meiner Kinder erst spät abends/nachts pokern, bin also geistig nicht 100% fit und daher auch eher in "Spiellaune" als lernbegeistert...

      Letztlich fallen mir bei meinen Sessionreviews am nächsten Morgen in der S-Bahn viele Fehler auf, die meisten in den gerade beschriebenen Kategorien. IM NACHHINEIN, wenn ich Zeit zum überlegen habe, ist mir vieles "klar", ich setze es aber wieder und wieder nicht an den Tischen um, betreibe eher selten Handreading, obwohl ich mich nach einigen liverix-Videos eigentlich mal intensiv damit beschäftigen wollte, etc.

      Mein bestes Spiel entwickle ich nach eigener Einschätzung an 3-4 SH-Tischen, da ich dann ziemlich viel zu tun habe, deshalb marginalen Situationen eher aus dem Weg gehe, und der Fold-Button manchmal eine willkommene Erleichterung darstellt. Außerdem habe ich weniger Zeit, zu rätseln, was mein Gegner wohl für außergewöhnliche Moves anbringen könnte, sondern ich interpretiere die Aktionen meist straighter und spiele entsprechend. Natürlich unterlaufen mir dennoch genügend Fehler aber in Summe bin ich einfach tighter.

      Meine Stats sind auch nicht sooo übel für SH, meist so bei 26/18/2,0
      wts 41(!) und w$sd 49 +/-3

      Meine derzeit hartnäckigsten Leaks sind der mangelnde Respekt vor Turnraises (schalte oft nur auf cd um), das zu häufige secondbarreln am T nach Flopconti, sowie zu viele Herocalls am R. Mein Valueplay dürfte in den meisten Spots gut sein, wenn auch sicher weit entfernt von perfekt.

      WER JETZT NOCH NICHT EINGESCHLAFEN IST - hier meine Frage:
      Wer kennt das Problem, immer wieder ähnliche Fehler zu machen, seine Leaks zum Teil gut zu kennen, sie aber dennoch nicht vernünftig eliminieren, sondern höchstens ein wenig reduzieren zu können, und wer ist mit welchen Methoden aus dieser Leistungsstagnation wieder heraus gekommen?

      Natürlich sind auch alle anderen Anmerkungen zu meinem Post herzlich willkommen.

      rib

      PS: denke derzeit auch über ein private coaching nach, wahrscheinlich aber nur, wenn ich an die FT-Kohle wieder rankomme, denn sonst ist meine BR mit gerade mal gut 200$ zu klein und ich muss eh erstmal wieder runter auf max. 0,25/0,5 SH. Gibts dazu (priv coach) Tips oder Erfahrungsberichte (idealerweise von Spielern mit ähnlichen Leaks)
  • 6 Antworten
    • Alyssa660
      Alyssa660
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2011 Beiträge: 514
      Kannst du vielleicht mal ein paar Hände posten und deine Gedanken zu deiner Spielweise dazuschreiben. Da du ja deine Fehler erkennst, sollte es ja nicht so schwer sein diese abzustellen.
    • cmdcom
      cmdcom
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2009 Beiträge: 2.057
      Kenne das Problem. Ich hab mir die Lösung "erkaufen" müssen, wenn man todneugierig ist, sehen zu wollen ob sein Read richtig ist, dann musste halt downcallen.

      Inzwischen bin ich mir meiner Reads sicherer (ob richtig oder nicht) und vertraue auch darauf.

      Schau einfach mal, ob du mit so nem Herodowncall nen größeren Fehler machst, als mit einem Fold. Meist ist der Unterschied gewaltig und können einem mit einer Hand die ganzen Sessionwinnings zerstören.
    • ribpoker
      ribpoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 341
      Ja, das posten von Händen habe ich in den letzten Jahren so gut wie gar nicht praktiziert - da muss ich wohl zu allererst den Hebel ansetzen. Sicher werde ich dort noch weitere wertvolle Anregungen erhalten.

      Aber mein Dillemma (jedenfalls vermute ich das) ist ja gerade, dass ich aus Schaden eben nicht so schnell klug werde, wahrscheinlich, weil ich beim Spielen zu oft die falschen Gedanken habe und erst in der ruhigen Analyse die richtige Denkweise finde.

      Danke jedenfalls schonmal für das schnelle Feedback!
    • Alyssa660
      Alyssa660
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2011 Beiträge: 514
      Was auch recht gut funktioniert, schaue dir einfach mal im Handbewertungsforum ein paar Hände an und versuche drüber nachzudenken wie du sie gespielt hättest und geh dann die Bewertung eines professionellen Bewerters durch. Da kann man auch sehr gut seine richtigen und falschen Denkweisen erkennen.
    • ribpoker
      ribpoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 341
      @cmdcom

      sehr nices Motto Deines Blogs - habs eben erst bemerkt :]

      Meins war aber zuerst da :tongue:
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      Original von ribpoker


      Meine wichtigsten leaks aus meiner Sicht sind meine zu loose Spielweise - hauptsächlich postflop, meine manchmal blinde Aggression sowie regelmäßig das "Nicht-Hören" auf die innere Stimme.
      Dieses Problem des Handeln wider besseren Wissens dürfte jedem Spieler bekannt sein.
      Die wirklich guten finden einen Weg, richtig damit umzugehen.

      Ich begegne in meiner Tätigkeit als Mod der Sorgenhotline immer wieder genau dieser Problematik. Daher rate ich dir hier nun, was ich bereits auch schon an anderer Stelle geschrieben habe:

      Es geht bei diesem Spiel um viel mehr als nur das Wissen, um die richtigen lines und Strategien.

      Die psychologische Komponente ist am Ende vielleicht sogar die allerwichtigste, das, was einen wirklich erfolgreichen Spieler ausmacht.

      Nur so ist diese Diskrepanz zwischen den Entscheidungen zu erklären.
      Solche, die du z.b. im Handbewertungsforum an den gespielten Händen anderer findest und solche, die du selbst am Tisch für dein Spiel fällst, scheinen unterschiedlichen Prämissen zu folgen.

      Ich kann sagen, ich kenne genau dieses Phänomen auch bei mir sehr gut und ich bin sicher, es geht den meisten so, denn es gehört imo zum Lernprozess eines Pokerspielers.

      Jeder ambitionierter Pokerspieler kommt sehr bald an genau diesen Punkt und schafft es entweder darüber hinaus oder nicht.

      Du kennst das Spiel als solches eigentlich, wenn es nur um die Karten und damit verbundenen Strategien geht. Dein Skill und Erfahrung verschafft Dir Bewegungssicherheit.

      Sobald du gegen Gegner spielst, fügst Du aber neue Werte hinzu.

      Du willst den Gegner (Fisch?) beherrschen, betrafen, ownen.

      Du willst hier und heute unbedingt im Plus abschliessen.

      Du willst evtl. dein Geld zurückgewinnen.

      Das alles sind Werte, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, welches du eigentlich hier gelernt hast bzw lernen möchtest..

      Was kann man nun machen, um diese Tilts, diese Entscheidungen trotz bimmelnder innerer Alarmglocke, dieses Handeln wider besseren Wissens in den Griff zu kriegen?

      Niemals, wirklich niemals würdest Du die nuts absichtlich folden, es gäbe keine möglichen Gründe, die man sich vorstellen könnte.

      Aber du ziehst permanent Gründe heran, um zu callen, trotzdem du weisst, häufiger beat zu sein.

      "ich call jetzt mal, weil ich sehen will, ob der AA preflop limpt" ect ect ect.

      Und warum? Um deinem Ziel nähertzukommen, das du dir intuitiv selbst gesetzt hast.

      - Deinen Gegner zu betrafen

      - Heute noch unbedingt im Plus abzuschliessen

      - Dein Geld zurückzubekommen.

      Du musst dich nun einmal entscheiden, welches Spiel du spielen willst. Willst du erfolgreich, weil profitabel spielen, gehören solche Ziele in den Mülleimer!


      Häng Dir nen grossen zettel über den Monitor.

      "ich spiele Poker, weil ich die jeweils profitabelsten Wege kenne und gehe"

      Mit Deiner Erfahrung und deinem Skill kannst du einschätzen, ob, gemessen an deinen Alterativen

      - ein Push hier jetzt profitabel ist

      - ein call profitabel ist

      - ein Laydown profitabel ist!


      Wenn Du Deine sessions analysierst, wirst du feststellen, dass laydowns immer zu den bigpoints gehören. An einem korrekten laydown gewinnst du ebensoviel, wie an einem korrekten call.

      Einsparen ist gewinnen!

      Wenn du dir das in der Sache klargemacht hast, geht es noch darum, dass emotional umzusetzen.

      Gewinnen macht Spass. Callen und gewinnen macht Spass.

      Folden macht keinen Spass. Aber korrektes Folden ist Gewinnen!

      Ergo: Folden sollte im idealfall ebenso Spass machen.

      Focussiere! Focussiere die profitabelsten Entscheidungen.

      Versuche dein Ego aus den Entscheidungen rauszuhalten.

      Anfangs fällt es vielleicht noch schwer, denn man macht sich vor, nichts wäre schlimmer, als die bessere Hand zu folden. Aber wir können die situationen nie 100% exact bestimmen, wir können nur anhand unseres skills und erfahrung annähern und häufig die beste entscheidung treffen.

      Mache Dir nochmal klar, dass profitable Entscheidungen nicht nur Entscheidungen sind, die dein Geld in die Mitte bringen, sondern gerade solche, in denen du dich aus einem Pot zurückziehst, können die profitabelsten sein, wenn man es hinterher betrachtet.

      gruss,

      mergelina