Late Position Battles: 3-bet- vs Calling-Range

    • Folcwine
      Folcwine
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2007 Beiträge: 296
      Ich habe mir gerade den Strategieartikel über typische 3-bet und calling-ranges von TAGs durchgelesen. So wie ich den Artikel verstehe handelt es sich dabei nicht um Empfehlungen, sondern eben um Richtlinien, wie typische TAGs spielen. Ich möchte hier mal meine Ranges im Spiel gegen Gegener aus late position (ab CO) skizzieren und zur Diskussion stellen. Natürlich ist das alles extrem gegnerabhängig, ich gehe hier also von einem Standardgegner auf NL25SH aus, sowas wie 20/17 und 70% fold-to-3-bet, sowie von einem 3BB-raise.

      BU vs CO:
      3-bet: TT+, AQs+, AQo+, A9s-A2s AJo-A7o, KJo (12.5%, davon 38% for value; die raggy Aces 3-bette ich aber nicht zu 100% sondern folde sie je nach game-flow/history auch häufig)
      call: 99-66, AJs, ATs, KQs-87s, KJs, KQo (5.4%)

      Ich denke nicht, dass meine Ranges perfekt sind, sondern stelle sie gerade hier rein, um Leaks zu finden. Dennoch möchte ich kurz die Gedanken dahinter erläutern. Warum calle ich? Entweder weil ich den CO eine zweitbeste Hand treffen lassen will, mit der er mich ausbezahlt oder weil ich mit der Hand ip eine gute Playability habe (v.a. SCs, mit denen ich den CO z.B. mit einem Gutshot auf einem dry board von seiner Hand runterbluffen kann). AQ und TT call ich evtl. auch nur, da man gerade mit AQ den CO leicht ein zweitbestes top-pair treffen lassen kann, mit einer Hand, die er auf eine 3-bet foldet. Warum 3-bette ich? Um den Pot preflop mitzunehmen (value und bluffing range), um von einer schlechtern Hand oop gecallt zu werden und so einen grösseren Pot spielen zu können (value range) und um Werbung für meine value range zu machen (bluffing range). AJo zähle ich zur bluffing range, da selten eine schlechtere Hand callt. Warum 3-bette ich A7o statt 98s? Mit A7o blocke ich AA, AK, AQ, ausserdem kann ich A7o wegen schlechter playability im Gegensatz zu 98s nicht callen. Zudem sinkt im 3-bet-pot das Verhältnis von stack zu pot, was Draws mit 98s schlechter zu spielen macht.

      Ein guter Gegner könnte natürlich realisieren und exploiten, dass ich viele Aces und keine SCs in der 3-bet-range habe, die Gefahr ist auf NL25 aber wohl vernachlässigbar.

      BB vs SB: Ähnliche ranges, nehme wegen besseren Odds wohl noch A9s, A8s, KTs, QTs, J9s, T8s in die calling-range.

      BB vs CO/BU: Sieht wahrscheinlich ähnlich aus wie BB vs SB, defende also ip und oop ähnlich -> Leak?

      SB vs CO/BU: Calling-range wird extrem dünn, sowas wie 99-66, evtl. AQ, AJs, KQs. Der Rest der obigen Calling-range wird entweder gefoldet (v.a. SCs) oder ge-3-bettet. Somit 3-bette ich aus dem SB gegen den CO wohl fast mehr als vom BU -> Leak? Die medium pockets 99-66 finde ich ohne hit oop extrem schwierig zu spielen, somit habe ich mir auch schon überlegt, die SB-calling-range völlig aufzugeben -> thoughts?

      Vielen Dank für konstruktive Kritik!
  • 1 Antwort
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Eine 3-Bet Range sollte von mehreren Dingen abhängig sein:

      1. von der Openraisingrange des Gegners -> je weiter der Gegner openraist, desto schwächer ist seine Range und desto schwieriger wird es für ihn gegen 3-Bets weiterzuspielen

      2. von der Playbackrange des Openraisers -> nehmen wir mal ein Extrembeispiel: Dein Gegner openraist 50% seiner Hände im BU spielt aber auf eine 3-Bet nur AK, QQ+ weiter. Es macht keinen Sinn gegen diese Range mit AK eine 3-Bet zu machen, sondern man kann hier einfach alle Hände die gegen seine Openraisingrange Postflop schwierig zu spielen sind in einen Bluff verwandeln und 3-betten und sofortigen Profit mitnehmen.

      3. vom Verhalten der Gegner hinter uns -> ein schwacher Spieler openraist in MP und ich habe im BU AJ. Normalerweise würde ich das auch mal callen, aber im SB und BB sitzen 2 sehr aggressive und gute Spieler -> bevor ich mich hier also squeezen lasse, 3-bette ich und isoliere den schwachen Spieler in eine HU Situation.


      Ein wesentlicher Faktor ist die Art und Weise wie du 3-bettest. Die hängt von folgenden Faktoren ab:

      1. die Playbackrange. Wenn dein Gegner in der Lage ist viel zu callen und wenig zu 4-betten, dann willst du depolarisiert 3-betten (Top 10% z.b.). Called dein Gegner eher weniger und ist auch in der Lage viel zu 4-betten, dann ist es besser polarisiert zu 3-betten. (einen Topteil z.b. 4% mit dem du broke gehst und einen Bottomteil sozusagen mit dem du bluffst)

      2. die Perception deiner 3-Bet Range. Wenn dein Gegner deine Range eher als toplastig wahrnimmt und dich dementsprechend auf 723r Boards dauernd ausspielt, dann hast du einen Ansporn deine 3-Bet Range zu modifizieren und zwar dahin wo die Perception deiner Range nicht merh sitmmt. Du fängst an die toplastigen Hände öfter Preflop zu callen und die bottomlastigeren Hände öfter zu 3-betten (das ist aber nur sinnvoll, wenn dein Gegner dich aktiv spielt - die meisten Spieler auf den Micros zocken ihr 0815 System runter und spielen dich nur passiv)

      Sieht wahrscheinlich ähnlich aus wie BB vs SB, defende also ip und oop ähnlich -> Leak?


      Ja sehr wahrscheinlich. Es ist gegen solide Gegner nicht möglich derart symmertrisch aus allen Positionen zu 3-betten. Aus dem SB sowenig wie möglich zu callen ist ein sinnvoller Ansatz, aber grade im BB schliesst du die Action ab und OOP willst du mit einer Postflopedge den kleine Pötte spielen und den Gegner dort unter Druck setzen.
      Klar werden dann Spielzüge wie C/Rraises, C/Calls und Donkbets wichtig und richtig ins Spiel zu integrieren.

      Ich erlebe oft in Coachings, dass so Hände wie AJs oder KQs oder JTs oder K8s auf kleine Buttonopenraises 3-bettet werden ohne sich wirklich Gedanken zu machen was daraufhin passiert. (man 3-bettet und begibt sich OOP in einen riesigen Pot und es hat schon einen Grund wieso man im BU soviel Geld gewinnt und in den Blinds nicht :) )