Flatcallingrange

    • aullex
      aullex
      Bronze
      Dabei seit: 09.11.2009 Beiträge: 6
      Hi,
      Ich wollte fragen wie viel Equity ich gegen Villains Range unter Berücksichtigung der Position (ip werde ich wohl weniger brauchen als oop) brauche um einen Call zu rechtfertigen.
      Habe Probleme damit meine flatcallingrange festzulegen, wenn ich z.B weiß dass Villain 20% openraised.
  • 3 Antworten
    • chrsbckr75
      chrsbckr75
      Bronze
      Dabei seit: 15.02.2007 Beiträge: 3.693
      kann man so nicht sagen.

      Generell (ohne Blinds) könnte man sagen Du brauchst gg seine Range 50% Equity, da Du Auf deinen PFCall 1:1 odds bekommst. Aber so zu denken wäre falsch. Du solltest halt nach dem GAP Prinzip u.a. Hände wählen, die nicht dominiert sind. Gegner tendenzen sind dabei auch wichtig. Ich coldcalle meistens AQo aber gegen eine Nit nur die AQs....
    • aullex
      aullex
      Bronze
      Dabei seit: 09.11.2009 Beiträge: 6
      ok danke...hab gehofft dass man des mathematisch genauer bestimmen könnte ;)
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      http://de.pokerstrategy.com/strategy/weekly-no-limit/808/1/

      Den Artikel hab ich mal vor langer Zeit geschrieben. Worüber du dir bewusst sein musst ist, dass du kein Fixed Limit spielst und Postflop im Zweifel für 2.5BB an den Showdown kommst, sondern NL und nach deiner 4BB Preflopinvestition deinen gesamten Stack riskierst (umgekehrt Postflop den ganzen Stack des Gegners auseinander nehmen kannst).

      D.h. es gibt letztendlich keinen genauen mathematischen Schwellenwert (zumindest kann man ihn momentan nicht genau berechnen) mit welchen Händen man callen sollte - dazu kommt folgendes Phänomen, sondern ist vielmehr eine Funktion in Abhängigkeit des Skills Postflop (wie gut kannst du die Range des Gegners lesen, wie gut kannst du deine eigene Range lesen, wie gut erkennst du wie sich Ranges mit dem Board verbinden etc.)

      Die meisten guten Spieler coldcallen Hände wie 78s z.b. auf einen Openraise - gewinnnen damit aber nicht, sondern spielen damit leicht -EV - das heisst eigentlich wäre (zumindest 100BB deep) ein Fold damit am sinnvollsten, aber der Call wird trotzdem gemacht. Denn wie willst du mit Sets gegen gute Spieler ausgezahlt werden, wenn in deiner Range Hände wie 78s fehlen und du auf einem 562dd Board eigentlich doch nicht soviel semibluffst. Im Prinzip werden Calls mit Scs z.b. gemacht, um die Calls mit Pocketpairs zu balancen und die Range Postflop zu erweitern (und somit schwerer lesbar zu machen - aus dem Grund sind Nits ja z.b. so einfach zu spielen in vielen Fällen, weil dir erlauben ihre sehr enge Range sehr einfach zu lesen. Es gibt auch ein paar sehr toughe Nits, aber die wirst du in den Micros nicht erleben vermute ich)

      Ein weiterer Faktor bei der Entscheidung Coldcall, Fold oder 3-Bet ist, ist in der Tat die Equity und zwar die Equity gegen die Playbackrange. Wenn ich z.b. KQs halte im BB und der BU openraist, dann habe ich 3 Möglichkeiten:

      1. ich folded -> mit KQs gegen eine tendentiell weite BU Openraisingrange wahrscheinlich zu weak. Ein Fold hat zwar den EV von 0 (bzw. durch den BB leicht -EV), aber bevor man in die Hand einsteigt, sollte man sich darüber bewusst sein, dass man hier eine komplizierte Situation erzeugt für sich OOP und definitiv mehr gewinnen sollte als man durch einen Fold verlieren würde.

      2. ich calle oder reraise -> je besser du Postflop bist bzw. je schlechter in Relation zu deinem Skill dein Gegner ist, desto öfter kannst du die Hand callen und deinen Gegner Postflop vor schwierige Fragen stellen. Fakt ist folgendes nämlich:

      i) OOP wird deine Edge grundsätzlich etwas geringer sein
      ii) Preflop Edge ist Preflop heutzutage nur noch marginal vorhanden (ok auf den Micros wahrscheinlich mehr, weil viele Spieler zuviel oder zuwenig folden - die meisten Regs zuviel und die meisten Fisch zuwenig)

      Bei Calls ist dein Ziel den Pot Postflop zu gewinnen und d.h. du willst entsprechend angreifen, wenn die Range deines Gegners schwach ist. Nun musst du hier aber realistisch mit dir selber bleiben -> bist du in der Lage besser zu spielen als dein Gegner und ihn oft genug auszuspielen? (und damit mein ich nicht einen Blick auf die Stats zu werfen und zu sagen -> Fisch etc. gegen den hab ich eine Edge. Sondern man sollte sich klipp und klar mal fragen WARUM man gegen den Spieler eine Edge hat und wie man diese Edge tatsächlich realisiert)

      Eine gute Faustregel ist folgende übrigens: Wenn du eine Hand hast, die dir irgendwie zu gut für einen Fold gegen einen Raise ist, aber zu schlecht für einen Call, dann hast du erstmal dort eine gute 3-Bet Hand solange du noch keine History mit deinem Gegner hast. (abhängig von seiner tatsächlichen Reaktion musst du deine 3-Bet Range dann natürlich ändern in eine komplett polarisierte oder depolarisierte Range und damit ändert sich dann auch deine Coldcallingrange etwas)

      IP werden Calls natürlich etwas einfacher, da du einen Informationsvorsprung aufbauen kannst. Es wird aber nicht profitabel sein eine Hand wie 78s oder KQs Preflop zu callen mit der Hoffnung auf direkte Treffer, es wird auch nicht profitabel sein jedes x-beliebige Board anzugreifen. Daher würde ich folgendermaßen anfangen: Starke Hände wie KQs, QJs, AJs, ATs, JTs und vielleicht JKs, QTs (die spielen sich schon ziemlich schwierig) callst du Preflop im BU erstmal, wenn der CO oder MP openraist und schaust mal in welche Problemsituationen du Postflop kommst. Diese kannst du dann im HBF diskutieren - worüber du dir bewusst sein musst. Das ganze wird deiner Winrate mit absoluter Sicherheit erstmal massiv schaden, bevor du diese Coldcalls +EV spielen kannst.