Juristische- bzw. Steuerberaterfrage zu Werbung FB Xing

    • HaenschenKlein
      HaenschenKlein
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2008 Beiträge: 10.889
      Servus,

      ich hatte heute morgen einen Termin bei meinem Steuerberater. Da ich ja eine kleine Crossmedia-Agentur gegründet und mich auf Social Media Marketing spezalisiert habe, hatte er am Ende des Beratungsgesprächs zu meinen Steuern gefragt, ob ich sein Xing Profil betreuen/beraten würde und ihm ein Facebook Unternehmensprofil für seine Kanzlei erstellen könne.

      Knackpunkt bei der Sache ist die BOStB, die Berufsordnung der Bundes-Steuerberaterkammer. Er sagte, dass er irgendwann sein Xing Profil für alle Anfragen geblockt habe, weil Steuerberater einer harten Verschwiegenheitsklausel unterliegen und er keinen Ärger bekommen möchte.

      Darüber hinaus ist Werbung für Steuerberater verboten. Dazu ein zwei Auszüge aus der BOStB:

      § 10 BOStB
      Grundsätze

      (1) Steuerberater haben ihren Beruf unter Verzicht auf berufswidrige Werbung auszuüben.

      (2) Steuerberater dürfen jedoch, vorbehaltlich nachstehender Regelungen, über ihre berufliche Tätigkeit informieren. Die Unterrichtung muss sachlich zutreffend und objektiv nachprüfbar sein. Die Darstellung darf nicht reklamehaft sein. Vergleichende, wertende oder irreführende Aussagen sind nicht zulässig.

      (3) Werbung ist berufswidrig, soweit sie auf die Erteilung eines Auftrages im Einzelfall gerichtet ist. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Umworbene in einem konkreten Einzelfall der Beratung oder der Vertretung bedarf und der Werbende dies in Kenntnis der Umstände zum Anlass für seine Werbung nimmt.

      versus:

      § 14 BOStB
      Anzeigen

      (1) Steuerberater dürfen in Anzeigen über ihre berufliche Tätigkeit sachlich unterrichten. Anzeigen dürfen keine übertriebene, auffällige oder in sonstiger Weise reklamehafte Form haben. Bei der Beurteilung der Reklamehaftigkeit ist auch die Häufigkeit des Erscheinens zu berücksichtigen.

      (2) Anzeigen für ungenannte Auftraggeber dürfen, soweit sie mit einer vereinbaren Tätigkeit gem. § 57 Abs. 3 Nr. 2 StBerG im Zusammenhang stehen, unter Angabe des Namens und der Berufsbezeichnung veröffentlicht werden.


      Aus den fett markierten Stellen ergeben sich jetzt folgende Fragen:

      a) Ist die berufsbedingte Vernetzung mit Mandaten, Freunde, Interessenten über einen Social Media Kanal "sachlich" und "nicht reklamehaft"? Wir haben darüber diskutiert, dass einer seiner Xing/Facebook Kontakte, nicht zwingend ein Mandant sein muss.

      b) Ist die alleinige Präsenz einer Kanzlei in einem sozialen Netzwerk eine übertriebene, auffällige oder reklamehaft Form?

      c) Zu § 10 BOStB, 3: Natürlich habe ich eben mal geschaut. Es gibt einige Kanzleien auf FB und Xing. Bei wem würde die Beweislast liegen, ob ein neuer FB oder Xing Kontakt "im konkreten Einzelfall der Beratung oder Vertretung bedarf" und eben über die Platform ein Mandat zustande käme?


      Für Input wäre ich sehr dankbar. Ich hätte die Kanzlei natürlich gerne als einen meiner Kunden, aber mein Steuerberater ist extremst vorsichtig und skeptisch und will im Zweifelsfall lieber darauf verzichten.

      Was denkt Ihr?

      Danke und Gruß,
      HK
  • 10 Antworten
    • groovechampion
      groovechampion
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2009 Beiträge: 1.947
      Letztendlich entspricht Xing doch mehr oder weniger einem Adreßbucheintrag.

      Peter Müller, StB ->Reklame? wohl kaum!

      Wenn nicht bei Interessen: "WIE ICH DIE BESTEN STEUERSCHLUPFLÖCHER FÜR SIE FINDE HABE ICH GESAGT" o.ä. steht, wird das wohl nicht zu beanstanden sein.

      Mein Bruder ist RA und seit Jahren bei Xing, bislang ohne Probs.
    • dbmdw
      dbmdw
      Bronze
      Dabei seit: 12.08.2007 Beiträge: 5.129
      Zu a) Unterscheide zwischen dem persönlichen und dem Unternehmensprofil von ihm. Bei ersterem ist die Antwort ja, bei letztrem nein.

      Zu b) Ja, ist es. Kann abgemahnt werden und er kann auch Probleme ggf. auch Probleme mit der Kammer bekommen.

      Zu c) Ist nicht pauschal zu entscheiden, da muss ja jeweils den Einzelfall betrachten.
    • Liproqq
      Liproqq
      Bronze
      Dabei seit: 27.08.2008 Beiträge: 1.280
      Original von groovechampion
      Letztendlich entspricht Xing doch mehr oder weniger einem Adreßbucheintrag.

      Peter Müller, StB ->Reklame? wohl kaum!

      Wenn nicht bei Interessen: "WIE ICH DIE BESTEN STEUERSCHLUPFLÖCHER FÜR SIE FINDE HABE ICH GESAGT" o.ä. steht, wird das wohl nicht zu beanstanden sein.

      Mein Bruder ist RA und seit Jahren bei Xing, bislang ohne Probs.
      so siehts aus. V.a. Referenzen nur mit Einverständnis usw.

      Zieh das ganze seriös auf! Mehr ist eigentlich nicht zu beachten.
    • Egozocker
      Egozocker
      Bronze
      Dabei seit: 26.08.2006 Beiträge: 7.019
      Original von HaenschenKlein

      Für Input wäre ich sehr dankbar. Ich hätte die Kanzlei natürlich gerne als einen meiner Kunden, aber mein Steuerberater ist extremst vorsichtig und skeptisch und will im Zweifelsfall lieber darauf verzichten.

      Was denkt Ihr?

      Danke und Gruß,
      HK
      Hi,
      ich habe mal das Entscheidende fett markiert. Glaube nicht, dass sich dein Berater mit Infos aus einem Poker-Forum zufrieden geben wird. Und das Ganze ist ein Scheiss-Thema. Vor allem, da sich das Berufsrecht der Steuerberater ziemlich von dem der Rechtsanwälte unterscheidet. Ich würde an deiner Stelle wie folgt vorgehen:

      Erstelle ein grobes Konzept wie die Auftritte aussehen sollen und lasse deinen Steuerberater dies mit dem Justitiar seiner Steuerberaterkammer absprechen. Letztendlich ist die Kammer auch diejenige Institution, die gegen diese Auftritte vorgehen wird.

      Ich weiß selbst, dass das in der Regel A....löcher sind, aber wenn dein berater vorsichtig ist, wird er ohne das o.k. der Kammer sowieso nichts machen.
    • Spielstephan
      Spielstephan
      Bronze
      Dabei seit: 02.02.2008 Beiträge: 1.182
      sorry for hijacking

      Hallo Egozocker, wollte mal eine Meinung von dir zu Sonderausgaben.
      Kann ich es dir per Nachricht an Freunde senden?
    • Egozocker
      Egozocker
      Bronze
      Dabei seit: 26.08.2006 Beiträge: 7.019
      Original von Spielstephan
      sorry for hijacking

      Hallo Egozocker, wollte mal eine Meinung von dir zu Sonderausgaben.
      Kann ich es dir per Nachricht an Freunde senden?
      woher soll ich wissen, ob du das kannst? ;)
    • HaenschenKlein
      HaenschenKlein
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2008 Beiträge: 10.889
      Original von Egozocker
      Original von HaenschenKlein

      Für Input wäre ich sehr dankbar. Ich hätte die Kanzlei natürlich gerne als einen meiner Kunden, aber mein Steuerberater ist extremst vorsichtig und skeptisch und will im Zweifelsfall lieber darauf verzichten.

      Was denkt Ihr?

      Danke und Gruß,
      HK
      Hi,
      ich habe mal das Entscheidende fett markiert. Glaube nicht, dass sich dein Berater mit Infos aus einem Poker-Forum zufrieden geben wird. Und das Ganze ist ein Scheiss-Thema. Vor allem, da sich das Berufsrecht der Steuerberater ziemlich von dem der Rechtsanwälte unterscheidet. Ich würde an deiner Stelle wie folgt vorgehen:

      Erstelle ein grobes Konzept wie die Auftritte aussehen sollen und lasse deinen Steuerberater dies mit dem Justitiar seiner Steuerberaterkammer absprechen. Letztendlich ist die Kammer auch diejenige Institution, die gegen diese Auftritte vorgehen wird.

      Ich weiß selbst, dass das in der Regel A....löcher sind, aber wenn dein berater vorsichtig ist, wird er ohne das o.k. der Kammer sowieso nichts machen.
      Natürlich erwähne ich kein Pokerforum. Ich habe hier nur gefragt, weil sich hier viele schlaue Menschen rumtreiben und jemand evtl. einen Tipp geben kann, bevor ich da als Hardcore Laie, Zeit und somit Geld in Recherche investiere.

      Dein Hinweis war sehr sinnvoll, die anderen auch. Vielen Dank dafür.
      Genau darum ging es mir auch. Die Chancen auf einen Geschäftsabschluss für mich sind da relativ gering und ich überlege ob ich Zeit und manpower - was auch widerrum Geld bedeutet - in die Ausarbeitung eines Konzepts stecke, wie ich es üblicherweise für meine Kunden mache, die ohne Regulierung werben dürfen.

      Vielen Dank und Gruß,
      HK
    • extrapartner
      extrapartner
      Gold
      Dabei seit: 26.09.2007 Beiträge: 5.662
      Jeder StB und jede Kanzlei verfügen heutzutage über einen Webauftritt, der das Angebot und die Schwerpunkte sowie die Personen beschreibt. Das sollte bei Xing und FB demzufolge genauso möglich sein. Zeitungswerbung im Sinne reiner Information über die Person/Kanzlei ist ja auch erlaubt.

      Tritt der StB passiv auf, kann ihm sicher kaum vorgeworfen werden, dass er reklamehaft Mandanten geworben hat. Seine reine Existenz darf er ja wohl noch bekanntgeben.
    • Twirex
      Twirex
      Bronze
      Dabei seit: 29.08.2006 Beiträge: 3.525
      Spontan aus dem Bauch raus, würde ich sagen, es kommt auf den Inhalt des Profils an, der alleinige Webauftritt sollte, wie mein Vorposter bereits sagte, nicht schädlich sein.

      Anwälte werben ja auch entsprechend, die bekommen nur regelmäßig eins aufs Dach, wenn sie sich wahrheitswidrig als Fachanwalt für irgendwelche Gebiete bezeichnen.

      Bis wann musst du das denn genauer wissen?
      Hat es bis zum Wochenende Zeit, kann ich in der Uni mal nen Kommentar zu entsprechender Regelung rausziehen, sofern ein solcher denn rumsteht.
    • HaenschenKlein
      HaenschenKlein
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2008 Beiträge: 10.889
      Original von Twirex

      Bis wann musst du das denn genauer wissen?
      Hat es bis zum Wochenende Zeit, kann ich in der Uni mal nen Kommentar zu entsprechender Regelung rausziehen, sofern ein solcher denn rumsteht.
      Ja, bis zum Wochenende hat es locker Zeit.
      Vielen Dank für deine Hilfe. Top. :s_thumbsup: