Was bringen Playernotes wirklich?

    • asdfdonk
      asdfdonk
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2011 Beiträge: 169
      Hi,

      habe mir die Tage mal den Artikel "Wie Playernotes deine Reads verbessern" angeschaut.
      Die ganzen Abkürzungen etc sind ja wirklich schick und so, ABER:

      Ich merke ja schon bei 6 Tischen, dass ich in schwierigen Spots manchmal Zeit brauche um eine Entscheidung zu treffen. Und dann soll ich mich zusätzlich noch durch das Wirrwar an Playernotes durchschlagen?! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass solche ausführlichen Notes ab mehr als 3-4 Tischen noch wirklich was bringen?!
      Klar Notes wie: "LCD" (light call downs) oder "ChD" (chase draws) sind ganz sinnvoll.Aber was bringen Sachen wie "FS, 33 CO, CC oR UTG, 785s6Q F r cbet T 2/3PSB R cb"?
      Sobald man ein paar solcher ausführlichen Notes hat, verliert man doch total den Überblick. Kann mir einfach nicht vorstellen, dass man auch nach eingier Zeit schneller Informationen aus solchen Notes rauslesen kann. Oder habt ihr vllt ein System, wie ich diese Notes besser Ordnen kann?
  • 13 Antworten
    • Thunder1214
      Thunder1214
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2010 Beiträge: 921
      solche ausführliches Notes ließt man auch nicht erst, wenn man in einem schwierigen Spot mit dem Kollegen ist ;)

      Notes schaust du dir an, wenn du grad nicht in der Hand bist oder während du auf den BB wartest, wenn du grad ins Spiel eingestiegen bist.
      So hast du dann schonmal grob eine Idee, wie sich der Spieler verhält.

      Das das bei 6 Tischen a 9 oder 10 Personen ohne hin schwer zu überblicken ist, kann ich mir gut vorstellen.
      Dann spiel halt weniger Tische ;)
    • Padex
      Padex
      Bronze
      Dabei seit: 21.10.2010 Beiträge: 558
      Du musst dich auch nicht unbedingt an das im Artikel vorgestellte System halten. Wichtig ist dass du mit deinen eigenen Notes klarkommst. In deinem Beispiel
      "FS, 33 CO, CC oR UTG, 785s6Q F r cbet T 2/3PSB R cb"
      würde meine Note z.B. lauten:
      "rF bT cbR HU IP mit Underpair drawheavy lowcard Flop, SD kam am Turn an".
      Das enthält nicht wesentlich weniger Informationen als ersteres, ich kann es aber schneller verstehen. Ich verzichte hier insbesondere auf Informationen, die a) mir nichts bringen oder b) ziemlich Standard sind. Das bedeutet in dieser Hand:
      - Coldcall preflop mit Pocket notiere ich mir nicht, weil es Standard ist, falls UTG als FullStack openraist.
      - Die grobe boardstruktur, lowcards, drawheavy, ist mir wichtiger als das konkrete board.
      - Betsizes zwischen 1/2 und 3/4 Pot notiere ich nicht, eine Note wäre es wenn er am Turn minbettet oder overbettet.
    • dschlegel
      dschlegel
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2011 Beiträge: 1.218
      also ich notiere mir auch vieles, gerade wenn es wirklich auffällige tells oder moves sind.

      Minbet mit Toppairs, Donk mit Draws und solche scherzchen notiere ich mir sofort...

      halt alles was wirklich absolut auffällig und untypisch ist check/raise flop check/raise turn und am river foldet er ? what ? notiert !

      Notieren wenn dein Gegner häufig auf 3-Bets foldet, wenn er aus UTG geraist hat und so weiter und so fort......gerade wenn die situation nochmal eintritt erinnerst du dich mithilfe dessen sehr schnell "wart ma, du Fisch hast des doch schonmal gemacht !!!!"

      paxis
    • asdfdonk
      asdfdonk
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2011 Beiträge: 169
      Hey, danke schonmal für eure Antworten. Haben mir auf jedenfall schonmal weitergeholfen! Bisher hatte ich eigtl nur Notizen wie: callt AA auf 3bet / limpt AA. Aber die haben mich bisher noch nie weitergebracht, weil das mestens Gegner waren, die ich einmal am Tisch gesehen habe und dann nicht mehr wiedr. Wichtig sind mir die Notes eigentlich bei Spielern, mit denen ich öfter mal am Tisch sitze und ca.400+ Hände gespielt habe.
      Das System von Padex find ich gar nicht mal so schlecht. Werd das mal so ähnlich versuchen, dass ich eher die Boardstruktur beschreibe als sowas hier: 785s6Q F r cbet T 2/3PSB R cb.

      Grüße
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ein Notesystem ist schon ganz gut, wenn man es selber denn versteht (mir wäre das zu kompliziert, aber ich kenne Spieler die sowas wirklich anwenden).

      Der Punkt hinter Notes ist Informationsgewinn bzw. die Erkenntnis das der Gegner irgendwas abweichendes vom "Optimum" macht. D.h. eine Note soll zu einer Schlussfolgerung führen, die es uns wiederum erlaubt einen bestimmten Exploit zu machen.

      D.h. wenn du zb. siehst, dass jemand mit QK auf 258r cbettet, aber die Q am Turn checkt, dann kannst du daraus schlussfolgern, dass er

      a) scarecards die er hittet potcontrolled

      b) seine Turnbettingrange keine Toppairs enthält -> dies führt dazu, dass seine Turnbettingrange ENTWEDER polarisiert ist aus Monstern und Air ODER nur aus Monstern ODER Air besteht (am wahrscheinlichsten ist die polarisierte Range)


      => dies wiederum führt dazu, dass man hier Calldowns machen kann, die man vorher nicht machen konnte, da die Range des Gegners eigentlich durch eine Q gestärkt wird - er durch eine Missinterpretation seiner eigenen Range uns einen Exploit erlaubt.


      Meine Notes sehen so aus, dass ich

      i) die Situation aufschreibe (und hierzu eignen sich wahrscheinlich so kryptische Schnellschreibstystem besser)

      ii) die Schlussfolgerung im Blick habe (und Reads, die diese Schlussfolgerung stützen halt immer in die entsprechende Kategorie fasse)


      Letztenendes wirst du grade bei sehr schlechten Spielern feststellen, dass die immer wieder die gleichen Leaks haben (extreme Ausprägungen meist in ihren Bet, Check oder Callfrequenzen mit bestimmten Handtypen)

      Je besser du wirst, desto eher kannst du Fehlausprägungen auch in den Ranges der etwas solideren Gegner feststellen und wenn du da angelangt bist, dann crusht du normalerweise Limits :)
    • dschlegel
      dschlegel
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2011 Beiträge: 1.218
      notes haben weniger was mit den gespielten Händen zu tun.....

      Wenn ich an den Tisch komme und beobachte den in einer Hand (in der brauch ich ja noch nicht mal beteiligt sein) und der callt da irgendwie mit bottompair bis zum river runter um dann dort zu shoven gegen zig Overcards und andere crazy oder stupid moves macht, dann notier ich mir das auch sofort nach 2 Händen.....

      und WIE du das notierst (mit diesen abkürzungen komm ich nicht zurech) ist dir überlassen, ich schreib das richtig aus

      "minbets flop/turn, shove river mit Midpair A9J4Q Board"

      weiss ich genau bescheid....

      VG
      Daniel

      paxis
    • dschlegel
      dschlegel
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2011 Beiträge: 1.218
      Original von Ghostmaster

      D.h. wenn du zb. siehst, dass jemand mit QK auf 258r cbettet, aber die Q am Turn checkt, dann kannst du daraus schlussfolgern, dass er

      a) scarecards die er hittet potcontrolled

      b) seine Turnbettingrange keine Toppairs enthält -> dies führt dazu, dass seine Turnbettingrange ENTWEDER polarisiert ist aus Monstern und Air ODER nur aus Monstern ODER Air besteht (am wahrscheinlichsten ist die polarisierte Range)


      => dies wiederum führt dazu, dass man hier Calldowns machen kann, die man vorher nicht machen konnte, da die Range des Gegners eigentlich durch eine Q gestärkt wird - er durch eine Missinterpretation seiner eigenen Range uns einen Exploit erlaubt.
      boah ghost, deine Informationen sind wertvoll, aber schwer verdaulich

      dein Beispiel, wir haben den o.g. Read/Note auf Villian

      er bettet jetzt auf eine Scarecard den Turn, ergo ---> hat er wahrscheinlich nicht gehittet, weil er die ja normal häufig checkt ---> easy call oder sogar push

      er checkt auf eine scarecard --> behind checken und auf mögliche outs hoffen


      wie kann ich meinen Villian "exploiten" wenn ich merke das er z.b. häufig mit Draws sehr aggressiv donkt oder Mid/Bottom Pairs häufig runtercallt ?

      Donks raisen und wenn er häufig mit crap runtercallt meine Betsize gegen ihn speziell vergrößern und daraus mehr value ziehen ?

      Danke dir :)
    • asdfdonk
      asdfdonk
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2011 Beiträge: 169
      Das mit den vielen gespielten Händen war so gedacht, dass man hier doch eher Tendenzen erkennen kann, als bei einem Spieler, von dem man gerade mal 50-60 Hände kennt. Aber verkehrt ist es nicht auch bei ihm Notes zu machen.

      Danke auch an Ghostmaster für den sehr interessanten Post.

      er bettet jetzt auf eine Scarecard den Turn, ergo ---> hat er wahrscheinlich nicht gehittet, weil er die ja normal häufig checkt ---> easy call oder sogar push


      Denke das kann man ganz gut anwenden kann, wenn man z.B. floaten möchte, aber dann merkt, dass Villain den Turn nochmal bettet. Man hat hier dann oft die Situation, dass man foldet. Durch die Reads hat man dann aber nochmal einen Call...

      Ihr habt mir wie gesagt alle sehr weitergeholfen! Danke! Notes werden absofort noch mehr ein Bestandteil meines Spiels werden. Hoffen wir mal, dass ich dann endlich mal aus den Micros rauskomme :f_biggrin:
    • Thunder1214
      Thunder1214
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2010 Beiträge: 921
      Hoffen wir mal, dass ich dann endlich mal aus den Micros rauskomme
      Die Annahme ist irgendwie verkehrt herum ;)
      In den Micros sind Notes weniger wert, weil du die Spieler eigentlich nie wieder siehst. Du spielst mal 100 oder 200 Hände (meistens aber weniger) mit denen und dann sind sie wech ... da helfen dir dann auch die Notes nicht.

      Wenn du aber in den Limits aufsteigst, wirst du häufiger die Situation erlegen, dass du die Spieler kennst, schon öfter mal mit ihnen gespielt hast.
      Dann werden die Notes interessanter und wichtiger.

      Nichts desto trotz solltest du natürlich in den Micros schonmal anfangen zu üben und dir ein Notes-System aufzubauen ;)
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Wenn sich Ranges deiner Gegner polarisieren, dann kannst du mit Bluffcatchern halt gut runtercallen. (da dein Gegner am oberen Spektrum ist und nicht folded oder halt nen Bluff hat den wir schlagen)

      Interessanter wirds eigentlich erst, wenn deine Gegner depolarisierte Ranges haben und dementsprechend auch dünn Valuebetten (z.b. QJ auf xxxQx Turn triplebarreln) - hier wird es kritisch wie der Gegner reagiert, wenn er Gegenwehr bekommt und man kann anfangen evtl. marginale SD Hands in Bluffs zu verwandeln.
    • dschlegel
      dschlegel
      Bronze
      Dabei seit: 13.10.2011 Beiträge: 1.218
      Ghost,

      würdest du einem dummen mal bitte den Begriff "polarisierte Ranges" und "Bluffcatcher" erklären und auch "depolarisierte Ranges"

      versteh nur Bahnhof :)

      danke dir für deine Mühen im Voraus
      VG
      Daniel
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ich denke du weisst wie Magneten funktionieren? Es gibt einen +Pol und einen -Pol - 2 extreme Ausprägungen ohne irgendwas dazwischen.

      Eine polarisierte Range besteht aus eben 2 extremen Ausprägungen - einen Teil reiner Valuerange und einen Teil reiner Bluffrange.

      (nehmen wir einfach mal folgendes an: Dein Gegner bettet auf einem Axxxxxr River polarisiert und du hälst 22: Er wird immer Ax oder NICHT Ax halten und wenn du genügend Odds bekommst, dann kannst du mit 22 callen)

      Eine depolarisierte Range hat jetzt keine extremen Ausprägungen in den Aussenbereichen, sondern ist mehr oder weniger harmonisch in allen Bereichen (die Bluffingrange und die Valuebettingrange nähern sich immer mehr an)

      (dein Gegner könnte auf dem Axxxxr Board jetzt nicht mehr nur AX oder NICHT Ax halten, sondern auch Hände wie TT oder JJ. Somit wird es für 22 wesentlich schwieriger am River einen Call zu machen. Ich kann jetzt mit 22 aufgrund der schlechteren Equity nicht mehr callen, ABER ich kann mit 22 aufgrund der dünneren Bets des Gegners möglicherweise einen Bluffraise machen)


      Das Beispiel ist sehr simpel und realitätsfremd gewählt, damit der Punkt dahinter klar wird.
    • onese7en
      onese7en
      Bronze
      Dabei seit: 19.12.2010 Beiträge: 4.694
      Polarisiert bedeutet, dass seine Hand entweder (sehr) stark oder (sehr) schwach ist, er aber keine marginalen Hände mehr hält, bzw. nur sehr selten.

      Bei der depolarisierten Range bin ich mir gerade nicht sicher, ob sie nur aus mittelstarken Händen besteht, oder auch (sehr) starke und (sehr) schwache Hände beinhaltet.

      Ein Bluffcatcher ist eine Hand, mit der du eigentlich nur noch gewinnen kannst, wenn Villain einen Bluff hält. Meistens also so etwas wie Top Pair mit (sehr) schlechtem Kicker oder Second Pair.

      edit: Zu langsam... ;)