Preflop gebalanced sein

    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      Ich schaue mir gerade ein paar Regs genauer an und frage mich da, was eine sinnvolle Balancingfrequenz ist. Allgemein ausgedrückt:

      Jemand spielt normalerweise zu 100% nur Premiumhände auf die Weise xy. Wie hoch sollte der prozentuale Wert an deceptive Händen sein?

      Kann man diesen Anteil auch auf andere Situationen übertragen? Bspw 3bet aus SB sehr Ahigh lastig. Muss man den gleichen Anteil "deceptive Hände"einmischen? Als deceptive Hände gelten für mich alle enderen Hände. Ich weiß zwar, dass TT was ganz anderes ist, aber es ist eben eine Minderheit und nicht Ax.

      Für mich steht eigentlich fest, dass ich gegen Spieler A evtl. ga nicht decepte, da er eh am SD ist und gegen Spieler B dafür umso mehr. Trotzdem muss es doch einen ungefähren Richtwert geben oder?
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    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Wie du deine Prefloprange anpasst, hängt von der Spielweise des Gegners ab. Balancing (oder deceptive Raises und 3-bets) dient ja folgenden Zwecken:

      • Foldequity für Hände auszunutzen, die eine leicht unterdurchschnittliche Equity haben. Dadurch werden diese profitabel.
      • Implied Odds erzielen durch Treffen von Flops, die du mit deiner normalen Range eher selten triffst.
      • Mehr Hände spielen, mit denen man einen positiven EV hat.
      • Loose Calldowns für deine Valuehände erzielen, wobei das zweischneidig ist. Loose Calldowns verschlechtern deine durch die Foldequity erzielten Erfolge.

      Daraus ergeben sich folgende Forderungen: der EV einer deceptive Hand muss von sich aus positiv sein (keine Lossleader spielen). Tradeoffs im Sinne des 4. Punktes sind alleine keine Rechtfertigung. Das heisst, die Equity einer deceptive Hand darf nicht im Keller sein. Das kannst du mit den anderen Effekten nicht ausgleichen. Das ist wohl die wichtigste Randbedingung für das Spielen von deceptive Händen. Fehlende Equity muss durch implied Odds und Foldequity ausgeglichen werden können. Je looser der Gegner ist, desto weniger Foldequity hast du. Allerdings wird die Equity deiner Hände besser. Hier gibt es einen Tradeoff, bei dem ich vermute, dass die Aggressivität des Gegners eine sehr wichtige Rolle spielt. Je passiver der Gegner ist, desto eher kannst du die Equity deiner Hände realisieren, weil du mehr Karten zu sehen bekommst. Für implied Odds ist die Fähigkeit wichtig, Monster treffen zu können.

      Ich denke nicht, dass die Spielweise der Premiumhände des Gegners irgendwie ausschlaggebend ist. Die bilden nur einen sehr kleinen Teil der gegnerischen Range (in der Regel). Das ist auch der Teil seiner Range, gegen den du kaum Value erzielen kannst, weil deine Equity gegen diese Hände sehr schlecht ist. Viel öfter bist du gegen den Rest unterwegs, wo dein Value liegt.

      Es ist aber schwierig, diese Gesichtspunkte in Zahlen zu fassen. Deswegen gibt es unterschiedliche gangbare Spielstile und nicht den einen Stil.

      Neben der Hinzunahme von Händen gibt es auch die Möglichkeit, die Range durch Tausch von Händen zu verändern. Das Beispiel einer 3-bet in SB hast du schon angesprochen. Sie ist sehr asslastig und die kleineren Asse haben reverse IOs. Es könnte z. B. sinnvoll sein, ein paar kleine Asse gegen IO Hände wie SCs auszutauschen. Man verliert etwas Equity, aber da man ausserdem RIO gegen IO eintauscht, wahrscheinlich nicht viel EV, falls überhaupt. Und man kann mehr Floptexturen treffen, was einen schlechter ausrechenbar macht.
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      Danke! Aber gibt es nicht Grenzen? Ich habe einen Spieler gefunden, der hat in seiner cappingrange nur noch 25% "echte Hände" und der Rest ist deceptive. Das ist doch ein bisschen viel oder? Auch 50/50 scheint mir übertrieben. Naja, andererseits... wenn keiner adapted.

      Apropos Adaption. Die geht dann über eine EQ-Analyse oder wie adaptest du, wenn du weißt, jemand hat sau viele Scons in seiner Range und eben wenige Premiumhände?
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Sowas habe ich bisher nur bei manchen loosen Fischen bemerkt. Die sind so eine Art reversed Equity Raiser: Premiumhände (oder sogar runter bis top 10%) werden nicht geraist/3-bettet, die mittlere Range wird geraist, der schwache Teil wird gecallt. Das heisst, sie balancen ihren schwachen Teil mit ihren guten Händen, aber ihre Raisingrange ist eher schwach. Diese Spieler haben eine grosse Lücke zwischen VPIP und PFR.

      Meine Adaption ist, gegen Raises und 3-bets hart zurückzuschlagen, weil man eine gute Equity gegen deren Range hat. Das heisst, Asse und gute Ks werden gecappt und die Pockets auch. Deceptive Caps werden vermieden, denn das bringt nichts. Der Pot wird extrem gross und man hat dann auf dem Flop nur wenig Foldequity.

      Durch die harten Caps verschlechtert man die IOs ihrer spekulativen Hände. Die müssen erst mal mehr bezahlen und treffen den Flop deswegen nicht häufiger. Position spielt aber eine wichtige Rolle. In Position bevorzuge ich 3-bet/cap, ausser Position ist eventuell auch eine no 3-bet/no cap Strategie sinnvoll. Das hängt davon ab, wie oft der Gegner seine Contibet setzt.

      Durch die Initiaitive verbessert man die Gewinnwahrscheinlichkeit der Hände mit schlechter Playability. Gerade wenn man einen Equityvorteil hat, dann ist das wertvoll.