Donkbet HU - brauch mal Hilfe

    • DismasX
      DismasX
      Black
      Dabei seit: 30.06.2007 Beiträge: 1.503
      Hab heute nacht durchgegrindet, bin todmüde und kann nicht mehr richtig klar denken. Würde mich über ein paar Gedanken zu u. a. "Problem" freuen, geht mir gerade nicht aus dem Kopf, aber bekomm es selbst nicht auf die Reihe atm:

      Angenommen wir wollen auf bestimmten Boards HU eine donk Line spielen, wie müßte man die mathematisch gesehen halbwegs korrekt balancen?

      Board: K74

      Potsize am Flop 4.5 SB, Investment 1 SB, Gegner bekommt 5:1. Direkte FE soll mal auf 16% festgelegt werden.

      Grundsätzlichen Ansatz könnte ich mir in etwa so vorstellen:

      donk/fold: 16% Anteil ?
      donk/call: (FD, SD, MP so in der Richtung)
      donk/3bet: 2 Pair +, TP GK
      donk/call F, cr T: 2 Pair +, TP GK

      Jemand Ideen zur prozentualen Gewichtung der Ranges? Oder überhaupt Gedanken zu der Geschichte.

      Hintergrund ist, dass ich mit Donkbets subjektiv gute Erfahrungen gegen einige Regs gemacht habe und weiter damit rumexperementieren möchte. Aber nicht so diese "ich hab die action verpeilt" Donks, sondern mit nem etwas besseren Gameplan dahinter. Soll auch keine Standardline werden, aber insgesamt halt wenigstens ansatzweise vernünftig gebalanced eingestreut. Einige Regs reagieren darauf sehr aggressiv und fangen massiv an zu donaten, bei anderen sehe ich einen Instafold, weil die mich wahrscheinlich auf ne Made Hand setzen und davon ausgehen, dass ich mit TP wieder mal nicht weiß "wer gerade dran ist"^^.
  • 2 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Hm, das Board, das du als Beispiel gegeben hast, ist ziemlich trocken. Du versuchst mit einer Donk, in erster Linie made Hände zu repräsentieren. Wenn du deine guten Hände (tp, und besser) donkst, dann fragt sich, womit balancierst du deine Checkraises? Oder hast du vor, Checkraise auf diesen Boards aufzugeben?

      Angenommen, du willst auf trockenen Boards keine Checkraises mehr spielen. Zunächst mal geht es um die Hände, die du sinnvoll donken kannst. Welche du dann callst, ist eine andere Sache, da der Gegner mit call oder raise reagieren kann. Man kann annehmen, dass er nicht zu 100% raist, wenn er die Hand fortsetzt.

      Viel hängt von der gegnerischen Range ab. Die ist auf reinen HU-Tischen anders als auf Tischen, an denen mehrere Spieler sitzen und du einen Blinddefend machst. Wenn du dein Spiel von Checkraise auf Donk auf trockenen Boards umstellst, könnte der Gegner das irgendwann merken. Balancing ist erst dann notwendig, wenn der Gegner die Umstellung realisiert hat. Solange er das nicht getan hat, wird er Fehler machen. So lange spielst du nicht balanciert, sondern exploitiv.

      16% Foldequity sind gegen eine weite Range etwas ganz anderes als gegen eine tighte Range. Gegen eine tighte Range wirst du gegen einen hohen Anteil made Hände spielen (Pockets, K), eine loose Range floatet in erster Linie, wenn sie mit 84% callt. Das wirkt sich auf deine Outs deiner Bluffrange aus. Gegen die tighte Range hast du viel weniger Outs als gegen die loose Range. Ausserdem hat die loose Range viel seltener eine made Hand auf dem Turn.

      Donk/3-bet:
      Eine Alternative ist Donk/call Flop, checkraise Turn. Der Vorteil der donk/3-bet Linie ist, dass sie den cheap Showdownmove raise Flop, check Turn verhindert. Der Nachteil ist, dass sie gegen raise Flop, bet Turn eine SB weniger gewinnt als checkraise Turn. Hier muss eine Abwägung getroffen werden, die von der Raisingrange des Gegners abhängt. Kandidaten für bet/3-bet sind gute made Hände (ab top Paar guter Kicker) + Draws. Gute Draws haben viel Equity HU. Man sollte nicht nur die Monster mit bet/3-bet spielen, sonst wird es für den Gegner zu leicht. Das Problem ist, auf trockenen Boards sind nicht viele gute Draws in deiner Range. Hier z. B. nur 65. Man kann also überlegen, auch Gutshots mit rein zu packen. Das hängt auch davon ab, wieviel FE man noch hat, wenn der Gegner am Flop raist.

      Donk/call:
      Das gibt es in drei Ausprägungen: donk/calldown mit Showdownvalue, donk/call checkraise Turn (s. o.) und donk/call Semibluff/Outs. Entsprechend setzen sich die Ranges zusammen. Wenn du die checkraise Turn Linie nicht spielst, dann fehlen in dieser Linie die starken Hände. Das ist eine ausnutzbare Schwäche dieser Linie.

      Donk/fold:
      Das sind deine Bluffs. Sie sind durch deine anderen Hände balanciert. Grundsätzlich besteht dieser Anteil aus Händen, für die die anderen Linien nicht in Frage kommen. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt davon ab, wieviele Outs du gegen Call im Schnitt hast und wie hoch der Anteil der Hände ist, den der Gegner raist. Je weniger der Gegner am Flop raist, desto höher kann dieser Anteil sein. Rechnet man im Schnitt 3 Outs gegen Call, dann bringen die Outs 3/47 = 6,4% Equity für diese Hände + Foldequity. Das bedeutet, diese Hände haben 22% Equity. Die Bluffs sind genau genommen ein Semibluff.

      Für einen Semibluff kann man ausrechnen, ob er sich prinzipiell lohnt (also ob wir ihn zu 100% machen sollten). Problem: der Gegner kann raisen und wir haben zu wenig EQ für den Call.

      EV(Semibluff) = FE * Pot + (1-FE) *Call% * (EQ*(Pot+2) - 1 = 0,16* 4,5 + 0,84* 0,064 * 6,5 * Call% - 1
      = -0,28 + 0,35 * Call% >0
      -> Call% > 0,35/0,28 > 100%

      Also nicht.

      Die Frage ist, ob man überhaupt pure bluffen sollte, wenn der Gegner so wenig foldet. Da der Gegner 5:1 Pot Odds bekommt, sollten 84% unserer Hände Valuehände sein. Es bleiben 16% für die Bluffs übrig. Die werden aber schon durch die Semibluffs in unserer Range abgedeckt, da die mehr als 16% ausmachen werden. Erst wenn man weniger Semibluffs in der Range hat als ihrem Anteil im Vergleich zu den Valuehänden entspricht, sollte man noch reine Bluffes dazunehmen.

      (Die Semibluffs rechnet man teilweise zu den Valuehänden, und zwar zu dem Anteil, der ihrer Equity entspricht. Hat ein Draw also eine Equity von 30% und sind es 10 Kombinationen für diesen Draw, dann zählt er wie 3 Valuehände und 7 pure Bluffs.)

      Nimmt man hier z. B. oesds und Gutshots als Kandidaten, dann hat man für den oesd eine Equity von ca. 40% und für die Gutshots von 30%. 16 Kombos für den oesd ergibt 0,4*16 = 6,4 made Kombos und 0,6*16 = 9,6 Bluffkombos. Die Gutshots 86, 85, 63, 53 (wenn sie in deiner Range wären) wären 64 Kombos, davon zählen 0,3*64 = 19,2 als made Kombos und 44,8 als Bluffkombos. Du hättest also durch die Draws 25,6 Valuekombos und 54,4 Bluffkombos. Du brauchst insgesamt 6*54,4 - 25,6 ~ 300 andere Valuekombos, um die Semibluffs zu balancen. Erst wenn man noch mehr Valuekombos hätte, könnte man pure Bluffes dazunehmen.

      Balancing:

      Die verschiedenen Linien überschneiden sich in ihren Kandidatenhänden. Wenn man auf keine Linie verzichten will (z. B. auf bet/3-bet), dann muss man die Kandidatenhände, die mehrere Linien bedienen können, auf diese Linien aufteilen. Am besten so, dass die Linien für sich balanciert sind.

      Also z. B. so:
      top Paar und besser: 50% bet/3-bet, 50% b/c checkraise Turn
      SD, FD: 60% bet/3-bet, 20% b/c checkraise Turn, 20% b/c
      Gutshot: 40% b/3-b, 10% b/c cr, 50% b/c
      usw.

      Man muss sich überlegen, welche Teilrange wieviel Kombos hat, damit dann auch die Turnlinien balanced sind. Z. B. sind top Paar guter Kicker und besser ca. 40 Kombos. Spielt man 50% davon mit cr Turn, sind das noch 20 Kombos. 20% SD + 10% Gutshot sind 7 Kombos, damit würde die cr Turn Linie zu 74% aus top Paar und besser bestehen. Der Gegner würde für diesen Fall 8:2 = 4:1 Pot Odds für den Calldown bekommen. Das wäre also schon ganz gut an der optimalen Frequenz. Man kann sich überlegen, die Gutshots durch SDs zu ersetzen, weil Gutshots und SDs sich mit genau den gleichen Karten verbessern, die Gutshots aber die schwächeren Hände sind. Allerdings verschiebt sich dann die bet/3-bet Range hin zu Gutshots, weil man dann dafür weniger SDs hat. Man kann es sicher noch verfeinern.

      Zeit, die Würfel auszupacken!
    • DismasX
      DismasX
      Black
      Dabei seit: 30.06.2007 Beiträge: 1.503
      Hey cjheigl,

      hatte gehofft, dass du dich hier meldest, super nice, wie du das wieder alles zusammengefaßt hast. Herzlichen Dank für die Arbeit, hast mir sehr weitergeholfen!