[SNG] Frage zum Bubblefactor Artikel

    • DarkZonk
      DarkZonk
      Bronze
      Dabei seit: 20.12.2008 Beiträge: 19.247
      Hallo,

      ich habe eine Frage zu folgendem Artikel:
      http://de.pokerstrategy.com/strategy/sng/1496/1/

      dort wird zu beginn der bubble factor für 1.5k chipstacks als 1.2 betitelt.

      dann kommt folgendes beispiel:

      Die erste Hand eines 9-handed Fullring-SnG mit gewohnter Auszahlungsstruktur. Der Big Blind beträgt 50 und alle Spieler besitzen einen Stack von 1500 Chips.

      UTG limped, UTG+1 raised auf 100 und Hero entscheidet sich am Button für einen Raise auf 300. UTG geht nun für 1500 All-in und UTG+1 folded.

      Nun sind 1975 Chips im Pot und Hero müsste 1200 Chips zahlen. Er bekommt also Odds von 1.65:1, müsste also mehr als 37% der Showdowns gewinnen, um breakeven zu spielen.

      Seine wirklichen Odds sind nun aber 1.375 : 1 (= 1.65/1.2 : 1), womit Hero mehr als 42% Equity benötigt.



      Hier setzt er wieder den Bubble Factor von 1.2 ein, in meinen Augen ist dies aber falsch.

      Der Bubble Factor berechnet sich ja aus den Ausgangsgrößen EQ(Fold) und EQ(Win).

      Für den Bubble Factor von 1.2 wurde bei EQ(Fold) von einem Stack von 1500 ausgegangen.

      Jetzt hier ändert sich die Situation aber doch... im Falle eines Folds hat Hero nur noch einen Stack von 1200 und UTG hätte 1975 chips.

      Dadurch müsste sich doch ein anderer Bubble Factor ergeben, da die 300 chips ja schon im Pot sind und für die Berechnung der EQ(Fold) nichtr mehr zur verfügung stehen, während bei dem Bubble Factor von 1.2 ja eine EQ(Fold) für einen 1.5 k stack angenommen wird.

      any comments? :f_confused:
  • 2 Antworten
    • Bobbs
      Bobbs
      Bronze
      Dabei seit: 02.01.2006 Beiträge: 4.264
      Hi DarkZonk,

      du sprichst da einen guten Punkt an.
      Vielen Leuten fällt es schwer zu glauben, dass das mit dem Bubblefaktor so einfach funktioniert.

      Anstatt sich so ein seltsames Konstrukt wie der Bubblefaktor vorzustellen, sollte man sich folgendes klar machen.
      Jeder weiß, dass wir durch das ICM bzw. die zugrunde liegende Auszahlungstrukur immer mehr Equity für einen Call benötigen, als wenn es keine Auszahlungsstrukur gäbe.

      Anstatt an den Bubblefaktor zu denken, solltest man sich klar machen, dass das ICM von uns einfach einen Risikozuschlag fordert.
      Anstatt bei einer Equity von 50% ohne dead money breakeven aus einer Entscheidung zu gehen, benötigen wir eben z.B. 54%.
      Diese +4% sind unser Bubblefaktor von 1.2.
      (Also grob, da wir bei Odds von 1:1 mit einem BF von 1.2 statt 50% Equity 54.5% Equity benötigen.)

      Dieser Risikozuschlag ist aber unabhängig von den Blinds und den Odds die wir ohne ihn erhalten. Das ist die genau die Idee hinter der Definition des Bubblefaktors.

      Aber du hast grundsätzlich recht, denn im Grunde ist der Gegenwert der 300 Chips die wir schon investiert haben kleiner als eben diese 300 Chips.
      Das ist wieder dank dem ICM der Fall.
      Dieser Effekt ist fällt aber deutlich kleiner aus, als der Effekt des Bubblefaktors.


      Ich habe einmal das Beispiel aus meinem Artikel für dich per Hand durchgerechnet.

      gegebene Situation:

      Die erste Hand eines 9-handed Fullring-SnG mit gewohnter Auszahlungsstruktur. Der Big Blind beträgt 50 und alle Spieler besitzen einen Stack von 1500 Chips.

      UTG limped, UTG+1 raised auf 100 und Hero entscheidet sich am Button für einen Raise auf 300. UTG geht nun für 1500 All-in und UTG+1 folded.


      Berechnung mit Hilfe des Bubblefaktors

      Wir müssen 1200 Chips für 1975 Chips zahlen.
      Das sind Odds von 1.65 zu 1.
      Unser Bubblefaktor beträgt 1.2.
      Damit ergeben sich unsere korrigierten Odds zu 1.375:1.
      Das ergibt eine benötigte Equity von ca. 42%


      Genaue Berechnung:

      Equity(Hero folds vs push) = 9.1% [Klick]
      Equity(Hero calls & wins) = 21% [Klick]
      Equity(Hero calls & loses) = 0%

      Damit ergibt sich unsere benötigte Equity zu:
      [Equity(Hero folds) - Equity(Hero loses)]/[Equity(Hero wins) - Equity(Hero loses)] =
      = Equity(Hero folds)/Equity(Hero wins) = 9.1%/21% ~ 43%

      Fazit
      Die direkte Rechnung mit dem Bubblefaktor ist natürlich nur eine Approximation an die normale Rechnung, aber sie ist sehr nahe am wirklichen Wert.
      Im obigen Beispiel wird es z.B. sehr sicher keine Hand geben, die gegen seine, als tight angenommene, Pushingrange 42% Equity besitzt, aber nicht die eigentlich benötigten 43% Equity.


      Btw. ich habe mir schon länger überlegt ein Video über die Stärken und Schwächen bei der Verwendung von Bubblefaktoren im Spiel zu machen, weil ich denke, dass es durch den Artikel leider nicht ganz so klar wird, warum dieses Konzept so hilfreich sein kann und einem sein Spiel auch deutlich angenehmer gestalten kann.

      Ich hoffe, dass dir das alles etwas geholfen hat! :)

      Cheers,

      Bobbs
    • DarkZonk
      DarkZonk
      Bronze
      Dabei seit: 20.12.2008 Beiträge: 19.247
      Hi Bobbs,


      super, vielen dank für die antwort. Hat mir in der tat sehr geholfen :)