1 Jahr ps.de - Rückblick und Fazit

    • Merlinius
      Merlinius
      Platin
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 3.519
      Heute vor einem Jahr hab ich mich also bei ps.de angemeldet. Ich wollte mal ein kurzes Fazit über die vergangenen 12 Pokermonate ziehen.

      Angefangen habe ich hier mit Fixed Limit. Die ersten Wochen ging es auf und ab, bis ich irgendwann den $100 Bonus freigespielt hatte und meine BR bei $180 oder so stand. Irgendwann war ich bei $220 nach einigen ups and downs. Da ich nicht mehr länger auf PT warten wollte, habe ich über einen Affiliate einen Account bei Bodog erstellt, über den ich dann nach 50 Bodog Points PT gratis bekommen habe. Also habe ich $40 bei Bodog eingezahlt und ein paar von diesen $3 Beginners' SNGs gespielt. Die Payoutstruktur (5 von 9 Plätzen itm) hat für eine sehr geringe Varianz gesorgt und da die Gegner so unglaublich schlecht waren, konnte ich meine BR trotz nicht vorhandener SNG Kenntnisse recht schnell auf $380 bringen. PT hatte ich von da an auch.

      Da es im FL nicht so gut lief, habe ich eines Tages Anfang August mal NL angetestet. Kurz einen Artikel überflogen - so groß kann der Unterschied ja nicht sein - und mich an die NL25 Tische gesetzt. Zum Glück(!) direkt am ersten Tag trotz fehlendem Skill direkt $75 Plus gemacht und den offensichtlichen Schluss gezogen, dass NL ja viel einfacher als FL ist. Leider konnte ich auf Party anschließend nur breakeven spielen. Aber zum Glück gabs ja Bodog, wo die Gegner meinen Eindrücken zufolge nicht einmal die Regeln beherrschten. Also habe ich dort weiter NL25 gespielt und da man nur 3 Tische gleichzeitig dort spielen kann, konnte ich mich natürlich voll auf das Spiel konzentrieren und meine BR bis Ende September mithilfe von NL25 auf knapp $1.7k bringen.

      Leider war ich damals noch recht moneyscared und ein wirklicher Gambler war ich auch nie. Als ich dann mal eine NL50 Session eingelegt habe und $200 Minus gemacht habe (Oh, Gott! 4 Stacks!!!), hatte ich erstmal "die Schnauze voll", habe $700 ausgecasht und für acht Wochen nicht gespielt. Als Anfang Oktober mein Studium anfing, habe ich mal einen Neuanfang mit SNGs gestartet, mich intensiv mit der Theorie beschäftigt etc. und das Ganze 6 Wochen lang betrieben. Es lief zwar nicht unbedingt schlecht, aber die Varianz war mir irgendwann zu viel und als ich dann eines Abends $100 Minus in den $11 SNGs gemacht habe (lol), war für mich auch dieses Kapitel beendet. Na ja, von da an habe ich mich aber zusammengerissen und wieder auf Bodog NL25 und NL50 gespielt. So konnte ich meine BR recht schnell bis Ende des Jahres auf knapp $5k bringen.

      Ich musste allerdings öfter etwas auscashen (Umzug etc.), so dass die Limitaufstiege sehr lange gedauert haben. Anfang des Jahres habe ich auch eine sechswöchige Pokerpause eingelegt, um mich zur Klausurenzeit besser auf die Uni konzentrieren zu können. In den Semesterferien habe ich dann einen Mix aus NL50 und NL100 gespielt. Aufgrund einer Menge Tilt, Unkonzentriertheit und mangelnder Tableselection habe ich auch NL100 anschließend ungefähr 60k Hände breakeven gespielt (wobei ich nebenbei noch mit NL50 gut Plus gemacht habe, so dass es halb so schlimm war). Leider war ich immer noch ein bisschen moneyscared, so dass ich trotz mehr als ausreichender NL100 BR viel zu viel Zeit auf NL50 verschwendet habe, ohne mich mal zusammenzureißen, an meinem Spiel zu arbeiten und ausschließlich NL100 zu spielen.

      NL100 habe ich zunächst wieder auf Party gespielt, habe dann aber Everest Poker für mich entdeckt, wo ich besser klarkam. Dort habe ich weiterhin konstant Gewinne erzielen können, habe aber immer wieder Geld ausgecasht. NL100 war mein erstes Ziel und ich war zufrieden, dort angekommen zu sein. Vor ein paar Wochen habe ich dann angefangen, konzentriert und viel zu spielen, so dass ich nun auf NL200 aufsteigen konnte. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr damit, Bad Beats zu verkraften oder auch mit 4-stelligen Swings klarzukommen, was eine recht wichtige Fähigkeit für einen Pokerspieler ist, wie ich finde. Insgesamt bin ich mittlerweile auch bei ~$11k, was meine all-time winnings angeht. Es ärgert mich ein bisschen, dass ich meine Zeit und meine Cashout-Strategie nicht besser gemanaged habe, denn sonst könnte ich mittlerweile locker bei $25k-$30k sein. Aber das habe ich jetzt zum Glück geändert, so dass ich hoffentlich recht zügig durch NL200 durchwandern werde, wobei man das natürlich nie genau planen kann.

      Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich in der Zeit gemacht habe, waren folgende:
      1. Table Selection:
      vernünftige Table Selection spart sehr viel Zeit und Geld. Wenn Ihr merkt, dass Ihr an einem Tisch nicht klarkommt oder keine große Edge habt, steht auf! Wenn ihr nur einen Fisch am Tisch habt und nichtmal Position auf ihn, dann gibt es auf Limits <NL200 keinen Grund an diesem Tisch zu bleiben - das ist pure Geldverschwendung.
      2. Konzentriertes Spielen:
      Fangt niemals an zu rechnen "ach, ich hab 5PTBB/100, ich spiele diesen Monat 30k Hände mal locker runter und sollte dann meine $x haben". Einfach mal Hände runterspielen klappt nicht (siehe meine breakeven stretch von 60k Händen). Man muss jederzeit für jeden BB arbeiten und konzentriert sein. Versucht, jede Edge auszubeuten, denn die kleinen +EV Situationen, die Ihr nutzt, machen den Unterschied aus, wenn Eure Upswings größer sind als Eure Downswings.
      3. Multitabling:
      Nicht mehr Tische spielen, als man überblicken kann. Ich habe gestern noch hier im Forum gelesen, wie jemand davon erzählt hat, dass er 10-tabling auf NL25 betreibt und eine Winrate von 1,x BB/100 hat. Mit dieser Strategie rennt man schon sehr früh gegen eine Wand. Nicht nur, dass man mit 3-tabling mit Sicherheit eine größere Winrate erzielen kann, man lernt auch einfach nichts mehr dazu. Auf den unteren - und eigentlich auch auf den oberen Limits - sollte es eigentlich oberste Priorität sein, sich zu verbessern. Ich denke mal, die allerwenigsten spielen NL25 wegen des grandiosen Stundenlohns, sondern um irgendwann auf höheren Limits Geld zu machen. Und niemand kann mir erzählen, dass er beim 10-tabling auch nur im Geringsten das Spielverständnis erlangen kann, das er braucht, um bspw. NL200 zu schlagen.
      4. Hände posten oder zumindest Handbewertungen lesen:
      ich denke, dazu muss man nicht viel sagen.
      5. niemals in Mustern denken:
      Jede Situation ist einzeln zu bewerten. Pauschalisierungen wie "niemals mit Top Pair broke gehen" komplett streichen. Das sind vielleicht Richtlinien, aber sobald man anfängt, nur noch in Mustern zu denken, holt man nicht mehr alles raus.
      6. rechtzeitig aufhören zu spielen:
      Wenn Ihr merkt, dass Ihr müde und unkonzentriert seid, hört auf. Auch wenn das natürlich klar sein sollte, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist aufzuhören, wenn man seine Verluste wieder reinholen will oder dergleichen.
      7. BRM und Angst vor dem Verlieren:
      Wer merkt, dass er mit den Swings psychisch nicht klarkommt, sollte natürlich ein konservativeres BRM betreiben. Davon abgesehen, sollte man an sich arbeiten, um eine Distanz zu dem Geld aufzubauen, das im Poker über den Tisch läuft. Auf der einen Seite um jeden BB kämpfen, den man aus einer scheinbar Standardsituation rausholen kann, aber auf der anderen Seite völlig gleichgültig darüber denken, dass man gerade für einen 300 BB Pot einen 2-Outer kassiert hat. Dies ist sicher eines der schwierigsten Elemente im Poker, aber trotzdem extrem wichtig. Hätte ich dies Anfang des Jahres schon so gekonnt wie heute - auch wenn es immer noch ausbaufähig ist -, wäre ich nochmal um ein paar Tausend $ reicher.

      Also gut, ich hoffe mal, dass mein Text nicht zu lang(weilig) war, und wünsche allen viel Erfolg an den Tischen.
  • 4 Antworten
    • kobeyard
      kobeyard
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 02.02.2006 Beiträge: 2.749
      :>
    • vassily
      vassily
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2006 Beiträge: 97
      wie isn dein name auf everest ?
    • PokerSpass
      PokerSpass
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2006 Beiträge: 1.390
      Guter Arikel - gratuliere - und weiterhin viel Erfolg!

      Halte auch von dem Multitabeln mit mehr als 3-4 Tische nicht sehr viel, weil man an Spielverständnis verliert und viel zu automatisch spielt dabei.

      Längerfristig ist das Arbeiten am Skill und konservatives BRM m.M. nach am wichtigsten.
    • Merlinius
      Merlinius
      Platin
      Dabei seit: 30.06.2006 Beiträge: 3.519
      Original von vassily
      wie isn dein name auf everest ?
      den möchte ich hier nicht bekanntgeben

      Original von PokerSpass
      Halte auch von dem Multitabeln mit mehr als 3-4 Tische nicht sehr viel, weil man an Spielverständnis verliert und viel zu automatisch spielt dabei.
      Also, ich wollte nicht sagen, dass man nicht mehr als 4 Tische spielen soll, aber man sollte das halt danach entscheiden, ob man vernünftig betrachtet noch damit klarkommt. Ich kann z.B. auf Everest einen Tisch mehr spielen als auf Party, weil das Spiel dort langsamer läuft.