Üble Tilt Probleme

    • ETBrooD
      ETBrooD
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2009 Beiträge: 2.421
      Ich hab gerade nicht die Zeit, ausführlich darüber zu schreiben, wollte das Topic aber schon mal eröffnen, damit ich es nicht vergesse.
      Habe in letzter Zeit aus verschiedenen Gründen wirklich üble Tilt Probleme, die mein BR Building arg verlangsamen und gelegentlich unnötig große Downswings nach sich ziehen.

      Update folgt.
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    • ETBrooD
      ETBrooD
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2009 Beiträge: 2.421
      Sodale.

      Ich spiele vorzugsweise HU PLO100 Short (50bb) auf Stars, hab nen angemessenen BR dafür und es ist mein bestes Spiel. Ich betreibe generell gute Game Selection, also spiele nur Losing Player oder schwache Regs. Habe gute Winnings in dem Game und will damit meinen BR sowohl rebuilden als auch hoffentlich bis etwa nächstes Jahr eine starke Hourly anstreben vermutlich mit Fullstack, low bis mid, wünschenswert auch SH. Soweit mein Plan.

      Mir kommt dabei mein Tilt momentan in die Quere.

      Was heute morgen zwischen 1-3 passiert ist:
      Ich warte auf Fische, gamble gut und korrekt, swinge halt so herum paar BI und halte mein Spiel für gut.
      Dann taucht halt wie so oft ein absoluter Monster Fisch auf, der jeden Dreck runter callt. Perfekt.
      Naja, nicht ganz perfekt.

      Hier kommt mein Problem: ich tilte neuerdings sehr rasch, wenn ich in einem großen Pot mit Riesen EQ ausgesuckt werde. Wieder so passiert, ich tilte und dann passierte allerdings etwas, das nicht völlig üblich für mich ist. Normalerweise tilte ich nur sehr kurz, oder täusche meinen Tilt sogar nur an, obwohl ich weiter A Game spiele.
      Aber aus irgendeinem Grund (vermutlich stark RL-bedingt) hörte mein Tilt diesmal nicht mehr auf. Ich verlor BI um BI, während ich noch B Game spielte. Dann spielte ich C Game und verlor weiter BI um BI.

      Normalerweise sagt man, dass man an dem Punkt rage quitten sollte und den Rest des Tages freinehmen/sporteln/drüber schlafen/fortgehen...
      Ich hingegen war komplett hypnotisiert und hab rumgespewt wie ein Blöder, so schlimm war es schon lange nicht mehr. Ich hatte zwar jeden erdenklichen Grund zu tilten, weil ich konstant in den großen Pots ausgesuckt wurde, aber mein Game hat derart darunter gelitten und mein Mindset war komplett im Eimer, ich hätte selbstverständlich nach spätestens 12 BI Verlust einfach quitten sollen.

      Ich hab bei 20 BI erst aufgehört. Keine Ahnung, wie ich das geschafft hab. Ich hab gesehen, ok Moment, der Verlust war eben noch so groß... jetzt so... und äh auf einmal so...? Äh... ok ich sollte aufhören... ich sollte...
      Und zack. Habs geschafft, irgendwie.

      Bin dann erst mal da gesessen und konnte nicht verstehen, was gerade mit mir passiert war. Ich hatte wie besessen gegambled, genauso schlimm wie gewisse ehemalige Winning Player, die irgendwann aus irgendwelchen Gründen auf Life-Tilt gingen und nie mehr davon runter kamen. Die Typen, gegen die ich vor hatte mal zu spielen, sobald mein BR es erlaubt. Die Typen, gegen die man innerhalb einer Stunde 30 BI up oder down gehen kann.

      Ich war plötzlich so einer.

      Tjo, ich habs also reflektiert und hab mich im Augenblick in ein Crapshot gesetzt und zocke gemütlich vor mich hin. Habe nicht das geringste Interesse, um ernsthafte Summen zu spielen, obwohl mein BR es immer noch erlauben würde.

      Ich weiß, wenn ich mich jetzt an einen CG Tisch setze, werde ich höchstwahrscheinlich wieder tilten, oder auf jeden Fall spewen. Ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle.


      Hintergründe zu derartigen Tilt Anfällen kann ich gut vermuten. Meine Lebenslage lässt schwer zu wünschen übrig, mit meinen Wünschen und Zielen stimmt es hinten und vorne nicht.
      Ich gehe zur HTL, Informatik Zweig. Hatte vor, das abzubrechen und Lehre in Tonstudium oder reine Programmierschule zu machen, sowas. Nebenher Schlagzeug lernen und Metal/Rock/Pop, etc. in einer Band spielen. Klare Vorstellungen. Aber momentan noch nicht machbar, bis in ein paar Monaten, aufgrund von Vorlagen.

      Das ist es vermutlich, was mich so irre macht. Mein Unterbewusstsein nagt, schätze ich. Bin total unzufrieden.

      Tjo. Was tun? CG Quitten und just4fun MTT's am WE? Komplett quitten? Mindset korrigieren trotz RL Probleme? Ich weiß es nicht und bin überfragt. Mein Bauch sagt mir, dass ich nicht wieder CG spielen sollte, bis ich wieder einigermaßen happy bin.

      Was sagt ihr? Habt ihr Tipps, Anregungen?
    • ubetterfold
      ubetterfold
      Bronze
      Dabei seit: 07.11.2010 Beiträge: 2.059
      hey
      also ich würde an deiner stelle vielleicht das game wechseln wenn du trotzdem CG spielen möchtest.
      wenn man leicht tiltet und schon angest davor hat zu tilten bevor man eine session startet klingt das echt gefährlich.
      PLO HU ist halt das game was am meisten swingig ist und wo man am schnellsten auf tilt gehen kann. ich glaube die richrtigen winning player im plo hu haben sich echt gut unter kontrolle, oder extreme lifetime-hittingskills:) .

      ich persöhnlich bin von plo 6max zu nlh fr gewechselt:) , weil mir der scheiß schon zu swingig war und es mich mega angekotzt hat wie fishe gewonnen haben.
      wenn dir nl zu langweilig ist probiers doch einfach mit 6max plo?!!
      is ncih so swingig und langweilig isses auch nich.

      naja gl anyways
    • ETBrooD
      ETBrooD
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2009 Beiträge: 2.421
      Ist ein guter Gedanke, auf SH NL zu wechseln. Meine Stärke ist es nicht, aber mein drittbestes Spiel möglicherweise. Leider ist das wegen der Sample Size nicht unbedingt aussagekräftig. Zur Expertise machen? Kann eine/die Lösung sein.

      Der Grund, warum ich PLO im letzten Jahr bevorzugt hatte gegenüber NL, ist die Action in HU. In HU NL herrscht tote Hose, und aufgrund mangelnder Übung kann ich es nicht mehr so gut. Sehr unpraktisch, sich auf einen Spieler einzuschießen vergrößert die Edge enorm.

      Ich spiele gehäuft MTTs, worin ich sehr sehenswerte Erfolge habe.
      Auf MTTs wechseln? Wäre zumindest fürs Mindset klasse. Zeitlich leider nicht. Außerdem ist meine Edge in MTTs beim multi-tabling nicht so groß. Ich bin ein klassischer Reader, was in MTTs sehr von Vorteil ist.

      PLO ist das Spiel der Gegenwart und hoffentlich der Zukunft. Es wird leider immer schwieriger, seit dem Down von FTP musste ich oft an meinem Spiel arbeiten, um up-to-date zu bleiben. NL hingegen entwickelt sich seitens der Losing Player kaum noch. Gibt zu denken.

      SH PLO ist für mich mMn keine Option. Weiß nicht warum, aber meine Edge ist für mich da absolut nicht sichtbar. Bad Run? Absolut möglich. Vielleicht aber auch mangelnde Kenntnisse. Zu unklar mMn, lieber bleiben lassen.

      Tilt... meine Expertise ist HU PLO, aber Tilt allein ist Grund genug, es bleiben zu lassen. Schade um die investierte Zeit... andererseits lernt man ja von einem Spiel so manche Sachen fürs andere. Vielleicht war es nicht völlig umsonst. Definitiv bleiben lassen? Was denkt ihr?

      Uhm...
      Also gut, soweit mal meine neuen Gedanken. SH NL? MTTs?
      Konsequenterweise kein PLO mehr. Kann man nichts machen, muss ich einsehen. Sieht das jemand anders?
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      Original von ETBrooD
      Ist ein guter Gedanke, auf SH NL zu wechseln. Meine Stärke ist es nicht, aber mein drittbestes Spiel möglicherweise. Leider ist das wegen der Sample Size nicht unbedingt aussagekräftig. Zur Expertise machen? Kann eine/die Lösung sein.

      Der Grund, warum ich PLO im letzten Jahr bevorzugt hatte gegenüber NL, ist die Action in HU. In HU NL herrscht tote Hose, und aufgrund mangelnder Übung kann ich es nicht mehr so gut. Sehr unpraktisch, sich auf einen Spieler einzuschießen vergrößert die Edge enorm.

      Ich spiele gehäuft MTTs, worin ich sehr sehenswerte Erfolge habe.
      Auf MTTs wechseln? Wäre zumindest fürs Mindset klasse. Zeitlich leider nicht. Außerdem ist meine Edge in MTTs beim multi-tabling nicht so groß. Ich bin ein klassischer Reader, was in MTTs sehr von Vorteil ist.

      PLO ist das Spiel der Gegenwart und hoffentlich der Zukunft. Es wird leider immer schwieriger, seit dem Down von FTP musste ich oft an meinem Spiel arbeiten, um up-to-date zu bleiben. NL hingegen entwickelt sich seitens der Losing Player kaum noch. Gibt zu denken.

      SH PLO ist für mich mMn keine Option. Weiß nicht warum, aber meine Edge ist für mich da absolut nicht sichtbar. Bad Run? Absolut möglich. Vielleicht aber auch mangelnde Kenntnisse. Zu unklar mMn, lieber bleiben lassen.

      Tilt... meine Expertise ist HU PLO, aber Tilt allein ist Grund genug, es bleiben zu lassen. Schade um die investierte Zeit... andererseits lernt man ja von einem Spiel so manche Sachen fürs andere. Vielleicht war es nicht völlig umsonst. Definitiv bleiben lassen? Was denkt ihr?

      Uhm...
      Also gut, soweit mal meine neuen Gedanken. SH NL? MTTs?
      Konsequenterweise kein PLO mehr. Kann man nichts machen, muss ich einsehen. Sieht das jemand anders?
      Hallo ETBrooD,

      das ist ein komplexes und sehr umfangreiches Thema.

      Du hast schon ein ganz gutes gesamtbild dargelegt.

      Du hast einen gewissen skill, der Dir, wenn es "rund" läuft, winnings beschehrt. Das erleben auch Fische, aber du weisst, warum du gewonnen hast, du weisst (davon geh ich jetzt mal aus), wo du deine edge ausgespielt hast, warum du welche Entscheidung getroffen hast.

      Nun kommt aber der Punkt, den sehr viele Spieler unterschätzen und oft gar nicht wahrnehmen bzw nicht wahrhaben wollen. Zum Spiel gehören auch die Phasen, in denen es trotz richtiger Entscheidungen nicht läuft. Die können richtig lange dauern, 100 Buyins am Stück, in denen man Geld verliert, obwohl man richtig gespielt hat. Hier zeigt sich dann der gute Spieler, insbesondere der emotional gereifte und gerüstete Spieler. Er weiss, egal ob 20 oder 30 suckouts hintereinander, er spielt gar nicht wirklich um die Chips am Tisch, er spielt die Hochrechnung, er spielt in einer separaten imaginären Werteskala, die einzig von der mathematik bestimmt wird und sich einzig durch %ROi und den tatsächhlich realen Gewinnen, die am Ende eines Zyklusses zb nach Ablauf eines Jahres zu Buche stehen.
      Natürlich ist es nicht schön, wenn AA gegen 85o verliert, aber so funktioniert das Spiel nunmal und es gibt rein nichts, was man daran ändern kann.
      Und ganz fett sollte man sich vor Augen führen, dass die Zeit, in der alles so glatt lief, unbestritten wegen der vorhandenen edge, in dieser zeit haben wir unsere 66%, unsere 78% +überwiegend getroffen. Wir haben aber keine 100%, nur wenn es läuft, nimmt man das als selbstverständlich, schliesslich hatten wir die bessere Hand.
      Wir spielen gegen den Zufall, es kann alles passieren, aber wir nutzen unseren Wissens-Vorteil. Unser Spiel wird über die hochrechnung bewertet, nicht über die Chips, die während der Session hin und her wandern.
      Das ist die Theorie, die so verdammt schwer mit den eigenen Emotionen in Einklang zu bringen ist.

      Deshalb spricht mal bekannterweise von der Wichtigkeit eines starken Mindsets, einer starken Psyche. Hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen, der winning-player vom Be- oder loosing player.

      Eerfolge lassen sich nicht übers Knie brechen. Geld zurückgewinnen sind die ersten Fallen, in die jeder tappt, der am Beginn seiner Pokerkarriere steht.

      Was steckt dahinter? Bei Spielern, die gar nicht das theoretische Rüstzeug haben, ganz klar der Gedanke, Erfolgreiches Spiel bedeutet gleichzeitig gewonnenen Chips und umgekehrt. Verliert er, so wird ihm auf schmerzhafte Weise das Zeugniss - "Verlierer" oder "Fisch" oder "zu schecht" ausgestellt.

      Poker ist das Männerspiel schlechthin - man spricht von "Eiern", die man braucht am Tisch. Was dort passiert, scheint weit mehr als nur ein Spiel zu sein. Es ist eine Reflektion. Wir reflektieren unser Ego auf die Interaktion am Pokertisch und deshalb sind wir emotional bisweilen Überfordert.

      Du hast eine sehr guten Aspekt eingebracht. Die Erkenntniss, dass alles was abseits des Tisches geschieht in deinem Leben scheinbar mit an den Tisch gebracht wird. Es ist Teil deines Egos, etwa die Probleme mit Freundin, Eltern, etwaige Misserfolge im real life kratzen am Ego.

      Hier kommt die nächste Falle zum Vorschein. Die Suche nach Bestätigung des Selbsbildes bzw die Aufwertung des im real life angekratzten Egos durch das geschenen am Pokertisch. Der eigentliche Skill, der eigentliche Wert uneres Spieles finden wir nicht am Spieltisch, sprich im Tagesgeschäft. Wir kennen ihn, wenn wir genügend Spiele absolviert haben und wissen, wir wir in der Hochrechnung bzw Endabrechnung stehen. Dieser Status wirkt sich bereits auf unser real-life ego aus, es gibt also nicht, was wir erfahren, bestätigen oder verbessern können, wenn wir uns Abends an den Pokerstisch setzten, zumindest gibt es nichtsm das wir wirklich gänzlich kontriollieren können. Wir sind vom Zufall abhängig, von der Varianz.

      Wir begeben uns hier in ein Emotionales geschehen, nach dem Motto, wenigstens bin ich hier der Gewinner. Aber spielen wir noch unser longterm-basierende Spiel? Wieviel Bestätigung suchen wir in Wahrheit in diesem Moment.

      Sehr schwierig wird es auch, wenn man sich der tatsächlichen Stärke nicht bewust oder unsicher ist. Es ist schon nicht erfreulich, die unvermeidbaren Losses als winningplayer zu durchlaufen, es ist soviel schwieriger, wenn man noch gar nicht weiss, ob am Ende des Zyklusses überhaupt schwarze Zahlen stehen (ich spreche von Zyklus als einen Umlauf, in dem nach anfänglich willkürlicher Streuung und Häufung am Ende alle Ereignisse wahrscheinlichkeitstreu stattgefunden haben - sprich also nach sich ausgleichendem Up- und downsing)

      Aus den genannten Gründen ist Poker eine enorme emotionale Belastung, denn es geht, solange man kein wirklich solides mindset etwabliert hat, primär gar nicht um Geld. Man Selbst ist der Einsatz, das eigene Ego steht im Mittelpunkt dieser Tätigkeit, dieser Prüfung, deren bemessungskriterien es gilt zu erkennen. Erst wenn man die Theorie dieses Spiels verstanden hat und in der Lage ist, sier erfolgreich zu verwenden, eben auch während der Verlustreichen downswings, kann man überhaupt erst das Mindset erlangen, das einem befähigt, emotionsarm die richtigen Entscheidungen auch in den schlimmsten downs zu fällen. Und das ist schon schwer genug.

      Was bedeutet das in deiner Situation:

      1. Erkenne die downsings und suckouts als normaler widerkehrender und unverzichtbarer Bestandteil des auch noch so erfolgreichen Spiels.

      2. Beziehe die Bewertung deines Skills niemals aus einzelnen Phasen oder Gewinnen. Einzig relevant ist die Hochrecheng (also die equity), nach der du deine Entschedungen kritisch zu überprüfen hast.

      3. Such niemals Bestätigung für dein Ego in Ereignissen, die du nicht kontrollieren kannst. Klar sollst du das positive mitnehmen für dein Ego, wenn du ein MTT shippst. Aber du kannst noch so viel edge haben, braucht dein Ego Aufbauarbeit oder Streicheleinheiten, so ist Poker ungeeignet. Der wahre Wert deines Skills zeigt sich niemals in einer Session. Du kennst ihn ohnehin schon, in Wahrheit aber suchst du die Glücksgefühle, die ein gewonnener Showdown auslösen. In diesem Moment befindest du dich auf gefährlichem terrain. Denn du kannst die Ereignisse nicht steuern.

      Die Schlussfolgerung und Erkenntniss daraus ist das, was du dir nun zu Herzen nehmen solltest.

      Diese Bestätigung Deines eigenen Wertes musst du dir unbedingt erstmal woanders holen. Wie kann ich Dir nicht sagen, da ich über dich und dein Umfeld nichts weiss. Sei es, dass sich deinen Freundin die nächste Zeit etwas mehr um dich kümmern sollte oder ob du dir mal ein paar alte Wüsche erfüllst oder Vorhaben in die Wege leitest, die dich auf anderen gebiten weiterbringen.
      Hole dir Erfolgserlebnisse.

      Bist du wieder mehr gefestigt, hast du andere Vorraussetzungen, wenn du dich wieder an den Tisch setzt. Du würdest dich wundern, was eine Pause bewierken kann. Du sitzt wieder völlig locker, viel distanzierter und ohne Druck am Tisch, denn dann spielst du nur die Equity, das Ego ist ausgeglichen und gefestigt.

      alle gute,

      mergelina
    • ubetterfold
      ubetterfold
      Bronze
      Dabei seit: 07.11.2010 Beiträge: 2.059
      Original von mergelina
      Original von ETBrooD
      Ist ein guter Gedanke, auf SH NL zu wechseln. Meine Stärke ist es nicht, aber mein drittbestes Spiel möglicherweise. Leider ist das wegen der Sample Size nicht unbedingt aussagekräftig. Zur Expertise machen? Kann eine/die Lösung sein.

      Der Grund, warum ich PLO im letzten Jahr bevorzugt hatte gegenüber NL, ist die Action in HU. In HU NL herrscht tote Hose, und aufgrund mangelnder Übung kann ich es nicht mehr so gut. Sehr unpraktisch, sich auf einen Spieler einzuschießen vergrößert die Edge enorm.

      Ich spiele gehäuft MTTs, worin ich sehr sehenswerte Erfolge habe.
      Auf MTTs wechseln? Wäre zumindest fürs Mindset klasse. Zeitlich leider nicht. Außerdem ist meine Edge in MTTs beim multi-tabling nicht so groß. Ich bin ein klassischer Reader, was in MTTs sehr von Vorteil ist.

      PLO ist das Spiel der Gegenwart und hoffentlich der Zukunft. Es wird leider immer schwieriger, seit dem Down von FTP musste ich oft an meinem Spiel arbeiten, um up-to-date zu bleiben. NL hingegen entwickelt sich seitens der Losing Player kaum noch. Gibt zu denken.

      SH PLO ist für mich mMn keine Option. Weiß nicht warum, aber meine Edge ist für mich da absolut nicht sichtbar. Bad Run? Absolut möglich. Vielleicht aber auch mangelnde Kenntnisse. Zu unklar mMn, lieber bleiben lassen.

      Tilt... meine Expertise ist HU PLO, aber Tilt allein ist Grund genug, es bleiben zu lassen. Schade um die investierte Zeit... andererseits lernt man ja von einem Spiel so manche Sachen fürs andere. Vielleicht war es nicht völlig umsonst. Definitiv bleiben lassen? Was denkt ihr?

      Uhm...
      Also gut, soweit mal meine neuen Gedanken. SH NL? MTTs?
      Konsequenterweise kein PLO mehr. Kann man nichts machen, muss ich einsehen. Sieht das jemand anders?
      Hallo ETBrooD,

      das ist ein komplexes und sehr umfangreiches Thema.

      Du hast schon ein ganz gutes gesamtbild dargelegt.

      Du hast einen gewissen skill, der Dir, wenn es "rund" läuft, winnings beschehrt. Das erleben auch Fische, aber du weisst, warum du gewonnen hast, du weisst (davon geh ich jetzt mal aus), wo du deine edge ausgespielt hast, warum du welche Entscheidung getroffen hast.

      Nun kommt aber der Punkt, den sehr viele Spieler unterschätzen und oft gar nicht wahrnehmen bzw nicht wahrhaben wollen. Zum Spiel gehören auch die Phasen, in denen es trotz richtiger Entscheidungen nicht läuft. Die können richtig lange dauern, 100 Buyins am Stück, in denen man Geld verliert, obwohl man richtig gespielt hat. Hier zeigt sich dann der gute Spieler, insbesondere der emotional gereifte und gerüstete Spieler. Er weiss, egal ob 20 oder 30 suckouts hintereinander, er spielt gar nicht wirklich um die Chips am Tisch, er spielt die Hochrechnung, er spielt in einer separaten imaginären Werteskala, die einzig von der mathematik bestimmt wird und sich einzig durch %ROi und den tatsächhlich realen Gewinnen, die am Ende eines Zyklusses zb nach Ablauf eines Jahres zu Buche stehen.
      Natürlich ist es nicht schön, wenn AA gegen 85o verliert, aber so funktioniert das Spiel nunmal und es gibt rein nichts, was man daran ändern kann.
      Und ganz fett sollte man sich vor Augen führen, dass die Zeit, in der alles so glatt lief, unbestritten wegen der vorhandenen edge, in dieser zeit haben wir unsere 66%, unsere 78% +überwiegend getroffen. Wir haben aber keine 100%, nur wenn es läuft, nimmt man das als selbstverständlich, schliesslich hatten wir die bessere Hand.
      Wir spielen gegen den Zufall, es kann alles passieren, aber wir nutzen unseren Wissens-Vorteil. Unser Spiel wird über die hochrechnung bewertet, nicht über die Chips, die während der Session hin und her wandern.
      Das ist die Theorie, die so verdammt schwer mit den eigenen Emotionen in Einklang zu bringen ist.

      Deshalb spricht mal bekannterweise von der Wichtigkeit eines starken Mindsets, einer starken Psyche. Hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen, der winning-player vom Be- oder loosing player.

      Eerfolge lassen sich nicht übers Knie brechen. Geld zurückgewinnen sind die ersten Fallen, in die jeder tappt, der am Beginn seiner Pokerkarriere steht.

      Was steckt dahinter? Bei Spielern, die gar nicht das theoretische Rüstzeug haben, ganz klar der Gedanke, Erfolgreiches Spiel bedeutet gleichzeitig gewonnenen Chips und umgekehrt. Verliert er, so wird ihm auf schmerzhafte Weise das Zeugniss - "Verlierer" oder "Fisch" oder "zu schecht" ausgestellt.

      Poker ist das Männerspiel schlechthin - man spricht von "Eiern", die man braucht am Tisch. Was dort passiert, scheint weit mehr als nur ein Spiel zu sein. Es ist eine Reflektion. Wir reflektieren unser Ego auf die Interaktion am Pokertisch und deshalb sind wir emotional bisweilen Überfordert.

      Du hast eine sehr guten Aspekt eingebracht. Die Erkenntniss, dass alles was abseits des Tisches geschieht in deinem Leben scheinbar mit an den Tisch gebracht wird. Es ist Teil deines Egos, etwa die Probleme mit Freundin, Eltern, etwaige Misserfolge im real life kratzen am Ego.

      Hier kommt die nächste Falle zum Vorschein. Die Suche nach Bestätigung des Selbsbildes bzw die Aufwertung des im real life angekratzten Egos durch das geschenen am Pokertisch. Der eigentliche Skill, der eigentliche Wert uneres Spieles finden wir nicht am Spieltisch, sprich im Tagesgeschäft. Wir kennen ihn, wenn wir genügend Spiele absolviert haben und wissen, wir wir in der Hochrechnung bzw Endabrechnung stehen. Dieser Status wirkt sich bereits auf unser real-life ego aus, es gibt also nicht, was wir erfahren, bestätigen oder verbessern können, wenn wir uns Abends an den Pokerstisch setzten, zumindest gibt es nichtsm das wir wirklich gänzlich kontriollieren können. Wir sind vom Zufall abhängig, von der Varianz.

      Wir begeben uns hier in ein Emotionales geschehen, nach dem Motto, wenigstens bin ich hier der Gewinner. Aber spielen wir noch unser longterm-basierende Spiel? Wieviel Bestätigung suchen wir in Wahrheit in diesem Moment.

      Sehr schwierig wird es auch, wenn man sich der tatsächlichen Stärke nicht bewust oder unsicher ist. Es ist schon nicht erfreulich, die unvermeidbaren Losses als winningplayer zu durchlaufen, es ist soviel schwieriger, wenn man noch gar nicht weiss, ob am Ende des Zyklusses überhaupt schwarze Zahlen stehen (ich spreche von Zyklus als einen Umlauf, in dem nach anfänglich willkürlicher Streuung und Häufung am Ende alle Ereignisse wahrscheinlichkeitstreu stattgefunden haben - sprich also nach sich ausgleichendem Up- und downsing)

      Aus den genannten Gründen ist Poker eine enorme emotionale Belastung, denn es geht, solange man kein wirklich solides mindset etwabliert hat, primär gar nicht um Geld. Man Selbst ist der Einsatz, das eigene Ego steht im Mittelpunkt dieser Tätigkeit, dieser Prüfung, deren bemessungskriterien es gilt zu erkennen. Erst wenn man die Theorie dieses Spiels verstanden hat und in der Lage ist, sier erfolgreich zu verwenden, eben auch während der Verlustreichen downswings, kann man überhaupt erst das Mindset erlangen, das einem befähigt, emotionsarm die richtigen Entscheidungen auch in den schlimmsten downs zu fällen. Und das ist schon schwer genug.

      Was bedeutet das in deiner Situation:

      1. Erkenne die downsings und suckouts als normaler widerkehrender und unverzichtbarer Bestandteil des auch noch so erfolgreichen Spiels.

      2. Beziehe die Bewertung deines Skills niemals aus einzelnen Phasen oder Gewinnen. Einzig relevant ist die Hochrecheng (also die equity), nach der du deine Entschedungen kritisch zu überprüfen hast.

      3. Such niemals Bestätigung für dein Ego in Ereignissen, die du nicht kontrollieren kannst. Klar sollst du das positive mitnehmen für dein Ego, wenn du ein MTT shippst. Aber du kannst noch so viel edge haben, braucht dein Ego Aufbauarbeit oder Streicheleinheiten, so ist Poker ungeeignet. Der wahre Wert deines Skills zeigt sich niemals in einer Session. Du kennst ihn ohnehin schon, in Wahrheit aber suchst du die Glücksgefühle, die ein gewonnener Showdown auslösen. In diesem Moment befindest du dich auf gefährlichem terrain. Denn du kannst die Ereignisse nicht steuern.

      Die Schlussfolgerung und Erkenntniss daraus ist das, was du dir nun zu Herzen nehmen solltest.

      Diese Bestätigung Deines eigenen Wertes musst du dir unbedingt erstmal woanders holen. Wie kann ich Dir nicht sagen, da ich über dich und dein Umfeld nichts weiss. Sei es, dass sich deinen Freundin die nächste Zeit etwas mehr um dich kümmern sollte oder ob du dir mal ein paar alte Wüsche erfüllst oder Vorhaben in die Wege leitest, die dich auf anderen gebiten weiterbringen.
      Hole dir Erfolgserlebnisse.

      Bist du wieder mehr gefestigt, hast du andere Vorraussetzungen, wenn du dich wieder an den Tisch setzt. Du würdest dich wundern, was eine Pause bewierken kann. Du sitzt wieder völlig locker, viel distanzierter und ohne Druck am Tisch, denn dann spielst du nur die Equity, das Ego ist ausgeglichen und gefestigt.

      alle gute,

      mergelina


      nicer post...werd ich mir auch mal durchlesen wenn ich in nem downswing stecke

      gl euch beiden :s_cool:
    • ETBrooD
      ETBrooD
      Bronze
      Dabei seit: 16.09.2009 Beiträge: 2.421
      Danke mergelina, dein Beitrag gibt mir zu denken. Du hast dir da wirklich Mühe gegeben.


      Diese Einstellung hab ich mir lange Zeit regelmäßig vor Augen gehalten, seit ich um ernstzunehmende Summen spiele. Aber in den letzten Monaten bin ich stark davon abgewichen.
      Ich hab mich immer öfter dabei ertappt, mir Karten herbei zu wünschen (oder umgekehrt), und ich wusste genau, dass das von einem instabilen Mindset zeugt und weiteren Schaden anrichten kann. Mein Bauchgefühl stimmt nicht.

      Als Anfänger hatte ich irgendwann damit begonnen, mich nach einem AI immer weg zu drehen. Das hat geholfen. Vielleicht sollte ich damit wieder anfangen? lol, mal ernsthaft?

      Das richtige Mindset habe ich, wenn ich auf alles, worauf ich keinen Einfluss habe, innerlich vorbereitet bin und es im voraus akzeptiere. Das ist einerseits für das Mindset wichtig, andererseits aber auch hilfreich, um unbelastet und kühl vorausschauen zu können. Entspannt und unbesorgt aufspielen, kontern oder aufgeben zu können sind Schlüsselfaktoren.

      Scharf denken kann ich, aber ich muss endlich wieder mit mir selbst im Einklang stehen. Ich bin momentan mein eigener größter Feind.
      Wissen, ohne meine Weisheit und meine ständige Bereitschaft, dieses Wissen konstant anzuwenden, verliert viel von seinem praktischen Nutzen.


      Ich hab einen groben Plan.
      In erster Linie werde ich mein Leben regeln. Und wenn es Wochen oder ein Jahr dauert, dann ist das eben so. Klarkopf machen, bevor ich wieder in richtig wilde Wasser hüpfe.

      Was Poker angeht:
      - Darauf achten, möglichst entspannt und zufrieden zu sein beim Pokern.
      - Die nächsten Wochen Spielvolumen u/o Limit senken. Mehr "just for fun".
      - Einfach nur "gutes Poker", nicht unbedingt A Game.
      - Für CG einen "Switch" finden, mit dem ich mich etwas leichter aus der Trance hole, damit ich so rasch wie möglich quitte.

      Hat zum letzten Punkt jemand eine Idee?


      Danke nochmals für deine Antwort mergelina.



      €: Mir werden plötzlich so manche Dinge bewusst. Ich hab mir so eine Art Glaubenssätze aufgebaut in Poker. Wahnsinn, wirklich schlimm...

      zB begreife ich gerade eben erst, dass Fische auch mal gut spielen können. Ja oh Wunder, es ist so. Manchmal verdienen sie sich ihren Profit.
      Ich muss von meinem hohen Ross runter...