Mentalcoaching

    • Krach-Bumm-Ente
      Krach-Bumm-Ente
      Black
      Dabei seit: 01.05.2006 Beiträge: 10.405
      Hi,

      mich würde interessieren, wie viele von euch schon mal erwogen haben sich einen Mentalcoach zu nehmen. Egal ob für Poker, Sport, Beruf, Uni usw.
      Was würdet ihr von so einem Coaching erwarten? Muss sich der Coach in dem Gebiet in dem ihr tätig seid selbst gut auskennen, erwartet ihr vielleicht eine (akademische) Ausbildung?

      Welche "Probleme" würdet ihr dem Coach aufzeigen, welche Methoden erwartet ihr, was würdet ihr nicht gut finden?

      Ich wollte schon immer Mentalcoaching machen (Anfangs im Sport, mittlerweile evtl. auch in Poker) und mich mal erkundigen, wie die Meinung dazu so aussieht und was erwartet wird und ggf. nicht gewünscht wird. Studiere Psychologie und hab selbst schon Erfahrung durch gecoacht werden (im Sport eher als im Poker).

      Danke!

      app.: Ich will hier nicht für ein Coachingangebot meinerseits werben! Ich coache (noch) nicht und werde eventuelle Anfragen vorerst ablehnen.
  • 6 Antworten
    • Th0m4sBC
      Th0m4sBC
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2006 Beiträge: 7.550
      Gewisse Grundkenntnisse sind für einen Mental-Coach (jetzt mal auf Poker bezogen) für mich ein absolutes Muss. Er muss aber kein Winning-Player sein welcher die Limits zerstört. Es sollte ihm einfach bewusst sein, was den mentalen Stress auslösen kann: oft an der Bubble rausfliegen, mit AA 15 mal in Folge verlieren, immer vor dem FT rausfliegen sowie natürlich die allgemeinen Swings (gerade bei Personen welche auscashen müssen Ihren Lebensunterhalt zu verdienen).

      Was eine 5bet ist muss der nicht wissen und wie gross die Chance ist einen Runner-Runner-Draw zu treffen auch nicht.
    • sma01
      sma01
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2006 Beiträge: 336
      Original von Krach-Bumm-Ente
      Hi,

      mich würde interessieren, wie viele von euch schon mal erwogen haben sich einen Mentalcoach zu nehmen. Egal ob für Poker, Sport, Beruf, Uni usw.
      Was würdet ihr von so einem Coaching erwarten? Muss sich der Coach in dem Gebiet in dem ihr tätig seid selbst gut auskennen, erwartet ihr vielleicht eine (akademische) Ausbildung?

      Welche "Probleme" würdet ihr dem Coach aufzeigen, welche Methoden erwartet ihr, was würdet ihr nicht gut finden?

      Ich wollte schon immer Mentalcoaching machen (Anfangs im Sport, mittlerweile evtl. auch in Poker) und mich mal erkundigen, wie die Meinung dazu so aussieht und was erwartet wird und ggf. nicht gewünscht wird. Studiere Psychologie und hab selbst schon Erfahrung durch gecoacht werden (im Sport eher als im Poker).

      Danke!

      app.: Ich will hier nicht für ein Coachingangebot meinerseits werben! Ich coache (noch) nicht und werde eventuelle Anfragen vorerst ablehnen.
      Hi,
      Ich war für eine Zeit lang bei einem richtigen Psychologen, um an mentalen Problemen zu arbeiten (Prokrastination, Struktur in den Tag bekommen, Ziele umsetzen, Motivation finden). Zudem war ich bei einer Art Mentalcoach ohne akademische Ausbildung, um an der Optimierung meiner Leistung in Beruf usw. zu arbeiten. Außerdem habe ich mit einem Bekannten meiner Eltern, der Psychologie-Professor ist, mehrere persönliche Gespräche geführt.

      Zu deinen Fragen:

      Was würdet ihr von so einem Coaching erwarten?

      Ich erwarte, dass ich von dem Coaching konkret profitiere, indem sich etwas Messbares verbessert. Platitüden und Tschaka-Sprüche kann ich auch selbst in der Self-help-Literatur lesen. Ich erwarte dementsprechend auch, dass der Coach auf mich und mein konkretes Problem eingeht und nicht so sehr versucht, es allgemein zu behandeln (Beispiel: "Ja, viele Leute leiden an Prokrastination, dafür gibt es viele verschiedene Gründe..."->interessiert mich nicht, wie das bei anderen Leuten ist.) Ich erwarte insgesamt einen Mix aus theoretischen Erklärungen (warum verhalte ich mich, wie ich mich verhalte) und praktischen Tipps (wie kann ich diese Erkenntnis effektiver umsetzen).

      Muss sich der Coach in dem Gebiet in dem ihr tätig seid selbst gut auskennen?

      Nein. Ich bin der Meinung, dass es viel entscheidender ist, dass er sich schnell in andere Leute und andere Lebensweisen hineindenken kann und das, was ich ihm von meinem Leben und meiner Tätigkeit erzähle, richtig einordnen kann. Es würde aber helfen, wenn er mit Leuten aus mehreren unterschiedlichen Bereichen zusammengearbeitet hat und dann Querverbindungen ziehen kann (Beispiel: Leistungsdruck im Profisport<->Leistungsdruck als Firmenvorstand), sodass er mich einerseits besser verstehen kann und mir andererseits auch besser helfen kann. Davon mal abgesehen ist es manchmal auch hilfreich, wenn der Coach von außen kommt und so einen anderen Blick hat (wichtig ist nur, dass er nicht voreingenommen ist und zum Beispiel mit moralischen Bedenken wegen Poker ankommt).

      Erwartet ihr vielleicht eine (akademische) Ausbildung?

      Ein Titel wäre schon gut, aber nicht notwendig. Wichtig ist mir, zu sehen, dass der potentielle Coach Ahnung hat und nicht einfach ein Dummschwätzer ist, der ein Buch mit Allerwelts-Phrasen geschrieben hat. Sehr gut wäre zum Beispiel nachweisbare Erfahrung (Top-Athleten betreut oder so was), auch wenn das wahrscheinlich schwierig zu finden ist. Ansonsten reicht es mir, wenn ich im Gespräch merke, dass er sich autodidaktisch die wichtigsten Konzepte angeeignet hat und anwenden kann. Was ich auch gut finde, ist, wenn man von dem potentiellen Coach vorher Texte oder Videos im Internet sehen kann. Dann kann ich schon in etwa abschätzen, ob er mir helfen kann oder nicht.

      Welche "Probleme" würdet ihr dem Coach aufzeigen, welche Methoden erwartet ihr, was würdet ihr nicht gut finden?

      Schwer, das allgemein zu sagen. Was auch immer hilft, ist gut, denke ich. Sehr abstoßend finde ich zwei Dinge, die leider meiner Erfahrung nach viele im psychologischen Bereich Tätige aufzeigen:

      1. Den Hang, zu labern, zu referieren, zu weit auszuholen. Wie schon oben beschrieben, nerven mich allgemeine Ausführungen im Stil einer Abhandlung. Wenn ich allgemeine Theorien wissen will, lese ich mir psychologische papers durch. Beim Coaching will ich konkrete, direkte Hilfe und keine Vorlesung.

      Das kann aber auch mit meiner begrenzten direkten sample size (ca. 5 Leute) zu tun haben. Das zweite Probleme assoziiere ich hingegen mit allen Coaches/Psychologen:

      2. Den Hang, dem Patienten / dem zu Coachenden das eigene Weltbild aufzudrücken. Das war der Grund, warum ich vor Jahren die Sitzungen bei dem richtigen Psychologen abgebrochen habe. Er hat irgendwie versucht, nicht nur meine konkrete Problemstellung zu lösen, sondern darüber hinaus allgemein mein Leben in die Bahnen zu lenken, die er für richtig gehalten hat. Das ist fatal...Beispiel: Wenn der Gecoachte Rat sucht, um seine Leistung ans Optimum zu bringen und 12-14 Stunden jeden Tag zu arbeiten, dann darf der Coach niemals lange darauf hinweisen, dass dabei vielleicht die Familie zu kurz kommt oder so was. Oder meinetwegen auch, dass der Coach zwanghaft versucht, einem Pokerspieler eine normale berufliche Laufbahn schmackhaft zu machen. So was geht gar nicht.

      Ich hoffe, das hilft ein wenig :) .
    • Krach-Bumm-Ente
      Krach-Bumm-Ente
      Black
      Dabei seit: 01.05.2006 Beiträge: 10.405
      Vielen Dank für den ausführlichen Post!

      Zu deinem letzten Punkt: Meinst du mit Ausschweifen, dass der Coach noch lang und breit erklärt WARUM etwas funktionieren soll oder eher was anderes?

      Ich hatte z.B. die Idee durch einfache Erklärungen und ein oder zwei fMRT-Bilder verschiedene Sachverhalte erstmal zu erklären. Zum Beispiel wie eine irrationale Entscheidung gefällt wird und wir absolut nichts dagegen tun können, oder wie Tilt auf neurologischer Ebene entsteht und warum wir, wenn wir dann mal tilten, ihm eigentlich relativ hoffnungslos ausgeliefert sind. Ich denke das Verständnis über solche Sachverhalte ist schon der erste Schritt. Das würde z.B. Pokerspieler betreffen.

      Sportlern könnte man erklären wieso Nervosität immer dann aufkommt wenn man an den Start geht. Das nimmt der Person, finde ich, etwas Druck von den Schultern, weil sie dann weiß "das muss so geschehen, weil so unser Gehirn funktioniert" und nicht denkt "ich bin so eine Null, jetzt werd ich schon wieder nervös wenns drum geht."

      Wären solche durchaus wissenschaftliche Erläuterungen schon zu ausschweifend für dich?

      Das mit dem Weltbild kann ich auch etwas verstehen, als Psychologe verfällt man leicht dem Gedanken, dass man es ja besser wissen muss und Recht hat. Das ist auf jeden Fall etwas auf das ich achten will.
      Ein anderes Problem ist auch unzugänglichen Personen etwas klarmachen zu wollen. Wenn jemand hart tiltet sollte ich ihn in dem Moment einfach von den Tischen fern halten aber eben nichts über Neurotransmitter etc. erzählen, wie im Alltag auch wenn jemand raged. Auch Drogenabhängige sind kaum zugänglich wenn sie nicht selbst wollen, dass ihnen geholfen wird. Wenn man sich aufdrängt verbarrikadiert derjenige sich nur noch mehr, denke daher kommt auch der teilweise schlechte Ruf von Psychologen. Weil sie sich jemand aufdrängen mit ihrer Hilfe wenn derjenige keine Hilfe will.
    • sma01
      sma01
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2006 Beiträge: 336
      Ich meine etwa Folgendes: Der Coach erklärt ein neues Konzept.

      Fall 1: Ab einem gewissen Punkt habe ich es verstanden und er erklärt immer noch weiter, holt weiter aus, bringt neue Beispiele, vertieft das Modell, ohne dass es etwas bringt. Ich will aber weiter im Text gehen.

      Fall 2: Ich versuche zu folgen, doch nach einer Weile werde ich unruhig, weil ich den Sinn des Konzeptes für mich nicht erkenne. Ich will nicht irgendeine schöne psychologische Theorie wissen, sondern erfahren, was sie mir bringt, wie ich sie anwenden kann, was die Konsequenz aus einem Modell ist.

      Das Problem ist, dass die Coaches hauptberuflich reden und meist ziemlich gute Rhetoriker sind, sodass es nicht so einfach ist, sie davon abzubringen und dazwischen zu hauen ;) .

      Bei deinen neurowissenschaftlichen Erklärungen besteht glaube ich die Gefahr, dass der zu Coachende sie zwar versteht, aber am Ende genauso schlau wie vorher ist. Es kommt ja keiner zu dir, um die Neuropsychologie des Tiltens zu verstehen, sondern um weniger häufig und weniger extrem zu tilten. Wenn deine Ausführungen dahingehend etwas bewirken, ist das super.

      Beispielsweise würde ich nichts dagegen haben, wenn du das Konzept von Triggern etwas länger allgemein vorstellst, weil ich es im nächsten Schritt direkt bei mir anwenden kann und vielleicht besser verstehe, in welchen Situationen ich tilte. Dann könnte ich nach der Sitzung an den Tischen vermehrt darauf achten, diese Tilt-Auslöser zu vermeiden. So hätte deine Erklärung zu Beginn einen direkten positiven Effekt auf mein Problem.

      Ähnlich bei dem nervösen Sportler: Wenn er bei seinem nächsten Rennen am Start diese negative Gedankenspirale unterbrechen kann, indem er sich eben sagt, dass es normal ist, nervös zu werden usw (basierend auf deinen wissenschaftlichen Ausführungen in der Sitzung), dann fände ich das gut.
    • bonzen3010
      bonzen3010
      Bronze
      Dabei seit: 21.03.2007 Beiträge: 852
      was du vor allem machen solltest ist dich iwie von all den pseudo-psychologen/coaches, esoterikern, motivation coaches etc.
      unterscheidet
      also stark auf wissenschaftliche fakten bauen
      wobei dabei ein akademischer titel helfen würde (MS is denk ich auchreichend)
      mir selbst wäre das z.b. sehr wichtig was aber eher mit meinem akademischen hintergrund zu tun hat

      ich kann mich sma01 schonmal in vielen punkten anschließen
      bei theoretischen erklärungen reichen eigentlich cliffs+ gründe warum es dem klienten hilt.
      fMRT-Bilder sind da bei manchen leuten bestimmt schon en bisschen overkill ^^

      du solltest deiner kundschaft material an die hand geben solltest um das was du ihnen beibringst auch zu hinterfragen
      was glaubwürdigkeit und reputation nat. auch gut tut

      ihnen wirklich empirisch beweisen das sich was verbessert is natürlich leichter gesagt als getan aber dennoch möglich

      wichtig dabei sollte sein das du dich von so "feel good" coaches unterscheidest die dem gecoachten nur ein gutes gefühl geben aber nix am eigentlich problem verbessern oder nur symptome verbessern

      und du solltest du leuten klarmachen was genau du eigentlich für sie tun kannst, nämlich ihnen nur die "tool" geben um sich damit selbst zu helfen
      und das dieser prozess step-by-step vorangeht
      und wahrscheinlich länger (auch über den coachingszeitraum) andauern wird

      offenheit für veränderung is dabei besonders wichtig
      jemand der sich nicht ändern will kannst du auch nicht helfen sich zu ändern

      ich glaub manche leute haben immer noch den eindruck man geht zu nem psychologen und der heilt einen dann iwie durch gesprächstherapie oder deckt verdrängte kindheitstraumata auf -.-
    • Shiyanying
      Shiyanying
      Bronze
      Dabei seit: 14.11.2011 Beiträge: 178
      Ich meine etwa Folgendes: Der Coach erklärt ein neues Konzept.


      Nur um die Wortklärung nochmal hier rein zu bringen :

      Ein Coach erklärt niemals ein neues Konzept, das wäre immer ein Trainer oder Berater.

      Ich schreib später nochmal nen Post, was Coaching eigentlich überhaupt ist, warum das meiste, was als Coaching angeboten wird, nichts mit Coaching zu tun, welche Erwartungshaltungen man an Inhalte eines Coachings und Erfolge stellen kann und sollte und vor allem inwiefern jemand für Coaching überhaupt qualifiziert ist.

      Vielen Dank für den ausführlichen Post! Zu deinem letzten Punkt: Meinst du mit Ausschweifen, dass der Coach noch lang und breit erklärt WARUM etwas funktionieren soll oder eher was anderes? Ich hatte z.B. die Idee durch einfache Erklärungen und ein oder zwei fMRT-Bilder verschiedene Sachverhalte erstmal zu erklären. Zum Beispiel wie eine irrationale Entscheidung gefällt wird und wir absolut nichts dagegen tun können, oder wie Tilt auf neurologischer Ebene entsteht und warum wir, wenn wir dann mal tilten, ihm eigentlich relativ hoffnungslos ausgeliefert sind. Ich denke das Verständnis über solche Sachverhalte ist schon der erste Schritt. Das würde z.B. Pokerspieler betreffen. Sportlern könnte man erklären wieso Nervosität immer dann aufkommt wenn man an den Start geht. Das nimmt der Person, finde ich, etwas Druck von den Schultern, weil sie dann weiß "das muss so geschehen, weil so unser Gehirn funktioniert" und nicht denkt "ich bin so eine Null, jetzt werd ich schon wieder nervös wenns drum geht." Wären solche durchaus wissenschaftliche Erläuterungen schon zu ausschweifend für dich? Das mit dem Weltbild kann ich auch etwas verstehen, als Psychologe verfällt man leicht dem Gedanken, dass man es ja besser wissen muss und Recht hat. Das ist auf jeden Fall etwas auf das ich achten will. Ein anderes Problem ist auch unzugänglichen Personen etwas klarmachen zu wollen. Wenn jemand hart tiltet sollte ich ihn in dem Moment einfach von den Tischen fern halten aber eben nichts über Neurotransmitter etc. erzählen, wie im Alltag auch wenn jemand raged. Auch Drogenabhängige sind kaum zugänglich wenn sie nicht selbst wollen, dass ihnen geholfen wird. Wenn man sich aufdrängt verbarrikadiert derjenige sich nur noch mehr, denke daher kommt auch der teilweise schlechte Ruf von Psychologen. Weil sie sich jemand aufdrängen mit ihrer Hilfe wenn derjenige keine Hilfe will.



      Ich würde vor allem empfehlen, eine ICF oder DBVC anerkannte Coaching Ausbildung zu machen und sich ins "Evidence Based Journal of Coaching and Mentoring" sowie ähnliche Magazine zu stürzen und mal richtig tief einzusteigen in die Materie.