Hallo Leute,

zieht Euch mal das hier rein: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32746771

Was mich nur wundert, ist die Tatsache, daß das erst heute diskutiert wird.

Dazu erst etwas Grundlegendes:

Ich habe vor über 20 Jahren mal ein Buch eines "Hardcore-Systematikers" gelesen:

Peter Ax: Systematik in der Biologie.

Dieser ist der Meinung, daß Begriffe wie "Familie", "Ordnung", sogar "Gattung" in der Systematik nichts verloren haben, weil sie - je nach Tiergruppe - eine unterschiedliche Wertigkeit haben und daher willkührlich sind.

Stattdessen schlug er damals vor, nur noch von "Taxa", bzw "Schwestertaxa" (Einzahl: "Taxon") zu sprechen.

Hintergrund ist der, daß neue Arten, bzw. besser Schwestertaxa zu bezeichnen, bereits entstehen können, sobald Teilpopulationen voneineander derart getrennt sind, daß sie sich genetisch nicht mehr mischen können, also genetisch unabhängig weiter entwickeln. Natürlich ist das ein fließender Prozeß. D.h., die Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle, nicht jedoch die genetische Verschiedenheit. So gibt es z.B. Vogelpopulationen, die - obwohl zur gleichen Art gehörig und den selben Lebensraum zumindest teilweise besiedelnd, genetisch völlig voneinander isoliert sein können. Der Grund liegt in unterschiedlichen Dialekten des Gesanges. Die Paarungspartner können sich nicht mehr miteiander paaren, weil sie sich nicht mehr verstehen können.
Andererseits ist die früher vertretene These, eine "Gute" Art ist dann eine "richtige" Art, wenn sie untereinander keine fruchtbaren Nachkommen zeugen können, auch nicht das Gelbe vom Ei. Dieser Punkt ist nach meinen letzten (zugegebenermaßen auch nicht mehr ganz frischen) Informationen auch nicht mehr uneingeschränkt gültig.

Durch Ax wird daher die Systematisierung einheitlicher und auch einfacher. Denn dadurch ist anhand der systematischen Zuordnung das Verwandschaftsverhältnis viel leicher ersichtlich. Weshalb ich seit damals auch seine Form der Systematik bevorzuge.

Um zu dem oben verlinkten Artikel zurückzukommen:

Nach der "Ax'schen" Systematik wäre der Stammbaum der "Menschenaffen" folgendermaßen zu deuten:

Die Orang Utans sind das (rezente) Schwestertaxon aller übrigen heute lebenden Menschenaffen einschließlich des Menschen. Also Gorillas, Schimpansen, Bonobos, Menschen.

Die Gorillas wiederum sind das Schwestertaxon der Schimpansen, Bonobos und Menschen, während wir Menschen das Schwestertaxon der heute lebenen Schimpansen und Bonobos sind.

So gesehen ist es nur ein logischer Schritt, dem auch in der Namensbezeichnung Rechnung zu tragen.

Ob die Ähnlichkeit zwischen Schimpansen und Bonobos und dem Menschen groß gernug für eine gemeinsame "Gattung" ist, kann ich nicht beurteilen, dazu sind meine Kenntnisse nicht annähernd ausreichend.

Allerdings spricht vieles dafür.

Hier im Forum können wir das Thema sicherlich nur philosophisch diskutieren, es sei denn, es lesen ein paar aktive Systmatiker hier mit.

Was ich allerdings bemerkenswert finde, ist die Tatsache, daß die genetsichen Unterschiede zwischen Mann und Frau größer sind als zwischen Mensch und Schimpanse. :coolface: