Coldcall auf Setvalue von PPs SH

    • Lesotho
      Lesotho
      Bronze
      Dabei seit: 08.02.2011 Beiträge: 428
      Also ich komme aus dem FR-Bereich, war Reg auf NL10. Im FR gilt bezüglich dem Coldcallen von PPs Preflop ja die Call-20 Regel, die man bedenkenlos anwenden kann.

      In SH-Games wird aber mehr geopenraist, das heißt V wird Postflop weniger oft eine gute Hand haben, von der man im Falle eines Hits Value extrahieren kann. In der Videoserie Let's play shorthanded von hasenbraten wird von einer Call-15 Regel gesprochen.

      - Kann man diese in SH-Games bedenklos anwenden, also ohne Berücksichtigung der Position, Stats der Gegner?

      - Wenn nicht, ist es logisch nur coldzucallen, wenn V eine tighte OR-Range hat (und somit den Flop öfter gut trifft)

      - Wenn nicht, wäre es ein guter Ansatz PPs nur in Position Coldzucallen, damit man auch wenn man nicht hittet, den Pot ab und zu mitnehmen kann?

      - Wäre es nicht generell schlauer PPs zu 3betten, denn so kann man im Falle eines Hits immer noch gut Value bekommen, aber dadurch, dass man die Initiative hat ist ja nicht mehr darauf angewiesen?
  • 2 Antworten
    • MiiWiin
      MiiWiin
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 01.03.2007 Beiträge: 64.784
      Original von Lesotho
      In der Videoserie Let's play shorthanded von hasenbraten wird von einer Call-15 Regel gesprochen.
      Kann ich zwar nichts zu sagen, aber die Call15-Regel gab es früher mal. Sie wurde auf Call20 erweitert um etwas Puffer zu schwachen. Jedes zweite Mal stackt man Villain halt mit SIcherheit nicht (mehr).

      Original von Lesotho
      - Kann man diese in SH-Games bedenklos anwenden, also ohne Berücksichtigung der Position, Stats der Gegner?
      Natürlich nicht. Du bist jetzt aktiv dabei und kannst dir deine Gedanken machen, da brauchst du nicht nach einer einfachen Regel zu spielen. Wenn du den groben Sinn dahinter verstanden hast (implieds), reicht es aus.

      In den Blinds bspw. ist es schwer auf Set Value zu callen, OOP und gegen eine womöglich weite Steal-Range ist das kaum profitabel.

      Die Frage ist auch, was du in den 7/8 Fällen machst, wo du nicht hittest. Dafür brauchst du auch einen Plan.

      Zudem wir im SH nicht mehr gelimpt, wenn du eine Hand hast dann raise sie. Limp/call kommt nicht mehr in Frage.

      Original von Lesotho
      - Wenn nicht, ist es logisch nur coldzucallen, wenn V eine tighte OR-Range hat (und somit den Flop öfter gut trifft)
      Das ist der richtige Ansatz. Da gibt viele Beispiele, early Raises sind gut,aber du musst auch schauen was hinter dir passiert. Sitzt du am Button kannst du sicherlich callen wenn da noch 1 oder 2 Fische in den Blinds sitzen. Sitzen da zwei aggro Squeezer wirds enger, dann siehst du halt eh seltener einen Flop...



      Original von Lesotho
      - Wenn nicht, wäre es ein guter Ansatz PPs nur in Position Coldzucallen, damit man auch wenn man nicht hittet, den Pot ab und zu mitnehmen kann?
      Du hast es doch verstanden. ;)

      Natürlich musst du OOP nicht immer folden, aber auch nicht jedes Mal callen. Neben tighter Range kann natürlich auch ein sehr schlechter Spieler für dich gut sein oder natürlich MW-Pots, sprich es gab schon mind. einen Coldcaller.


      Original von Lesotho
      - Wäre es nicht generell schlauer PPs zu 3betten, denn so kann man im Falle eines Hits immer noch gut Value bekommen, aber dadurch, dass man die Initiative hat ist ja nicht mehr darauf angewiesen?
      Auf nichts mehr angewiesen? Dir ist klar dass du in 7/8 Fällen Postflop quasi nichts hältst und nur von der reinen Foldequity lebst?

      Wenn du bspw. 44 3-betten möchtest, warum nicht lieber A2s, A4o oder 45s.

      Ax hat den Card Removal Effekt, mit 45s kannst du was passables hitten und semibluffen (gute Playability). Mit kleinen PPs hältst du halt Postflop meistens nichts, keine Outs (ok, zwei) und somit keine Equity oder Playability.
    • Lesotho
      Lesotho
      Bronze
      Dabei seit: 08.02.2011 Beiträge: 428
      Danke für deine ausführliche Antwort

      Ich fasse sie nochmal zusammen

      - Alle PPs können grundsätzlich aus allen Position geopenraist werden (UTG und eventuell auch MP würde ich jedoch 22-66 weglassen, wenn hinter mir besonders loose oder aggressive Spieler sitzen)

      - Falls vor mir geraist wird können ich nicht mehr einfach nur die Call-20 Regel anwenden, sondern muss es von verschiedenen Faktoren abhängig machen

      1. Habe ich genug Implieds? Implieds erhöhen sich, wenn der Openraiser eine tighte Range hat, oder wir beide besonders deep sind. Auch Multiwaypots erhöhen die Implied Odds, genauso wie schlechte Spieler

      2. Kann ich den Flop auch mitnehmen, wenn ich nicht hitte? Das bedeutet quasi iP ist es wesentlich besser zu callen, da man da mehr Möglichkeiten hat (Float etc.). OOP ist also nur sinnvoll PPs zu callen, wenn wir viele Imlied Odds (siehe 1.) haben

      - 3bets mit kleinen PPs sind nicht optimal, da man Postflop meistens ohne Hit dasteht uns somit keine Showdownvalue und keine Equtiy hat und gerade auf den Micros sollte man sich nicht darauf verlassen Villain aus dem Pot bluffen zu können


      Zu dem Punkt mit den 3bets habe ich allerdings noch eine Frage. Wie sieht es z.B. aus wenn wir im BB sitzen und ein 0815 Reg (sagen wir mal 22/20 mit 40% Stealwert und 75% Foldto3bet) raist aus dem SB und wir haben zum Beispiel 77. Ist hier eine 3bet nicht besser als nur der Coldcall?

      Argumente für einen Coldcall:

      - Wir bauen mit einer Hand, die nicht allzu gut ist Preflop keinen zu großen Pot auf

      - iP kann man den Pot auch so gut gewinnen, dazu braucht es kein überflüssig investiertes Geld mittels einer 3bet

      - PPs haben einfach keine gute Playability, Postflop leben wir ausschließlich von Fold Equity


      Argumente für eine 3bet:

      - Wir weiten unsere 3betting-Range aus und verhindern somit, dass sie polarisiert wird

      - Wir können wesentlich mehr Druck ausüben als durch einen Call, allein durch Aggression können wir viele Hände, gegen die wir sonst verlieren würden, gewinnen


      Irgendwie denke ich einfach, dass man da mit einer 3bet longterm mehr Gewinn rausschlagen kann, oder liege ich da falsch?

      Hier mal kurz ein praktisches Beispiel aus meiner heutigen Session:

      Hand converted with online PokerStrategy.com hand converter:

      Hand abspielen

      $0.02/$0.05 No-Limit Hold'em (6 handed)

      Known players:
      CO:
      $8.00
      BU:
      $3.30
      SB:
      $4.97
      BB (Hero):
      $5.00
      MP2:
      $5.00
      MP3:
      $5.20


      Preflop: Hero is BB with 9, 9.
      4 folds, SB raises to $0.15, Hero raises to $0.46, SB calls $0.31.

      Flop: ($0.92) Q, 8, 4 (2 players)
      SB checks, Hero bets $0.50, SB raises to $4.51, Hero folds, SB gets uncalled bet back.

      Final Pot: $1.42.

      V hat 54/33 auf 52 Hände gespielt mit einm 80% Foldto3bet Wert
      (Klar, keine SS, aber immerhin Tendenzen)

      Mir ist klar, dass 99 ein hohes PP ist, aber ich hätte das Gleiche hier mit 22-AA auch gemacht.

      V hatte einen 35% Stealwert. Mit einem Call bleibt noch so unglaublich viel in der Range, was mich einfach outfloppen kann, mit einer 3bet kann bring ich ihn halt dazu

      - Preflop viel zu folden (wenn ich den Flop hier mitnehme bin ich ziemlich glücklich)

      - Am Flop viel zu folden, da ich Stärke zeige und er oop nicht wirklich spielen kann


      Unabhängig davon, wie jetzt die Hand ausgegangen ist, ist es ein Leak dieses Play mit Any PocketPair zu machen?